Solar-Reports:
Solardachziegel-Ausstellung zeigt Entwicklung
der Photovoltaik-Dacheindeckung
von Rolf Hug
01.02.2006
Die Biohaus PV Handels GmbH präsentiert in einer Ausstellung die Geschichte der Solardachziegel in den letzten 15 Jahren. Das Photovoltaik-Systemhaus mit Sitz in Paderborn
zeigt mit seinem Nullenergie-Bürogebäude bereits seit Anfang 2005 vielfältige und innovative Lösungen zur Integration der Solartechnik, darunter ein Solardach in
Dünnschicht-Technik, Photovoltaik-Fassadenelemente und die neuesten Hochleistungs-Solarzellen.
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Biohaus-SolarDachZiegel auf Pultdach, Blick in die Solardachziegel-Ausstellung Fotos: Biohaus PV Handels GmbH
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"Mit der Solardachziegel-Ausstellung zeigen wir, dass solare Stromerzeugung nicht nur ökologisch sinnvoll ist, sondern auch die ästhetische Komponente einen immer größeren
Stellenwert einnimmt" beschreibt Biohaus-Geschäftsführer Willi Ernst das Ziel der Ausstellung. Der Solar-Report präsentiert die interessantesten Ausstellungsstücke, zeigt einige
realisierte Anlagen und beleuchtet die Geschichte der Solar-Ziegel von den Anfängen bis in die Gegenwart, allerdings ohne den Anspruch auf Vollständigkeit.
Vom Photovoltaik-Ziegel zum solaren Bauelement
Solardachziegel sind Photovoltaikmodule, die in die konventionelle Dacheindeckung integriert werden. Die einzelnen "Ziegel" werden durch elektrische Steckverbindungen zu größeren
Einheiten zusammengeschlossen und liefern so sauberen Strom. Solardachziegel werden seit Anfang der 90er Jahre von verschiedenen Herstellern entwickelt und angeboten, um eine
optisch ansprechende Integration von Solarstromanlagen in die Dachoberfläche zu ermöglichen. Biohaus stellt selbst Solardachziegel her und ist mit dem eigens entwickelten System
"BIOSOL InDach" Marktführer in Europa. Grund genug für das Paderborner Unternehmen, die Entwicklung dieser speziellen Solarsysteme im Rahmen einer Ausstellung darzustellen.
Gezeigt werden Exponate mehrerer internationaler Hersteller, darunter der spanische Modulproduzent Isofoton und der japanische Anbieter MSK. Die Leistung der in den
Solardachziegeln enthaltenen PV-Module wurde im Laufe der Jahre erheblich gesteigert: von Modulen mit 3 Watt Spitzenleistung (Wp) pro Element in den Anfangstagen hin zu
mittlerweile 200 Wp im größten "SolarDachZiegel" von Biohaus. Diese Entwicklung bildet die als Dauereinrichtung geplante Ausstellung im Öko-Park Dören beispielhaft und anschaulich
ab.
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Quantensprung: Vom frühen Solardachziegel (BIPV-Muster IndustrieDach, 12 Wp, 1994) über das "Just Roof" des japanischen Herstellers MSK (82 WP, Markteinführung 1995) und den
Solarziegel "Isofoton teja ceramica" (13,5 Wp, 2000) bis zum SolarDachZiegel Biosol XXL (124 Wp, 2005). Fotos: Biohaus.
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Schönheit hat ihren Preis
Solardachziegel im engeren Sinne des Wortes sind herkömmliche Dachziegel aus Ton mit aufgeklebten oder mechanisch befestigten Solarzellen. Im weiteren Sinne wird der Begriff
mittlerweile auch für Solardachsteine oder Solardachelemente verwendet, die aus anderen Materialien gefertigt werden, zum Beispiel aus Schiefer, Kunststoff oder Metall.
Die ästhetisch besonders ansprechenden Tonziegel der Gebrüder Laumans GmbH & Co. KG mit Sitz in Brüggen ernteten bei der Markteinführung im Jahr 1999 viel Lob, ermöglichten
sie doch eine besonders sensible Photovoltaik-Integration selbst in denkmalgeschützte Gebäude.
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Doch die optisch überzeugende Lösung hatte Ihren Preis: Bis zu 25 % Mehrkosten mussten für die mit Kleinmodulen von 3,75 und 4,55 Watt ausgestatten Ziegel veranschlagt werden. Um
eine Anlage mit einem Kilowatt Spitzenleistung zu bauen waren demnach bis zu 400 Ziegel erforderlich, in die zuvor verknüpfte Mini-Solarmodule eingelegt wurden. Besonders der
Aufwand für die Verkabelung und die Steckverbindungen der einzelnen Elemente trieb den Preis in die Höhe. Laumanns stellte die Produktion seines hoch gelobten Systems zum
31.12.2004 ein, auch weitere Anbieter von Solardachziegeln gaben auf.
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Bei dem schwäbischen Ziegelhersteller Pfleiderer in Winnenden ruht die Produktion der ebenfalls 1999 eingeführten "TerraPiatta-Solar", sie soll aber im Herbst 2006 wieder
anlaufen. Die Solar-Ziegel mit einer Leistung von jeweils 55 Wp waren gleich zu montieren wie die Tondachziegel vom Typ Terra Piatta und ersetzten je sechs Flächenziegel.
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Oben: Solardachziegel TerraPiatta Solar von Pfleiderer. Foto: Biohaus.
Links: Solarzentrum im denkmalgeschützten Gutshof Wietow (Mecklenburg) mit "TerraPiatta"-Solardachziegeln und Solar-Fensterläden. Foto: Martin Schachinger.
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Trotz oder gerade wegen des Solarstrom-Booms nach der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2004 wurden in den letzten Jahren nur wenige Dächer mit den
"klassischen" Solarziegeln eingedeckt. Der Trend ging in Richtung immer größerer Solarstromanlagen, auch auf privaten Dächern. Die kostenorientierte Einspeisevergütung für
Solarstrom führte zu Lieferengpässen bei Modulen und auch beim Solar-Silizium. Bei vielen Herstellern rückten die Solar-Ziegel in den Hintergrund und die gefragten Solarzellen
wurden für die traditionellen Module zur Aufdachmontage oder für Freiflächenanlagen verwendet.
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Foto: Biohaus
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Dass die solaren Bauelemente mit der herkömmlichen Dacheindeckung sowohl ästhetisch als auch optisch konkurrieren können belegen die Biohaus-SolarDachZiegel.Die leistungsstarken
Biohaus-Module mit Dünnschicht-Technologie auf der Basis von UniSolar-Laminaten und mit schwarz beschichteten Profilen und Montagebügeln ersetzen die herkömmliche Dacheindeckung
und kommen als komplette Solardächer zum Einsatz.
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Sauberer Strom von schönen Dächern
Solarstromanlagen auf historischen und denkmalgeschützten Gebäuden oder den Dächern ästhetisch anspruchsvoller Bauherren zeigen die Möglichkeiten sensibler
Photovoltaik-Integration. Dazu zählen auch die vielfältigen Solar-Ziegel europäischer Hersteller, die zwar keinen Massenmarkt eröffneten, aber eine glänzende Visitenkarte der
Solarstromtechnik sind. Die kleinflächigen Solar-Ziegel auf der Basis herkömmlicher Ziegel oder auf Schiefern wurden vor allem von Ziegelherstellern mit zugekauften Modulen
gefertigt.
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ATLANTIS-Solarschiefer "SunSlate", 13,3 Wp, Markteinführung 1995. Atlantis Energy Systems, Sacramento, USA.
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Die Modulhersteller setzten hingegen auf leistungsstärkere Solardachsteine. Zum Beispiel die PhönixSonnenstrom AG, die den in der Schweiz entwickelten Solardachziegel Newtec
allerdings im Moment wegen mangelnder Nachfrage ebenfalls auf Eis gelegt hat. Nach Angaben des Unternehmens wurden insgesamt Newtec Solarstromanlagen mit einer Leistung von rund
100 kWp gebaut - eine Marginalie allein im Vergleich zu der 1-Megawatt-Freiflächenanlage, die Phönix letztes Jahr nahe Würzburg gebaut hat. Dennoch soll der Newtec-Solarziegel
nicht in der Versenkung verschwinden, denn das Unternehmen sieht perspektivisch durchaus Chancen für das Produkt und betont seine ästhetischen Qualitäten.
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Fotos: Solardachziegel "Newtec"; 0,864 kWp-Solarstromanlage in Sulzemoos
(links im Bild); rechts: Solarwärmeanlage.
Bildquelle: Phönix
Sonnenstrom AG
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Häuser mit Solardachziegeln sind in ganz Europa zu finden, mit Schwerpunkt in Deutschland, der Schweiz und in Österreich. Die Mehrkosten sind vor allem bei historischen Gebäuden
gerechtfertigt, bei denen eine herkömmliche Solarstrom-Lösung nicht statthaft wäre. Aber auch auf Neubauten wurden vorbildliche Anlagen installiert: Ein Solardach im
österreichischen Fußach (Vorarlberg) erhielt 2002 den Österreichischen Solarpreis von EUROSOLAR für die schöne, und unauffällige Photovoltaik-Integration. Die Anlage hat immerhin
eine Leistung von 2 kWp und ist Teil des EU-Projektes "Hip - Hip; House Integrated Photovoltaic - High-tech in Public.
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Preisgekröntes Solardach in Fußach (Vorarlberg). Fotos: Österreichische Energieagentur
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Vom Ausbau der Photovoltaik-Kapazitäten und nach dem Ende des aktuellen Silizium-Mangels erwarten Experten und Solarverbände weitere Preissenkungen für Solarmodule, die eventuell
auch eine Renaissance der Solar-Ziegel ermöglichen könnten. Im Gegensatz zur Fassadenintegration von Solarstromanlagen, für die nach dem EEG ein Einspeisebonus in Höhe von 5 Cent
zur Grundvergütung bezahlt wird, gibt es im EEG keine entsprechende Regelung für die Integration von Solar-Ziegeln. Die eher kleinen Anbieter hatten wohl keine allzu starke Lobby.
Der Unterstützung und Öffentlichkeitsarbeit für die sensible PV-Integration widmet sich das deutsch-italienische Forschungsprojekts "PVACCEPT". Dessen Ergebnisse sind
veröffentlicht in dem Buch "Solar Design", dem Solarbuch des Jahres 2005 auf dem Solarserver.
PV-Dächer werden immer größer, Solardächer auch zur Wärmeproduktion
Ein Rundgang durch die "1. Internationale Ausstellung SolarDachZiegel" im Biohaus erinnert an Zeiten, in denen beim Bau von Solarstromanlagen neben der Wirtschaftlichkeit auch ein
beachtliches Maß an Idealismus zum Tragen kam. Mit seinen eigenen Produkten hat sich das Paderborner Systemhaus für eine Kombination von Leistung und Optik entschieden, die auch
die finanziellen Aspekte entsprechend einbezieht. Die "echten" Solar-Ziegel werden vermutlich auch in Zukunft in einer Nische zu finden sein, der Trend zum Solardach hingegen ist
ungebrochen: Mit den hoch entwickelten Montagesystemen wie beispielsweise "SolRif" oder den XXL-Modulen von Biohaus können PV-Laminate zur solaren Dacheindeckung im großen Stil
eingesetzt werden. Dies belegt der Solarstrom-Weltrekord im hessischen Bürstadt: das mit einer Photovoltaik-Leistung vom 5 MW weltgrößte PV-Solardach wurde auf Bitumenbahnen
montiert, schützt die Dachhaut und minimiert Temperaturschwankungen.
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5 MW-Solarstrom-Dach in Bürstadt.
Foto. Tauber Solar
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Solardach mit 84 Quadratmetern Sonnenkollektoren zur Wärmeproduktion. Foto: Sonnenhaus-Institut
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