Wirtschaftlichkeit von PV-Anlagen:
Nicht nur eitler Sonnenschein
von Dr. Andreas Wutz und Rainer Weng
13. April 2006
Die Nachfrage nach Photovoltaikanlagen ist seit nunmehr zwei Jahren ungebrochen hoch. Doch gegenüber der Situation vor einem Jahr haben sich die Rahmenbedingungen geändert. Jeder,
der gegenwärtig mit dem Gedanken einer Anschaffung spielt, sollte die Investition präzise kalkulieren, um böse Überraschungen zu vermeiden. Die Wirtschaftsberater Dr. Andreas Wutz
und Rainer Weng haben für den aktuellen Solar-Report nachgerechnet und zeigen die wichtigsten Entscheidungskriterien.
Um den Anteil erneuerbarer Energien am Energiemix zu erhöhen, hat die rot-grüne Bundesregierung mit dem Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) in der Fassung vom 1. August 2004 die
Rahmenbedingungen für eine gezielte Förderung von Strom aus erneuerbaren Energien geschaffen. Dieses Ziel sollte durch eine über den Marktpreisen liegende Einspeisevergütung für
Windstrom, Strom aus Geothermie, Wasserkraft und Bioenergie sowie für Solarstrom erreicht werden.
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In der Folge ist eine Goldgräberstimmung entstanden: Die Nachfrage privater Hausbesitzer und gewerblicher Unternehmen mit großen Dachflächen nach Photovoltaikanlagen explodierte
regelrecht - was bei erwarteten Renditen von bis zu 20 % niemanden überrascht haben dürfte.
Gefragt wie nie: Solarstrom boomt in Deutschland dank der verläßlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen. Photovoltaikanlagen werden immer größer. Im Bild: Solarstrom-Kraftwerk auf
dem Dach des Fußballstadions "Bielefelder Alm". Foto: Bundesverband Solarwirtschaft (BSW); SMA Technologie AG.
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Konnte man vor zwei Jahren Solarmodule noch ab Lager kaufen, so hat der entstandene Boom dazu geführt, dass gegenwärtig nahezu alle Anbieter von Solarstromanlagen ihre Bestände an
Modulen bis weit in das Jahr hinein bereits verkauft haben. Wer sich für die Installation einer Solarstromanlage entscheidet, muss daher momentan mit langen Lieferfristen rechnen.
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Systempreis hat merklichen Einfluss auf die Rendite
Auch wenn die Rahmenbedingungen nach wie vor verheißungsvoll sind, führen zwei Faktoren dazu, dass Investoren genau kalkulieren sollten. Zum Einen ist die Einspeisevergütung, wie
im EEG vorgesehen, mit Beginn des Jahres 2006 erneut um 5 % gesunken. So wird Solarstrom aus Dachanlagen mit einer Spitzenleistung bis 30 kWp mit 0,518 €/kWp vergütet, statt
bisher mit 0,545 €/kWp. Zum Anderen hat die gestiegene Nachfrage nach Photovoltaikmodulen zu deutlichen Preissteigerungen geführt. Eine von der Zeitschrift Photon
durchgeführte Befragung zeigt, dass die Preise zu Beginn des Jahres 2006 gegenüber den Werten vor einem Jahr um rund 10% gestiegen sind. Nicht selten werden für komplette
Solarstromsysteme bis zu 5.000 Euro pro kWp verlangt. Eine Beispielrechnung ergibt, dass ein Preisunterschied von 200 Euro pro Kilowatt installierter Leistung unter sonst gleichen
Bedingungen bei der Rendite bereits einen Unterschied von einem Prozentpunkt ausmachen kann.
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Rendite in Abhängigkeit vom Systempreis von Solarstromanlagen. Quelle: Rainer Weng, RWC.
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Nicht nur der Modulpreis spielt eine Rolle
Während in Deutschland aufgrund der sich verschlechternden Rahmenbedingungen ein leichter Rückgang der Nachfrage erwartet wird, wird in anderen europäischen Staaten wie Spanien
oder Italien aufgrund neuer, vorteilhafter Bestimmungen mit steigender Nachfrage gerechnet, so dass sich die gesamteuropäische Nachfrage auf hohem Niveau halten wird. Sinkende
Preise können hierzulande nicht mit Gewissheit erwartet werden. Bei der Auswahl der Module sollte der Preis eine zentrale, aber nicht die alleinige Rolle spielen: So sollte bei
der Auswahl beispielsweise auch der Effizienzverlust der Module (Degradation) im Laufe der Betriebszeit berücksichtigt werden, da ein diesbezüglicher Unterschied langfristig
ebenfalls erheblichen Einfluss auf die Rendite einer Anlage haben kann.
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Grenzpreis und Durchschnitt der Einspeisevergütung abhängig von der Größe der Solarstromanlage. Quelle: Rainer Weng, RWC.
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Kalkulation Planung und Bank
Grundlage der Entscheidung für oder gegen die Investition sollte eine fundierte Kalkulation unter Einbezug aller relevanter Ertrags- und Kostenpositionen sein. Wenn der Bauherr
oder Investor nicht bereits selbst Überlegungen zur Wirtschaftlichkeit angestellt hat, muss er spätestens zu den Verhandlungen mit der Bank eine Kalkulation vorlegen, um die so
genannte Kapitaldienstfähigkeit der Investition nachweisen zu können. Mit Hilfe spezieller Software, zum Beispiel dem Programm PV-Kalk, kann eine integrierte Ertrags- und
Liquiditätsplanung über die gesamte Laufzeit der Anlage erstellt werden. Als Rentabilitätskennzahl ermittelt PV-Kalk den Internen Zinssatz, der als gängige Kennzahl auch bei
Investitionsentscheidungen in Unternehmen aller Größenordnungen verwendet wird. Die Ertragsplanung muss um eine Liquiditätsplanung ergänzt werden, um nachzuweisen, dass die
künftigen Zins- und Tilgungszahlungen (Kapitaldienst) aus den laufenden Einkünften getätigt werden können.
Grundlage für die Berechnung der Umsatzentwicklung sind die Höhe der Einspeisevergütung und der erwartete durchschnittliche Solarstromertrag.
Unterschiedliche Vergütung für kleine und große Anlagen
auf Dächern, an Fassaden und auf Freiflächen
Die Einspeisevergütung hängt sowohl von der Bauart der Anlage (Dach, Fassade, Freifläche) als auch von deren Größe ab. Während die Grenzpreise der Vergütung durch das EEG
festgeschrieben sind, hängt der erzielbare Durchschnittspreis von der Größe der Anlage ab. Fassadenanlagen erhalten eine höhere Einspeisevergütung als Dachanlagen und Anlagen auf
Freiflächen. Bedingt durch die geringere Effizienz von Solarstromfassaden führt die höhere Einspeisevergütung jedoch nicht zwangsläufig zu einer höheren Rentabilität der
Investition.
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Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wird die Einspeisevergütung für 20 Jahre garantiert, so dass keine Preisschwankungen berücksichtigt werden müssen und die Planung
überschaubar wird.
Der Sonne nachgeführte Solarstromanlagen (SolonMover) auf Freiflächen. Bildquelle: Bundesverband Solarwirtschaft (BSW); S.A.G. Solarstrom AG
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Solarstromertrag von mehren Faktoren abhängig
Die zweite entscheidende Größe ist der durchschnittliche Stromertrag. Mit Hilfe der Globalstrahlungskarte kann die Sonneneinstrahlung am gewünschten Investitionsstandort im
langfristigen Durchschnitt ermittelt werden. Die gemessenen Werte reichen von lediglich 800 Kilowattstunden pro Quadratmeter (kWh/m²) in Norddeutschland bis zu über 1.200 kWh/m2
an besonders guten Standorten in Bayern oder Baden-Württemberg. Welcher Stromertrag am jeweiligen Standort erzielt werden kann, wird aber letztendlich durch das Zusammenspiel
vieler unterschiedlicher Faktoren beeinflusst. Dazu zählen neben dem Standort auch die Ausrichtung der Module nach Süden, die Dachneigung, der Wirkungsgrad der technischen
Elemente wie Wechselrichter oder Module sowie die Umgebungstemperatur.
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So erwirtschaften neben den sonnenstarken Monaten im Sommer auch die lichtintensiven Monate im Frühjahr hohe Erträge, da sich bei niedrigen Umgebungstemperaturen ein höherer
Wirkungsgrad erzielen lässt.
Foto: Bundesverband Solarwirtschaft (BSW); SunTechnics Solartechnik GmbH
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Alle Kosten in der Kalkulation berücksichtigen
Da der tatsächlich pro Jahr erzeugte Solarstrom aufgrund der genannten Faktoren vom langfristigen Durchschnitt abweichen kann, sollten mehrere Szenarien mit unterschiedlichen
Stromerträgen pro installiertem Modul kalkuliert werden. So kann die Rendite einer Anlage in Abhängigkeit vom Stromertrag dargestellt werden. So wird die Planungssicherheit
gewährleistet und das Risiko der Investitionsentscheidung reduziert. Neben den einmalig anfallenden Investitionskosten müssen die laufenden Kosten bei der Rentabilitäts- und
Liquiditätsberechnung berücksichtigt werden. Dies sind unter anderem Versicherungsprämien, Kosten für Reparaturen und allgemeine Verwaltungsaufwendungen sowie der Zinsaufwand.
Wenn die Anlage auf einer angemieteten Fläche installiert wird und nach Ablauf des Mietvertrages wieder abgebaut werden muss, sollten auch diese Kosten in die Kalkulation
eingehen.
Finanzierung der Anlage: Eigenkapital und Darlehen
Die Finanzierungskosten können besonders bei größeren Anlagen einen bedeutenden Anteil an den Gesamtkosten ausmachen. Grundsätzlich sollte die Finanzierung mit ausreichend
Eigenkapital erfolgen - als Richtgröße gelten Werte von über 20 % der gesamten Investitionskosten. Der Rest wird in der Regel mit einem Bankdarlehen finanziert. Eine
Photovoltaikanlage kann grundsätzlich über die Hausbank finanziert werden. Da sich die Zinskonditionen der Banken aber deutlich voneinander unterscheiden können, lohnt sich ein
Vergleich unterschiedlicher Finanzierungsangebote. Als Referenzangebot können die von der KfW im Rahmen unterschiedlicher Förderprogramme angebotenen Kreditkonditionen dienen, die
vergleichsweise günstig sind.
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Quelle: Rainer Weng, RWC
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Die Planung sollte mindestens für die Dauer der garantierten Einspeisevergütung aufgestellt werden. Eine Planung in Form eines standardisierten Normaljahres, anhand dessen auch
die kommenden Jahre abgebildet werden, ermöglicht keine fundierte Aussage über die Rentabilität einer Anlage. Daher müssen in die Planung auch Annahmen über die jährliche
Kostenentwicklung und die Inflationsrate über den gesamten Investitionszeitraum Eingang finden. Um die Planungsunsicherheit zu verringern, lohnt sich auch hier die Erstellung
einer Planung mit unterschiedlichen Werten (Planungsparameter).
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Beispiel einer Liquiditätsvorschau für eine 2006 an das Netz gehende Solarstromanlage. Quelle: Rainer Weng, RWC.
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Die Berechnung der Rentabilität sollte durch eine Liquiditätsvorschau unter Berücksichtigung der Tilgungen und der privaten Entnahmen ergänzt werden. Mit den durch die
Solarstromproduktion erwirtschafteten Liquiditätsüberschüssen müssen zunächst die Darlehen getilgt werden. Soweit die Darlehen mit tilgungsfreien Jahren ausgestaltet sind, sollten
in dieser Zeit Rücklagen gebildet werden, um Kosten zu decken, die höher sind als die kalkulierten, zum Beispiel für eventuelle Reparaturen. Da größere Reinvestitionen in der Regel
keine Rolle spielen, bleiben die nach Abzug der vollständigen Tilgung bestehenden flüssigen Mittel beim Betreiber der Anlage.
Die Rahmenbedingungen für Photovoltaikanlagen sind, wie gezeigt, von Projekt zu Projekt unterschiedlich. Deshalb empfiehlt sich eine gründliche Kalkulation vor jeder Investition.
Da die Planung mit einer Reihe von Unsicherheiten behaftet ist, sollten einzelne Parameter variiert und unterschiedliche Szenarien durchgespielt werden. Eine Beispielkalkulation
kann unter anderem mit der kostenlosen Demoversion von PV-Kalk 5.12 durchgeführt werden. Diese kann auf den Service-Seiten des Solarservers heruntergeladen werden unter http://www.solarserver.de/service/wirtschaftlichkeit.html
Die Autoren: Dr. Andreas Wutz ist freier Mitarbeiter bei RWC. Er hat langjährige Erfahrung in den Bereichen Controlling, Finanzierung und Existenzgründung. Dipl.-Kfm. Rainer Weng
ist Geschäftsführer der RWC Wirtschaftsberatung mit Sitz in Nördlingen und Autor der PV-Wirtschaftlichkeitsberechnung "PV-Kalk". E-Mail: info@rw-c.de.
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