Herausforderungen 2004: Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien
von Rolf Hug
15.01.2004
"Reicher und dicker, aber nicht glücklicher", so beschreibt der "Bericht zur Lage der Welt" des renommierten Worldwatch-Instituts einen großen Teil der Weltbevölkerung zu Beginn
des neuen Jahres. Mehr als ein Viertel der Menschen zählen inzwischen zur so genannten Konsumentenklasse. Diese 1,7 Milliarden Menschen kopieren den Lebensstil der reichen
Nationen Europas, der USA und Japans einschließlich der Essgewohnheiten, Transportsysteme - und des enormen Energieverbrauchs. Dieser kann und muss mittelfristig aus ökonomischen
und ökologischen Gründen nur mit regenerativen Energien gedeckt werden.
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Links: Worldwatch-Bericht 2004; Rechts: Neue Solarstromanlage in Saarbrücken. Quellen: Worldwatch Institute; Conergy AG.
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Weltweit werden die Chancen der erneuerbaren Energien positiver beurteilt den je: Die Internationale Energieagentur (IEA) spricht von einem "globalen Durchbruch" der Erneuerbaren
- und bestätigt deren Wirtschaftlichkeit an "guten" Standorten. Deutschland ist weltweit Vorbild in Sachen Sonne und Wind, mit politischen Rahmenbedingungen und Förderprogrammen
zur Beschleunigung der Energiewende. Der aktuelle Solar-Report beleuchtet zum Jahresbeginn internationale und nationale Perspektiven für Solarstrom und Solarwärme.
Energie, Konsum und Klimawandel
"Konsumieren an sich ist keine schlechte Sache", erläuterte Worldwatch-Projektleiter Brian Halweil auf einer Medienkonferenz in Washington. Um ihre Grundbedürfnisse zu decken,
müssten die knapp drei Milliarden Menschen weltweit, die über weniger als zwei Dollar pro Tag verfügten, mehr konsumieren können. So habe zum Beispiel in China die steigende
Nachfrage nach Konsumgütern die Wirtschaft angekurbelt und neue Arbeitsplätze geschaffen. Doch das Konsumverhalten hat auch Schattenseiten: Die Produktion von Waren und
Dienstleistungen beschleunigt die Ausbeutung der globalen Ressourcen und den Flächenverbrauch. Konsum ist der "Motor der Wirtschaft". Um ihn in Schwung zu bringen und zu halten,
ist Energie nötig, die bislang größtenteils aus fossilen Quellen stammt.
Obwohl neue Technologien eine höhere Energie-Effizienz ermöglichen als je zuvor, wächst der Verbrauch der endlichen Ressourcen an Erdöl und -gas immer schneller. Der weitgehend
unstrittige Zusammenhang zwischen der herkömmlichen Energieproduktion und dem weltweiten Klimawandel motiviert zunehmend Forschung und Politik zum Umdenken. "Weniger konsumieren
muss kein Opfer sein, denn die Lebensqualität kann dadurch erhöht werden", so Halweil. Er verweist ausdrücklich auf "viel versprechende Gesetze" wie ökologische Steuerreformen
oder die Rücknahmepflicht von alten elektronischen Geräten, die zur Nachhaltigkeit beitrügen. Für eine wirklich nachhaltige Entwicklung ist die Frage der Energieversorgung von
elementarer Bedeutung: Nur die nahezu unbegrenzt zu Verfügung stehenden regenerativen Energiequellen ermöglichen, gemeinsam mit Energieeinsparung in allen Bereichen, eine
klimafreundliche Wirtschaft, die zudem neue Arbeitsplätze schaffen kann - in den Industrienationen und auch in der Dritten Welt.
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Links: Tausende Solarwärmeanlagen in Kunmimg, China. Rechts: Größter Solarpark der Welt in Hemau bei Regensburg, Spitzenleistung rund vier Megawatt (MW), Quellen: AAE INTEC,
Institut für Nachhaltige Energien; Gleisdorf, Österreich; SunTechnics Solartechnik GmbH.
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Deutschland vorbildlich bei Sonne und Wind
Der Worldwatch-Bericht von 2003 bestätigte Deutschland eine Vorreiterrolle bei den erneuerbaren Energien. Bundesumweltminister Jürgen Trittin begrüßte den Jahresbericht des
Worldwatch Instituts als Beleg der erfolgreichen deutschen Klimaschutzpolitik. Der Bericht "Zur Lage der Welt 2003" widme der deutschen Politik im Bereich Erneuerbare Energien
einen gesonderten Abschnitt, in dem Deutschland als weltweit positives Beispiel für den Ausbau von Wind- und Solarenergie beschrieben werde. In dem Bericht stellt das Institut
fest, Solarenergie und Windkraft seien dank der staatlichen Förderpolitik in Deutschland, Japan und Spanien in den vergangenen fünf Jahren jährlich um mehr als 30 % gewachsen.
Laut Trittin wird der Ausbau der erneuerbaren Energien auch weiterhin ein Schwerpunkt der deutschen Umweltpolitik sein. "National sind wir dabei, das Erneuerbare-Energien-Gesetz
(EEG) fortzuentwickeln und den ehrgeizigen Energiezielen anzupassen. International wird Deutschland die Weltgemeinschaft zu einer Konferenz über erneuerbare Energien im Juni 2004
nach Bonn einladen", kündigte der Bundesumweltminister an. Die Bonner Konferenz soll einen Aktionsplan zum globalen Ausbau der erneuerbaren Energien anstoßen. Ziel sei, möglichst
viele Länder auf nationale, regionale und internationale Ziele zur Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien am Primärenergieverbrauch mit konkreten Zeitplänen festzulegen. "Die
Konferenz soll kein Strohfeuer sein, sondern einen langfristigen Prozess zur Energiewende international einleiten", so der Bundesumweltminister.
IEA: Durchbruch bei erneuerbaren Energien
In der Studie "Renewables for Power Generation", erschienen im Dezember 2003, weist die Internationale Energie Agentur einen Weg zur Energiewende: bessere Technologien zur Nutzung
erneuerbare Energien. Die Studie zeige, dass - ausgehend vom jeweiligen Stand der Technologie - der Standort und die Kapitalkosten die Wettbewerbsfähigkeit der "Erneuerbaren"
bestimmen.
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Links: IEA Studie Renewables for Power Generation; Rechts: Neues 2 MW- Solarkraftwerk von RWE Schott Solar in Neustadt an der Weinstraße. Quellen: IEA; RWE SCHOTT Solar.
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"Die Kosten von Strom aus erneuerbaren Quellen hängen im Wesentlichen von den lokalen Ressourcen ab, und sie sind dort am geringsten, wo es reichlich Ressourcen gibt", so der
stellvertretende IEA-Direktor William C. Ramsay,. "Wir haben einen Durchbruch erreicht: An solchen Standorten sind die Erneuerbaren wettbewerbsfähig hinsichtlich der Kosten pro
Kilowattstunde gegenüber fossilen Brennstoffen - sogar ohne die ökologischen Kosten in Betracht zu ziehen". Es gebe jedoch nicht sehr viele solcher Standorte und die Quellen
würden nicht kontinuierlich sprudeln. "Unsere Herausforderung ist es, die Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energien weiter zu verbessern, um sie auf breiterer Basis
wettbewerbsfähig zu machen", ergänzt Ramsay.
Kostensenkung und Wirtschaftlichkeit durch Forschung und Markteinführung
Zur Kostensenkung bei den Erneuerbaren sind laut IEA mehr Forschung und Entwicklung (F&E) sowie zusätzliche Marktanreize erforderlich, damit die Industrie mehr Erfahrungen
sammeln kann. "Technologieentwicklung und Erfahrung im Markt hängen eng miteinander zusammen", erläutert Ramsay. "Sie können wie ein "Tugendkreis" (virtuous circle) wirken,
welcher die Beziehungen zwischen F&E, Fortschritten in der Produktion und die Erfahrungen auf dem Markt verstärkt. Wenn diese Beziehungen sich künftig gegenseitig
intensivieren, kann die Wirtschaftlichkeit der Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energien durch gemeinsame Anstrengungen der Regierungen beschleunigt werden. Die Politiker
müssen sich auf Marktanreize konzentrieren, um Märkte zu schaffen, welche wiederum verbesserte Technologien hervorbringen".
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Forschung und Entwicklung in Deutschland: Links: Papierdünne Solarzellen des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme; Rechts: innovative Kunststoffrahmen von Bayer Polymers.
Quellen ISE; Bayer AG; Fraunhofer ISE
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Der IEA-Bericht hält fest, dass die Politik die Ähnlichkeiten, aber auch die Unterschiede der Erneuerbaren erkennen muss; es sei nicht möglich, sie alle gleich zu behandeln. An den
günstigsten Standorten kämen die Erneuerbaren immer näher an die Kosten der herkömmlichen Stromversorgung heran, wenn die Politik diese Entwicklung unterstütze, wie beispielsweise
in Kalifornien. An ertragreichen Standorten könnten auch Windkraft, Biomasse und die kleine Wasserkraft im Wettbewerb mit den fossilen Energien bestehen. Marktnischen sieht die IEA
auch für netzunabhängige Solarstromanlagen und weitere kleine Anlagen zur Nutzung von Wind, Wasserkraft und Bioenergie. Diese Lösungen seien besonders sinnvoll für kleinere
industrielle und landwirtschaftliche Anwendungen in entwickelten Ländern. In Entwicklungsländern würden diese Energieformen in erster Linie genutzt zur Beleuchtung, Kühlung und
Zubereitung von Lebensmitteln.
Im günstigsten Fall errechnete die IEA mit jeder Verdopplung der installierten Kapazität ein Kostensenkungspotenzial von 20% bei der Stromproduktion aus Erneuerbaren. Die
Solartechnik könnte in den nächsten zwei Jahrzehnten als Ergebnis von Forschung und Markteinführung weltweit sogar zwischen 30% und 50 % billiger werden. Die Kosten von
Windenergie und Erdwärme könnten bei jeder Kapazitätsverdopplung um 10 % sinken. Dies würde bedeuten, das die Kosten der Windenergie in den kommenden zwei Dekaden jeweils um 25 %
sänken und die Geothermie zwischen 10 und 25% billiger werde. Für die ausgereifteren Technologien zur Nutzung der Wasserkraft und der Biomasse sieht die IEA
Kostensenkungspotenziale von 5 - 10 % für jede der beiden kommenden Dekaden. An guten Standorten rechnet die IEA bereits 2010 mit einem Preis von Solarstrom in Höhe von etwa 9 bis
14 Eurocent pro Kilowattstunde. Strom aus Wind käme auf 1,5 - 3,5 Cent; die Geothermie läge bei 1,5 bis 2,5, ebenso die Biomasse und die kleine Wasserkraft.
Deutschland: Rückenwind für Solarstrom
Mit der Gesetzesinitiative zur Kompensation des erfolgreichen 100.000 Dächer-Solarstromprogramms ist es einer großen Koalition aus SPD, Grünen und CDU/CSU gelungen, den
befürchteten "Fadenriss" der Solarstrom-Branche in Deutschland zu verhindern. Das so genannte Photovoltaik-Vorschaltgesetz zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantiert seit
1.1.2004 eine angemessene, kostenorientierte Vergütung für Solarstrom. Die deutschen Solarverbände erwarten deshalb auch in Zukunft Wachstumsraten von 25% für die Photovoltaik.
Erste Großprojekte gingen schon Anfang Januar an das Netz und belegen, wie attraktiv die neue Solarstromvergütung für Bauherren und Investoren ist. RWE Schott Solar baute in
Neustadt an der Weinstraße für die Pfalzsolar GmbH ein 2-MW-Solarkraftwerk; die Voltwerk AG realisierte eine Anlage am Flughafen Saarbrücken mit einer Leistung von 1,4 Megawatt
und SESOL errichtet im sächsischen Meerane einen Solarpark mit 1,1 Megawatt (MWp). Bei Schott gibt es seit 1. Oktober 2003 eine so genannte strategische Business Unit "Solar", in
der die Aktivitäten Photovoltaik und Solarthermie zusammengefasst sind. Das Unternehmen ist vom Erfolg der regenerativen Energien überzeugt und sieht Solarstrom und Solarwärme als
wichtige Zukunftsfelder. Mit einem Volumen im dreistelligen Millionenbereich sei das Joint-Venture RWE SCHOTT Solar die größte Investition von Schott in den letzten 18 Monaten.
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Links: Visualisierung des 1,4 MW-Solarkraftwerks am Flughafen Saarbrücken.Quelle: SunTechnics GmbH ; Rechts: Solarpark von SESOL in Meerane (Sachsen). Quelle: SESOL
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Solarstromanlagen werden wirtschaftlich immer interessanter: statt bisher 45,7 erhalten die Betreiber neuer Photovoltaikanlagen auf Gebäuden seit Jahresanfang 57,4 Cent pro
Kilowattstunde in das Stromnetz eingespeisten Solarstroms. Die Vergütung muss vom Netzbetreiber über einen Zeitraum von 20 Jahren zuzüglich dem Jahr der Inbetriebnahme ausgezahlt
werden. Die Anschaffungs- und Betriebskosten von Solarstromanlagen könnten damit erstmals vollständig gedeckt werden, betont die Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft e.V.
(UVS). Die UVS und der Bundesverband Solarenergie (BSi) rechnen aufgrund der neuen Solarstromvergütung mit einer sprunghaften Nachfragesteigerung.
Der weitere Ausbau der Photovoltaik soll auch durch die Förderung der Erforschung von neuen Technologien unterstützt werden. Allein im Jahr 2003 seien dafür 27 Millionen Euro
eingesetzt worden, berichtet das Bundesumweltministerium. Diese Förderung werde in den kommenden Jahren auf hohem Niveau weitergeführt. Ziel sei, Deutschland als
Produktionsstandort für die Hightech-Produkte der Photovoltaik zu festigen und weiter auszubauen.
Konsolidierung im Bereich Solarwärme
Mit der neuen Richtlinie für die Förderung von Solarwärmeanlagen im Marktanreizprogramm (MAP) zugunsten erneuerbarer Energien sanken die Zuschüsse pro Quadratmeter Kollektorfläche
leicht. Mit den vorhandenen Mitteln soll nach dem Willen des Bundesumweltministerium die Zahl der geförderten Anlagen insgesamt steigen. Zum Jahresbeginn dürften viele
Installateure noch damit beschäftigt sein, Anlagen zu montieren, für die das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle bereits im letzten Quartal Zuschüsse von 125 Euro/m2
Kollektorfläche bewilligt. hat. Einige 10.000 Verbraucher werden ihre BAFA-Zusage voraussichtlich im Frühjahr einlösen und Aufträge an das Handwerk erteilen, erwartet die
Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft (UVS).
Erfreulich an der Neuregelung des MAP ist, dass nun auch Erweiterungen bestehender Solarwärmeanlagen bezuschusst werden. Dafür und für neue Anlagen gibt es seit 1.1. 2004 immerhin
noch 110 Euro/m². Das bedeutet, dass der Staat rund ein Fünftel der Anlage bezahlt. Ein weiteres Plus für die Verbraucher: Mit den neuen Qualitätsanforderungen, die ab 1. Juni
2004 gelten, werden nur noch Produkte bezuschusst, deren jährlicher Kollektorertrag mindestens 525 kWh/m² bei einem solaren Deckungsanteil von 40 % beträgt. Die Sonnenkollektoren
müssen dann außerdem die Kriterien des Umweltzeichens RAL-UZ 73 erfüllen. Hersteller und Installateure werden sich darauf einstellen und entsprechend hochwertige Anlagen anbieten.
Dass Solarwärmeanlagen qualitativ auf lange Sicht überzeugen, hatte die Stiftung Warentest bereits im Frühjahr 2003 belegt: Zwei von sechzehn untersuchten Anlagen zur
Heizungsunterstützung wurden mit "sehr gut" bewertet, die meisten Solarwärmesysteme erhielten die Note "gut".
Wie der Solarwärmemarkt wachsen wird, hängt laut UVS-Geschäftsführer Carsten Körnig nicht unwesentlich von der Öl- und Gaspreisentwicklung ab. Deshalb sei es für eine
Marktprognose noch zu früh, sagte Körnig der Zeitschrift Erneuerbare Energien. Für Roger Hackstock, Geschäftsführer des Verbandes Austria Solar , ist der Kauf einer
Solarwärmeanlage auf jeden Fall "eine sichere Investition in eine unsichere Zukunft". Er erwartet tendenziell steigende Preise für Öl und Gas und wertet die Investition in eine
Solaranlage auch als aktive Vorsorge: Mit einer Solaranlage könnten Hausbesitzer sowohl zum Klimaschutz beitragen als auch sicher stellen, dass sie auf Jahre unabhängiger von den
unsicheren fossilen Ressourcen werden.
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Kollektorfertigung bei der Conergy AG in Landshut; Solarkollektor. Quelle: Conergy AG.
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Chancen auf dem Solarwärmemarkt sieht auch die Hamburger Conergy AG. Das Unternehmen, das im vergangen Jahr seine Produktpalette um eine intelligente Leistungsüberwachung für
Solarstromanlagen ergänzte, eröffnete im November 2003 eine eigene Kollektorfertigung in Landshut. Hans-Martin Rüter, Vorstandsvorsitzender der Conergy AG: "Die Nachfrage für
Solarthermie in Deutschland konnte im vergangenen Jahr eine Durststrecke überwinden und an die enormen Wachstumsraten vergangener Jahre anknüpfen. Mit rund 140.000 Förderanträgen
beim BAFA ist sie höher als je zuvor. Wegen der seit Jahresbeginn von 125 auf 110 Euro reduzierten Zuschüsse erwarten wir in 2004 eine geringere Anzahl an Neuanträgen. Da
allerdings bisher "nur" etwa 80.000 der aktuell beantragten solarthermische Anlagen auch beauftragt wurden, sichert allein der Jahresüberhang einen Aufwärtstrend für das
Gesamtjahr 2004", so Rüter.
Der Vorstandsvorsitzende der Conergy AG erwartet, dass der Weltmarkt für Solarenergie weiter kontinuierlich wachsen, aber immer wieder starken regionalen Schwankungen unterliegen
wird: " Das gilt sowohl für die Photovoltaik als auch für die Solarthermie. Unsichere Haushaltslagen und wechselnde politische Mehrheiten haben Einfluss auf manch nationales
Förderprogramm. Deshalb sind haushaltsunabhängige Fördermechanismen für die Solarthermie, ähnlich wie in der Photovoltaik das EEG, das erklärte Ziel". Die UVS habe bereits vor
Monaten viel versprechende Initiativen für ein regeneratives Wärmegesetz gestartet. Diese seien ein wichtiger Ansatz, um die Planungssicherheit für Investitionen in die
Solarthermie entscheidend zu erhöhen und den Wachstumstrend zu festigen.
"Die Conergy ist mit ihren Vertriebskanälen der dynamischste Anbieter im europäischen Markt. Unseren Kunden können wir mit unserem hochmodernen Thermieprogramm die ganze Palette
der Solartechnik kompetent aus einer Hand anbieten. So erzielen wir Synergieeffekte, die wir wieder in die Produktentwicklung und Infrastruktur investieren können. Wir machen uns
aber auch wieder ein Stück unabhängiger von Marktschwankungen in nur einem Produktfeld. Deshalb war der Einstieg in die Solarthermie ein logischer Schritt, der sich im übrigen
schon heute als richtig erweist", begründet Rüter die Ausweitung der Produktpalette.
"Noch viel zu tun"
EUROSOLAR-Geschäftsführerin Irm Pontenagel hat bereits in der Zeitschrift Solarzeitalter darauf hingewiesen, dass mit dem PV-Vorschaltgesetz längst nicht alle Belange der Branche
und ihrer Kunden geklärt sind. In ihrem Beitrag "Noch viel zu tun" (Heft 4 / 2003) betonte sie, die EEG-Novelle stehe noch aus - und nicht nur EUROSOLAR bemängele drohende
Verschlechterungen, zum Beispiel bei der kleinen Wasserkraft, für Windkraftanlagen im Binnenland sowie für die Biomasse.
Zudem ließ der von der Opposition dominierte Bundesrat erkennen, dass er auch das PV-Vorschaltgesetz für problematisch hält. Die Ländervertretung hatte am 19. Dezember 2003
beschlossen, keinen Antrag auf Einberufung des Vermittlungsausschusses zu dem vom Deutschen Bundestag am 27. November 2003 verabschiedeten "Zweiten Gesetz zur Änderung des
Erneuerbare-Energien-Gesetzes" (EEG) zu stellen. Der Bundesrat halte aber den Gesetzesbeschluss sowohl hinsichtlich des Verfahrens als auch in der Sache für problematisch sowie
einzelne Regelungen nicht für ausgereift, heißt es in seiner Stellungnahme.
Der umweltpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Dr. Peter Paziorek MdB, hatte anlässlich der Verabschiedung der EEG-Novelle am 17.12. 2003 im
Bundeskabinett gefordert, die Neufassung des Gesetzes müsse in wesentlichen Teilen bei den anstehenden Beratungen im Deutschen Bundestag überarbeitet werden. Es gibt in der Tat
noch viel zu tun auf dem Weg zur Energiewende: für die Politik und die Verbände. Aber auch für Hersteller und Installateure, die 2004 in ein Erfolg versprechendes Jahr starten.
Weitere Informationen:
Worldwatch Institute: State of the World 2004
IEA: Renewables for Power Generation
Solarstrom-Vergütung seit 1. Januar 2004 Marktanreizprogramm zu Gunsten erneuerbarer Energien
CDU/CSU-Sprecher Paziorek: EEG-Novelle nicht zustimmungsfähig - news 17.12.2003
EEG: Zweites Änderungsgesetz passiert Bundesrat - news 22.12.2003
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