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Photovoltaik-Großprojekte in Indien: Solar-Boom bringt das Land im weltweiten Photovoltaik-Markt nach vorne

Die indischen Einspeisevergütungen für Solarstrom sind Teil mehrerer nationaler und bundesstaatlicher Förderprogramme. Durch die Nationale Solar-Mission (National Solar Mission, NSM) und die Solar-Politik des Staates Gujarat (Gujarat Solar Policy) stieg die installierte Photovoltaik-Leistung von 22 Megawatt (MW) im Januar 2011 auf 974.56 MW im Mai 2012. Dieser schnelle Zubau hat Indien im weltweiten Photovoltaik-Markt ganz nach vorne gebracht.

Im aktuellen Solar-Report wirft Gastautor Mohit Anand, Senior-Berater bei BRIDGE TO INDIA, einen genauen Blick auf die Marktentwicklungen und -chancen in Indien.

PV-Kraftwerk in Gujarat. Aug den Bundesstaat entfallen rund zwei Drittel der indischen Solar-Kapazität.
Am 23.04.2012 weihten Vertreter des Bundesstaates ein Photovoltaik-Kraftwerk mit einem Megawatt Nennleistung ein, das auf einem Kanal gebaut wurde.

Photovoltaik-Projekte mit 285 MW kürzlich in Karnataka, Orissa und Madhya Pradesh genehmigt

Die NSM vergibt Projekte im Zuge einer „umgekehrten“ Ausschreibung, um auf diese Weise Anlagen mit den geringsten Stromkosten zu unterstützen. Alle staatlichen Förderprogramme, ausgenommen die von Gujarat, folgen einem derartigen Mechanismus. In Gujarat setzt ein Ausschuss der Regierung eine feste Einspeisevergütung auf Basis eines technischen und finanziellen Gutachtens der Projektentwickler fest. Kürzlich wurden im Staat Karnataka PV-Anlagen mit 60 MW vergeben, in Orissa 25 MW und in Madhya Pradesh 200 MW.

In Rajasthan werden 400 MW Photovoltaik-Leistung installiert

Ein weiterer Bundesstaat, der zurzeit Photovoltaik-Projekte vergibt, ist Rajasthan in Westindien. Der Staat könnte künftig die höchste installierte Photovoltaik-Leistung in Indien erreichen, da dort im Rahmen der NSM die meisten Projekte vergeben wurden. Von insgesamt 485 MW PV-Leistung, für die in Phase eins Strombezugsvereinbarungen (Power Purchase Agreements, PPAs) abgeschlossen wurden, werden 400 MW in Rajasthan errichtet.

 

Der Markt sorgt für größere Photovoltaik-Kraftwerke

Mit der umgekehrten Ausschreibung erhalten diejenigen Projektentwickler den Zuschlag, die am weitesten unter einem von der indischen Regulierungsbehörde festgelegten Bezugs-Strompreis liegen. Die Vergabe unterliegt einem starken Wettbewerb. Es gehen wesentlich mehr Projektanträge ein, als genehmigt werden können.

Ein Beispiel aus Gruppe zwei der ersten Phase der NSM: Hier gingen Anträge für Anlagen mit insgesamt 1.905 MW ein, es wurden aber nur 350 MW vergeben. Durch die enorme Konkurrenz sinkt der Strompreis mit dieser Form der Vergabe stark. Die Preise gingen dadurch in Odisha (früher Orissa) auf 0,10 Euro pro Kilowattstunde (kWh) zurück. Sinken sie weiter, machen die Entwickler keine Gewinne mehr, und die Projekte lohnen sich nicht mehr. Das gilt besonders für kleinere Anlagen. Die einzige Wahl, die die Entwickler haben, ist, Großanlagen zu bauen, um die Kosten pro installiertem Megawatt Nennleistung zu senken.

Grafik 1: Die Durchschnittsgröße indischer Photovoltaik-Projekte hat sich seit 2010 fast verdreifacht
Grafik 1: Die Durchschnittsgröße indischer Photovoltaik-Projekte hat sich seit 2010 fast verdreifacht

Unerfahrene Projektentwickler unterschätzen Risiken und Schwierigkeiten

Viele unerfahrene Projektentwickler, die kein langfristiges Interesse an der Solarstrom-Erzeugung haben, sind in den Markt eingestiegen, weil sich die Gelegenheit dazu ergab. Sie wollen von der beschleunigten Abschreibung und den Steuervorteilen profitieren, die die Regierung für Solar-Projekte gewährt. Die meisten von ihnen haben keine Erfahrung mit der solaren Projektentwicklung und unterschätzen die damit verbundenen Risiken und Herausforderungen. Sie bauen lieber kleine Anlagen, um ihre Risiken zu minimieren, machen aber aggressiv niedrige Angebote. Auf diese Weise erhalten sie den Zuschlag für eine geringe installierte Leistung zu unrentablen Preisen.

Viele von ihnen konnten ihre Finanzierung nicht abschließen und mussten aufgrund der Verzögerung hohe Strafen zahlen. Das veranlasste die Entscheider dazu, die Anlagengröße in der Ausschreibung zu erhöhen (s. Grafik 1). So stieg die geforderte Nennleistung für Projekte in Phase zwei der NSM auf 20 MW; in Phase eins lag sie noch bei 5 MW. Jeder Entwickler konnte sich nun für bis zu insgesamt 50 MW bewerben; in Phase eins waren nur maximal 5 MW möglich. Außerdem hat Odisha fünf Anlagen mit je 5 MW genehmigt. Der Bewerber mit dem günstigsten Angebot hat die Chance, die ganzen 25 MW zu entwickeln. Der Staat Madhya Pradesh hat keine Obergrenze für die Anlagengröße festgelegt.

 

Strompreis-Gebote beruhen auf Spekulationen über die Komponentenpreise

Was die Umsetzung betrifft, liegen zwischen der Bewerbung und dem Kauf der Komponenten für die Photovoltaik-Anlage sechs bis zehn Monate. Daher beruht die Entscheidung für einen bestimmten Strompreis auf Spekulationen über die Komponentenpreise. Sie muss auch die künftig zu erwartenden Modulpreise berücksichtigen. Das schafft bei den Entwicklern eine große Unsicherheit. Üblicherweise kann ein Entwickler eines größeren PV-Kraftwerks zum Zeitpunkt seines Gebots bereits Richtkosten für die Module sowie die übrigen Komponenten ansetzen. Da es sich dabei um eine größere Leistung handelt, kann er die Projektgröße so anpassen, dass er die Komponenten zu den ursprünglich angesetzten Kosten von den Anbietern erhält. Bei kleineren Anlagen könnte das Spekulationsrisiko nicht auf diese Weise abgefangen werden.

Teilansicht des Gujarat-Solarparks, der im Endausbau eine Gesamtleistung von 600 MW erreichen soll.
Dr. Farooq Abdullah, indischer Minister für Neue und Erneuerbare Energien

Indische Banken erreichen ihre Kreditobergrenze

Das Hauptproblem bei der Photovoltaik-Projektentwicklung in Indien ist die Projektfinanzierung. Auf der Kostenseite liegen die Zinsen bei 13-14 %, was die Gewinnmargen im Wettbewerbsumfeld enorm senkt. Außerdem zögern indische Banken noch, Kredite für Solar-Projekte zu vergeben. Hauptgrund ist, dass Solar-Kredite in Indien zum Stromsektor gehören und Banken hier ihre Kreditobergrenzen erreichen. Daher wurden viele Projekte verschoben oder gar gestrichen, weil sie nicht finanziert werden konnten. Dies hat Projektentwickler dazu veranlasst, sich um internationale Finanzierungen zu bemühen. Der effektive Zins für internationale Finanzierungen mit Wechselkurssicherung liegt zwei bis drei Prozentpunkte unter den Zinssätzen in Indien.

Zu den internationale Finanzierungsquellen für indische Solar-Projekte gehören unter anderem die US Export Import Bank (EXIM), die deutsche KfW-Bankengruppe, die Asian Development Bank (ADB) und die Overseas Private Investment Corporation (OPIC). Die meisten internationalen Geldgeber finanzieren jedoch nur Anlagen über 10 MW, da bei kleineren Projekten die Transaktionskosten für solche Banken unverhältnismäßig hoch sind.

 

Photovoltaik-Großanlagen werden sich durchsetzen

In der ersten Ausschreibungsrunde (Gruppe eins von Phase eins der NSM und die Gujarat Solar Policy) gingen rund 56 % der Zuschläge an unerfahrene, nicht-strategische Projektentwickler. Bei der jüngsten Runde (Gruppe zwei von Phase eins der NSM sowie Vergaben in Madhya Pradesh, Karnataka und Odisha) sank deren Anteil auf 24 %. Langfristig werden diese Entwickler bei dieser Vergabeart kaum zum Zug kommen. Der Markt wird eher von großen, erfahreneren Entwicklern beherrscht werden.

In etablierten Solar-Märkten gibt es kaum noch Möglichkeiten, Photovoltaik-Großkraftwerke zu bauen. Selbst die jüngsten Märkte wie Japan, Südamerika und die Balkanregion setzen auf dezentrale Stromerzeugung. Indien ist eines der wenige Länder, die sich für Großprojekte eignen. Daher bietet das Land ideale Investitionsbedingungen für Anleger und Projektentwickler, die an Großkraftwerken interessiert sind.

Über den Autor:

Mohit Anand ist verantwortlich für das „Market Intelligence“-Team bei BRIDGE TO INDIA und hat große Erfahrung bei der Analyse des indischen Solar-Marktes. Mit seinem Team entwickelt er Produkte wie den INDIA SOLAR NAVIGATOR.

Er entwickelt auch Geschäftsmöglichkeiten im Solar-Sektor und berät internationale Solar-Unternehmen zum strategischen Markteintritt. Anand schreibt regelmäßig für verschiedene Publikationen über Solarstrom in Indien. Kontakt: mohit.anand@bridgetoindia.com