SOVENTIX-Geschäftsführer Thorsten Preugschas: Die Solar-Industrie muss von der Politik unabhängiger werden

Thorsten Preugschas
Thorsten Preugschas

Die Rahmenbedingungen für Photovoltaik-Projektentwickler werden in Deutschland immer schwieriger. Viele Unternehmen können mit den steigenden Anforderungen kaum noch Schritt halten und suchen den Weg ins Ausland.

Für Thorsten Preugschas, Geschäftsführer der Soventix GmbH, ist diese Entwicklung eine logische Konsequenz aus den politischen Entscheidungen in Europa in den letzten Jahren. Seine Forderung: Die Solarindustrie muss sich von der Politik weiter emanzipieren. Für Projektentwickler böten sich in ausländischen Märkten attraktive Chancen.

 

Herr Preugschas, wie kommt ein Projektentwickler aus Wesel dazu, das größte Photovoltaik-Kraftwerk in der Karibik zu errichten?

Preugschas: Soventix ist ein internationaler Projektentwickler von Solaranlagen. Wir haben uns bereits früh auf den internationalen Markt konzentriert. Genauer gesagt auf Länder mit hohen Energiekosten und vielen Sonnenstunden. In der Dominikanischen Republik gibt es beispielsweise etwa 320 Sonnentage im Jahr. Da kann Deutschland einfach nicht mithalten.

Hinzu kommt, dass in der Dominikanischen Republik die starke Abhängigkeit von Brennstoff-Importen und ein schwaches Netz zu hohen Strompreisen geführt haben. Die Konkurrenz von konventionellen Energieträgern ist also nicht so stark wie in Europa. Fotovoltaik ist daher für die Regierung ein wichtiger Schlüssel, um den Zugang zu Elektrizität zu erweitern und die aktuell hohen Kosten der Energieimporte zu reduzieren. Wir haben die Chance bereits früh erkannt und gemeinsam mit unseren internationalen Partnern nun erfolgreich genutzt.

 

Aber wäre es für Sie nicht naheliegender und effizienter gewesen, Solar-Parks in Deutschland zu bauen?

Das Geschäft in Deutschland und Europa ist in den letzten Jahren sehr viel schwieriger geworden. Das betrifft nicht nur die drastische Reduktion der staatlichen Förderung, die ich zwar grundsätzlich für richtig halte, die Branche aber in ihrer Geschwindigkeit schlichtweg überfordert hat. Das betrifft ebenso politische Hürden, die für uns hier die Produktion von Solarstrom sehr viel teurer machen, als in anderen Ländern. Da sind zum einen die Einfuhrzölle für qualitativ hochwertige und günstige Solarmodule aus China.

Wie kann es sein, dass Solaranlagen, die eigentlich über das EEG gefördert werden sollten, jetzt eine EEG-Abgabe zahlen müssen, die Schwerindustrie, die viel Strom verbraucht, aber davon befreit ist? Das ist für mich Schildbürgertum erster Güte. Für uns gibt es nur eine logische Konsequenz: Wir müssen uns von der Politik emanzipieren und selbst nach Lösungen suchen. Das bedeutet für uns den Weg ins Ausland.

 

Was müsste sich denn in Deutschland und Europa ändern, um die hiesigen Märkte wieder interessanter zu machen?

Wir haben alle gemerkt, dass eine dauerhaft hohe Subventionierung von Solarstrom nur schwer vermittelbar ist. Nach der deutlichen Reduktion der EEG-Umlage haben viele Solar-Unternehmen Probleme bekommen, weil die Solartechnik einfach noch nicht soweit war, dass Solarstrom mit konventionellen Energieträgern konkurrieren konnte. In den letzten Jahren hat sich das aber zunehmend geändert. Solarmodule sind deutlich leistungsfähiger und günstiger geworden. Aber diesen Kostenvorteil können wir in Deutschland nicht nutzen.

Wie sollen wir kostengünstig Solarparks errichten, wenn in Europa durch die Mindestpreise einen Aufschlag von rund 20 Prozent auf den Weltmarktpreis für ein gutes Solarmodul aus Asien gezahlt werden muss? Diese Mehrkosten machen das Gesamtprojekt um etwa 10 bis 13 Prozent teurer. Das ist falsch verstandener Protektionismus für die hiesige Industrie. Ich habe den großen Wunsch, dass sich dies ändert. Wir müssen alle unseren Teil dazu beitragen, dass Solarstrom günstiger wird. So bleibt uns nur der Weg in Märkte, die aufgrund ihrer geografischen Begebenheiten exzellente Voraussetzungen für Solarstrom haben. Heute tätigen wir mehr als 95 Prozent unserer Geschäfte im Ausland.

 

Bitte beschreiben Sie uns kurz Ihr Bauprojekt in der Karibik.

Es handelt sich um das bislang größte Projekt der Unternehmensgeschichte. Der Solarpark befindet sich in der Dominikanischen Republik, nördlich der Landeshauptstadt Santo Domingo. Wir haben in nur wenigen Monaten auf einer Fläche von etwa 65 Fußballfeldern rund 132.000 Solarmodule und 1.000 Wechselrichter installiert. Der Solarpark wird etwa 50.470 Megawattstunden Strom pro Jahr produzieren und damit rund 40.000 Einwohner mit günstigen und umweltfreundlichen Solarstrom versorgen.

Das Großprojekt ist ein überwältigender Erfolg und ein großer Schritt für die Region. Das zeigt sich schon daran, dass der Staatspräsident Danilo Medina Sánchez unser Gast bei der Einweihung war. Wir wollen daher den Solarpark um einen zweiten Bauabschnitt ergänzen und damit seine Leistung verdoppeln.

 

Planen Sie weitere Projekte in einer ähnlichen Größenordnung? Was sind ihre Pläne mit SOVENTIX?

Wir ruhen uns nicht auf unseren Erfolgen aus und wollen unseren internationalen Wachstumskurs weiter fortsetzen. Wir planen eine Ausweitung des Projekts in der Dominikanischen Republik. Darüber hinaus haben wir aktuell Projekte mit einer Größenordnung von rund 1,3 Gigawatt peak in der Pipeline, u. a. in Südafrika, Chile und den USA. Davon werden aktuell Solarkraftwerke in einer Größenordnung von 130 MWp realisiert. Damit zählen wir zu den führenden deutschen international agierenden Projektentwicklern für Solarkraftwerke. Wir wollen diese Position festigen und weiter ausbauen.