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3.3 Kettenhub
Abb. 4 zeigt ein Kettenförderband, das an einer Steilwand (z.B. in einem
Steinbruch, Bergwerksschacht) errichtet wird. Die Lagerplätze am unteren und oberen Ende des Kettenhubs sind horizontal ausgebildet und mit Schienen belegt. Sie können aus einer
oder mehreren Ebenen bestehen. Die Gewichte sind als Zylinder ausgebildet, die auf den Schienen mit geringem Energieaufwand horizontal gerollt werden können.
Übergabevorrichtungen auf jeder Ebene hängen die Gewichte in den Kettenhub ein oder rollen die Gewichte vom Kettenhub herunter auf den Lagerplatz.
Abb. 4: Hubspeicher mit Kettenhub
(1 Kettenzug, 6,7 unterer und oberer Speicherplatz,
8 Gewicht als Zylinder ausgebildet, 10 Übergabevorrichtungen,
11 Gelände mit Steilwand, 12 Hubhöhe)
Die Gewichte können z.B. aus Stahlrohren gefertigt werden, die mit Schwerbeton ausgefüllt sind. Damit lässt sich ein spezifisches Gewicht von ca. 4t/m3 erreichen. Ein
Zylinder mit einem Durchmesser von 4 m und einer Länge von 7 m wiegt wiederum 360 t. Auf einer Schienenlänge von 200m können 50 Gewichte gelagert werden. Bei einem Hub von 100 m
enthält der Speicher eine potentielle Energie von 5MWh.
Hubspeicher mit Kettenhub können ohne Verholzeiten kontinuierlich betrieben werden. Wahlweise können die Gewichte auch quaderförmig ausgebildet sein und auf Rollenbahnen oder
Rädern energiearm horizontal bewegt werden.
3.4 Zahnradhub
Hubspeicher mit Zahnradhub werden zwischen hohen Wänden
errichtet. Der Masseträger ruht auf einem Hubwagen, der durch Elektromotoren/Generatoren angetrieben an Zahnschienen aufwärts und abwärts fährt. Ein Gewicht von 360 t speichert in
einem Bergwerksschacht von 1.000 m Tiefe eine potentielle Energie von 1 MWh.
Hubspeicher mit Zahnradhub haben den Vorteil, dass mehrere Hubwagen übereinander angeordnet werden können. Werden z.B. 10 Hubwagen in den Bergwerkschacht eingesetzt,
entsteht ein Speicher mit einem Inhalt von 10 MWh. Je nach Leistungsanforderung können die Hubwagen einzeln oder gleichzeitig angehoben bzw. abgesenkt werden. Zusätzlich können
die Hubwagen auch so gestaltet werden, dass sie oben und unten seitlich aus dem Schacht herausgefahren werden können.
Abb. 5: Hubspeicher mit Zahnradhub
(1: Gewicht (Masseträger) 3: Hubwagen mit
Zahnrädern, Getriebe und Elektromotor/Generator
4: Zahnstange, 5: Stützwände, 6: Fundament
7: Hubhöhe, 8: Stromnetz)
Diese Bauweise würde dem Konzept eines Pumpspeicherkraftwerks sehr nahe kommen. Anstatt des Wassers werden die festen Masseträger auf der oberen bzw. unteren Hubebene horizontal
verteilt.
3.5 Fahrzeughub
Eine Gleisanlage besteht aus 2 Gleisen, die im Tal und auf der
Anhöhe in einen Bahnhof münden. Beim Entladen des Speichers fahren mit Gewichten beladene Unterflurfahrzeuge bergab und speisen den erzeugten Strom in das Netz
zurück.
Abb. 6: Hubspeicher mit Fahrzeughub
(1: Gleisanlage, 2: Unterflurfahrzeug, 3: Gewicht (Masseträger), 4: Hubhöhe
5: Anschluss an Stromnetz, 6: Stromnetz 7: Ablagen für Gewichte)
Gleichzeitig fahren leere Fahrzeuge bergauf, um weitere Gewichte zu holen. Im oberen und unteren Bahnhofsbereich befinden sich Stützmauern und Vorrichtungen, auf denen die
Gewichte abgelegt werden. Es wird wieder ein Gewicht von 360 t angenommen. Hat die Steigung eine Höhe von z.B. 300m, so speichert jedes angehobene Gewicht 300kWh. 340 Gewichte
reichen aus, um 100 MWh potentielle Energie zu speichern. Bei einer Steigung von 10% beträgt die Länge der Gleise zwischen den Bahnhöfen 3 km. Je nach Leistungsanforderung können
ein oder mehrere beladene Fahrzeuge gleichzeitig bergauf bzw. bergab fahren.
Hubspeicher-Kraftwerke mit Fahrzeughub können in jedem Gelände mit ausreichendem Höhenunter-schied errichtet werden. Die Gleisanlage kann oberirdisch oder auch in einem Tunnel
verlegt werden. Die Gruben des Braunkohleabbaus sind bis zu 400m tief und könnten einer zweiten Nutzung zugeführt werden.
3.6 Hydraulikhub
Abbildung 7 zeigt zwei Hydraulikzylinder, in denen die
Hydraulikkolben, auf denen die Masseträger ruhen, mit der Hilfe eines Elektromotors und einer Umkehrturbine angehoben werden. Beim Entladen des Hubspeichers pressen die Gewichte
die Hydraulikflüssigkeit (z.B. Wasser) zurück durch die Umkehrturbine, die jetzt den Stromgenerator antreibt.
Abb. 7: Hubspeicher mit Hydraulikhub
(1: Gewicht (Masseträger), 2: Hydraulikzylinder, 3: Hydraulikkolben mit Schaft
4/8: Elektromotor/Generator, 5/7: Umkehrturbine, 6: Druckrohre mit Ventilen
10: Stromnetz, 11: Fundament)
Die Hydraulikzylinder werden über Druckrohre und die Ventile einzeln oder gleichzeitig angefahren. Hydraulikzylinder von 20m Höhe und mit einer Tragkraft von 1800 t
erscheinen technisch machbar. Eine solche Zelle kann wiederum 100 kWh potentielle Energie aufnehmen. Das gezeigte technische Konzept kann aus vielen Hubzylindern bestehen
und kommt dem eines Pumpspeicher-Kraftwerks wiederum sehr nahe.
Eine weitere Skalierung und Kosteneinsparung kann dadurch erreicht werden, dass einem Hydraulikzylinder mehrere Gewichte über je ein Gleis auf der oberen und unteren Hubebene
zugeführt werden. Hubspeicher- Kraftwerke mit Hydraulikhub benötigen wenig Platz und können in jedem Industriegebiet errichtet werden.
4. Potential und Kosten
Die skizzierten Beispiele belegen, dass Hubspeicher-Kraftwerke auf vielfältige Weise mit verfügbarer Technik entwickelt und errichtet werden können. Alle geschilderten Konzepte
stellen mechanische Vorrichtungen dar, die mit einem hohen energetischen Wirkungsgrad konstruiert werden können. Eine namhafte Firma gibt den Wirkungsgrad für den Hub Ihrer
schweren Seilwinden mit 94% an. Der Gesamtwirkungsgrad von Pumpspeicher-Kraftwerken von bis zu 80% erscheint deshalb erreichbar.
Hubspeicher-Kraftwerke verlieren keine Energie bei einer Speicherung über lange Zeiträume.
Im Verbund mit Photovoltaikanlagen besitzt diese Technik die Fähigkeit, auch nachts, wenn die Sonne längst untergegangen ist, Strom zu erzeugen. Hubspeicherkraftwerke können z.B.
in Wüstengebieten, die keinen Zugang zu öffentlichen Versorgungsnetzen haben, errichtet werden, um Solarstrom zu speichern. Im Vergleich zu solarthermischen Kraftwerken benötigt
diese Technik kein Kühlwasser.
Im küstennahen Flachland können Hubspeicherkraftwerke überschüssigen Windstrom speichern.
Die tatsächlichen Anforderungen an die Energiespeicher werden in Zukunft sehr stark von dem Mix und den damit verbundenen Angebotsschwankungen der erneuerbaren Energieträger
bestimmt. Es liegen keine Studien und Analysen vor, die die Kosten und die Wirtschaftlichkeit von Hubspeicher-Kraftwerken untersuchen. Die nachfolgende Kalkulation unterstellt
behelfsweise, dass Hubspeicherkraftwerke und Pumpspeicher-Kraftwerke sich hinsichtlich Speicherinhalt, Leistung und Kosten ähnlich verhalten. Sie stellt einen ersten –
sicherlich unzulänglichen - Versuch dar, das Potential und die Kosten von Hubspeicher-Kraftwerken zu veranschaulichen.
Staschus 3 gibt den Pumpstromverbrauch 2006 mit 9 TWh an. Im Tagesdurchschnitt sind das ca. 25 GWh. Hubspeicherkraftwerke können überall in der Bundesrepublik
errichtet werden. Unterteilt man die Bundesrepublik gedanklich in 275 Regionen mit je 300.000 Einwohnern, so müssten in jeder Modellregion täglich ca. 90 MWh
Speicherstrom erzeugt werden, um die Kapazität der Pumpspeicherkraftwerke zu verdoppeln. Bei einem Wirkungsgrad von 90 % für die Rückgewinnung ist eine potentielle Energie
i.H.v. ca. 100 MWh bereitzustellen. Bei einem Hub von 100m werden hierfür 1.000 Gewichte a 360t benötigt.
Die Leistung von Pumpspeicher-Kraftwerken ist so bemessen, dass sie Ihren Speicherinhalt in ca. 6 Stunden abgeben können. Übertragen auf das Hubspeicherkraftwerk einer
Modellregion ist eine Nennleistung von ca. 15 MW je 300.000 Einwohner erforderlich. Diese Leistung kann z.B. von 30 Seilwinden-Generatoren mit einer Nennleistung von je 1 MW im
Dauerbetrieb erzeugt werden. Jede Seilwinde müsste pro Tag 33 Gewichte anheben bzw. absenken. Die Dauer eines Hubs beträgt 6 Minuten.
Staiß4 gibt die spezifischen Investitionskosten für kleinste und mittlere Wasserkraftwerke zwischen 8.600 und 5.400 EUR/kW Leistung an. Bei dem größten
Pumpspeicherkraftwerk Europas (Goldistal in Thüringen) sinken diese auf 600 EUR/kW Leistung. Aus diesen Angaben lassen sich die Kostendegression und die Stromgestehungskosten für
Pumpspeicherkraftwerke abschätzen. Die Wirtschaftlichkeitsgrenze von 10 Cent/kWh wird bei einer Leistung von 15 MWh und spezifischen Investitionskosten in Höhe von ca. 2.300
EUR/kW Leistung erreicht. Sofern sich diese Annahmen auf Hubspeicherkraftwerke übertragen lassen, müsste jede Modellregion ca. 35 Mio EUR in den Bau von Hubspeicherkraftwerken
investieren. Für die Bundesrepublik ergäbe sich ein Investitionsbedarf i.H.v. ca. 10 Milliarden EUR, um die Speicherkapazität der heutigen Pumpspeicherkraftwerke zu verdoppeln.
5. Zusammenfassung
Hubspeicher-Kraftwerke sind technisch machbar und können in virtuellen Kraftwerken einen wichtigen Anteil der benötigten Speicherenergie aufnehmen und bereitstellen. Sie können
die lokalen Gegebenheiten (steile Abhänge, Steinbrüche, Bergwerkschächte, Industriegebiete, hohe Bauwerke usw.) optimal nutzen und oft einen Zusatznutzen mit anderen Bauwerken
erwirtschaften. Sie können die Verbreitung der Erneuerbaren Energien (Wind, Sonne) und eine regional ausgerichtete Energieversorgung unterstützen.
Hubspeicherkraftwerke sind als Forschungsobjekt zu etablieren. Die Speicherung elektrischer Energie mit Hilfe der Schwerkraft fester Masseträger wird derzeit nicht untersucht.
Folgende Fragen sind zu beantworten:
- Welcher Speicherbedarf (Leistung und Inhalt) wird tatsächlich benötigt?
- Welcher Wirkungsgrad und Leistung können bei verschiedenen technischen Konzepten erreicht werden?
- Wie schnell können die Hubvorrichtungen angefahren werden?
- Wo liegen die Kostenoptima der Hubvorrichtungen hinsichtlich Hubleistung und Hubhöhe?
- Wie hoch sind die tatsächlichen Investitionskosten?
Pumpspeicherkraftwerke werden in Deutschland fast ausschließlich von den großen Energieversorgern, die in vier Zonen Regelenergie bereitstellen, betrieben. Die Erforschung und der
Betrieb von Hubspeicherkraftwerken erfordern politische Rahmenbedingungen, die eine Teilnahme regionaler Anbieter ermöglicht. Die Vergütung des für den Spitzenbedarf erzeugten
Stroms sollte im Erneuerbare- Energien-Gesetz verankert werden.
Literatur:
1) ETG Task Force Energiespeicher, Energiespeicher in Stromversorgungssystemen mit hohem Anteil erneuerbarer Energien, Energietechnische Gesellschaft im VDE (ETG)
2) Rau Werner, Hubspeicher-Modell speichert Solarstrom, VDE-ETG Mitgliederinformation Jul 2009, S 29
3) Staschus Konstantin und Wegner Bernd, Elektrizitätswirtschaft, Das Energie Fachmagazin BWK 4/2007 Seiten 114 ff
4) Staiß, Frithjof: Wasserkraft, Jahrbuch Erneuerbare Energien 2007 Teil II Seiten 70 ff, Stiftung Energieforschung BW im Bieberstein Verlag
Kontakt
www.hubspeicher.de
Tel: 07236 980227,
eMail: hubspeicher@t-online.de
Dipl. Phys. Werner Rau, Jahrgang 1941 studierte an den Universitäten Marburg und am Deutschen Elektronen Synchrotron (DESY) in Hamburg Physik. Nach seinem Studium war er über 30
Jahre in der freien Wirtschaft in leitenden Positionen der kommerziellen Datenverarbeitung tätig. Seit der Pensionierung beschäftigt sich der Autor mit den Themen
Erneuerbare Energien und Energiewende. Der Autor ist Initiator und Geschäftsführer mehrerer Bürger-Solaranlagen.
Technischer Hinweis
obige Bilder und ein Bild des Autors im .jpg Format können unter der eMail Anschrift des Autors angefordert werden. Eine vor Ort Demonstration des gezeigten Modells kann mit dem
Autor vereinbart werden. Die gezeigten Konzepte sind zum Patent angemeldet.
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