Solaranlagen und Produkte der Vormonate:
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Solar- und Windstrom für Afghanistan: Modellprojekt zur autarken Versorgung mit erneuerbaren Energien
Regelmäßig stellt der Solarserver vorbildliche Lösungen zur Nutzung erneuerbarer Energien als "Anlage des Monats" vor. Die innovativen Gebäude, Solargeneratoren oder
Energiekonzepte belegen, dass es überzeugende und klimafreundliche Alternativen gibt, die auch wirtschaftlich Sinn machen. Im Juni 2004 präsentieren wir eine Anlage, die noch
nicht gebaut wurde, von der wir uns aber wünschen, dass sie rasch realisiert wird und viele Nachahmer findet: das Modellprojekt des Vereins "Zukunft Afghanistan" zur Versorgung
wichtiger Einrichtungen der Stadt Jabal os Saraj mit Elektrizität aus Sonne und Wind.
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Afghanische Stadt "Jabal os Saraj": der Verein "Zukunft Afghanistan" plant den Bau einerPilotanlage zur autarken Solar- und Windstromproduktion. Quelle: Zukunft Afghanistan e.V..
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Saubere Energie für eine friedliche Zukunft
Die Krisen und Kriege der Gegenwart spielen sich ab vor dem Hintergrund globaler Spannungen in Hinblick auf die Versorgung mit fossiler Energie. Öl und Gas sind die Brennstoffe,
welche die Wirtschaft antreiben - in den Industrienationen wie in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Die Versorgung mit Elektrizität ist eine wesentliche Grundlage für die
gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung. Krankenhäuser und Schulen ohne Strom? Unvorstellbar in den reichen Ländern, doch bittere Realität in der Dritten Welt. Zum
Beispiel in Afghanistan. Nach dem Krieg und dem Ende des Taliban-Regimes stehen das Land und die westliche Welt vor der Aufgabe, einen groß angelegten Friedens- und Aufbauprozess
zu starten und umzusetzen. Es gilt, rechtsstaatliche Institutionen zu etablieren und die Grundbedürfnisse der Bevölkerung zu befriedigen. Die Stromversorgung der afghanischen
Städte und Dörfer ist weitgehend zerstört, nicht einmal die Hauptstadt Kabul ist nur annähernd ausreichend elektrifiziert.
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COMET-Modul mit Solargenerator und Regelungselektronik; Windrad INCLIN 1500. Quelle: Zukunft Afghanistan e.V.
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Die Initiatoren des Projekts in der etwa 80 Kilometer nördlich von Kabul gelegenen Stadt Jabal os Saraj wissen um die politische und praktische Bedeutung des Transfers
erneuerbarer Energien in Krisenregionen als Beitrag zur Stabilisierung des Friedens, zum wirtschaftlichen Wachstum und zum Klimaschutz. Das engagierte Team aus der Hamburger
Erneuerbare-Energien-Branche koordiniert und setzt die notwendigen Schritte um - und wirbt um Unterstützung durch Politik und Wirtschaft. Denn Hilfe zur Selbsthilfe lohnt sich:
kurzfristig für die Menschen vor Ort und mittelfristig für die beteiligten Unternehmen. Eine autarke Energieversorgung aus heimischen und erneuerbaren Ressourcen ist die Grundlage
der Unabhängigkeit einer Stadt oder einer Region - und für die Lebensqualität der Bewohner. Bei geringem Ressourceneinsatz können Arbeitsplätze vor Ort geschaffen und der Aufbau
einer effizienten Volkswirtschaft erheblich gefördert werden.
Technologietransfer konkret: Hybridanlage zur Stromversorgung
In Zusammenarbeit mit der Universität der 80 km nördlich von Kabul gelegenen Stadt Jabal os Saraj soll im Sommer 2005 auf dem dortigen Universitätsgelände eine kombinierte
Pilotanlage zur Erzeugung von Energie aus Wind und Sonne errichtet werden (Hybridsystem). Augenblicklich bezieht Jabal den Strom für Institutionen wie das Krankenhaus oder die
Universität über Dieselgeneratoren. Das ist nicht sehr umweltfreundlich und vor allem sehr teuer, betont der Dekan der Universität, Prof. Rasul Rahin. Der über weite Strecken
transportierte Dieselkraftstoff sei kaum erschwinglich und die medizinische Versorgung bleibe deshalb auf ein absolutes Minimum beschränkt, so Rahin. Und seinen Studenten und
Lehrkräften fehle die Möglichkeit, sich per Telefon, Email oder Fax auszutauschen oder auch nur regelmäßig an Computern zu arbeiten. Das soll sich mit der kleinen Solar- und
Windstromanlage ändern, die Rahin als Vorbild für den Wiederaufbau der Stromversorgung Afghanistans sieht.
Sonne und Wind gemeinsam nutzen
Angesichts der Standortbedingungen in Jabal os Saraj hat das Projektteam in enger Abstimmung mit den afghanischen Mitgliedern und der Universität ein nachhaltiges, dezentrales
Energiesystem konzipiert, das durch modularen und redundanten Aufbau eine hohe Verfügbarkeit sicher stellen soll. Die Anlage ist nicht auf den Netzparallelbetrieb ausgelegt,
sondern auf den so genannten Inselbetrieb ("Stand-Alone-System"). Dieser Anlagentyp kann prinzipiell an jedem Standort in Afghanistan zum Einsatz kommen, denn er funktioniert
völlig unabhängig von bestehenden Elektrizitätsnetzen. Die Zuverlässigkeit der Anlage wird gewährleistet, indem sowohl Windkraft als auch Sonnenenergie geerntet und hochwertige
Regelungstechnik mit großzügig ausgelegten Speicherkapazitäten verwendet wird.
Durch die Kombination von Sonnen- und Windenergienutzung in einem System kann der regenerative Strom wesentlich gleichmäßiger produziert werden, als bei einer getrennten Lösung.
Dies trifft sowohl hinsichtlich des Tag / Nacht-Rhythmus zu, als auch hinsichtlich der jahreszeitlichen Schwankungen (das Klima der Region ist geprägt durch kalte Winter und heiße
Sommer). Durch die gleichmäßigere Aufladung kann die Lebensdauer der Batterien erheblich verlängert werden. Außerdem ist das System dadurch redundant, es bleibt also bei Ausfall
einer der Erzeugungsarten voll funktionsfähig.
Beim Einsatz kleiner Windturbinen können die Investitionskosten im Vergleich zu einer reinen Solarstromanlage um bis zu 50% gesenkt werden. An Standorten mit gutem Windangebot
werden somit auch bei vergleichsweise kleinen Anlagen erhebliche Kostenvorteile erzielt. Aufgrund der relativ einfachen Technologie kleiner Windräder ist für zukünftige Projekte
ein hoher Anteil an lokaler Fertigung denkbar (Fundamente, Mast, Netzanbindung etc.). Auch dies ist eines der wichtigsten Ziele des Vereins.
Die Stromerzeuger - bewährte Technik mit Sonne und frischem Wind
Das Stand-Alone-System besteht aus einer Windenergieanlage (WEA), einer Photovoltaikanlage zur Stromerzeugung und einem Batteriespeicher mit hochwertiger Regelungstechnik. Die
Basis der Hybridanlage bildet der so genannte COMET des Entwicklers und Herstellers SET (Wedel), ein standardisiertes Bauelement mit PV-Anlage, Regelungs- und Speichertechnik
sowie optionalen Zusatzaggregaten wie beispielsweise einer Wasseraufbereitungsanlage. Für das Projekt in Afghanistan ist die Kopplung von COMET-Modulen vorgesehen, um die
Gesamtleistung zu erhöhen und ein ausgewogenes Verhältnis von Wind- und Sonnenstrom zu erreichen.
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Netzunabhängige Stromproduktion: COMET mit PV-Modulen, Regelungstechnik und Batteriespeicher; Windrad INCLIN 1500. Quelle: Zukunft Afghanistan e.V.
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Zwei COMET-Module mit einer Photovoltaik-Leistung von insgesamt 2 kWp werden mit einer bewährten Windenergieanlage des spanischen Herstellers Bornay kombiniert. Die "INCLIN 1500"
Windturbine hat eine Leistung von 1,5 kW, wodurch sich die Gesamtleistung des Systems auf 3,5 kW erhöht. Die COMET-Module können zu Verbänden gekoppelt werden und verfügen über
Eingänge und Ausgänge in verschiedenen Spannungsstufen. Damit ist zum einen die Kombination mit bestehenden Diesel-Generatoren möglich, zum anderen können unterschiedliche
Endgeräte angeschlossen werden. Durch Zusatzmodule kann das System beispielsweise als Relais-Station für den Telekommunikationsbereich genutzt werden.
Technische Daten:
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System (Leistung)
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3,5 kW
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Windenergieanlage
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INCLIN 1500 (J.J. Bornay)
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Leistung WEA
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1,5 kW
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Photovoltaik-Module
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Shell, BP o.ä.
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Leistung PV
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2 x 1,0 kWp
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Regelung
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COMET (SET Wedel)
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Speicherung
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Blei/Gel Batterien
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Die kleine Windmühle verfügt über zwei Rotorblätter mit einem Durchmesser von rund 3 Metern. Sie ist ausgestattet mit einem automatischem Bremssystem, das nach dem
Helikopter-Prinzip funktioniert. Mit anderen Worten: bei sehr hohen Windgeschwindigkeiten wird das Rotorsystem von der horizontalen in die vertikale Position gedrückt. Die mit rund
42 kg sehr leichte Anlage kann auf alle Arten von Masten mit einer Windlast von 400 kg installiert werden. Einmal jährlich müssen einfache Wartungsarbeiten durchgeführt werden.
Schritt für Schritt: Von Hamburg nach Jabal os Saraj
Im Herbst 2004 soll das Stand-Alone-System zunächst in Wedel bei Hamburg zu Testzwecken installiert werden. Auf diese Weise kann die Anlage optimiert werden und gleichzeitig haben
zwei afghanische Techniker Gelegenheit, sich mit der Wartung und Instandhaltung des Systems vertraut zu machen. Gemeinsam mit dem Verein Afghanischer Ingenieure und Techniker,
kurz VAIT kümmert sich der Verein "Zukunft Afghanistan" auch um die Ausbildung der afghanischen Partner. Neben der Ausbildung im Zuge des Testbetriebes sind ergänzende Kurse
beispielsweise bei der Solarschule artefact in Glücksburg vorgesehen. Die Techniker erlangen so umfangreiches Wissen über erneuerbare Energien, das sie nicht nur zur Wartung des
Modellprojektes, sondern auch zur gezielten Verbreitung in Afghanistan einsetzen können.
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Portables Photovoltaiksystem COMET: Montage der Solarmodule; Transport. Quelle: Zukunft Afghanistan e.V..
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Die Hilfe zur Selbsthilfe ist für den Dekan der Universität ein zentraler Aspekt: "Unsere Leute hier in Jabal können die Verantwortung für eine Anlage dieser Größenordung selbst
übernehmen. So haben wir die Möglichkeit, unabhängig von auswärtiger Hilfe dafür zu sorgen, dass unser Krankenhaus, unsere Schule und die Universität regelmäßig mit Strom versorgt
werden. Ein für uns kaum zu ermessender Luxus!", betont Prof. Rahin.
Die Demontage, die Verpackung und der Transport der Anlage sind für Mitte 2005 geplant. Das System kann in vier kompakten Einheiten transportiert werden. Bereits im Rahmen des
ersten Transportes ist die ergänzende Lieferung von Computern, Kleingeräten und Lehrmaterial vorgesehen.
Ein gutes Beispiel sucht Nachahmer und Unterstützer
Zur Verwirklichung des Energieprojektes strebt der Verein Zukunft Afghanistan eine enge und nachhaltige Zusammenarbeit mit Unternehmen und Institutionen an. Die im Rahmen des
Vorhabens gewonnenen Erfahrungen sollen anschließend für weitere Projekt in Afghanistan nutzbar gemacht werden. Durch die zahlreichen Nutzungsmöglichkeiten von
Stand-Alone-Systemen seien Folgeprojekte vorprogrammiert. So plane der Verein schon jetzt den Ausbau des Stand-Alone-Systems durch weitere COMET/INCLIN Module und die Installation
größerer Windenergieanlagen in Jabal os Saraj sowie an anderen Standorten in Afghanistan.
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