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Pfarrer Ipolt hingegen, Gastgeber an diesem Abend und standesgemäß in schwarzer Soutane, ist mehr ein Mann der leisen Worte. Schon 1985 habe die Deutsche Bischofskonferenz dazu
aufgerufen, dass auch die Kirchengemeinden einen Beitrag zur Erhaltung der Lebens-grundlagen leisten - und zwar in unserem Land und nicht irgendwo, betonte er in seiner Ansprache. Im
Eichsfeld werde dies getan, mit "unscheinbar kleinen Anfängen" wie der Solarstromanlage auf der Burgwalder Kirche und dem gerade sanierten Pfarrhaus. "Etwas Neues machen", darauf käme es
an, und vor allen Dingen "so handeln, dass die nachfolgenden Generationen auch noch leben können."
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Die Schöpfung bewahren
So unterschiedlich die beiden auch sein mögen - der eine reist als Journalist und Autor um die Welt und übt gern öffentlich Kritik an den heutigen Kirchen, der andere wirkt lokal in
seinen vier Gemeinden und ist katholischer Pfarrer mit Leib und Seele - eines verbindet sie auf jeden Fall: der Wille, durch das Engagement für die erneuerbaren Energien einen Beitrag
zur Bewahrung der Schöpfung zu leisten.
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"Wer die Schöpfung lieben gelernt hat, will sie bewahren", sagt Franz Alt. Und Pfarrer Ipolt zitiert aus der Bibel: "Gebraucht die Erde, aber beutet sie nicht aus."
Solarmodul im Pfarrgarten demonstriert den Inselbetrieb von Photovoltaikanlagen und liefert Strom für Licht und Brunnen.
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Franz Alt und Michael Ipolt haben ihre Gründe, und diese haben auch die zahlreichen anderen Verfechter der Energiewende, die sich in diesem Sommer an der Aktion WÄRME VON DER
SONNE beteiligen. Ipolt ist Koordinator einer von 30 Solarinitiativen, die in der bundesweiten Solarwärme-Kampagne des Bundesverbands Solarindustrie (BSi) und des
Bundesumweltministeriums (BMU) mitwirken.
Ein Kaleidoskop der Solar-Akteure
Hinter dem Wort "Solarinitiative", das spontan an rein ehrenamtlich tätige Solarvereine denken lässt, verbergen sich Aktionsbündnisse, welche die ganze Bandbreite der Solartechnik
widerspiegeln. Da gibt es Heizungsbauer und Solarfirmen, Dachdecker, Innungen, Lehrer, Schüler, Bürgermeister, Landräte, Energieagenturen, Banken, Architekten, Stadtwerke und
viele mehr. Den Auslöser für das gemeinsame Engagement aber haben häufig ehrenamtlich Tätige gegeben, die mit gleich Gesinnten Solar- und Umweltvereine gegründet haben.
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Ob Handwerker, Wissenschaftler, Landschaftsarchitekt, Immobilienmakler oder Ingenieur: In den rund 640 Solarinitiativen in Deutschland (www.regiosolar.de) finden
sich die unterschiedlichsten Menschen und Motivationen.
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"Ich mach' das für meine Kinder." - "Den Solarvirus habe ich mir während des Studiums eingefangen." - "Ich war beeindruckt, wie junge Menschen sich für so eine gute Sache
engagieren." - "Wenn man von einer Idee überzeugt ist, gibt es kein Zurück mehr", so nur einige Stimmen.
Stellvertretend für die vielen Aktiven, die seit Jahren und Jahrzehnten in Vorträgen und auf Schulungen, auf Solarfesten, Exkursionen und in anderen Veranstaltungen über die
erneuerbaren Energien informieren, seien hier drei vorgestellt: Pfarrer Ipolt aus Thüringen, Dr. Stephan Bakan vom Klimaschutzfonds Wedel bei Hamburg und Paul Frener aus
Kirchzarten im Hochschwarzwald.
"Schwerter zu Pflugscharren" treibt Blüten
Für Michael Ipolt war die Bewegung "Schwerter zu Pflugscharren" der Auslöser. "Wie können wir Frieden bewahren mit der Natur und den Menschen", erinnert er sich an die zentrale
Frage des ökumenischen Prozesses, der sich in den achtziger Jahren von Gemeinden aus über ganz Deutschland und Europa erstreckte. "In der DDR ging es ja nicht öffentlich, aber im
Kirchenumfeld haben wir uns damit beschäftigt", sagt Ipolt. Umweltgruppen seien der damaligen Staatsführung ein Dorn im Auge gewesen, was ihn aber nicht davon abgehalten habe, mit
einem aufgenähten Sticker seine Gesinnung zu zeigen.
Als die Wende dann kam, habe er sich da "richtig reingehängt". Seit neun Jahren - nach Stationen in Jena, Dingelstädt und Erfurt - betreut der 47-Jährige nun vier Gemeinden im
Eichsfeld im ehemaligen Sperrgebiet an der Grenze zu Niedersachsen und Hessen.
Solare Pilotprojekte in Thüringen
"Als in Burgwalde die Kirche neu eingedeckt werden musste, hat der alte Gedanke wieder Blüten getrieben". Und so kam es, dass Ipolt mit Fördergeldern aus dem Programm der
Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) für Kirchendächer im Jahr 2000 auf der Burgwalder Kirche eine Photovoltaikanlage mit 5,4 kWp Spitzenleistung bauen ließ. In Thüringen ist St.
Georg noch heute die einzige Kirche, die mit ihren 300 Jahren die denkmalpflegerische Erlaubnis bekam, die Sonne anzuzapfen. Doch damit nicht genug. Als die Heizungsanlage im
Pfarrkindergarten des 270 Seelendorfes Burgwalde ausgetauscht werden musste, konnte Ipolt den Kirchenvorstand für eine kombinierte Solar- und Holzpelletsheizung gewinnen. Dafür
bekam die Gemeinde Fördergelder des Thüringer Ministeriums für Wirtschaft in Erfurt. Denn eines ist dem ebenso gläubigen wie realistischen Menschen Ipolt klar: "Das Ganze will
auch finanziert werden."
"Das ist gut, dass Ihr was macht"
Auf den Kindergarten folgte die Sanierung des Pfarrhauses, bei dem die Wärmedämmung im Mittelpunkt stand. Das Konzept hierfür entwickelte Architekt Matthias Rüppel, den Ipolt mit
seinem Solarengagement angesteckt hat. Neben mehreren Handwerksbetrieben gehört er zu dem lokalen "Wärme von der Sonne"-Team. Seit April, insbesondere aber zur 950-Jahr-Feier der
Ortschaft Rohrberg im Juli, haben sie zahlreiche Solarwärme-Veranstaltungen durchgeführt. "Das ist gut, dass Ihr was macht", hört Ipolt häufiger und freut sich, dass bereits
mehrere Anlagen geplant werden. Er selbst hat gerade die erste nachgeführte Photovoltaikanlage in der Region eingeweiht. In der idyllischen Gartenanlage hinter dem Pfarrhaus
demonstriert das Sonnensegel mit 1,2 kW Leistung nun den Inselbetrieb von Photovoltaikanlagen und liefert Strom für Licht und Brunnen.
Mehr-Parteien-Bündnis im Wedeler Klimaschutzfonds
Rund 300 Kilometer weiter, in Wedel an der Elbe, ist Dr. Stephan Bakan vom Klimaschutzfonds e.V. aktiv. Als nördlichste der 30 Solarinitiativen hat sein Verein die Aktion "Wärme
von der Sonne" nach Schleswig-Holstein geholt. 1996 wurde dieser mit dem Ziel gegründet, "die Notwendigkeit der erneuerbaren Energien und deren Nutzung in das Bewusststein der
Wedeler Bevölkerung zu bringen".
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Zu ihren Erfolgen zählen eine Solarstromanlage auf dem Rathaus, Solarbaukästen für den Physikunterricht, eine Klimaschutz-Leseecke in der Stadtbücherei und ein privates
Förderprogramm. Seit 2003 ist der gebürtige Österreicher Bakan, der am Max-Planck-Institut für Klimaforschung tätig ist, 1. Vorsitzender des Vereins, Dr. Hartwig Ihlenfeld sein
Stellvertreter und Michael Kissig Schatzmeister.
Klimaschützer Bakan, Ihlenfeld: Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg.
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Gemeinsam bilden sie ein "Vier-Parteien-Bündnis" aus SPD, Grünen, CDU und FDP."Wir haben schnell geguckt, wo wir miteinander können und uns darauf konzentriert", lobt der 54-jährige
Bakan die gute Zusammenarbeit.
Für ihn selbst steht fest: "Wenn uns wissenschaftliche Aussagen bestätigen, dass der Mensch das Klima so verändert, dass es katastrophale Auswirkungen hat, dann müssen wir auf
allen Ebenen etwas tun, auch im privaten Umfeld." Sein Freizeit-Engagement betrachtet der Diplom-Physiker als moralische Verpflichtung: "Viele können nicht. Aber die, die laufen
können, müssen laufen."
Dolmetschen für die Sonne im Schwarzwald
Im Süden der Republik hat Paul Frener die Kampagne in das Dreisamtal im Hochschwarzwald geholt. "Umweltschutz war schon immer meine Motivation, seit ich zurückdenken kann", sagt
der 56-Jährige und erinnert an die vielen Aktiven im Freiburger Raum. Renommierte Einrichtungen wie das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme seien daraus entstanden.
Ihm selbst ist vor vielen Jahren eine Kommunikationslücke aufgefallen. "Ich war damals auf dem Bau tätig und habe festgestellt: Da gibt es die, die sich damit beschäftigen und
wunderbare Pläne haben. Und dann gibt es die, die bauen. Dazwischen herrschte Totenstille." Diese wollte er beseitigen und vermittelt seit nunmehr 30 Jahren als "Dolmetscher" für
die Sonne zwischen beiden Parteien.
Als "motivierende Beratung und sehr umsetzungsorientiert" bezeichnet der gelernte Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechniker die Öffentlichkeitsarbeit, die er und seine Mitstreiter
betreiben. 1991 gründete er den Förderverein für Energiesparen und Solarenergie-Nutzung mit heute 70 Mitgliedern. Außerdem rief er die Zeitschrift "Die SolarRegion" ins Leben, die
heutige Mitgliederzeitschrift des fesa e.V. Daneben ist er laufend in Beratungen und Vorträgen aktiv.
"Der Infobedarf ist immer noch da", weiß Paul Frener und freut sich über die großen Fortschritte, die in der Zwischenzeit erzielt wurden.
Detaillierte Informationen über die 30 Initiativen sowie Arbeitsmaterialien gibt es unter www.waerme-von-der-sonne.de. Zur 2.
RegioSolar-Bundeskonferenz am 4./5. November in Fürstenfeldbruck bei München sind alle Akteure und Interessierten herzlich eingeladen (www.regiosolar.de).
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