Heizen und Kühlen mit erneuerbaren Energien:
Auf dem Weg zu einer europäischen Richtlinie
von Ole Pilgaard
15.02.2005
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ESTIF-Präsident Ole Pilgaard legt dar, weshalb die Zeit reif ist für eine europaweite Gesetzgebung zur Förderung der Heizung und Kühlung mit erneuerbaren Energien. In seinem
programmatischen Beitrag skizziert Pilgaard, die erforderlichen Schritte hin zu einer EU-Richtlinie für Wärme aus regenerativen Energiequellen. Der Präsident der Europäischen
Solarwärmeindustrievereinigung ESTIF analysiert den europäischen Markt sowie die einzelnen Möglichkeiten zur Markteinführung (Zuschüsse, Zertifikate/Quotenmodelle und Verordnungen)
und bewertet die bisherigen Fördermodelle.
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Viele Jahre hat sich die Politik zur Unterstützung der erneuerbaren Energien auf die Elektrizität konzentriert. In der Tat haben viele die Begriffe erneuerbare Energie (RES) und
erneuerbare Elektrizität (RES-E) sinngleich gebraucht. Erst in jüngster Zeit ist das Interesse an weiteren Formen der erneuerbaren Energien in der EU gewachsen. Im vergangenen Jahr
trat die EU-Richtlinie für Biokraftstoffe im Transportsektor in Kraft, und nun wächst auch das Interesse an der Heizung und Kühlung mit erneuerbaren Energien (RES-H) stetig.
Die Verzögerung, mit der das Potenzial von RES-H erkannt wird, überrascht ein wenig, wenn man bedenkt, dass natürliche Ressourcen wie die Sonnenenergie und die Biomasse seit
Tausenden von Jahren zur Erwärmung von Nahrungsmitteln und Wasser sowie zur Heizung genutzt werden. Moderne Anlagen zur Heizung und Kühlung mit erneuerbaren Energien haben wenig
gemein mit ihren Vorgängern. Denn es handelt sich um höchst effiziente Systeme, die Wärme für unterschiedlichste Zwecke liefern, von der Warmwasserversorgung und Heizung privater
Haushalte über industrielle Prozesswärme bis hin zur Klimatisierung.
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Sonnenkollektoren; Solarwärmeanlage zur Brauchwassererwärmung. Quellen. BSi; Wagner & Co.
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Vorteile für Europa
Ungefähr 40 % des Endenergieverbrauchs in Europa gehen auf das Konto der Heizung und Kühlung von Gebäuden, der industriellen Prozesse und des Energiebedarfs des Handels. Das ist
mehr als der Stromverbrauch oder der Energiebedarf im Verkehrssektor. Indem sie herkömmliche Energiequellen und -formen ersetzen (überwiegend Gas und Öl, zum Teil auch
Elektrizität), helfen erneuerbare Energien, mehrere wichtige politische Ziele der Europäischen Union zu erreichen.
Das wichtigste davon ist, die Sicherheit der Energieversorgung zu erhöhen. Die EU ist gegenwärtig zu 50 % von Energieimporten abhängig; bis 2030 werden sogar 70 % erwartet. Noch
deutlicher wird die Abhängigkeit angesichts des Ölverbrauchs der Europäischen Union: fast 80% des verbrauchten Öls werden importiert. Der Netto-Ölimport der EU betrug im Jahr 2002
insgesamt 3,5 Milliarden Barrel. Die steigenden Rohölpreise haben diese besondere Schwachstelle der europäischen Wirtschaft besonders deutlich gemacht, als der Ölpreis um 10
US-Dollar höher lag als das Preisniveau des Jahres 2002. Im Jahr 2004 zahlt Europa zusätzlich 35 Milliarden Dollar (29 Milliarden Euro) für Ölimporte. Die Ölpreissteigerung hat
viele erkennen lassen, dass die Förderung der erneuerbaren Wärmequellen ein Eckpfeiler jeglicher Strategie zur Stärkung der europäischen Wirtschaft sein muss.
Das technisch-wirtschaftliche Potenzial der drei RES-H-Technologien (Solarthermie, Geothermie und Biomasse) ist enorm. Allein die Solarwärme könnte 30 % der Ölimporte aus dem
Nahen Osten ersetzen, und der Energiebedarf zum Heizen und Kühlen der meisten Gebäude könnte voll mit Energie aus Geothermie- und Biomasseanlagen gedeckt werden.
Ein steigender Anteil der RES-H hilft auch, die Treibhausgas-Emissionen zu senken. Dies ist besonders wichtig für den Gebäudebereich, der nicht unter das Schema für den Handel mit
Emissionszertifikaten fällt, das gegenwärtig von den EU-Mitgliedsstaaten eingeführt wird. Weitere Umweltvorteile der RES-H sind geringere örtliche Belastungen: Zusammen mit dem
Transport auf der Straße ist die Heizung die Hauptursache der Luftverschmutzung in den europäischen Städten. Ein Wachstum der RES-H fördert auch eine solide wirtschaftliche
Entwicklung. Indem RES-H natürliche Ressourcen schonen und arbeitsintensiver sind als die herkömmliche Heizung, schafft die Nutzung dieser erneuerbaren Energiequellen nachhaltig
neue Arbeitsplätze. Das ist genau das Wachstum, das unser Kontinent mit seiner hohen Arbeitslosenquote und dem übermäßigen Verbrauch natürlicher Ressourcen benötigt. Besonders
hervorzuheben ist, dass viele Arbeitsplätze im Bereich der RES-H vor Ort geschaffen werden, beispielsweise bei der Planung und Installation von Solar- und Erdwärmeanlagen. Die
Biomasse umfasst ein riesiges Potenzial an Energiepflanzen, die in der EU angebaut werden können und eine beträchtliche Wertschöpfung erlauben. Im Gegensatz dazu sind die
Arbeitsplätze bei der Aufbereitung fossiler Brennstoffe überwiegend außerhalb der EU angesiedelt.
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Vakuum-Röhrenkollktoren (Solathermie); Energiepellets (Biomasse); Erdsondenbohrung (Geothermie) Fotos: Intersolar; Energieagentur NRW; systherma, Planungsbüro für Erdwärmesysteme.
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Das Ziel für die Erneuerbaren erreichen
1997 veröffentlichte die EU-Kommission ihr Weißbuch zu den erneuerbaren Energien, das eine Verdopplung des Anteils regenerativer Energien am Verbrauch der EU auf 12 % bis 2010
vorgibt. Dieses Ziel wurde durch die Richtlinie über Strom aus erneuerbaren Energien konkretisiert: 22 % der Elektrizität beziehungsweise 6 % des Gesamtenergieverbrauchs sollen
aus Erneuerbaren stammen. Die Biokraftstoff-Richtlinie von 2003 sieht vor, dass 1 % des Gesamtenergieverbrauchs mit biogenen Kraftstoffen gedeckt wird. Für die Heizung und Kühlung
mit erneuerbaren Energien wurde kein Ziel vorgegeben, obwohl klar ist, dass die restlichen 5 % der vorgesehenen 12 % nur aus dieser Quelle stammen können.
Uneinheitliche Marktentwicklung
Trotz ihres erwiesenen Potenzials und vieler Vorzüge haben die RES-H den europäischen Markt noch nicht erobert. Dennoch sollten die riesigen Unterschiede hinsichtlich der
Markdurchdringung beachtet werden, die Solarwärme, Geothermie und Biomasse in den Mitgliedsstaaten erreicht haben. Fast 80% der Solarkollektorfläche in der EU sind in drei Ländern
installiert: Griechenland, Österreich und Deutschland. Wenn in allen Ländern gleich viel Kollektorfläche pro Kopf installiert wäre wie in Griechenland und Österreich, würde das
EU-Ziel von insgesamt 100 Millionen Quadratmetern Kollektorfläche bereits im nächsten oder übernächsten Jahr erreicht sein, und nicht erst am Ende dieses Jahrzehnts. Doch die
Wirklichkeit sieht anders aus: es sind noch immer weniger als 15 Millionen Quadratmeter. Die Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen ist jedoch nicht der Grund für dieses
Ungleichgewicht: beträchtliche Unterschiede zwischen den entwickelten Märkten und jenen, die hinterherhinken, sind auf allen Breitengraden auszumachen.
Nicht ganz so tiefgreifend sind indessen die Unterschiede im Biomasse- und Erdwärmemarkt. Riesige Fördermittel für herkömmliche Energien verhindern einen fairen Wettbewerb im
Wärmemarkt und sind einer der zentralen Faktoren für dessen schwerfällige Entwicklung. Das gilt auch für das mangelnde Bewusstsein der Öffentlichkeit im Hinblick auf die
Alternativen zu den herkömmlichen Öl- und Gasbrennern.
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Biokraftstoffe: Energie vom Acker; Solare Klimatisierung: Kollektoranlage auf dem Dach der Industrie- und Handelskammer in Freiburg. Fotos UFOP; Fraunhofer ISE.
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Wenn man zum Beispiel die Kollektorfläche in Südeuropa vergleicht, kommt Griechenland auf 260 Quadratmeter pro 1.000 Einwohner und Süditalien nur auf 5 m2. Weiter im Norden hat
Deutschland 100 m2 und Zentralfrankreich gerade mal 5 m2, während es in Dänemark 45 m2 sind und Großbritannien bloß 5 m2 geschafft hat.
Um diese Hindernisse zu überwinden ist die Politik gefordert: nötig sind Imagekampagnen, finanzielle Anreize für das Heizen und Kühlen mit Solarenergie sowie die Forschung und
Entwicklung - und Verordnungen, welche die Nutzung der Erneuerbaren in Gebäuden regeln. Diese Politik sollte sowohl auf regionaler als auch auf nationaler Ebene ansetzen. Doch
wegen der enormen Bedeutung der intensiveren Nutzung von Wärme aus erneuerbaren Energiequellen ist ein noch kühnerer Schritt geboten: eine Europäische Richtlinie für Erneuerbare
zur Heizung und Kühlung, vergleichbar mit den Regelungen im Strommarkt und im Transportsektor.
Eine Richtlinie entwickeln
Um diese Richtlinie zu Stande zu bringen, müssen die Befürworter der Erneuerbaren im Bereich Heizung und Kühlung einen praktikablen Vorschlag erarbeiten. Im vergangenen Jahr hat
die Europäische Solarwärmeindustrievereinigung ESTIF damit begonnen, unterschiedliche Interessengruppen zusammenzubringen: Industrieverbände, Forschungsinstitute und
Nichtregierungsorganisationen aus dem Umweltbereich. Genau zu diesem Zweck, und zwar im Januar 2004, veröffentlichten sie eine gemeinsame Erklärung, in der eine starke und
stimmige Politik zur Förderung der Heizung und Kühlung mit erneuerbaren Energien in Europa gefordert wird.
Die neun unterzeichnenden Organisationen schlugen konkrete Schritte vor, einschließlich spezifischer Zielvorgaben, förderpolitischer und regulatorischer Vorgaben sowie eine
verstärkte Konzentration auf RES-H in den Forschungs- und Entwicklungsprogrammen. Die Aktive Lobbyarbeit bewirkte einen Durchbruch für den RES-H-Sektor. Die europäische Konferenz
für erneuerbare Energien unter dem Titel "Intelligent Policy Options" widmete der solaren Heizung und Kühlung eine ganze Arbeitssitzung. Das war das erste Mal, dass dieses Thema
in Europa politisch auf solch hoher Ebene behandelt wurde. Während der dreitägigen Konferenz im Januar 2004 - sie wurde von der EU zur Vorbereitung ihrer Beiträge für die
Internationale Konferenz zu erneuerbaren Energien in Bonn organisiert - griffen mehrere Sprecher das Thema einer europäischen Richtlinie für RES-H auf. Die Berliner
Vorbereitungskonferenz gab eine Reihe von Empfehlungen, unter denen sich an dritter Stelle der Vorschlag fand, die "ordnungspolitischen Rahmenbedingungen für ein beschleunigtes
Marktwachstum der erneuerbaren Energien im Bereich Wärme und Kälte zu entwickeln".
Ende Mai 2004 betonte die EU in ihrer Mitteilung "Der Anteil der erneuerbaren Energien in der EU", dass der RES-H-Markt stärker wachsen müsse. Darin analysierte die EU-Kommission
die Fortschritte hinsichtlich des Ziels, 12 Prozent des Energiebedarfs bis zum Jahr 2010 aus erneuerbaren Energien zu decken. Die Kommission stellte fest, dass die EU dieses Ziel
um 2 Prozentpunkte verfehlen werde und schloss "dass das Defizit durch das schwerfällige Wachstum des Marktes für erneuerbares Heizen und Kühlen bedingt ist und ... beträchtlicher
Handlungsbedarf in diesem Feld gegeben ist".
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Allein die Solarthermie könnte 30 % der Ölimporte aus dem Mittleren Osten ersetzen. Fotos: BMU; Fotograf: H.-G. Oed
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Die Wärme aus erneuerbaren Quellen stand auch im Mittelpunkt des Europawahlkampfs von Mechtild Rothe im Juni 2004. Frau Rothe, langjährige Abgeordnete im Europaparlament, hatte
sich bereits seit Jahren für die Sache der erneuerbaren Energien stark gemacht, und besonders mit ihrer "Bielefelder Erklärung" Aufmerksamkeit für dieses Thema geweckt.
Wachsende Unterstützung aus den EU-Mitgliedsstaaten
Eine europäische Richtlinie ist nicht möglich ohne die Unterstützung einer Mehrheit der Mitgliedsstaaten. Deshalb sollte besonders erwähnt werden, dass zumindest zwei europäische
Länder bereits über gesetzliche Maßnahmen zur Förderung der Wärme aus erneuerbaren Quellen auf nationaler Ebene diskutieren. In Deutschland haben die Solarverbände diese
Diskussion im Jahr 2003 angestoßen und die Grünen mit Bundesumweltminister Jürgen Trittin wollen deren Vorschläge unterstützen.
Ein "Erneuerbare-Wärme-Gesetz" in Deutschland, nach dem Vorbild des höchst erfolgreichen Erneuerbare-Energien-Gesetz im Strombereich, wäre ein unübersehbares Signal für die
übrigen EU-Länder.
Barcelona war 1999 die erste Kommune, die Solarwärmeanlagen zur Warmwasserbereitung für Neubauten im Zuge einer Verordnung zur Pflicht machte. In Spanien, einem Land mit rasch
wachsendem Energiebedarf, wurde diese Solaranlagenverordnung rasch von vielen Städten und Gemeinden aufgegriffen, zum Beispiel in Sevilla und in Madrid. Eine
Solaranlagenverordnung für ganz Spanien könnte sich ausgesprochen positiv auswirken, nicht nur auf das Wachstum der Solarthermie, sondern auch im Hinblick auf eine europäische
Richtlinie.
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Sonnenkollektoren auf einem Hotel in der katalanischen Universitätsstadt Girona. Quelle: ICAEN.
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Zentrale Elemente einer Richtlinie zur Wärme aus erneuerbaren Quellen
Die Idee einer RES-H-Richtlinie ist auf dem Tisch. Nun sollten wir den nächsten Schritt machen und sie auch verwirklichen. Ihr Geltungsbereich wird durch die formale
EU-Gesetzgebung vorgegeben. Eine europäische Richtlinie wird nicht unmittelbar in den Mitgliedsstaaten umgesetzt, sondern sie setzt einen mehr oder weniger engen Rahmen, den die
Mitglieder in ihre nationalen Gesetzgebung übertragen müssen.
Die kürzlich wirksam gewordene Richtlinie zum Emissionshandel gibt beispielsweise sehr detaillierte Regeln vor, die kaum Gestaltungsspielraum für nationale Gesetzgebung lassen.
Die Richtlinie zum Strom aus erneuerbaren Energie (RES-E-Richtlinie ) ist hingegen viel flexibler in Bezug auf die nationalen Präferenzen. Sie gibt für jedes Land Ziele vor und
definiert die Grenzen der EU-Förderprogramme. Aber sie schreibt kein spezifisches Fördersystem vor, mit dem diese Vorgaben erreicht werden sollen, beispielsweise Quotenmodelle
oder Einspeisevergütungen. Die Mitgliedsstaaten können sich selbst für das zweckmäßigste System entscheiden.
Was sind die möglichen Bestandteile einer RES-H-Richtlinie? Es gibt drei Elemente, von denen wir die ersten beiden im Detail betrachten wollen.
o Nationale Ziele
o Die Erlaubnis oder Aufforderung zu Fördermaßnahmen auf nationaler Ebene
o Die Streichung von Regeln und administrativen Vorgaben, welche das Wachstum behindern
Ziele
Jedes Buch zum strategischen Management sagt, dass konkrete Vorgaben dazu beitragen, Ziele auch wirklich zu erreichen. Doch es ist wichtig, dass diese Ziele objektiv überprüft
werden können, da sie sonst nahezu wertlos sind. Beim Strom ist es recht einfach, die Summe und sogar den Anteil der Erneuerbaren zu ermitteln, weil in Europa die meisten Anlagen
zur Stromproduktion aus regenerativen Energienquellen mit dem Stromnetz gekoppelt sind und deren Stromabgabe gemessen wird.
Das ist im Wärmesektor ganz anders. Dort findet man normalerweise unabhängige Anlagen, die Wärme für ein Gebäude oder eine Fabrik liefern. Die Energieproduktion kleiner Solar-
oder Geothermieanlagen findet selten Eingang in Statistiken - und wird oft überhaupt nicht erfasst.
Die Verbände haben in der Regel einen guten Überblick über die Energieproduktion. Die Solarwärmeverbände führen zum Beispiel Statistiken über die installierte Kollektorfläche, aus
denen der Ertrag nachvollziehbar ermittelt werden kann. Doch es ist fraglich, ob diese Zahlen verlässlich genug sind, um die Grundlage der Gesetzgebung in diesem wichtigen Bereich
zu bilden.
Es gibt verschiedene Arten, diese Aufgabe anzugehen, und weil die Vorzüge nationaler Ziele außer Frage stehen, muss kein angemessener Weg zur Überwachung der Zielerreichung
vorgeschlagen werden.
Unterstützungsmaßnahmen
Vermutlich wird eine RES-H Richtlinie die Wahl der Fördermaßnahmen den Mitgliedstaaten überlassen. Aber diese müssen nicht warten mit einer starken Politik zu Gunsten der Wärme
und Kälte aus erneuerbaren Energien. Das zeigen die Beispiele aus Deutschland und Spanien. Doch welche Fördermaßnahmen sind die besten?
Was sollen die Unterstützer regenerativer Wärme ihren Regierungen vorschlagen: finanzielle Anreize, den Handel mit Wärmezertifikaten, oder Verordnungen, die einen verbindlichen
Anteil erneuerbarer Wärme für bestimmte Einsatzgebiete vorgeben? Es ist offensichtlich, dass es nicht in erster Linie die Art der Fördermaßnahme ist, die das Ergebnis bestimmt: Es
gibt für alle drei Ansätze Beispiele, die gut funktionieren.
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Sie beweisen, dass jedes Modell so gestaltet werden kann, dass es den Wärmemarkt spürbar beeinflusst. Die folgenden Beispiele aus dem Solarwärmemarkt belegen, wie unterschiedliche
Förderprogramme erfolgreich eingeführt wurden.
Foto: UVS/Langrock
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Deutschland: Zuschüsse
Deutschland ist der größte Solarwärmemarkt in Europa. Das nicht besonders von der Sonne verwöhnte Land hat in den vergangenen fünf Jahren ein beträchtliches Marktwachstum
geschafft. Dieses Wachstum wurde überwiegend durch die staatlichen Zuschüsse für Solarwärmeanlagen angestoßen. Obwohl die Zuschüsse meist nicht einmal die Mehrwertsteuer
ausgleichen, die für die Anlagen bezahlt werden muss, haben sie in den vergangenen fünf Jahren doch jährliche Wachstumsraten von 20% bewirkt (mit Ausnahme des Jahres 2002).
Australien: handelbare Zertifikate
Australien scheint im Bereich der solaren Trinkwassererwärmung einen Weg gefunden zu haben, um typische Wachstumshindernisse zu überwinden. Solarwärmeanlagen, die bei der
Trinkwassererwärmung Strom ersetzen, sind Teil eines Zertifikatehandelsprogramms, das darauf abzielt, den Anteil von Ökostrom (RES-E) zu steigern. Diejenigen, die zu Hause
Solarwärmeanlagen installieren, erhalten RES-E-Zertifikate, welche der erwarteten Menge des durch Solarwärme ersetzten Stroms innerhalb von 10 Jahren entsprechen. Diese
Zertifikate können an die Stromversorger verkauft werden, die wiederum einen bestimmten Anteil an Erneuerbaren in Ihrem Strom-Mix nachweisen müssen. So erhalten Hausbesitzer, die
in Solarwärmeanlagen investieren, einen finanziellen Vorteil, dessen Höhe vom Zertifikatemarkt geregelt wird. Dieser Zertifikatehandel hat im australischen Solarwärmemarkt für ein
30prozentiges jährliches Wachstum gesorgt.
Israel: Solarwärmeverordnung
Auch Verordnungen haben erwiesen, dass sie einen starken Einfluss auf das Marktwachstum haben können. Der jähe Anstieg der installierten Solarwärmeanlagen in Barcelona geht
beispielsweise zurück auf die einige Jahre zuvor erlassene Solaranlagenverordnung. Doch Israel hat umfangreichere Erfahrungen gesammelt. Der Bau von Solarwärmeanlagen zur
Brauchwassererwärmung für Neubauten ist dort seit 1980 Pflicht. Das hat zu einem Durchbruch der Solarthermie geführt. Heute übertrifft der freiwillige Austausch alter Solaranlagen
die Zahl der Neuinstallationen aufgrund der Verordnung um ein Vierfaches. Obwohl die Beispiele aus Deutschland, Australien und Israel sich auf die Solarwärme beziehen, gibt es
keinen Grund zu glauben, dass sie nicht auf die Biomasse und die Geothermie übertragen werden können.
Nicht nur Erfolge
Trotz der positiven Beispiele ist keine der Fördemaßnahmen narrensicher. In einigen anderen Ländern haben die gleichen Maßnahmen nicht gegriffen und kein nennenswertes Wachstum
gebracht.
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Es gibt viele Einflussgrößen, welche das Ergebnis der Fördermaßnahmen bestimmen - und es ist wichtig auf alle zu achten. Ein Zuschuss-System kann fehlschlagen, wenn das
Antragsverfahren zu kompliziert oder zu zeitaufwändig ist. Bei einer an den Staatshaushalt gekoppelten Förderung tut sich eine andere Fallgrube auf: die sich ändernden Budgets
können zu einen "Stop and go"-Verfahren führen, das dem Markt mehr schadet, als es nützt.
Die thermische Solaranlage auf dem Dach des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung in Berlin dient der solargestützten Kälteerzeugung. Die Vakuumröhren versorgen 2
Absorptionskälteanlagen. Im Hintergrund ist der Reichstag zu sehen. Foto: UVS/Langrock
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Auch der Zertifikatehandel kann versagen, zum Beispiel wenn die Quote für die Erneuerbaren nicht richtig definiert wurde. Wenn am Markt Unsicherheit herrscht über die zu erwartenden
Einnahmen, könnte dies die Investoren verunsichern.
Und sogar Verordnungen können erfolglos sein. Wenn die Sanktionen für deren Nichterfüllung gering sind oder nur in wenigen Fällen greifen, werden Verordnungen nicht den
gewünschten Effekt haben. Diese Liste könnte fortgesetzt werden. Sie zeigt lediglich, dass es nicht immer leicht ist, ein Förderprogramm für erneuerbare Wärme zu gestalten, das
auch funktioniert. Und während es viele gute Vergleichsstudien im Stromsektor gibt, findet man wenig Literatur über den Wärmebereich. Die Wirtschafts- und Politikwissenschaften
sollten dieses Thema aufgreifen und wertvolle Beiträge zur Diskussion über die beste Förderpolitik liefern.
Was zu tun ist
ESTIF hat einen - zuerst internen - Prozess in Gang gebracht, um eine RES-H Richtlinie vorzuschlagen und einzelne Elemente zu definieren, die darin enthalten sein sollen. Und weil
es drei Technologien gibt, wird die ESTIF die Vorschläge auch mit den Anderen diskutieren: dem Europäischen Biomasseverband (AEBIOM), der Biomasse-Industrievereinigung (EUBIA) und
dem Europäischen Rat für Geothermie (EGEC). Zusammen mit ihnen und dem Europäischen Rat für Erneuerbare Energien (EREC) werden wir unser Bestes tun, um einen Vorschlag zu
präsentieren, welcher den gesamten Bereich der erneuerbaren Wärme repräsentiert.
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Solar-Pflichten als Thema der Solarwärmkonferenz estec 2005
Die Ordenanza Solar und andere administrative Vorgaben im Wärmemarkt werden eines der Themen der Konferenz estec 2005 am 21. und 22. Juni 2005 in Freiburg sein. Diese wird
veranstaltet von der European Solar Thermal Industry Federation (ESTIF) in Zusammenarbeit mit dem deutschen Bundesverband Solarindustrie (BSi).
Eine kommentierte Version der Ordenanza Solar kann von den Internetseiten der Barcelona Energy Agency heruntergeladen werden. Weitere Informationen: www.barcelonaenergia.com;
www.asit-solar.com; www.estec2005.org
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Solarwärmekonferenz estec2003: Europas Solarwärmeindustrie diskutierte Markt und Möglichkeiten. Quelle: Solar Promotion GmbH.
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ESTIF begrüßt Mechtild Rothes Vorschlag eines Initiativ-Berichts des Europaparlaments zur Heizung und Kühlung mit erneuerbaren Energien. Wir bieten an, unser Fachwissen
einzubringen, insbesondere wenn es gilt, die größten Wachstumshemmnisse auszumachen und zu zeigen, wie sie überwunden werden können. ESTIF bestärkt alle, die an einer RES-H
Richtlinie interessiert sind, sich in die politische Diskussion einzumischen, in nationalen und EU-Institutionen, seien es Verbände, Forschungseinrichtungen oder
Nichtregierungsorgansiationen. Gemeinsam haben wir eine größere Chance, Erfolg zu haben. Die RES-H Richtlinie kann eine mächtige Grundlage schaffen für eine europäische
Energieversorgung, die weniger von Importen abhängig ist und viel umweltfreundlicher.
Kontakt: European Solar Thermal Industry Federation (ESTIF) ; Renewable Energy House; Rue du Trône 26; B-1000 Bruxelles ; Tel: +32-2-54 619 38, Fax: +32-2-54 619 44
E-mail: info@estif.org; http:// www.estif.org
European Solar Thermal Energy Conference ; estec 2005
Deutsche Erstveröffentlichung. Der Originalbeitrag erschien in der Zeitschrift RENEWABLE ENERGY WORLD (November/December 2004)
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