Schweizer Volksbegehren zur Laufzeitverkürzung von AKW abgelehnt

Die Kernreaktoren in der Schweiz liegen nah an den Grenzen, zum Teil nur wenige Kilometer entfernt
Die Kernreaktoren in der Schweiz liegen nah an den Grenzen, zum Teil nur wenige Kilometer entfernt

Am 27.11.2016 hat eine deutliche Mehrheit der Schweizer ein von den Grünen initiiertes Volksbegehren abgelehnt, welches die Laufzeit der Schweizer Atomkraftwerke auf 45 Jahre begrenzen sollte.

Bisher hatte die Schweizer Regierung nach Fukushima zwar einen Atomausstieg beschlossen, ihn aber ohne Datum belegt. Dieser unbestimmten Laufzeit hat die Schweizer Bevölkerung nun zugestimmt.

Da die Schweizer Kraftwerke nah an den Grenzen liegen, zum Teil nur wenige Kilometer entfernt, sei dies ein Sicherheitsproblem auch für Deutschland und die anderen Nachbarländer, sagt Hans-Josef Fell, Präsident der Energy Watch Group (EWG) und Autor des EEG-Gesetzentwurfes.

„Die Argumente der AKW-Befürworter sind immer die gleichen, die bei einer näheren Betrachtung keiner tiefer gehenden Faktenanalyse standhalten“, sagt Fell. So hätten sie vor gewaltigen Schadensersatzkosten der Betreiber gewarnt. „Dabei ist der Schweizer AKW Betreiber Alpiq längst in roten Zahlen. Erst kürzlich wollte er seine Kraftwerke für einen Euro an den französischen Atomkonzern EDF verkaufen. Doch EDF winkte ab, was wohl heißt, dass sie keine Finanzruinen haben wollen.“

Wieso dann Alpiq hohen Schadensersatz einfordern könnte, wenn die AKW sowieso unrentabel sind und nur noch Verluste schreiben, ist für Fell völlig unerklärlich.

 

Schweizer haben die Möglichkeit, erneuerbaren Energien schnell auszubauen

Es wurde behauptet, wenn die Schweizer nun schnell abschalten, dann müssten sie deutschen Strom zukaufen. „Eine kuriose Furcht, denn dann bekämen sie billigen Ökostrom. Dabei haben doch die Schweizer selbst auch die Möglichkeit, erneuerbaren Energien schnell auszubauen, und müssten dann gar nicht erst Strom zukaufen“, betont Fell.

„Aber es ist, wie es sich zunehmend in politischen Entscheidungen zeigt: Fakten und Wahrheiten spielen keine Rolle, sondern nur noch Meinungen, die oft keinen Faktenhintergrund haben. Eine sehr bedenkliche Entwicklung nicht nur für den Atomstandort Schweiz, sondern für die Demokratie insgesamt.“

Ob die AKW in der Schweiz noch lange laufen werden, ist ohnehin fraglich. Da erneuerbare Energien immer billiger werden, kommen auch Bestandsanlagen immer mehr unter ökonomischen Druck. „So geschieht es gerade in den USA, wo immer mehr AKW abgeschaltet werden, weil sie wie die Schweizer AKW von Alpiq nur noch Verluste schreiben“, so Fell.

 

29.11.2016 | Quelle: Hans-Josef Fell; Bild: Wikipedia | solarserver.de © Heindl Server GmbH

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