Solaranlagen und Produkte der Vormonate:
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Sonne im Netz: Solare Nahwärme für Neubausiedlung in Speyer
Angesichts der Preisentwicklung von Öl und Gas sind zukunftssichere Betriebskosten eine entscheidende Kundenanforderung an den Wohnungsneubau. Die alarmierenden Berichte über den
Klimawandel haben zudem Bauherren und Mieter für die Bedeutung der CO2-Einsparung bei der Wärmeversorgung sensibilisiert. Zur Versorgung größerer Liegenschaften haben sich
zentrale Nah- und Fernwärmesysteme seit langem bewährt. Wie auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofs in Speyer realisiert, lässt sich durch die Einbindung einer großen
solarthermischen Anlage die zur Versorgung notwendige Energiemenge aus fossilen Quellen deutlich senken. Solar unterstützte Nahwärmenetze erweisen sich dadurch als wichtige Option
für Neubaugebiete.
Solar-Anlage des Monats als PDF-Dokument
In solar unterstützten Nahwärmesystemen wird die von den Sonnenkollektoren gewonnene Wärme meist über ein eigenes Solarnetz zur Heizzentrale in einen
Solarspeicher transportiert und von dort aus über das Nahwärmenetz an die Gebäude verteilt. Die Kollektoren sind in der Regel auf den Dächern der Gebäude montiert oder sogar in
die Dachkonstruktion integriert.
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Ansicht des ersten Solar-Kollektorfeldes im Zentrum des neuen Wohngebiets am „Alten Schlachthof“ in Speyer. In die Wärmeversorgung wurde eine Solaranlage mit
Mehrtagesspeicher integriert. Foto: ZfS – Rationelle Energietechnik GmbH, Hilden
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Auf der Grundlage des Projektinfos 11/06 des BINE Informationsdienstes präsentiert der Solarserver gemeinsam mit BINE die Solarsiedlung in Speyer als Solar-Anlage des Monats März
2007 und beschreibt, wie sich die Nahwärmeversorgung mit Sonne und Erdgas im ersten Betriebsjahr bewährt hat.
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In dem inzwischen ausgelaufenen Förderprogramm Solarthermie-2000 wurde die Funktionssicherheit und hohe Leistungsfähigkeit großer Solaranlagen zur Trinkwasservorwärmung
nachgewiesen, mit spezifischen Erträgen von 450 bis 550 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter Kollektorfläche und Jahr bei durchschnittlichen Nutzwärmekosten von 0,13 € pro
Kilowattstunde erzeugter Solarwärme. Bei diesen streng nach Wirtschaftlichkeitskriterien optimierten Vorwärmanlagen sind die solaren Deckungsanteile jedoch auslegungsbedingt
gering. Sie liegen in der Regel unter 10% am Gesamtenergiebedarf für Warmwasser, Zirkulation und Raumheizung. Der solare Deckungsanteil kann jedoch gesteigert werden, wenn die
Solaranlage auch die Raumheizung unterstützt. Mit dem Forschungsprogramm Solarthermie2000plus des Bundesumweltministeriums (BMU) wird eine ausgewählte Zahl solarthermischer Pilot-
und Demonstrationsanlagen gefördert. Es zielt ab auf solare Deckungsanteile über 10 %, bei möglichst niedrigen solaren Nutzwärmekosten.
In Speyer entstehen 47 Reihenhäuser und 12 Doppelhäuser mit einer Gesamtwohnfläche von zirka 9.300 Quadratmetern. Als Modellvorhaben für kinder- und familienfreundliches Bauen
soll das Neubaugebiet den Bewohnern anspruchsvolle Architektur sowie ein innovatives Energie- und Regenwasser-Nutzungskonzept bieten. Die Gebäude sind in Niedrigenergiebauweise
ausgeführt. Zur Unterstützung der Wärmeversorgung wurde die Solarwärmeanlage mit Mehrtagesspeicher in das Nahwärmenetz des Baugebietes integriert. Durch diese Maßnahmen sollen die
Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) um mindestens 15 % unterschritten und ein wichtiger Schritt zur CO2-Reduzierung getan werden. Erste Messergebnisse liegen vor;
Auslegung und Betrieb des Solarsystems werden optimiert. Der Endausbau mit Installation eines weiteren Kollektorfeldes ist 2007 geplant.
Wärme aus Gas und Sonnenenergie, verteilt an alle Häuser
Im ehemaligen Kesselhaus des alten Schlachthofes befindet sich die Heizzentrale. Sie ist ausgestattet mit einem Gas-Brennwertkessel, der eine Leistung von 599 Kilowatt (kW) hat
und mit einem 100 Kubikmeter großen Solar- und Kesselpufferspeicher. Wenn sämtliche Wohnhäuser erreichtet sind, werden weitere 202 Quadratmeter Kollektorfläche auf Carports
gebaut.
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Die beiden Seitenflügel, ehemalige Stallungen des Schlachthofgebäudes, wurden abgerissen und als Garagen neu aufgebaut. Auf ihren Dächern sind zwei je 176 Quadratmeter große
dachintegrierte Kollektorfelder installiert.
Foto: Montage des Kollektorfeldes auf dem Dach der Garagen der Solarsiedlung in Speyer. Sonnenkollektoren mit einer Gesamtfläche von 252 Quadratmetern wandeln die Sonnenstrahlung in
Nutzwärme um, die in das Nahwärmenetz eingespeist wird. Foto: EGS-plan, Stuttgart
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Anschluss aller Niedrigenergiehäuser der Siedlung an das Wärmenetz erforderlich
Mit dem Bau der Wohnsiedlung wurde 2003 begonnen. Die ersten Häuser wurden noch von einer provisorischen Fernwärmestation versorgt. Im Frühjahr 2005 waren die Heizzentrale und das
Kollektordach installiert. Zurzeit sind über 40 Einfamilienhäuser an das Nahwärmenetz angeschlossen, im Endausbau werden es 61 Wohnhäuser sein. Das von den Stadtwerken Speyer und
dem Steinbeis-Transferzentrum in Stuttgart entwickelte Energiekonzept sieht vor, dass ein wesentlicher Teil des Wärmebedarfs mit Solarenergie gedeckt wird. Voraussetzung für einen
wirtschaftlichen Betrieb der Nahwärmeversorgung ist der Anschluss aller Häuser an das Wärmenetz sowie die Ausführung der Gebäude als Niedrigenergiehaus.
Knapp ein Viertel der Wärme soll von der Sonne geliefert werden
Der Anschluss an die Nahwärmeversorgung ist für die Bauherren bindend vorgesehen. Bei der Planung wurde ein Jahres-Gesamtwärmebedarf von 762 Megawattstunden (MWh) errechnet. Davon
entfallen 501 MWh auf die Gebäudeheizung, 152 MWh sind für die Warmwasserbereitung mit Warmwasserzirkulation vorgesehen und 109 MWh gehen auf das Konto von Netzverlusten. Die
Solaranlage soll mit einer Endausbaufläche von 554 Quadratmeter bei einem spezifischen Jahresertrag von rund 309 kWh/m2 jährlich etwa 171 MWh liefern. Dies ergibt einen geplanten
solaren Deckungsanteil von gut 22 % am Gesamtwärmebedarf.
Großes Solardach füllt Pufferspeicher mit Wärme
Bislang wurden 352 m2 Solarkollektoren als so genannte Solar Roof-Systeme installiert: Die optisch ansprechenden Kollektoren ersetzen die Dachhaut und sparen somit zusätzliche
Kosten für die herkömmliche Dacheindeckung. Die solare Wärme für das Neubaugebiet "Alter Schlachthof" wird über eine Kollektorkreispumpe, den Kollektorkreis-Wärmetauscher und die
Ladepumpe in den oberen oder mittleren Bereich des Solar- und Kesselpufferspeichers transportiert. Der obere etwa 13 m3 große Bereich des Puffers wird vom Kessel auf einer
mittlere Bereitschaftstemperatur von zirka 68 °C gehalten. Die Netzrücklaufbeimischung sorgt dafür, dass die Netzvorlauftemperatur von 66 °C (anfangs 63 °C) eingehalten wird,
besonders auch dann wenn der Speicher von der Solaranlage auf höhere Temperaturen erwärmt wird. Die Wärmeentnahme aus dem Puffer erfolgt durch das Nahwärmenetz, wobei der
Netzrücklauf in den Puffer entweder unten oder in ein Drittel der Höhe einströmt (siehe Abbildung).
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Vereinfachtes Schaltschema der Solaranlage (P1=Kollektorkreispumpe, P2=Ladepumpe, P3=Netzpumpe, P4=Kesselpumpe). Grafik: ZfS – Rationelle Energietechnik GmbH, Hilden
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Erste Betriebserfahrungen ohne nennenswerte Störungen
Die Solaranlage wurde im Frühjahr 2005 mit zunächst nur einem Teil-Kollektorfeld (176 m2) in Betrieb genommen, da zu diesem Zeitpunkt erst wenige Häuser angeschlossen waren. Die
Messdatenerfassung war ab Juli 2005 voll funktionsfähig. Die erste reguläre Jahres-Messperiode begann Mitte Februar 2006. Ziel des Messprogramms ist unter anderem die Überprüfung
und Optimierung des Betriebsverhaltens, damit die hier gewonnenen Erfahrungen in den Bau neuer Solaranlagen einfließen können, und zusätzlich die Bilanzierung der Energiewerte.
Seit Beginn der Datenaufzeichnung lief die Solaranlage ein Jahr lang ohne nennenswerte Störungen. Mitte Oktober 2005 wurde das zweite Kollektorfeld angeschlossen (insgesamt nun
352 m2 aktive Absorberfläche). Im Juli 2006 traten nach einem 5-tägigen Ausfall der Kollektorkreispumpe vorübergehend Probleme mit der Durchströmung der Kollektorfelder auf, die
jedoch durch eine neue Einregulierung der Kollektorfelder behoben werden konnten. Die Wärmeübertragung vom Nahwärmenetz an die Gebäude erfolgt in Wärmeübergabestationen mit
separaten Wärmetauschern zur Warmwasserbereitung im Durchfluss und für die Raumheizung. Die Wärmemengenzähler der Stationen sind mit einem Datenbus vernetzt. Dadurch können alle
Stationen im Betrieb überwacht bzw. optimiert werden. Dies begünstigt niedrige Rücklauftemperaturen, was eine wichtige Voraussetzung für eine gute Effizienz der Solaranlage
ist.
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Montage des 100 Kubikmeter großen Solar- und Pufferspeichers; Speicher im ehemaligen Kesselhaus. Fotos: EGS-plan, Stuttgart.
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Netztemperaturen und Kollektorkreiswirkungsgrad entsprechen den Erwartungen
Die Temperatur am Ausgang des Solarpuffers lag im Tagesdurchschnitt meist zwischen 65 und 70 °C. Nach Anschluss des zweiten Kollektorfeldes wurden an manchen Tagen im Sommer 2006
zeitweise fast 90 °C erreicht. Durch die Netzrücklaufbeimischung wurde jedoch eine konstante Netzvorlauftemperatur von 63 °C bzw. 66 °C eingehalten. Die Netzrücklauftemperatur lag
bis Mitte September 2005 meist um 43 °C und sank inzwischen mit Beginn der Heizperiode 2006 unter 35 °C. Im Durchschnitt war die Netzrücklauftemperatur im Jahre 2005 um ca. 3
Kelvin (K) höher als gleichen Zeitraum 2006, was durch das Estrich-Aufheizprogramm für neu gebaute Häuser und die anfangs noch sehr geringe Wohnbelegung erklärbar ist.
Kennlinien des Kollektorkreises weichen kaum vom einzelnen Kollektor ab
Die Kenntnis der Kollektorkennlinie und der sich daraus ableitenden Kollektorkennwerte ist notwendig, um die Nutzenergie einer thermischen Solaranlage mit Hilfe eines
Simulationsprogramms berechnen zu können. Ermittelt wird diese unter genormten, eng definierten und stationären Prüfbedingungen im Labor. Zur Überprüfung des
Kollektorkreiswirkungsgrades (Kollektorfeld inkl. Verrohrung bis zum Wärmetauscher) wurden Messwerte aus dem Sommer 2006 mit der Wirkungsgradkennlinie des Einzelkollektors
verglichen (siehe Abbildung) .
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Wirkungsgrad-Kennlinien eines Einzelkollektors und des Kollektorkreises. Quelle: ZfS – Rationelle Energietechnik GmbH, Hilden
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Die gemessene Trendlinie des Kollektorkreises liegt nur um 5%-Punkte unter der Labor-Kennlinie des Einzelkollektors. Diese Abweichung ist gering und unter anderem begründet durch
Wärmeverluste der Rohrleitungen, Verschmutzung der Verglasung, Serienstreuung der Kollektorgüte und evtl. Ungleichmäßigkeiten der Kollektordurchströmung. Der Wirkungsgrad des
Kollektorkreises entspricht demnach den Erwartungen.
Ziel: Investitionskosten durch eingesparte fossile Energie auffangen
Das Projekt in Speyer belegt, dass sich solar unterstützte Nahwärmesysteme für die Wärmeversorgung von Neubausiedlungen anbieten und eignen. Das Ziel künftiger Vorhaben ist
– mit Blick auf den Wohnungsmarkt - eine "warmmietenneutrale" Realisierung. Die Erhöhung der Kaltmiete durch die notwendigen Investitionen soll durch die eingesparte fossile
Energie und damit niedrigere Betriebskosten aufgefangen werden.
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Mit der Installation eines weiteren Kollektorfeldes ab Frühjahr 2007 wird auch das Projekt-Monitoring weitergeführt. Nach Auswertung der Messergebnisse im Endausbau ist im Jahr
2008 eine belastbare Wirtschaftlichkeitsbetrachtung zu erwarten.
Energiebilanz und Kosten der Solaranlage (Planwerte).
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