Solaranlagen und Produkte der Vormonate:

Ausgezeichnetes Gesamtkonzept:
Solarer Nahwärmeverbund versorgt Freibad,
Dreifeldsporthalle und Turnhalle.

Sonnenenergie für das Freibad? Eine gute Idee. Solarenergie für warmes Wasser und Heizungsunterstützung in der Sporthalle? Eine sinnvolle Alternative. Der solare Nahwärmeverbund der Marktgemeinde Großostheim kombiniert beide Lösungen und zeigt, dass das Ganze mehr sein kann als die Summe seiner Teile.

Sonnenkollektoren liefern das Maximum an Energie in den Sommermonaten. Die solare
Deckungsrate einer Anlage zur Warmwasserbereitung beträgt von Mai bis August nahezu
100 %. Hier stimmt der Bedarf mit dem Angebot überein. Freibäder nutzen die optimale Sonnenenergie-Ausbeute und heizen das Wasser mit Hilfe so genannter Schwimmbadabsorber
aus preisgünstigem Kunststoff. Das Schwimmbecken dient als Speicher.

Solarer Nahwäremverbund Großostheim: Kollektorfelder
Das Energiezentrum: Großkollektoren mit 720 m2 Kollektorfläche.
Bild: Architekturbüro Dierks, Blume, Nasedy

Einen neuen Weg ging das Darmstädter Architekturbüro Dierks, Blume und Nasedy. Für einen Wettbewerb der Marktgemeinde Großostheim entwickelten die Partner 1995 das Konzept eines solaren Nahwärmeverbunds für das Freibad, eine Dreifeldsporthalle und eine Kulturhalle - und gewannen mit dem zukunftsweisenden Beitrag den ersten Preis. Fünf Jahre später folgte die zweite Auszeichnung: Das Deutsche Kupfer-Institut kürte das in den Jahren 1998 - 2000 gebaute Ensemble zum Sieger:

Die Gewinner des bundesweiten Wettbewerbs "Achitektur & Solarthermie" durften sich im Juli 2000 erneut über einen ersten Preis freuen.

Architektur-Preis "Architektur & Solarthermie
1. Preis im Jahr 2000:
Solarer Nahwärmeverbund Großostheim


Ökologisches Gesamtkonzept

Das Bauvorhaben wandelte sich, die Verbundstrategie blieb. Die Kulturhalle fiel dem Rotstift zum Opfer, an ihrer Stelle errichteten örtliche Vereine eine Turnhalle. Solarenergie zur Warmwasserbereitung, Unterstützung der Heizung in den Hallen und Erwärmung des Freibads war die Aufgabe. Die Lösung verbindet eine groß dimensionierte thermische Solaranlage mit einer CO2-neutralen Holzhackschnitzelanlage zur Nachheizung. Die Energie des Nahwärmenetzes stammt also zu 100% aus erneuerbaren Quellen. Das Holz kommt aus den Wäldern der Gemeinde, doch Bäume müssen dafür nicht fallen: Das in der Forstwirtschaft anfallende Bruchholz, Wildwuchs und Wartungsabfälle sind ideale Brennstoffe für die Hackschnitzelfeuerung.

Energiekonzept des Nahwärmeverbunds
Das Energiekonzept des Nahwärmeverbunds: Wärme aus Sonne und Holz
Bild: Architekturbüro Dierks, Blume, Nasedy

Das technisch und energetisch optimierte Konzept verlangte keine Abstriche bei der Gestaltung der Gebäude. Die Architekten rückten die Solartechnik in den Mittelpunkt der Konstruktion und prägten so das Erscheinungsbild der Dreifeldhalle. Die großflächigen, exakt nach Süden ausgerichteten Kollektoren wurden in ein Dach integriert, das die statischen und belichtungstechnischen Anforderungen erfüllt und gleichzeitig sparen hilft: Die Kollektoren ersetzen die regendichte Dachhaut auf einer Fläche von 1000 m2, für die sonst Kosten von rund 80.000 DM angefallen wären.


Sonne en gros

Das Energiezentrum des Verbunds ist die Dreifeldhalle . Auf Ihren Sheddächern fangen Großkollektoren mit einer Absoberfläche von insgesamt 720m2 die Kraft der Sonne ein. Die Kollektoren lieferte die Firmas AQUASOL in Dornsted-Bolingen, die selektive Beschichtung der Absorber stammt aus dem Hause TINOX. Mit den Satteldächern haben die Architekten eine Bauform gewählt, die sowohl die Anforderungen der Solar- als auch der Bautechnik erfüllt. Die Südausrichtung der im oberen Teil der Sheds mit einer Neigung von 35 Grad montierten Kollektoren gewährleistet die größtmögliche solare Ernte. Der Abstand der Sheds wurde entsprechend dem Sonnenstand der Badesaison festgelegt. Die Nordseite der Sheds dient zur blendfreien Hallenbeleuchtung. Die hier angebrachten Lüftungsklappen ermöglichen auch die Abkühlung der Hallen in der Nacht - ohne zusätzliche Energie. Sämtliche Rohrleitungen finden im unteren, teilverschatteten Bereich Platz. Stege zwischen den Sheds erleichtern die Reinigung und Wartung der Kollektorgruppen.

Zwei Speicher mit einem Volumen von jeweils 10.000 Litern garantieren einen ordentlichen Vorrat an sonnenwarmem Wasser. Das Energiekonzept wurde auf den Warmwasserbedarf des Freibads zugeschnitten. Das maximale Solarwärmeangebot in sommerlichen Schönwetterphasen korrespondiert mit den hohen Besucherzahlen, die häufiges Umwälzen und damit auch Erwärmen des Badewassers erforderlich machen. Mit dem errechneten Energiegewinn von 368.000 Kilowattstunden pro Jahr wird sich die Anlage in einem Zeitraum von weniger als 10 Jahren amortisieren - und danach die Stadtkasse entlasten.

Auch die Umwelt profitiert: Mit der Sonne und dem nachwachsenden Brennstoff Holz können jährlich 217 Tonnen Kohlendioxid vermieden werden, die bei der Verbrennung von Erdgas anfallen würden. Reicht die Kraft der Sonne nicht aus, wird sauber nachgeheizt: Die Abgasfilter der Hackschnitzel-Heizung sorgen dafür, dass weder Partikel noch Kohlendioxid aus dem Kamin kommen. Die Erfahrungen der Architekten bei der Realisierung von Gewerbebauten flossen in das preisgekrönte Energie-Konzept ein. Mit dem Bayerischen Zentrum für Angewandte Energieforschung bestätigte auch die Wissenschaft, dass die solare Nahwärmeversorgung für Sport- und Freizeitanlagen ein erfolgversprechender Ansatz für die Nutzung der erneuerbaren Energien in den Kommunen ist.

 

Großkollektoren
Im Winter unterstützen die Großkollektoren die Heizung der Sporthallen.
Bild:
Architekturbüro Dierks, Blume, Nasedy


Bilder und Informationen: Architekturbüro Dierks, Blume, Nasedy. Darmstadt.
Redaktion Solarserver: Rolf Hug.

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