Solaranlagen und Produkte der Vormonate:
Sonne, Licht und Wärme: Lichtlenkung und Energie-Optimierung in Bürogebäuden und Zweckbauten
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Tageslicht ist Sonnenenergie. Das ist trivial, tritt aber leicht in den Hintergrund, wenn die Rede von der Nutzung der Solarenergie ist. Photovoltaikmodule und Sonnenkollektoren
machen Sonnenenergie nutzbar, aber auch jene Techniken, die für eine optimale Lichtausbeute in Gebäuden sorgen und das "Leben und Arbeiten mit der Sonne" angenehm machen.
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Maßnahmen, die dazu führen, dass Strom für die Beleuchtung oder Energie für die Heizung gespart werden, bedeuten Aktivität - ein Sachverhalt, den EUROSOLAR-Präsident Hermann
Scheer nicht müde wird zu betonen. Und in der Tat scheint der Begriff von der passiven Nutzung der Sonnenenergie oder vom "Passivhaus" zu verschleiern, was hier alles getan wird:
effektive Tageslichtnutzung und -lenkung sowie die energetische Optimierung sind Merkmale von drei Gebäuden, die wir in Zusammenarbeit mit dem BINE Informationsdienst
vorstellen.
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Sonneninstallation im Deutschen Technikmuseum Berlin. Ein faszinierendes Spiel mit Licht und Schatten - aber auch eine intelligente Lösung zum Transport von Licht: Kollektorspiegel
und Reflektoren projizieren Sonnenlicht in einen Schacht, der beim Eintritt in den Ausstellungstrakt durchschritten wird. Foto: BINE Informationsdienst
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Das Institut für Solartechnologien in Frankfurt/Oder, ein Bürohaus in Weilheim/Teck und das Deutsche Technikmuseum in Berlin sind Beispiele für Energiekonzepte in denen
Sonnenlicht und -wärme eine zentrale Rolle spielen. Tageslichttechnik (Systeme für die Lenkung und den Transport des Sonnenlichts) und der Schutz der Ausstellungsstücke vor der
Strahlung sowie ein günstiges Raumklima standen für den Bau des Museums im Mittelpunkt. Dass Räume mit Wohlfühl-Qualitäten und hohe Energiesparpotenziale auch möglich sind in
Bauten, die nicht zum Wohnen genutzt werden können, zeigen Projekte die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) im Rahmen des Förderkonzepts "SolarBau"
gefördert werden.
Hohe Arbeitsplatzqualität - niedrige Kosten für Beleuchtung und Wärme
Viele Faktoren haben Einfluss auf das Wohlbefinden am Arbeitsplatz - und somit auch auf die Leistung. Hierzu zählen auch angenehme Temperaturen, gute Luftqualität, möglichst
natürliches und blendfreies Licht. Für das Solarzentrum Frankfurt/Oder wurde ein energetisch optimiertes Gebäude realisiert, das beides bietet: ganzjährig angenehme
Arbeitsbedingungen und geringen Energiebedarf. Das modular aufgebaute Fassadensystem ersetzt die Außenwand und garantiert zugleich die bestmögliche Versorgung mit Tageslicht und
frischer Luft. Diese Synergiefassade verbindet also die Funktion der Gebäudehülle mit Aufgaben der Haustechnik.
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Die Fenster sind mit einem außenliegenden Sonnenschutz ausgestattet, darüber ist ein starres Tageslichtlenkungssystem angeordnet, Kunstlicht wird nur bei Bedarf über eine
Präsenzschaltung aktiviert.
Modulares Fassadensystem an der Südseite des Solarzentrums Frankfurt/ Oder. Foto: BINE Informationsdienst
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In den Brüstungsbereich der Fassade sind thermische Luftkollektoren und eine Photovoltaikanlage integriert. Dahinter befindet sich ein Heiz-, Kühl- und Lüftungsgerät mit
Wärmetauscher.
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Das Gerät ist über einen Verbindungskanal mit dem aktiv durchströmten Scheibenzwischenraum des Fensters (Spalt zwischen Zusatzscheibe und Wärmeschutzverglasung) verbunden. Im
Winter wird die Zuluft über den Luftkollektor vorgewärmt und dem Wärmetauscher zugeführt. Dort erfolgt eine weitere Temperaturerhöhung unter Aufnahme der Wärmeenergie der
verbrauchten Raumluft. Anschließend gelangt die vorgewärmte Außenluft über einen Konvektionsheizkörper in den Raum.
Fassadenschnitt mit Luftführung (Winterbetrieb). Grafik: BINE Informationsdienst
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Dieser wird gleichzeitig mit frischer Luft versorgt und beheizt. An sonnigen Tagen sind der Ertrag der Kollektoren und die Wärmerückgewinnung für die Beheizung des Raumes
ausreichend. Über den Scheibenzwischenraum wird die verbrauchte Raumluft nach außen geführt. Die Photovoltaikanlage liefert im Jahresmittel den Energiebedarf für die Ventilatoren
der Lüftung. Über eine Sommer- Winter-Schaltung werden im Sommer die Kollektoren abgeschaltet. Die warme Außenluft trifft direkt auf den Wärmetauscher und wird dort über die
kältere Raumluft gekühlt. An sehr warmen Tagen fließt durch den Heizkörper kaltes Wasser aus einem Erdsondenfeld. Der Heizkreislauf wird zum Kühlkreislauf. Als Kältequelle dient
das Erdreich.
Das Konzept erfüllt die Erwartungen der Planer: Der Bedarf an Heizwärme und Lüftungswärme für den technischen Bereich beträgt ca. 58 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr und
erfüllt die Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV). Der Energiebedarf für Beleuchtung und Bürotechnik konnte gegenüber einem herkömmlichen Gebäude mehr als halbiert
werden. Und die Nutzer der Räume sind zufrieden: Die Lichtverhältnisse werden als angenehm und ausreichend empfunden; selbst im Sommer werden die Räume nicht überhitzt.
Energie-Effizienz ohne Mehrkosten: Bürohaus als Passivhaus, inklusive Solarwärme- und Solarstromanlage
Das erste baden-württembergische Passiv-Bürohaus steht seit Anfang 2000 in Weilheim/Teck nahe Stuttgart. Sein ökologisches Gesamtkonzept, die ansprechende Architektur und die
wirtschaftlichen Aspekte überzeugen: Trotz hohen Anforderungen an die Bauökologie und beachtlicher Energieeinsparung kostete ein Quadratmeter Nettogrundfläche weniger als 1.000
€ - nicht mehr als ein Gebäude in konventioneller Bauweise.
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Das Haus nutzt die Sonnenenergie aktiv und passiv. Durch die Vermeidung von Transmissions- und Lüftungswärmeverlusten wurde der Heizenergiebedarf unter 15 Kilowattstunden pro
Quadratmeter und Jahr gesenkt - ein konventionelles Heizsystem wurde ebenso überflüssig wie eine aktive Klimaanlage.
Bürogebäude Lamparter, Ansicht von Westen. Foto: BINE Informationsdienst
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Die sommerliche Kühlung erfolgt passiv, über das Zusammenspiel von Verschattungselementen, Erdreichwärmetauscher und Nachtlüftung. Elemente zur Lichtlenkung minimieren den Bedarf
an künstlicher Beleuchtung, der bei nur 7,2 kWh/m2 und Jahr liegt. Die strenge Kostenkontrolle ermöglichte es, im Budget sogar Mittel für eine Solarwärme- und eine
Solarstromanlage vorzusehen.
Warmes Wasser und Strom von der Sonne
Im gesamten Gebäude gibt es keine Heizkörper - die Wärmeverteilung wird von der Lüftungsanlage übernommen. Mit Nachheizregistern kann gesondert warme Luft für Dachgeschoss, Süd-
und Nordseite zugeführt werden. Die Abluft wird in der Kombizone (Besprechungsräume, Treppenhaus) jedes Geschosses abgesaugt und über einen Wärmetauscher im Dach ins Freie
geleitet. So können zirka 85% ihrer Wärmeenergie wieder von der Zuluft aufgenommen werden. An kalten Tagen wird die Außenluft vorher zusätzlich über ein Erdregister geleitet und
ihre Temperatur auf diese Weise um durchschnittlich 4,6 Kelvin erhöht. Den verbleibenden Heizwärmebedarf deckt eine bivalent zugeschaltete Brennwerttherme. Der tatsächliche
Heizenergiebedarf liegt mit 10,6 kWh/m2a sogar noch unter dem bei der Planung ermittelten Wert.
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Passiv-Bürohaus Lamparter: System der Energieversorgung. Grafik: BINE Informationsdienst
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Zur Stromversorgung trägt eine 67 Quadratmeter große Photovoltaik-Anlage bei, die an der Attika des Flachdaches und auf dem Pultdach montiert ist. Die jährlich prognostizierten 6
bis 7 Megawattstunden (MWh) entsprechen 6,5 kWh/m2a Strom bezogen auf die beheizte Nettogrundfläche. Eine Solaranlage unterstützt mit 1,5 kWh/m2 im Jahr die Gastherme bei der
Bereitung von Warmwasser. Da der Bedarf mit 2,6 Litern pro Person und Werktag sehr gering ist, kann dieser zu 93% solar gedeckt werden. Außerhalb der Heizperiode läuft die Therme
zur Warmwasserbereitung nur eine Stunde am Tag. Dafür wird in Kauf genommen, dass die Wassertemperatur schwankt. Solarenergie liefert insgesamt 20,9 kWh/m2a der benötigten
Primärenergie; der Solarstrom deckt rund die Hälfte der elektrischen Energie für Kunstlicht und Lüftungsanlage ab.
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Vergleich des Primärenergiebedarfs für die Gebäudetechnik in Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr (kWh/m2a). Grafik: BINE Informationsdienst
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Licht lenken und transportieren - Deutsches Technikmuseum Berlin
Der Erweiterungsbau des Technikmuseums mit einer Nutzfläche von 20.000 Quadratmetern gliedert sich in die Abteilungen Luft- und Schiff-Fahrt sowie einen Versorgungstrakt mit
Bibliothek, Werkstätten, Foyer und Gastronomie. Um direkte Sonneneinstrahlung zum Schutz der Ausstellungsstücke zu vermeiden, wurden die Ausstellungsflächen im Norden
untergebracht. Der Versorgungstrakt öffnet sich nach Süden und wird geprägt durch eine transparente Fassadengestaltung.
Mit einem Energiekonzept, das mittlerweile selbst im Museum ausgestellt wird und den Besuchern in einer multimedialen Präsentation die Techniken zu Steigerung der Energieeffizienz
nahe bringt, gelang es auch hier, den Niedrigenergiestandard zu erreichen.
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Das Berliner Institut für Bau, Umwelt und Solarforschung GmbH (IBUS) und das Fraunhofer Institut für Bauphysik in Stuttgart begleiteten die Umsetzung des Projekts über lange
Jahre.
Erweiterungsbau des Deutschen Technikmuseums Berlin, rechts der Ausstellungstrakt mit der abgehängten C 47, besser bekannt als "Rosinenbomber". Foto: BINE Informationsdienst
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Trotz konservatorischer Anforderungen konnte auf ein Klimatisierung und den damit verbundenen hohen Energieeinsatz verzichtet werden. Die für ein Museum wichtige Raumluftfeuchte
stabilisierten die Planer durch den Einsatz hygroskopischer Materialien (der "Blähton" der Wände und die Holzpflaster der Fußböden ziehen Feuchtigkeit an und trocken so die Luft
im Museum).
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Licht und Schatten
Die Oberlichtbelegung und der Einsatz von Tageslichtsystemen wurden in detaillierten Studien im künstlichen Himmel optimiert. An der Ostfassade im Ausstellungstrakt beispielsweise
galt es, ein Tageslichtsystem zu entwickeln, das den attraktiven Ausblick in den Stadtraum erhält, dabei jedoch die Funktionen des Sonnen- und Blendschutzes erfüllt und zusätzlich
Licht lenkende Eigenschaften hat. Hier setzten die Planer Großlamellen
im Rhythmus der Geschossteilung ein. Ein innerer lichtdurchlässiger Lamellenflügel wurde mit einem äußeren Flügel aus Lochblech kombiniert. Je nach Stellwinkel der Lamelle kann
der Grad der Abschirmung des Tageslichtes variiert werden, ohne die Beleuchtungstiefe zu reduzieren.
Die tiefen, über Fassaden nicht mehr mit Tageslicht zu versorgenden Geschossflächen des Deutschen Technikmuseums führten zu der Idee, entlang des Weges der Museumsbesucher in die
Ausstellungsflächen Tageslichttransportsysteme einzusetzen. Mit drei Systemen bringen die Planer das Sonnenlicht in das Gebäude:
Der Sonne nachgeführte Fresnel-Linsen sammeln Tageslicht, das mit Flüssigkeitslichtleitern bis in das Foyer im ersten Obergeschoss geführt wird. Dort werden vier als
Wegeleitsystem dienende Tageslichtröhren mit dem Sonnenlicht versorgt.
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Links: Lichtsammler (nachgeführte Fresne-Linsen). Rechts: Lichtröhren als Wegeleitsystem im inneren des Museums. Fotos: BINE Informationsdienst
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Eine so genannte Sonneninstallation wirft Sonnenlicht in einen Lichtschacht, der beim Eintritt in den Ausstellungstrakt durchschritten wird. Dies geschieht mit einer
Spiegelanlage, welche aus einem einachsig der Sonne nachgeführten Kollektorspiegel und einem feststehenden Reflektor besteht.
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Links: Heliostat. Rechts: Durch die Systeme erfüllte Beleuchtungsaufgaben im Gebäudeinneren. Fotos: BINE Informationsdienst
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Ein Brennspiegel (Heliostat) mit einer Fläche von etwa 14 Quadratmetern versorgt über Umlenk- und Beleuchtungsreflektoren das Innere des Museums mit Sonnenlicht. Mit dieser
veränderbaren Anlage können vielfältige Beleuchtungsaufgaben im Ausstellungstrakt erfüllt werden.
Material und Bilder BINE: www.bine.info (Projektinfos 7-9/ 01) / Redaktion Solarserver: Rolf Hug
BINE Informationsdienst. Die Projekt-Infos können kostenlos als PDF-Dateien heruntergeladen werden unter der Adresse: www.bine.info
Weitere Informationen:
Deutsches Technikmuseum berlin: www.dtmb.de SolarBau: MONITOR - Journal 2000
Energieeffizienz und Solarenergienutzung im Nichtwohnungsbau -
Konzepte und Bauten, 80 Seiten, 14,32 Euro,- inkl. Versand erhältlich bei BINE.
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