Solar-Reports:
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Mit Sonnenwärme kühlen: Das Interesse
an solarer Klimatisierung wächst
Sonnige Sommertage sind etwas schönes. Doch im Büro kann
ein heißer Tag ganz schön anstrengend werden. Deshalb
werden immer mehr Gebäude mit Klimaanlagen ausgestattet. Denn
wenn es drinnen zu warm wird, leidet die Produktivität. Hier
setzt solare Klimatisierung an: Die Sommersonne, welche die Büros
aufheizt, liefert auch die Energie für deren Kühlung.
Die thermische Nutzung der Sonnenenergie bietet sich hier an: Die
Tage, an denen der größte Bedarf an Kühlung anfällt,
decken sich mit jenen, an denen die maximalen solaren Energiegewinne
möglich sind.
Die Nachfrage nach Klimaanlagen für Büros, Hotels, Labors
oder öffentliche Gebäude wie beispielsweise Museen ist
beachtlich. Nicht nur in Südeuropa, sondern auch in Deutschland
und Mitteleuropa. Bei entsprechenden Bedingungen kann solare und
solar unterstützte Klimatisierung eine Alternative zu konventionellen
Klimaanlagen sein. Zumal letztere nicht nur wegen problematischer
Kältemittel (FCKW und FKW) sondern auch im Hinblick auf die
anfallenden CO2-Emissionen zunehmend kritisch bewertet werden.
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Sorptionsgestützte Klimatisierung: Kollektoranlage auf dem
Dach der Industrie- und Handelskammer in Freiburg. Foto: Fraunhofer
ISE.
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Dem Trend zur solar unterstützten Klimatisierung entsprechen
die Veranstalter des Forums "Solar assisted Air-Conditioning
of Buildings" im Umfeld der Intersolar 2002: Die Deutsche Gesellschaft
für Sonnenenergie (DGS), das Fraunhofer Institut für Solare
Energiesysteme ISE, das Institut für Erhaltung und Modernisierung
von Bauwerken e.V. an der TU Berlin und die Pforzheimer Solarpromotion
GmbH bieten vom 26 bis 27. Juni 2002 ein zweitägiges internationales
Forum an zum Stand der Technik, den energetischen und wirtschaftlichen
Aspekten der solaren Kühlung sowie zu den möglichen Anwendungsfeldern.
Neben deutschen Unternehmen haben sich Firmen aus aller Welt angemeldet,
unter anderem aus Israel, Ghana, Spanien, Indien, den Niederlanden,
Belgien und Österreich. Der Solar-Report informiert kurz über
die Möglichkeiten und Technik der solaren Klimatisierung und
geht auch auf ökonomische Aspekte ein.
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Grundstruktur eines Systems der solaren Klimatisierung
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Was ist solare Klimatisierung?
Sollen Gebäude mit Hilfe von Sonnenenergie gekühlt werden,
können wassergestützte Klimaanlagen oder Lüftungsanlagen
mit Wärme betrieben werden, die von Sonnenkollektoren bereit
gestellt wird. In Monaten mit hohen solaren Energiegewinnen oder
in südlichen Ländern ist keine lange Zwischenspeicherung
von Energie nötig. Die Sonne kann, in unseren Breiten zumindest
saisonal, einen nennenswerten Anteil der Energie zur Klimatisierung
leisten. Auch Kombinationen wassergestützter Systeme und Lüftungsanlagen
sind möglich.
Wie funktioniert solare Klimatisierung?
Grundlage der (solar-)thermisch angetriebenen Kühlung ist
der thermochemische Vorgang der Sorption: Ein flüssiger oder
gasförmiger Stoff wird entweder an einer festen, porösen
Substanz angelagert (Adsorption) oder in einer Flüssigkeit
oder einem Feststoff aufgenommen (Absorption).
Dem Sorptionsmittel ( z.B. Silikagel, ein Stoff mit großer
innerer Oberfläche) wird Wärme (z. B. von einer Solaranlage)
zugeführt und Wasser in Form von Dampf entzogen. Nach diesem
"Trocknen", der Desorption, kann der Vorgang in umgekehrter
Richtung wiederholt werden. Bei der Zufuhr von Wasserdampf lagert
sich dieser an die porösen Speichermedien an (Adsorbtion) und
gleichzeitig wird Wärme frei.
Nach der Art der Prozessführung werden Verfahren mit geschlossenem
Kältemittelumlauf (zur Kaltwassererzeugung) und offene Systeme
unterschieden, bei denen das Kältemittel (Wasser) Kontakt mit
der Atmosphäre hat. Letztere werden zur Luftentfeuchtung und
Verdunstungskühlung verwendet. Beide können wiederum in
Verfahren mit flüssigem oder festem Sorptionsmittel eingeteilt
werden. Neben der verfügbaren Kälteleistung ist das Verhältnis
von Antriebswärme und erzielter Kälteenergie (Coefficient
of Performance; COP) eine wesentliche Kennzahl solcher Anlagen (s.
Tabelle 1 am Schluss des Artikels)
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Absorptionskältemaschinen
Geschlossene Absorptionskältemaschinen mit flüssigem
Sorptionsmittel (Wasser- Lithiumbromid) werden in Deutschland meist
in Kombination mit Kraft-Wärme-Kopplung betrieben (Blockheizkraftwerke;
Fernwärme), können aber auch durch Vakuumröhrenkollektoren
unterstützt werden (Antriebstemperatur über 80°).
Das Wärmeverhältnis (COP) beträgt 0,6-0,75 bei 1-stufigen
Verfahren oder bis zu 1,2 bei 2-stufigen Verfahren. Eine Marktübersicht
ist bei der Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen
Energieverbrauch (ASUE) erhältlich.
Adsorptionskältemaschinen
Geschlossene Verfahren mit festem Sorptionsmittel
arbeiten mit so genannten Adsorptionskältemaschinen (Antriebstemperaturen
60° - 95°; COP = 0,3 - 0,7). Solarenergie kann mit Vakuumröhren-
oder Flachkollektoren bereitgestellt werden. Eine Pilotanlage der
Universitätsklinik Freiburg zur Klimatisierung eines Laborgebäudes
wird mit Röhrenkollektoren versorgt; in Konzeption und wissenschaftlicher
Begleitung ist das Fraunhofer ISE beteiligt.
Die Kältemaschine besteht aus zwei Adsorbern, einem Verdampfer
und einem Kondensator. Eine Adsorberkammer nimmt den im Verdampfer
bei Unterdruck und tiefen Temperaturen (etwa 9°C) in die Gasphase
überführten Wasserdampf auf. Das als Trocknungsmittel
bekannte umweltfreundliche Granulat Silikagel lagert ihn an (adsorbiert
den Dampf). In der anderen Sorptionskammer wird der Wasserdampf
mit dem Heißwasser der Sonnenkollektoren (etwa 85°C) wieder
freigesetzt (die Kammer wird regeneriert oder "aufgeladen").
Der Druck steigt und der Dampf kann bei Umgebungstemperatur (30°C)
in einem Kühlturm wieder verflüssigt (kondensiert) werden.
Durch ein Drosselventil gelangt das Wasser wieder in den Verdampfer,
und der Kreislauf beginnt von vorne. Sowohl das kondensierte Wasser
(niedrige Temperatur) als auch die Sorptionswärme (hohe Temperatur)
werden abgeführt.
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Hauptkomponenten der Anlage am Universitätsklinikum
Freiburg: Adsorptionskältemaschine (links) und Solaranlage
(rechts)
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Die thermische Antriebsenergie für diese Adsorptionskältemaschine
erzeugen Vakuumröhrenkollektoren mit einer Fläche von
170 m². Zusätzlich verbessern Wärmespeicher die Ausnutzung
der Solarwärme. Ein Kältespeicher wirkt als Puffer bei
kurzzeitigen Lastschwankungen. In der kalten Jahreszeit erwärmt
die Sonnenenergie die Zuluft und hilft so, Heizkosten zu sparen.
Sorptionsgestützte Klimatisierung
Obwohl das Verfahren der sorptionsgestützte Klimatisierung
(SGK) schon seit langem bekannt ist, wird es in Europa erst seit
rund 15 Jahren angewendet. Prinzipiell können SGK-Klimatisierungsanlagen
unter mitteleuropäischen Klimabedingungen überall dort
eingesetzt werden, wo eine Aussenluftkonditionierung erwünscht
ist, also z.B. in Lüftungszentralen. Ihr wirtschaftlicher Betrieb
ist dann möglich, wenn kostengünstige Wärmeenergie
zur Verfügung steht, zum Beispiel aus KWK-Anlagen, nicht ausgelasteten
Fernwärmenetzen. Eine neue, vielversprechende Wärmequelle
sind solarthermische Anlagen. Offene SGK-Anlagen sind Frischluftsysteme,
in denen die Außenluft durch Sorption getrocknet, mit einem
Wärmerückgewinnungsrotor vorgekühlt und zuletzt durch
Verdunstungsbefeuchtung auf Zimmertemperatur gekühlt wird.
Das Prinzip der SGK wird in der Grafik skizziert. Die Solarenergie
wird zur Entfeuchtung des Sorptionsmittels eingesetzt ( 7 ->
8 ).
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Grundstruktur des Prozesses der sorptionsgestützten
Klimatisierung (SGK)
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Die wichtigsten Prozessschritte des Verfahrens sind:
1 - 2 Sorptive Entfeuchtung der Aussenluft mit gleichzeitiger Temperaturerhöhung
durch die freiwerdende Adsorptionswärme
2 - 3 Abkühlung der Luft im Wärmerückgewinnungsrotor
(WRG) im Gegenstrom zur Abluft
3 - 4 weitere Abkühlung der Luft durch Verdunstungsbefeuchtung;
die Zuluft zum Gebäude hat eine niedrigere Temperatur und einen
geringeren Gehalt an Wasserdampf als die Aussenluft
4 - 5 Erwärmung der Luft und ggf. Anreicherung mit Wasserdampf
durch Raumlasten
5 - 6 Absenkung der Temperatur der Abluft des Gebäudes durch
Verdunstungskühlung im Befeuchter
6 - 7 Erwärmung der Abluft im Gegenstrom zur Zuluft im WRG-Rotor
7 - 8 weitere Erwärmung der Abluft durch externe Wärmequelle
(z.B. Solaranlage)
8 - 9 Regenerierung des Sorptionsrotors durch Desorption des gebundenen
Wassers
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Gegenwärtig sind überwiegend Anlagen mit rotierenden
Sorptionsrädern (Sorptionsrotoren) im Einsatz. Das Sorptionsrad
enthält kleine Luftkanäle, die eine sehr große Kontaktoberfläche
schaffen, die mit einem Stoff behandelt wurde, der leicht Feuchtigkeit
aufnimmt, beispielsweise Silikagel. Die Zuluft wird in einem der
beiden Sektoren des Rotors entfeuchtet und durch den Adsorptionsvorgang
erwärmt (die Abluft dient zur Trocknung des Rotors). Anschließend
wird die Zuluft in einem Wärmerückgewinnungsrotor abgekühlt.
Die Wärmeübertragung erfolgt hier durch den Kontakt der
Luft mit dem Rotormaterial. Der letzte Schritt zu Abkühlung
der Zuluft ist eine konventionelle Verdunstungsbefeuchtung.
Was leisten solare Klimatisierungssysteme?
Für eine Studie der Internationalen Energie-Agentur (IEA)
im Rahmen des TASK 25 "Solar Assisted Air Conditioning of Buildings"
haben Wissenschaftler des Freiburger Fraunhofer Instituts für
Solare Energiesysteme ISE solar unterstützte Klimatisierungssysteme
untersucht. Detaillierte Beschreibungen und Ergebnisse der verglichenen
Anlagen können der Endfassung der Studie entnommen werden [1].
Für unterschiedliche Klimata (Trapani/Sizilien; Freiburg und
Koenhagen) wurden Jahressimulationen von fünf Varianten einer
solar unterstützten Anlage zur Luftaufbereitung mit einem konventionellen
System durchgeführt und verglichen.
Energiebilanz
Ohne den Einsatz von Solarenergie erhöht eine thermisch angetriebene
Klimatisierung den Primärenergieverbrauch (thermisch und elektrisch)
an jedem der untersuchten Standorte. Der Grund dafür sind die
niedrigeren Arbeitszahlen dieser Verfahren im Vergleich zu elektrisch
betriebenen Kompressionskältemaschinen.
Werden Absorptions- oder Adsorptionskältemaschinen eingesetzt,
sind solare Deckungsanteile für die Kühlung (SDK) von
30 % (Freiburg) bzw. fast 50% (Trapani) erforderlich, um eine Primärenergieeinsparung
zu bewirken. Der SDK ist der Anteil der von der Solaranlage bereitgestellten
Wärme zur sommerlichen Kühlung. Bei solaren Deckungsanteilen
von 85 % kann der Primärenergieverbrauch gegenüber der
konventionellen Referenzanlage um über 50% gesenkt werden.
Die Ergebnisse wurden am Beispiel eines Referenz-Bürogebäudes
ermittelt und sind insofern nicht einfach auf andere Anwendungsfälle
und Gebäude übertragbar.
In Trapani führte die SGK in Kombination mit einer Kompressionskältemaschine
bereits bei einem solaren Deckungsanteil von 30 % zu einer geringen
Primärenergieersparnis. Liefert die Sonne 85% der Wärme
für die Klimatisierung, können knapp 50% Primärenergie
eingespart werden. Hier werden zwei positive Aspekte sichtbar: Die
SGK kann wirksam zur Luftentfeuchtung genutzt werden und erreicht
dabei auch einen relativ guten Gesamtwirkungsgrad.
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Foto: SGK-Anlage in Portugal
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Wirtschaftlichkeit
Obwohl in Deutschland bereits über 20 Anlagen installiert
sind, die thermische Solarenergie zur Klimatisierung von Gebäuden
nutzen und technisch wie wirtschaftlich bewertet werden können,
sind noch etliche Hindernisse bei der Umsetzung der solaren Klimatisierung
auszuräumen. In den 12 an der Task 25 des Solar Heating &
Cooling Programms der IEA beteiligten Ländern wurden Erfahrungen
mit rund 30 Anlagen gesammelt und derzeit werden 10 Anlagen in einem
Demonstrationsprogramm untersucht. Solche Pilot- und Demonstrationsverfahren
sind weiter notwendig, damit Kostensenkungen möglich werden
und relevante Energieeinsparungen sicher gestellt werden. Standardisierte
Verfahren, ausgereifte Konzepte und die Entwicklung der Komponenten
sind Ansatzpunkte, die zu einer verbesserten Wirtschaftlichkeit
und breiten Anwendbarkeit der solaren Klimatisierung beitragen können.
Da solare Kühlung statt der üblichen elektrischen Kälteproduktion
auf thermisch angetriebenen Verfahren gründet, spielen die
Kosten für die genutzte Wärme eine zentrale Rolle: Ein
grundsätzliches Problem werfen die in der Regel höheren
Kosten der solaren Wärme im Vergleich zur Wärmeenergie
aus fossil beheizten Anlagen oder der Abwärme auf. Die Experten
des Fraunhofer ISE erwarten in dieser Hinsicht zunächst keine
wirtschaftlichen Vorteile der solaren Klimatisierung. Interessant
wird deren Einsatz, wenn günstige Voraussetzungen für
einen hohen Ertrag an nutzbarer Sonnenwärme gegeben sind und
die Solaranlage auch Energie für die Heizung liefert. Auch
der Strompreis könnte ein Argument für die solare Kühlung
liefern: Die thermisch angetriebenen Kälteverfahren benötigen
nur etwa ein Viertel (Absorption/Adsorption) bzw. die Hälfte
der elektrischen Leistung (SGK), die für das konventionelle
Referenzsystem erforderlich war.
Die vergleichende Untersuchung des ISE ergab, dass unter den Verfahren
die sorptionsgestützte Klimaanlage mit nachgeschalteter konventioneller
Kühlung (Kompressionskältemaschine) die aussichtsreichste
Systemkombination darstellt, zumindest für das Mittelmeerklima.
Die SGK verursachte an allen Standorten die geringsten Kosten; die
teuerste Lösung sind derzeit Adsorptionskältemaschinen.
Ein Chance für die SGK sehen die Wissenschaftler am Fraunhofer
ISE in der Kooperation von deutschen Einrichtungen und Unternehmen,
die Erfahrungen beim Betrieb von Sorptionsverfahren für die
Klimatisierung beziehungsweise mit großen solarthermischen
Anlagen gesammelt haben. Die Umsetzung dieses know-hows könnte,
besonders im Mittelmeerraum, eine Marktlücke auftun.
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| Solar-Magazin 
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