Solaranlagen und Produkte der Vormonate:
|
Solarstrom-Weltrekord auf einem Dach: Der "Sonnenfleck"
Initiator Erhard Renz, die Mitunternehmer bei Tauber Solar und die Projektgemeinschaft "Sonnenfleck-tts-Bürstadt" haben guten Grund zu feiern: Sie haben im hessischen Bürstadt
(Kreis Bergstraße) auf dem Gebäude des Logistik-Unternehmens tts das größte Solar-Dach der Welt gebaut. In direkter Nachbarschaft zum Atommeiler Biblis entstand - angestoßen von
Renz - in rund zwei Jahren die weltweit größte auf einem einzigen Dach installierte Photovoltaikanlage mit einer Spitzenleistung von 5 Megawatt peak (MWp). Damit übertrifft der
"Sonnenfleck" das größte auf einem Dach installierte Solarkraftwerk in Deutschland (Neue Messe München; 2,1 MW) und belegt einen weltweiten Spitzenplatz zusammen mit den
Freiflächenanlagen "Solarstromkraftwerk Leipziger Land" (5 MW) und dem Solarkraftwerk "Geiseltalsee" bei Merseburg (4 MW). Der Solarpark "Zeche Göttelborn" auf dem Gelände eines
ehemaligen Kohlebergwerks im Saarland wird eine Spitzenleistung von 7,4 Megawatt haben.
|
|
|
|
30.000 Module auf einem Dach: Solarkraftwerk im Industriegebiet von Bürstadt (Hessen). Quelle: Tauber Solar.
|
|
Der "Sonnenfleck" ist ein unübersehbares Zeichen für den Aufbruch zur sicheren, emissionsfreien, geräuschlosen und direkten Stromproduktion - unabhängig von Rohstofflieferungen.
Das Solarkraftwerk benötigt weder Öl noch Gas, keine Kohle und kein Uran. Die Umwandlung von Sonnenlicht in Elektrizität, kann zwar zurzeit und allein kein Atomkraftwerk ersetzen
- die beiden Reaktorblöcke in Biblis bringen es zusammen auf 2.407 Megawatt - doch zusammen mit anderen regenerativen Energiequellen eröffnet sie neue Perspektiven und Potenziale.
Bereits im Jahr 2020 kann die Photovoltaik laut einer Studie von Greenpeace und dem europäischen Industrieverband für Photovoltaik (EPIA) über eine Milliarde Menschen mit Energie
versorgen. Auch die Leistung des Sonnenflecks beeindruckt, betonen die Betreiber. Immerhin entspreche die Kapazität der Solarkraftwerks der Motorenleistung eines ICE 2.
Am Samstag, den 21. und am Sonntag den 22. Mai 2005 haben Besucher der "5 MWp-Abschlussparty" Gelegenheit, die 30.000 Solarmodule des Kraftwerks zu besichtigen, von einem bereits
zum Baubeginn errichteten Aussichtsturm. Denn die Module bedecken eine Dachfläche, deren Größe acht Fußballfeldern entspricht. Der Solarserver präsentiert den Sonnenfleck als
"Anlage des Monats" im Mai 2005.
Große Dächer gesucht - und gefunden
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) war zum 1. April 2000 in Kraft getreten und garantierte feste Einspeisevergütungen für Solarstrom über 20 Jahre. Vor diesem Hintergrund
suchte der in Sachen Windkraft, im Solarverein Bensheim und in der "Aktion Solarbrücke" aktive Bürstädter Erhard Renz mit Claus Rothenbach von der RALOS GmbH nach großen Dächern
für die Installation von Photovoltaikanlagen. Fündig wurden Sie im Bürstädter Industriegebiet. Der städtische Umweltberater Micha Jost und Bürgermeister Alfons Haag stellten den
Kontakt zu dem Logistikunternehmen tts her. Architekt Nikolaus Glanzner sprach mit der Geschäftsleitung über die Eignung als Solardach.
|
|
|
|
Großes Dach - hohe Solarstromleistung. Quelle: Tauber Solar
|
|
Mit dem Sonnenfleck zeigt die Projektgemeinschaft, dass genügend Flächen für die aktive Nutzung der Solarenergie vorhanden sind. Viele große Dächer von Unternehmen oder
öffentlichen Einrichtungen eignen sich vorzüglich zur Installation von Solarstrom- und Solarwärmeanlagen. Die Zusammenarbeit der Dacheigentümer mit den Solarstromunternehmen trägt
viele Früchte: Neben der sauberen Energieproduktion und den finanziellen Erträgen können die Beteiligten kräftige Imagegewinne verbuchen, denn die Solartechnik steht bei den
Deutschen ausgesprochen hoch im Kurs: Laut einer repräsentativen Umfrage des Institutes für Demoskopie Allensbach ist das "Kraftwerk Sonne" für knapp drei Viertel der Bevölkerung
die Wunschenergiequelle der Zukunft (74 Prozent). Damit nimmt die Solarenergie eine Spitzenstellung ein, vor allen anderen Energieträgern. 64 Prozent der Befragten sind zudem
überzeugt davon, dass Sonnenenergie in den nächsten 20 bis 30 Jahren den größten Beitrag zur Energieversorgung leisten werde. "Der Sonnenfleck in Bürstadt ist ein markantes
Zeichen für dachintegrierte PV-Anlagen beträchtlicher Größe. Mit dieser Anlage wurde die 15 000 Einwohner-Stadt Bürstadt an die Spitze der Solarbundesliga katapultiert. Wenn wir
auf verständnisvolle Planer und Dachbesitzer sowie Kommunen und lokale Initiatoren stoßen, sind weitere Projekte dieser Größenordnung möglich", sagt Dr. Leonhard Haaf, Sprecher
der Projektgemeinschaft.
Teamwork am Boden und auf dem Dach
Nach der Einigung mit dem Logistikunternehmen tts schlossen sich die RALOS GmbH und die Schölzl KG als Partner zusammen und gründeten mit der activ solar Energietechnik GmbH aus
Tauberbischofsheim eine Arbeitsgemeinschaft. Die Mittel für dieses Großprojekt beschaffte die Tauber Solar Management GmbH, die bis zu diesem Zeitpunkt bereits
Photovoltaik-Großanlagen mit insgesamt zwei Megawatt Peak finanziert und an das Netz gebracht hatte. Am 2.4.2003 wurde der Dachnutzungsvertrag unterzeichnet und die
Projektgemeinschaft "Sonnenfleck-tts-Bürstadt" konnte mit dem Bau beginnen. Auch für die Projektierung und den Betrieb zeichnet Tauber-Solar mit Sitz in Tauberbischofsheim
verantwortlich. Gegründet wurde das junge Unternehmen von vier engagierten Solarstrombegeisterten: "Der Enthusiasmus, der uns trägt, kommt von der Faszination der Photovoltaik",
sagen die Geschäftsführer Klaus-Bruno Fleck, Zeno Fleck, Thomas Schmiedel und Dr. Leonhard Haaf. Dafür, dass die Module auf die 15 ½, jeweils über 200 Meter breiten Shed-Dächer
kamen, sorgten Solarstrom-Spezialisten in der Arbeitsgemeinschaft. Zusammen haben die Installateure bis zur Endabnahme rund 17.500 Stunden gearbeitet, hinzu kamen 2.500 Stunden
bei den Zulieferern.
30.000 Module und 12 Zentralwechselrichter
Auf hintereinander gesetzten Satteldächern der Spedition wurden in 4 Bauabschnitten mit jeweils 1,2 bis 1,4 MWp rund 30.000 Module von BP Solar montiert und an das Stromnetz
angeschlossen. Im ersten Schritt 7.276 Module à 165 Watt peak, in der zweiten Runde 7.290 dieser Module. Ab dem dritten Bauabschnitt wurden 6.804 Module mit jeweils 175 Wp und im
vierten Bauabschnitt 7.812 je 180 Wp installiert. Die Module wurden auf Dachflächen mit Bitumenbahnen montiert und in das Dach integriert. So wird die Dachhaut geschützt und
Temperaturschwankungen werden minimiert. Für die Unterkonstruktion kam das System "SolRif" der Schweizer Unternehmer Andreas Haller und Ernst Schweizer zum Einsatz. Zur
Überbrückung der 200 Meter breiten Shed-Dächer wurde ein eigenes Transportsystem benutzt, das die Unterkonstruktion als Schiene genutzt hat. So war es möglich, mehrere Module
gleichzeitig zu bewegen, was eine enorme Zeitersparnis brachte.
|
|
|
|
|
Unterkonstruktion, Modulfeld. Quelle: Tauber Solar
|
|
12 Zentralwechselrichter von Siemens, aufgebaut in 4 Betonstationen wandeln den Gleichstrom der Solarmodule in netzkompatiblen Wechselstrom um. Jede dieser Transformatorstationen,
wiegt 36 Tonnen. Der Strom wird in das Netz der Elektrizitätswerke Rheinhessen (EWR) eingespeist und nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetzt (EEG) vergütet. Damit die Öffentlichkeit
die Fortschritte während der zweijährigen Bauzeit beobachten konnte, wurde eigens ein Besucherturm errichtet, der einen Blick auf die wachsende Anlage erlaubte. In Bürstadt war
der aktuelle Solarstrom-Boom gleich zwei Mal zu erkennen: Zum Einen stieß der "Sonnenfleck" Schritt für Schritt in neue Größenordnungen der dachintegrierten Photovoltaik vor. Zum
Anderen hätte das Vorhaben noch rascher abgeschlossen werden können, wenn keine Engpässe bei der Lieferung der begehrten Module aufgetreten wären, erläutert Dr. Haaf von Tauber
Solar.
Monokristalline Module der Saturntechnologie von BP Solar
Bei der Auswahl der Module für den 50 000 Quadratmeter großen Solargenerator, entschied sich die Projektgemeinschaft "Sonnenfleck-tts-Bürstadt" für die "Saturn 7"-Serie von BP
Solar.
|
|
Die Modulserie wurde speziell für den europäischen Markt entwickelt und wird in einer hochmodernen Fabrik in Spanien hergestellt. Mit einer positiven Leistungstoleranz von
-0/+2,5% ist die tatsächliche Leistung dieser Module laut Hersteller immer größer oder gleich der angegebenen Nennleistung. Die Mikrostruktur der Zelloberfläche der Saturn 7-Serie
unterscheidet sich laut BP Solar erheblich von normalen Zellen: Die Oberfläche wird in einem aufwändigen Verfahren so gestaltet, dass mikroskopisch kleine Pyramiden entstehen
(Nano-Struktur). So gehe kaum Sonnenlicht durch Reflektion verloren.
BP-Photovoltaikmodul "Saturn-Technologie". Quelle: BP Solar.
|
|
|
Nicht nur die Pyramiden-Struktur der Zelloberfläche führe zur besseren Absorption von diffusem Licht, sondern auch ein weiterer Faktor: Siliziumnitrit stabilisiere die solaren
Ladungsträger und sorge dafür, dass mehr Elektronen zur Leiterbahn gelangen. Bei herkömmlichen Solarzellen wird ein Gitter aus Metall-Paste per Siebdruck auf die Zellenoberseite
aufgetragen. Bei der "Saturn 7"-Serie werden so genannte Laser-Kontakt-Bahnen (Laser Grooved Buried Contact, LGBC) verwendet. Diese sind acht Mal schmaler als aufgedruckte Gitter
und führen zu einer größeren photoaktiven Fläche.
|
|
Die Saturn 7-Module erlauben eine Systemspannung von 1.000 Volt. Diese hohe Betriebsspannung reduziert Verluste in der Verkabelung und im Wechselrichter und ermöglicht es, mehr
Leistung zu produzieren. Durch die Technologie der in das Modul einlaminierten Bypass-Dioden (IntegraBusTM -System) werden die Solarzellen vor Rückströmen durch Abschattung
geschützt.
Strom-Spannungs-Kennlinie des BP-Photovoltaikmoduls. Quelle: BP Solar.
|
4,5 Megawattstunden Solarstrom pro Jahr - 23 Millionen Euro, die sich rechnen
Nach den Berechnungen der Betreiber erzeugt das Solarkraftwerk pro Jahr etwa 4.500.000 Kilowattstunden Strom. Das reicht bei einem angenommenen Jahresverbrauch von 3.750 kWh
ganzjährig für 1.200 Vier-Personen-Haushalte. Oder für 9 % des in der 15.000 Einwohner zählenden Kommune Bürstadt verbrauchten Stroms.
|
|
|
|
|
Fast geschafft. Montage der Module auf den letzten Shed-Dächern im Frühjahr 2005. Quelle: Tauber Solar.
|
|
Das Kapital für die beachtliche Solarstrom-Investition in Höhe von rund 23 Millionen Euro stammt komplett von Mitunternehmern, die sich als Atypisch Stille Gesellschafter an einer
der Tauber-Solar-GmbHs zur Finanzierung des Sonnenflecks beteiligt haben. Ihnen winken nach 15 Monaten Ausschüttungen in Höhe von 8,5 % pro Jahr - und das bis zum Ende der
20jährigen Laufzeit. Hinzu kommen laut Tauber Solar für jeden Mitunternehmer Rücklagen in Höhe von 0,7 %. Mit der gesetzlich garantierten Einspeisevergütung für den Solarstrom
wird sich der Kapitaleinsatz bereits im 13. Betriebsjahr lohnen. Der Investition von 23 Millionen Euro stehen jährliche Erlöse aus dem Stromverkauf in der Größenordung von rund
2,25 Millionen Euro pro Jahr gegenüber. Die so genannte energetische Amortisation ist noch schneller erreicht: Innerhalb von zwei bis maximal fünf Jahren hat eine Solarstromanlage
so viel Energie erzeugt, wie für ihre Herstellung benötigt wurde.
Das Freiflächen-Solarstromkraftwerk in Espenhain präsentierte der Solarserver als Anlage des Monats Oktober 2004: Solarstromkraftwerk Leipziger
Land: weltgrößte Photovoltaikanlage tritt an Stelle des Kohleabbaus.
Weitere Informationen unter http://www.sonnenfleck.com
Autor: Rolf Hug. Material und Fotos: Tauber Solar Management GmbH; BP Solar.
|
|
|