Solar-Reports:

Solar-Politik von unten:
Deutsche Solarinitiativen wollen die Energiewende

von Rolf Hug
16.01.2007

2006 war ein Rekordjahr für die Nutzung erneuerbarer Energien in Deutschland, Wind, Wasser, Sonne, Bioenergie und Erdwärme haben ihren Beitrag zur Energieversorgung stärker erhöht als je zuvor. Ihr Anteil am gesamten Endenergieverbrauch von Strom, Wärme und Kraftstoffen kletterte nach Zahlen des Bundesverbandes Erneuerbare Energie e.V. (BEE) im vergangenen Jahr auf 7,7 Prozent. 2005 waren es noch 6,8 %. Die Energiebereitstellung aus regenerativen Quellen betrug 2006 rund 200 Milliarden Kilowattstunden, das sind 14 % mehr als 2005 (175,7 Mrd. kWh) und deckte rechnerisch den Strom-, Wärme- und Kraftstoffverbrauch von über 10 Millionen Haushalten.

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Bausteine für die Energieautonomie: Wasserkraft Bausteine für die Energieautonomie: Bioenergie Bausteine für die Energieautonomie: Solarenergie Bausteine für die Energieautonomie: Windkraft
Dezentrale Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen: Bausteine für die Energieautonomie. Quelle: Fotoarchiv der Universit ät Kassel; Vestas Central Europe

Potenzial der Wärmeerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen längst nicht ausgeschöpft

Angesichts des Klimawandels und der Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten ist jedoch vor allem der Anteil der Erneuerbaren am deutschen Wärmeverbrauch mit 6,2 Prozent noch viel zu gering. Bioenergie, Solarwärme und Erdwärme lieferten im vergangenen Jahr 98 Milliarden Kilowattstunden Wärmeenergie (2005: 89 Mrd. kWh). Das entspricht einem Anteil am steigenden deutschen Wärmeverbrauch von 6,2 Prozent (2005: 5,9 %), bleibt aber deutlich unter den Möglichkeiten der Wärmeerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen.

Nachgeführte Solarstromanlage in Bayern. BSW-Geschäftsführer Gerhard Stryi-Hipp bei der Eröffnung der RegioSolar-Konferenz.
Links: Nachgeführte Solarstromanlage in Bayern. Im Hintergrund sind die beiden Windräder des Bürger-Windparks Palling zu erkennen. Rechts: BSW-Geschäftsführer Gerhard Stryi-Hipp bei der Eröffnung der RegioSolar-Konferenz. Ziel der deutschen Solarinitiativen ist die Versorgung mit 100 Prozent erneuerbaren Energien. Fotos: Peter Rubeck (links); RegioSolar (rechts).

Kommt das Wärme-EEG? Initiativen und Verbände machen Druck

Durch den massiven Preisanstieg für Öl und Gas ist die solare Wärmeproduktion zwar ordentlich in Bewegung gekommen, doch wieder einmal wurden 2006 die Grenzen der haushaltsabhängigen Förderung im Rahmen des Marktanreizprogramms (MAP) erreicht: nach zweimaliger Senkung des Fördersatzes im März und Juni wurde im August 2006 das Programm eingestellt. Für die Solar-Verbände ist daher offensichtlich, dass ein aus dem Bundeshaushalt finanziertes Förderprogramm immer wieder an seine Grenzen stoßen wird. Die Branche und viele Solarinitiativen setzen auf ein Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz, das auch Teil der Koalitionsvereinbarung von CDU/CSU und SPD ist. Obwohl die neue Bundesregierung nun schon seit über einem Jahr im Amt ist, hatte sich diesbezüglich im Jahr 2006 wenig getan. Doch nun will auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel die Nutzung erneuerbarer Energien zur Wärmeproduktion stärker fördern und gesetzlich festschreiben. Die Verbände und Solar-Initiativen hingegen sehen sofortigen Handlungsbedarf: "Nirgendwo sonst lässt sich der Ausstoß von klimaschädigendem CO2 so billig und schnell reduzieren, wie im Wärmebereich. Nicht-Handeln ist hier sträflich. Die Große Koalition muss daher schnellstmöglich die Arbeit an einem Wärmegesetz für erneuerbare Energien wieder aufnehmen", so beispielsweise BEE-Präsident Johannes Lackmann. Das sehen auch die in der Kampagne "Wärme von der Sonne" zusammengeschlossenen Solar-Initiativen. Doch die streitbaren Solar-Akteure wollen noch mehr.

Politisierung lokaler und regionaler Akteure

Energiepolitik wird nicht nur in Berlin gemacht, sondern auch vor Ort. Lokale Initiativen setzen sich seit den 70er Jahren erfolgreich für die Energiewende ein. Sie informieren, werben für Solarwärmeanlagen und geben Anstöße für den Bau von Solarstrom-Bürgerkraftwerken, Windparks, Biomasse- und Geothermieanlagen. Immer mehr Initiativen setzen gemeinsam mit den politischen Gremien Energie-Ziele, wie beispielsweise die Vollversorgung ihrer Kommunen mit erneuerbaren Energien. Seit 2004 unterstützt RegioSolar die Solarinitiativen, vor allem mit der Aktion "Wärme von der Sonne" und der RegioSolar-Konferenz, die Anfang November 2006 in Hannover zum dritten Mal stattfand.

Impressionen von der RegioSolar-Konferenz.
Impressionen von der RegioSolar-Konferenz.
Impressionen von der RegioSolar-Konferenz. Solar-Akteure aus ganz Deutschland wollen die Rückkehr zu fossilen Energieträgern und einen neuen Einstieg in die Atomenergie verhindern. Fotos: RegioSolar.

100 % erneuerbare Energien bis spätestens 2050 - nachhaltige Versorgung im Grundgesetz verankern

Charakteristisch für die vom Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) organisierte und vom Bundesumweltministerium unterstützte Konferenz war, dass die Solar-Initiativen sich keinesfalls darauf beschränken, erfolgreiche lokale und regionale Energieprojekte zu präsentieren, sondern sich aktiv in die Energiepolitik einmischen wollen. Ein kräftiger Ausbau erneuerbare Energien und engagierte lokale Initiativen sind unerlässlich, um die Rückkehr zu fossilen Energieträgern und eine mögliche Renaissance der Atomenergie zu verhindern, lautet die Botschaft aus Hannover. In einer Resolution, die Ende Januar 2007 veröffentlicht werden soll, fordern die Solarinitiativen die Vollversorgung mit erneuerbaren Energien bis spätestens 2050. Diese klare Zielsetzung soll auch im Grundgesetz festgeschrieben werden, denn eine nachhaltige Energieversorgung sei sowohl eine Frage des Überlebens als auch des Wohlstands unserer Nation.

Der Solar-Report fasst die Strategien und Perspektiven einer alternativen Energiepolitik "von unten" zusammen, zeigt Wege zu deren Umsetzung und beleuchtet einige Glanzlichter der Konferenz, darunter die Präsentationen zur solaren Bauleitplanung, zur Finanzierung von Solarstrom-Bürgerkraftwerken, zu Öffentlichkeitsarbeit, Bildung und Ausbildung sowie ein Beispiel für den Erfolg einer kleinen Solar-Initiative.

Vorbilder für eine andere Energiepolitik in Kommunen und Regionen

Die Chancen und Erfolge einer lokalen und regionalen Politik für den Klimaschutz und für erneuerbare Energien sind deutlich sichtbar im Raum Hannover, im bayerischen Chiemgau oder in der Hansestadt Hamburg. Das belegte ein der RegioSolar-Konferenz vorgeschaltetes Kommunalforum, an dem rund 100 professionelle Akteure teilnahmen. So betreut beispielsweise die Klimaschutzagentur Hannover neben der niedersächsischen Landeshauptstadt weitere 20 Kommunen und die Region verfügt über ein bundesweit herausragendes Fördervolumen für Klimaschutzmaßnahmen von rund sieben Millionen Euro.

RegioSolar-Konferenz Im Süden der Republik hat sich das Aktionsbündnis "Sonnenstrom + Sonnenwärme vom Watzmann bis zum Wendelstein" erfolgreich als Wirtschaftsförderer in der Region etabliert, eine Interessengemeinschaft aus Kommunalpolitik, Handwerkern und einem Netzwerk von zehn Solarinitiativen.

Foto: BSW

Das Handwerk in der Region zwischen Watzmann und Wendelstein hat 2006 über 280 Millionen Euro mit Solartechnik umgesetzt. Die Zahl und die Leistung der Solarstrom-Kraftwerke konnte um 30 Prozent ausgebaut werden. "Wir haben in der Region ein sehr großes Engagement für die Sonnenenergie sowohl seitens des Handwerks, der Kommunen und der Solarinitiativen. Aber auch die anderen erneuerbaren Energien wie Wasserkraft, Biogas, Holz oder Windkraft werden vorbildlich genutzt. Insgesamt ist die Region im Aufbruch auf dem Weg zu einer langfristigen Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien", fasst der Koordinator des Aktionsbündnisses zusammen, Diplom-Ingenieur Peter Rubeck vom Forum Ökologie Traunstein.

Eine solche 100 %-Prozent-Region strebt auch das Zentrum Innovative Energien e.V. (ZIEL 21) bis 2030 im Landkreis Fürstenfeldbruck an. ZIEL 21 will im Umland der bayerischen Landeshauptstadt einen gesunden Mix aller regional erschließbaren erneuerbaren Energiequellen, z.B. Biogas aus Landwirtschaft und Abfall, Biomasse (Holz, Pflanzenöl, nachwachsende Rohstoffe), Geothermie und Wasserkraft. Gerade die Biomassenutzung weise große Wachstumspotenziale auf, betont Birgit Baindl, Sprecherin von ZIEL 21. Die Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt drängt sich geradezu auf, denn München möchte "Biomasse-Hauptstadt" von Deutschland werden. Und legt den Förderschwerpunkt seines "erweiterten Klimaschutzprogramms" bis 2009 daher auf die Nutzung von Bioenergie.

"Bauleitplanung ohne Solarenergie ist wie Segeln ohne Windenergie"

Im hohen Norden beweist die Hansestadt Hamburg energie- und klimapolitische Weitsicht: Im Rahmen ihrer solaren Bauleitplanung gibt es bereits vier rechtsgültige Bebauungspläne, in denen die Nutzung erneuerbarer Energien vorgeschrieben wird. Matthias Sandrock von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt präsentierte auf der RegioSolar-Konferenz den Erfolg versprechenden Ansatz. In der Freien und Hansestadt Hamburg werden auf der Grundlage landesgesetzlicher Regelungen (Klimaschutzgesetz von 1997) energetische Festsetzungen für Neubauvorhaben getroffen. Diese verpflichten Investoren, erneuerbare Energien zur Wärmeversorgung einzusetzen. Diese Baupflicht geht rechtlich über so genannte städtebauliche Verträge hinaus. Sie gilt auch für die Bebauung privater Grundstücke.

Solare Bauleitplanung schreibt erneuerbare Energien zur Wärmeversorgung in der Hamburger Hafen-City vor.
Solare Bauleitplanung schreibt erneuerbare Energien zur Wärmeversorgung in der Hamburger Hafen-City vor. Quelle: Hafen-City Hamburg GmbH

Vier Bebauungspläne mit solarer Festsetzung sind laut Dr. Sandrock derzeit in Hamburg rechtsgültig, weitere sind in Vorbereitung. Darunter sind auch solche, die eine 100-%ige Deckung des Wärmebedarfs auf Basis erneuerbarer Energien vorschreiben. Die ersten Solaranlagen wurden in diesem Jahr fertig gestellt. Mit der solaren Bauleitplanung sei es zudem möglich, Wärmenetze bei Neubauvorhaben zu realisieren. Damit könnte ein kommendes Wärmegesetz für erneuerbare Energien ergänzt werden, so Sandrock.

Bürger-Solarkraftwerke werden größer:
Neue Modelle für die Finanzierung

Zwei Themenblöcke der zahlreichen Workshops und Präsentationen fanden in Hannover besonders großes Interesse und wurden intensiv diskutiert: Information, Kommunikation und Bildung sowie die Finanzierung großer Solarstromanlagen.

"Kostbare Freizeit nicht mit dem Verwalten von Solarkraftwerken verschwenden"

Eberhard Renz vom Solaranlagenverein Bensheim e.V., der auf Erfahrungen bei der Finanzierung von Photovoltaikanlagen ab einem Kilowatt Spitzenleistung bis hin zum mit fünf Megawatt größten Solardach der Welt zurückgreifen kann, plädierte für ein radikales Umdenken in Sachen Bürgerkraftwerke: "Wenn wir tatsächlich die Energiewende schaffen wollen, können wir uns den Luxus nicht mehr leisten, dass unsere Solaraktivisten ihre kostbare Freizeit mit dem Verwalten von einigen wenigen Solarkraftwerken verschwenden. Wir müssen uns auf die Öffentlichkeitsarbeit und den Bau neuer Kraftwerke konzentrieren. Die Verwaltung der Solaranlagen muss in professionelle Hände übergeben werden".

5 kWp-Sonnensegel
5 MWp-Solardach
Von Eberhard Renz in Bürstadt initiierte Solarstromanlagen: 5 kWp-Sonnensegel und 5 MWp-Solardach. Quellen: Eberhard Renz, Tauber Solar.
Renz präsentierte zur Finanzierung von Solar-Kraftwerken ab 10.000 Euro bis hin zu Investitionen in Höhe von mehreren Millionen Euro das Modell einer "Solar-Bürger-Genossenschaft eG", die es ermögliche, Investoren mit gleichartigen Interessen und minimalem Geldeinsatz (ab 100 Euro) in die Gesellschaft aufzunehmen. So könnten sowohl größere als auch mehrere Projekte realisiert werden.

Da Vereine als Betreiber von Solarstromanlagen Gefahr laufen, ihre Gemeinnützigkeit zu verlieren, und um die Haftung der Mitglieder zu beschränken, schlägt Eugen Kuntze vom ergon e.V. (Verein für enkeltauglichen Energiegebrauch) eine Gesellschaftskonstruktion vor, die in dem Münchner Stadtteil Hadern für den "Solarpark München und Region" entwickelt wurde. Sie bildet die Gesellschaftsform der GmbH und Co KG nach.

GbR als Geldgeber und GmbH als Betreiber eines Bürgerkraftwerks

So wurde in Hadern mit den Beteiligten an einer Anlage zunächst eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet. Da bei einer GbR jeder Gesellschafter auch mit seinem privaten Kapital haftet und sich ein Geschädigter stellvertretend für die gesamte GbR an einem Gesellschafter schadlos halten kann, übernimmt ein Verein die Rolle der GmbH und ist für den Bau und Betrieb der Anlage verantwortlich. Er schließt eine Haftpflichtversicherung über eine der Größe des PV-Kraftwerks entsprechende Versicherungssumme ab. Sollte ein Haftpflichtschaden aus dem Bau und dem Betrieb der Anlage diese Summe überschreiten, haften die Vereinsmitglieder jedoch nicht persönlich, sondern der Verein mit seiner Vereinskasse begrenzten Inhalts. Ein Haftungsdurchgriff auf die GbR sei nicht vorstellbar, so Kuntze.

Die GbR übernimmt nach dem Haderner Modell die Rolle der Geldgeber, vergleichbar der KG. Sie beauftragt den Verein mit dem Bau und Betrieb der Anlage und übernimmt alle daraus entstehenden Kosten. Den Einspeisevertrag mit dem Netzbetreiber schließt die Geschäftsführung der GbR ab. Auch die Versteuerung der Einkünfte aus der Anlage finde bei der GbR statt. Der Verein sei somit nicht gewerblich tätig und behalte seine Anerkennung als gemeinnützig. Dieses Modell sei zusammen mit einem versierten Juristen entwickelt worden und stehe nun allen Initiativen zur Verfügung, die damit ihre Bürgerbeteiligungsanlagen organisieren wollen, erläutert Kuntze.

Bürger-Solarstromanlagen in München Hadern.

Bürger-Solarstromanlagen in München Hadern.

Bürger-Solarstromanlagen in München Hadern. Quelle: Solarpark München-Hadern
Gesellschaft für Fotovoltaik-Bürgerbeteiligungsanlagen.

20 Bürgersolaranlagen mit 3,5 Millionen Euro finanziert

Die Landeshauptstadt München hat die Haderner Gruppe mit dem Umweltpreis 2003 ausgezeichnet, um ihre Pionierarbeit und die engagierte Weitergabe ihres Wissens zu würdigen. Auch ein bayerischer Landespreis wurde den Aktiven verliehen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung zeichnete dieses Projekt im Rahmen von "Bürger initiieren Nachhaltigkeit" aus. (www.bund-bin.de). In den letzten Jahren entstanden in München und dem Umland mittlerweile 20 Bürgersolaranlagen nach dem in München-Hadern erarbeiteten Muster. Das Kapital in Höhe von rund 3,5 Millionen Euro stammt von zirka 650 Bürgerinnen und Bürgern. Dabei erreicht das Modell, das eine Mindestbeteiligung mit einem Anteil von 1.500 Euro erlaubt, besonders die Kleinanleger: Etwa die Hälfte der Beteiligten ist laut ergon mit einem oder zwei Anteilen dabei.

Solarstrom und Solarwärme als Ausbildungsziel

Wie auf den früheren Konferenzen präsentierten engagierte Solar-Initiativen auch in Hannover vielfältige Aktionen zur Vermarktung der Solartechnik und zum spielerischen Lernen. Projekte wie "Solar-Spaß an Schulen" (Niedersachsen) und "Sonnenstrom für Kids" (Hannover-Mühlenberg) sowie Informationsangebote der DGS für -Schulen in Mecklenburg-Vorpommern zeigen, wie die Nutzung erneuerbarer Energien in den Unterricht integriert werden kann.

Mit dem Online-Spiel "powerado" erleben Kinder aus ganz Deutschland erneuerbare Energien auf spielerische Weise. Das vom Bundesumweltministerium geförderte Online-Spiel ist kostenlos im Internet verfügbar. In dem Spiel wird - je nach Schwierigkeitsgrad - versucht, ein Dorf, eine Kleinstadt, eine Großstadt oder eine Metropole mit Energie zu versorgen. Die Kinder erproben im Wettbewerb ihre Geschicklichkeit und erwerben beiläufig ein erstes Gespür dafür, dass Energieverbrauch und Klimawandel etwas miteinander zu tun haben.

Online-Spiel "Powerado". Ein Ballon macht klimabelastende CO2-Emissionen sinnlich erfahrbar.
Online-Spiel "Powerado". Ein Ballon macht klimabelastende CO2-Emissionen sinnlich erfahrbar. Quelle: Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung.
Das Online-Spiel ist eine von neun Einheiten des Forschungsprojekts "Erlebniswelt Erneuerbare Energien: powerado", das als Modellprojekt der UN-Weltdekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" ausgezeichnet wurde. Dort werden Materialien für verschiedene Altersstufen und Multiplikatoren entwickelt: vom Online-Spiel über Unterrichtsboxen für Schulen und Kindergärten bis hin zu Aktionen mit dem Klimaballon. Die Module 1 und 2 zielen auf das Spielen und Lernen am Computer, die Module 3 bis 5 ermöglichen das spielerische Erleben von erneuerbaren Energien in unterschiedlichen Altersgruppen, die Module 6 und 7 stellen Präsentationsmaterialien bereit, und das Modul 8 konzentrierte sich auf die handwerkliche Ausbildung. "powerado" kann gespielt werden unter http://spiel.powerado.de/html/main.html.

Kleine Solarinitiativen können viel bewirken – vor allem, wenn sie sich vernetzen

Was die rund 600 Solarinitiativen in Deutschland leisten, haben einige der etwa 300 in der RegioSolar-Datenbank eingetragenen Gruppen in Hannover gezeigt. Zum Beispiel die Berchumer Initiative für Solare Energien (BINSE e.V.). In dem gemeinnützig anerkannten Verein arbeiten seit 2002 Handwerksbetriebe, Architekten, Statiker, Fachgroßhändler, Bankfachleute, Rechtsanwälte und Steuerberater, Energieberater, Landwirte, Wissenschaftler, Lehrer, Bundes- und Kommunalpolitiker sowie der Pfarrer der nordrhein-westfälischen Gemeinde. Sie realisierten eine Photovoltaikanlage als Solarmarkise auf dem Dach der Grundschule, richteten einen Solarlehrpfad im Ortskern ein und bauten Solarstrom-Demonstrationsanlagen auf dem Dach des Gemeindehauses, der Grundschule und der Jugendbildungsstätte. Am Projekt des Jahres 2005, der 30-kW Bürgerstromanlage auf dem Dach der Jugendbildungsstätte, beteiligten sich knapp 40 Bürgerinnen und Bürger, des 1.300 Einwohner zählenden Ortsteils. Diese PV-Anlage speist jährlich knapp 30.000 kWh Solarstrom in das lokale Stromnetz ein. Auf den Dächern von Berchum wurden bereits 200 Quadratmeter solarthermische Kollektorfläche und über 110 kW PV-Leistung installiert. Mit derzeit 93 Punkten hat Berchum wir in der Solarbundesliga als Ortsteil einen hervorragenden Platz unter den Mitbewerbern erreicht. Einige der Mitglieder erzeugen bereits mehr Energie aus erneuerbaren Quellen, als sie selbst verbrauchen.

30,6 kW Bürgerstromanlage auf dem Dach der Jugendbildungsstätte Berchum PV-Anlage als Solarmarkise an der Grundschule.
30,6 kW Bürgerstromanlage auf dem Dach der Jugendbildungsstätte Berchum; PV-Anlage als Solarmarkise an der Grundschule. Fotos. Helmuth Küffner und Karl-Friedrich Winterhager.

Bürgernähe schafft Vertrauen und garantiert Erfolge

"Auf der Landkarte Deutschlands gibt es noch viele weiße Flecken, was die Verbreitung von Solarinitiativen angeht", betonen die Aktivisten von BINSE und ermuntern auch kleinere Gemeinden oder Ortsteile, sich mit Aktivitäten zur Nutzung erneuerbarer Energien an die Mitbürger der Nachbarschaft zu wenden. "Wer Menschen mag, kann dabei eine Vielzahl interessanter Zeitgenossen kennen lernen", beschreiben sie ihre positiven Erfahrungen. Die deutlich größere Bürgernähe in kleinen Gemeinden oder Ortsteilen schaffe Vertrauen und sei fast automatisch ein Erfolgsgarant: von 2002 bis 2006 sind in Berchum über 50 Solaranlagen entstanden, die mehr als eine Million Kilowattstunden Solarenergie in Strom oder Wärme umgewandelt und viel CO2 eingespart haben. Die Nutzung erneuerbarer Energien fördere zudem die regionale Wertschöpfung und schaffe nachweislich neue Arbeitsplätze. "Klein aber fein: es lohnt sich wirklich und hat beträchtliche Vorteile für die Initiatoren und die Mitglieder, vor allem aber für die Umwelt und unser Klima", lautet das Fazit nach vier Jahren Solar-Aktivität.

100 % bis 2050

2007 wollen Deutschlands Solarinitiativen sich noch breiter aufstellen und alle erneuerbaren Energieträger in ihre Arbeit einbeziehen – nicht zuletzt um ihren umfassenden energiepolitischen Zielen gesellschaftliches und politisches Gehör zu verschaffen. Die Vernetzung über RegioSolar bietet dafür gute Voraussetzungen, die beispielhaft am Erfolg der Kampagne "Wärme von der Sonne" sichtbar wird, an der sich 2006 doppelt so viele Initiativen beteiligt haben als noch im Jahr zuvor. 2007 wurde nun das Konzept überarbeitet, die bisherige Beschränkung der Zahl der beteiligten und mit professionellem Marketing-Material unterstützten Gruppen ist fallen gelassen worden und zum Thema WÄRME VON DER SONNE kommt noch das Thema STROM VON DER SONNE dazu, kündigt der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) an. Wichtig ist, dass die Aktionen vor Ort möglichst in der WOCHE DER SONNE zwischen 28. April und 6. Mai 2007 stattfinden sollen.

RegioSolar-Konferenz RegioSolar-Konferenz
Solarwärme und Solarstrom. Vom 28. April bis zum 6. Mai bieten Solarinitiativen in vielen Städten, Gemeinden und Landkreisen Veranstaltungen zur Solarenergie an unter dem neuen Motto WOCHE DER SONNE. Damit sollen die positiven Erfahrungen der Aktion WÄRME VON DER SONNE genutzt und die Aktion künftig wesentlich breiter ausgerichtet werden. Das Arbeitsfeld Solarthermie wird um die Photovoltaik erweitert, unter dem Motto STROM VON DER SONNE.
Fotos: RegioSolar.

Klare Ziele bis 2050 – in Deutschland und Europa

Außerdem steht die Entwicklung einer gemeinsamen Strategie für den Wandel von RegioSolar an, die auch das Ziel der Vollversorgung mit erneuerbaren Energien konkret fassen soll. Bewegung in der Republik und politischer Druck von der Basis sind nötig, denn in diesem Jahr stehen sowohl die Überprüfung und mögliche Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) an als auch weitere Diskussionen über die Solarwärme-Förderung in Deutschland sowie die Festsetzung verbindlicher Ziele für erneuerbare Energien in Europa, wie sie das Europäische Parlament am 14.12.2006 gefordert hat.

Für die deutschen Solarinitiativen ist klar, dass das EEG konsequent fortgeführt und ein EE-Wämegesetz rasch verabschiedet werden muss. In der kommenden Resolution zur Energiewende, fordern sie unter anderem den massiven Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung, den Umbau der Energienetze in Richtung dezentraler Versorgung, spezielle Anreize zur Energieeffizienz, eine solare Bauleitplanung und die verstärkte öffentliche Förderung von 100 % solar beheizten Häusern. In der Energiepolitik gehen die Forderungen der Initiativen weit über den regionalen beziehungsweise deutschen Horizont hinaus: Die Bundesregierung soll sich in Brüssel aktiv für eine ehrgeizige und verbindliche europäische Zielfestschreibung für Wärme, Strom und Kraftstoffe bis 2020 einsetzen und dort ebenfalls für das 100%-Ziel bis 2050 eintreten.


Links und weitere Informationen:

- RegioSolar: www.regiosolar.de
- Woche der Sonne: www.woche-der-sonne.de
- Bundesaktion Bürger initiieren Nachhaltigkeit (BIN): www.bund-bin.de
- Solarpark München: www.solarpark-muenchen.de

Literatur-Tipps:

  • "Kommunale Energieversorgung der Zukunft: erneuerbar und effizient. Empfehlungen aus der Praxis“, hrsg. von agenda-transfer, Bonn 2006.


  • "Wege in die kommunale Energieversorgung der Zukunft – NRW zeigt, wie es geht", hrsg. von agenda-transfer, Bonn 2006.
Buch: Kommunale Energieversorgung der Zukunft: erneuerbar und effizient.
www.agenda-service.de
www.gute-beispiele.net
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