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Soventix-Geschäftsführer Thorsten Preugschas: Explosion in Flamanville verdeutlicht enorme Sicherheitsrisiken von AKWs

Thorsten Preugschas
Thorsten Preugschas

Thorsten Preugschas, Geschäftsführer der Soventix GmbH, einem international tätigen Photovoltaik-Projektentwickler, bezieht in diesem Standpunkt Stellung zum Zwischenfall im nordfranzösischen Atomkraftwerk Flamanville.

Die Bedenken über die dünne Sicherheitsarchitektur französischer Atomkraftwerke sei berechtigt, sagt Preugschas. Bei der Kritik bleibe jedoch oft unberücksichtigt, dass die Risiken der Atomenergie nicht vor Ländergrenzen haltmachen. „Es handelt sich um ein europäisches Problem. Und dieses verlangt nach einem konsequenten Europäischen Handeln.“

In Europa träumt die Atomlobby nach wie vor von einer Renaissance der Atomkraft. Und in der Tat hat sie in den letzten Monaten beachtliche Erfolge erzielt. Ende letzten Jahres gab Großbritannien bekannt, dass neue Atomreaktoren gebaut werden sollen. Nahezu zeitgleich scheiterten die Grünen in der Schweiz mit einem Volksbegehren zum zügigen Ausstieg aus der Atomenergie. In dieses Bild passen auch viele Medienberichte, die auf die hohen Kosten der Energiewende hinweisen und Atomenergie als vermeintlich günstige Energieform positionieren.

Mit den zahlreichen Zwischenfällen der letzten Monate von Atommeilern in Europa stehen der Atomenergie jedoch stürmische Zeiten bevor. Jüngst ist in einer Maschinenhalle im nordfranzösischen Atomkraftwerk Flamanville ein Feuer ausgebrochen, das anschließend zu einer Explosion geführt hat. Der Bundestagsabgeordnete Marco Bülow erklärte hierzu: „Der heutige Vorfall im französischen AKW Flamanville zeigt erneut, dass Technik und Menschen in Atomkraftwerken nicht perfekt funktionieren und Unfälle – ob im nuklearen oder nichtnuklearen Teil – jederzeit möglich sind.“ Er hat recht. Wir müssen endlich aufhören diese veraltete, gefährliche und kostspielige Technologie zu hofieren. Ihre Risiken sind unbeherrschbar und ihre verheerenden Auswirkungen sind uns durch Fukushima noch allgegenwärtig.

Es reicht nicht allein in Deutschland in den nächsten fünf bis sechs Jahren die restlichen AKWs dauerhaft abzuschalten. Die Gefahr lauert auch an Deutschlands Grenzen und bedroht Millionen von Menschen. In Belgien, Frankreich, Tschechien und der Schweiz stehen alte Schrottmeiler direkt an der deutschen Grenze. Frankreich und Belgien mussten in letzter Zeit immer wieder einen beträchtlichen Teil ihrer nuklearen Energieerzeuger herunterfahren, weil es Pannen und Unregelmäßigkeiten gab. Diese werden in Zukunft nicht weniger, sondern mehr werden. Daher wird es immer dringlicher, sich besonders für ein Abschalten dieser grenznahen Reaktoren einzusetzen.

Quelle: Soventix GmbH