Arbeitsplatzqualität, Funktionalität und Energieeffizienz - die zentralen Bestandteile des Gebäudekonzepts
Unter dem gemeinsamen Dach des vom Kopenhagener Architekturbüro Dissing + Weitling entworfenen, 13.000 Quadratmeter großen Gebäudes, befinden sich Büros und Labors, die
bislang auf acht Liegenschaften verteilt waren. Ab sofort spart das ISE über eine Million Mark Miete im Jahr. Architektur und (Solar-) Technik gingen eine zukunftsweisende
Verbindung ein - entsprechend dem Motto des Planungsteams: "Vorbildliches Bauen mit der Sonne". Die Vorgaben waren klar: effiziente Energienutzung, hohe Qualität der
Arbeitsplätze und ansprechende Gestaltung. Dabei zählt das ISE-Gebäude keineswegs zu den spektakulären Solarhäusern, wie beispielsweise das ebenfalls in Freiburg zu
bewundernde "Heliotrop"-Haus des Architekten Rolf Disch. Das neue ISE wirkt betont sachlich und funktional.
Auf Grund der Nord/Süd Erstreckung des Grundstücks an der Heidenhofstraße nordwestlich der Innenstadt entschieden sich die Planer für einen Längsbau (Hauptgebäude) mit
angegliederter Erschließungsachse (Magistrale) sowie drei ost/west-orientierten Flügeln. Den Besucher, der den nach Süden ausgerichteten Kopfbau betritt, empfängt ein Atrium
mit Shed-Dach und Photovoltaik-Modulen. Hier kommen die ästhetischen Merkmale des Gebäudes besonders gut zur Geltung: Es wirkt offen, kommunikativ und funktional-elegant. In
diesem Teil des Neubaus sind die Verwaltung und zentrale Dienste untergebracht.
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An der westlichen Seite schließen sich parallel zur Magistrale Technikraum, Reinraum und Werkstätten an. Die 3-geschossigen Flügel beherbergen teilweise klimatisierte Labors
auf der Nordseite und Büros auf der Südseite, bei denen auf eine aktive Klimatisierung verzichtet werden konnte. Die Flachdächer der Flügel übernehmen die Funktion von
Flächen für Freiversuche.
Die Flügel sind jeweils ost/westorientiert, die Abstände mit Rücksicht auf die Tageslichtnutzung groß. Flügelstruktur und Zonierung kombinieren die passive
Solarenergienutzung im Winter mit niedrigen Wärmelasten im Sommer.
Grafik: Fraunhofer ISE
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Klimatisierung und Lüftung
Durch eine integrale Planung sollen in den Büros die Möglichkeiten der passiven Klimatisierung ausgeschöpft werden. Mittels einer dynamischen Gebäudesimulation ermittelte
das Planungsteam die notwendigen Maßnahmen: Glasflächen und -typen in der Fassade wurden angepasst; ein effektiver, außen liegender Sonnenschutz wird automatisch gesteuert;
die Lüftung ist optimiert.
Im Sommer sorgt eine Abluftanlage in Verbindung mit den freien Stahlbetondecken (sie kühlen schneller aus als abgehängte Decken) für die Entwärmung des Gebäudes. Bis zu
fünfmal pro Nacht wird die Luft ausgetauscht. Zusätzlich werden die Oberlichter von Hand geöffnet, um den Druckverlust in Anbetracht der hohen Volumenströme zu verhindern.
Selbst lange Hitzeperioden dürften kein Problem darstellen; das Konzept geht von einigen wenigen Tagen mit Raumtemperaturen über 26 ° Celsius aus.
Ein Luft-/Erdregister zur Kühlung und Vorwärmung der Zuluft ist zusätzlicher Bestandteil der Lüftung des Kopfgebäudes: 7 jeweils 100 Meter lange Kunststoffrohre mit einer
Nennweite von 25 Zentimetern liegen 6 Meter tief im Arbeitsraum der Ausschachtung für das 2. Untergeschoß der Erschließungsachse. Für genügend frische Büroluft sorgt in der
kalten Jahreszeit eine Abluftanlage: Der Grundluftwechsel beträgt 30 Kubikmeter pro Person und Stunde.
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Die Außenluft strömt über Spaltventile in den Fensterrahmen in die Büros und via Unterdruck durch Lüftungslamellen oberhalb der Türen in den Flur. Von dort wird die Abluft
zentral entnommen, ihre Wärme wird der Wärmerückgewinnung der Labors zugeführt.
Das Lüftungskonzept des Kopfgebäudes.
Grafik: Fraunhofer ISE
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Licht und Beleuchtung
Der Verzicht auf eine Klimaanlage für die Büros spart ebenso Strom wie die Lichtlenkung, welche zudem für angenehmes Tageslicht an den (Bildschirm-) Arbeitsplätzen sorgt.
Die in das Dach und die Fassaden integrierte, etwa 200 Quadratmeter große Solarstromanlage kann so rein rechnerisch den Strombedarf für die gesamte elektrische Beleuchtung
decken.
Damit die Mitarbeiter des ISE nicht nur für die Nutzung der Solarenergie arbeiten können, sondern auch genug Sonnenlicht bekommen, wurde die Flügelstruktur des Gebäudes
gewählt: Sie erhöht den Lichteinfall. Die Ausrichtung der Bürotrakte minimiert die ungünstigen Ost- und Westfassaden. So begegneten die Architekten beispielsweise der
Blendgefahr durch den in diesen Himmelsrichtungen ganzjährig niedrigen Sonnenstand. Die Fassadengestaltung und die Auswahl der Leuchten erfolgten im Anschluss an eine
Lichtsimulation.
Architekten und Fachingenieure entwickelten eine Fassade mit 4 funktionalen Segmenten: Brüstung, Fenster, Blendpaneel und Oberlicht.
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Das deckenbündige Oberlicht läßt das Licht möglichst hoch einfallen; eine durchgehende Außenjalousie mit zweigeteilter Bedienung gewährleistet den Sonnenschutz und lässt
dennoch genügend Tageslicht einfallen.
Das Zusammenspiel von Tages- und Kunstlicht.
Grafik: Fraunhofer ISE
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Ist sie ganz heruntergefahren, schließen die Lamellen vor dem Fenster, während sie vor dem Oberlicht in waagrechter Stellung bleiben. Energie-Effizienz heißt auch sinnvolles
Sparen: Für das ISE entschieden sich die Ingenieure für eine Beleuchtungs-Elektronik ohne "Stand-by"-Verbrauch: Die Grundbeleuchtung von 75 Lux übernimmt eine indirekt
strahlende Stehleuchte pro Büro, deren Stromkreis bei ausreichendem Lichteinfall automatisch zentral abgeschaltet wird. Die einzelnen Arbeitsplätze verfügen über
Tischleuchten mit 500 Lux. Zusammen sind in den Büros nur 10 Watt pro Quadratmeter Lichtleistung installiert, in den Fluren 6W/m2. Der jährliche Strombedarf für Kunstlicht
liegt bei zirka 10 Kilowattstunden pro Quadratmeter.
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Solare Energieversorgung und effektive Energieumwandlung
Trotz aller Energiesparmaßnahmen und der Wärmerückgewinnung aus der Abluft können die hauseigene PV-Anlage und die thermische Solaranlage nur einen Bruchteil des gesamten
Bedarfs des ISE decken: Ein gasbetriebenes Blockheizkraftwerk (BHKW) kombiniert mit einer Absorptionskältemaschine, deckt den ganzjährig hohen Energiebedarf von Reinraum,
Labors und Produktionsstätten (z.B. elektrische Diffusionsöfen mit 300 Kilowatt Anschlussleistung).
Die Abwärme, die im Winter zum Heizen genutzt wird, kann im Sommer in Klimakälte umgewandelt werden. Wirtschaftlich ist dieser Kraft/Wärme/Kälte-Verbund allerdings erst,
wenn der hohe Stellenwert einer ausfallsicheren Stromversorgung in die Kalkulation eingeht. Dies gewährleistet das BHKW und verringert die damit normalerweise verbundenen
Investitionskosten.
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Ansicht eines der beiden Module des Blockheizkraftwerks vom Typ MDE.
Foto: Fraunhofer ISE.
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Die Anlage soll sich nach 8 Jahren wirtschaftlich amortisieren, dann soll der um 15% geringere Verbrauch die im Vergleich zu einer herkömmlichen Energieversorgung nahezu
doppelt so hohen Anfangsinvestitionen wieder eingespielt haben.An die Zukunft wurde auch gedacht: Bei Bedarf kann das BHKW gegen ein Brennstoffzellenaggregat mit
Erdgasreformer ausgetauscht werden.
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Die Kenndaten der Energieversorgung
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Tabelle: Fraunhofer ISE
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Die solaren Komponenten der Energieversorgung können sich sehen lassen - auch wenn sie wegen ihrer geglückten Integration kaum oder nur aus der Luft zu erkennen sind. Die
Solarstromanlage leistet insgesamt 20 Kilowatt, davon entfallen 10 Kilowatt Spitzenleistung (kWp) auf in die Tragkonstruktionen der Flügelfassaden eingehängte Module,
weitere 7 kWp liefern die Solarzellen im Isolierglas des südlichen Teils der Sheddach-Konstruktion für das Atrium und 3 kWp sind in die Fassade am südlichen Ende der
Magistrale integriert. Mit einem g-Wert von 24% (Energie-Durchlass bezogen auf die Sonneneinstrahlung) übernehmen die Module zugleich Wärme- und Sonnenschutzfunktionen.
Kollektoren mit einer Gesamtfläche von 20 Quadratmetern tragen mit drei Vierteln zur Warmwasserversorgung der Kantine bei.
Durch Maßnahmen zur Energie-Einsparung und effiziente Energieversorgung soll der Wärmebedarf des Instituts rund 40 % unter dem Niveau der Wärmeschutzverordnung liegen und
auch bei künftigen Ausbauten von Ausstattung und Funktionalität nicht steigen. Würde das BHKW auch in der Nacht betrieben, sänke der Primärenergiebedarf weiter. Ob dies Sinn
macht soll noch überprüft werden - derzeit übersteigen die Kosten der Eigenstromerzeugung während der Nacht den Bezugspreis für Strom aus konventioneller, meist fossiler
Produktion.
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3 Kilowatt Pholtovoltaik-Leistung sind in die Fassade des Neubaus am südlichen Ende der Magistrale integriert. Die Module übernehmen zugleich Wärme- und
Sonnenschutzfunktionen.
Foto: Fraunhofer ISE
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Nach dem bereits erfolgten Umzug aller Beschäftigten und der Einweihung, die am 23. November stattfinden wird, geht die Arbeit eines mit dem Bau befassten Teams weiter: Die
laufende Überwachung und Bewertung des Gebäudes erfolgt im Rahmen des Forschungsprojektes "SolarBAU:Monitor", gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und
Technologie (BMWi).
Das ISE gibt Architekten, Ingenieuren, Hausplantechnikern, Bauherren und Baufachleuten sowie sonstigen Interessenten die Gelegenheit zu fachkundiger Führungen durch das neue
Institutsgebäude (Architektur: Dissing + Weitling, Kopenhagen). Themenschwerpunkte: Tageslichtnutzung, Passive Kühlung für hohe Arbeitsplatzqualität bei geringem
Energieverbrauch sowie Integration von Solarsystemen in die Energieversorgung.
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Führungen durch das Gebäude finden zu folgenden Terminen statt (15-16.30 Uhr; Kosten: DM 15,- / Person):
Freitag, 12. Oktober 2001; Freitag, 14. Dezember 2001; Freitag, 8. Februar 2002; Freitag, 19. April 2002;
Foto: Fraunhofer ISE
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Informationen im Internet finden Sie unter www.solarbau.de.
Lesen Sie auch den Solar-Report über das ISE Kreativität und Kontinuität - Solarforschung in Theorie und Praxis
Material und Bilder: Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme ISE, 79100 Freiburg. Redaktion Solarserver: Rolf Hug.
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