Solar-Reports:

Photovoltaik für alle: Gemeinschafts-Anlagen für engagierte Bürger und umsichtige Investoren

von Rolf Hug
17.05.2002

Mit der staatlichen Förderung über das 100.000 Dächer-Programm, den Kreditprogrammen der Deutschen Ausgleichsbank (DtA), und vor allem der Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vom 1.4. 2000 wurden Investitionen in Solarstromanlagen auch wirtschaftlich interessant: Die gesetzlich garantierte Solarstromvergütung schafft einen Planungshorizont, der private und gewerbliche Betreiber von PV-Anlagen motiviert, neue Projekte zu realisieren. Neben den "kleinen" Anlagen auf dem eigenen Dach (bis 5 Kilowatt Spitzenleistung) werden, meist von Beteiligungsgesellschaften, zunehmend größere Anlagen geplant und gebaut - bis hin zu Solarkraftwerken im Megawatt-Bereich.

Das Interesse an Photovoltaikanlagen wächst Ein "Solar-Anteil" als Alternative zur eigenen Anlage
Das Interesse an Photovoltaikanlagen wächst -
auch bei Bürgern ohne eigenes Dach.
Bild: Energo GmbH
Ein "Solar-Anteil" als Alternative zur eigenen Anlage. Bild: Energo GmbH

Investitionen in die Zukunft

Die solaren Beteiligungsmodelle ermöglichen es umweltbewussten Bürgern ohne eigenes Dach, in die Stromproduktion mit Sonnenenergie einzusteigen. So können auch Mieter eine Photovoltaikanlage betreiben. Der positive Beitrag der Solarenergie zur umweltfreundlichen Stromerzeugung ist unstrittig. Über den notwendigen Ausbau erneuerbarer Energien besteht weitgehend Konsens; der Klimaschutz wird von der Politik und zunehmend auch der Energiewirtschaft als immer drängendere Aufgabe bewertet.

Solarstrom-Gemeinschaftsanlagen bieten die Chance, sich aktiv am Ausbau der Solarstrom-Kapazitäten zu beteiligen und damit nachhaltig für den Schutz des Klimas einzutreten. Wirtschaftliche Überlegungen lassen größere Projekte sinnvoll erscheinen: Der Systempreis sinkt tendenziell mit jedem weiteren installierten Kilowatt Spitzenleistung. Auch die Erträge können bei größer dimensionierten Anlagen mittels aufwändigerer Technik gesteigert werden, beispielsweise durch optimierte Wechselrichterkonzepte oder die Nachführung der Module. Die Möglichkeit der gezielten Auswahl besonders sonnenreicher Standorte wird ebenfalls als Vorzug der Gemeinschaftsanlagen genannt.

Die Beteiligungsangebote sollen jedoch nicht nur Idealisten überzeugen und für eine andere Stromproduktion werben: Der überwiegende Teil der Angebote verspricht, dass die Anteilseigner von den Erträgen der Solarstromerzeugung auch finanziell profitieren. Dazu müssen sie erst einmal Unternehmer werden. Eine Solar-Beteiligung ist etwas völlig anderes als beispielsweise die Geldanlage in Form von Schatzbriefen mit festem Zinssatz. Wie beim Kauf von Aktien erwirbt der Investor Anteile an einem Unternehmen. Damit sind Chancen und Risiken verbunden.

Dieser Beitrag kann und soll nur einen ersten Einblick in das Geschäftsfeld der kommerziellen Solarstromproduktion und -vermarktung geben und ersetzt keinesfalls die sachkundige Beratung durch Fachpersonen (Anlage- und Steuerberater).

Solarstrom liegt im Trend Carl-Benz-Stadion, Mannheim
Wachsende Kapazitäten - neue Anlagen,
Solarstrom liegt im Trend. Bild: voltwerk AG
Auf dem Dach des Carl-Benz-Stadions in Mannheim: 1.080 Photovoltaik-Module; 106 kWp.
Bild: SolarEnergieMannheim GmbH & Co. KG

Vielfältige Möglichkeiten und Größenordnungen

Nicht nur, aber insbesondere im Süddeutschen Raum werden derzeit zahlreiche Gemeinschaftsanlagen initiiert und umgesetzt. Beteiligungsangebote an Großanlagen bieten unter anderem die Tauber-Solar GmbH (Tauberbischofsheim: geplante Gesamtleistung 1 Megawatt), die Stephan Schröder Management GmbH & Co. (Relzow II: 750 kWp), die Stuttgarter voltwerk AG ( Söchtenau: 6 technisch und rechtlich getrennte Anlagen, Gesamtleistung 599 kWp; Geißen: 2 Anlagen mit jeweils 103,68 kWp), oder die SolarEnergieMannheim GmbH & Co. KG (Carl-Benz-Stadion Mannheim: 106 KwP). Mehrere Solar-Gemeinschaftsanlagen haben die Pforzheimer Solar- und Energieagentur Energo GmbH (9 Anlagen; Gesamtleistung 249 kWp) und der Förderverein Energie- und Solaragentur Regio Freiburg (FESA) organisiert. Auch die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie e.V. plant eine Solarstrom-Gemeinschaftsanlage für Mitglieder, Leser der Zeitschrift "Sonnenenergie" und interessierte Bürger. Ihr endgültiger Standort wird noch festgelegt, die Gesamtleistung soll 200 - 250 kWp betragen, eine erste Ausbaustufe ist mit 90 kWp vorgesehen. Das Projektmanagement übernimmt die Energo GmbH.

Professionelles Management und kritische Prüfung notwendig

Umweltverbände und -initiativen oder Beteiligungsgesellschaften, die erfolgreich Solarstromanlagen betreiben wollen, können zwischen mehreren Gesellschaftsformen wählen - und müssen Chancen und Risiken, Haftung und Verwaltungsaufwand abwägen. Auch für die Anleger gilt, frei nach Schiller: "drum prüfe, wer sich langfristig bindet".

Professionelles Management, von der Vorbereitung über die Umsetzung bis hin zum Betrieb der Anlage, trägt dazu bei, die Risiken zu minimieren. Die Wahl des Standortes und der Komponenten, Kompetenz und Erfahrung für den Betrieb und die Wartung sowie Versicherungen (Haftpflicht, Elementarschadens- und Betriebsunterbrechungsversicherung) schaffen einen relativ sicheren Rahmen. Ein Blick auf die Sicherheitsreserven, welche die Betreiber ansetzen (z. B. bei der Sonneneinstrahlung), erleichtert den Vergleich. Dennoch - und darauf weisen die Prospekte der Fonds und Gesellschaften auch mehr oder weniger deutlich hin - ist die Beteiligung an PV-Kraftwerken mit allen typischen Risiken eines Unternehmens verbunden. Aber auch mit Chancen: Dass die Anleger ihr Geld zurückbekommen sollen, ist selbstverständlich, dass es sich langfristig auch vermehrt ist das Ziel. Die verschiedenen Gesellschaften versprechen jährliche Ausschüttungen von durchschnittlich 3 bis 8 % der Einlage über die gesamte Laufzeit der Projekte. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine Rendite wie sie üblicherweise bei fest verzinslichen Wertpapieren oder Spareinlagen erwartet wird, sondern um die Ergebnisse von Wirtschaftlichkeitsberechnungen nach der finanzmathematischen Methode des so genannten "internen Zinsfußes": Nicht das ursprünglich eingezahlte Kapital ist Grundlage, sondern die Summe, die nach Berücksichtigung der Steuern und Ausschüttungen investiert ist, also das durchschnittlich gebundene Kapital. Die Betreiber des Solarkraftwerks Relzow II (Stefan Schröder Management& Co. KG) verzichten aus diesem Grunde konsequent auf den Begriff Rendite. Das gründliche Studium der umfangreichen Beteiligungsprospekte lohnt sich auf jeden Fall: Nur so können sich potenzielle Investoren ein vollständiges Bild von den Projekten machen, in technischer wie wirtschaftlicher Hinsicht.

Solarkraftwerk Relzow II Gemeinschaftssolarkraftwerk Söchtenau
Solarkraftwerk Relzow II: 18.750 Module;750 kWp. Bild: Stephan Schröder Management GmbH & Co. KG Gemeinschaftssolarkraftwerk Söchtenau: 6 Anlagen mit insgesamt 599 kWp. Bild: voltwerk AG

Kritik an den ökonomischen Perspektiven von Photovoltaik-Kraftwerken und -Fonds formulierte der Solarenergie-Förderverein e.V. (Aachen): In die Kalkulation kleiner wie großer Solarstromanlagen würden nicht immer alle Kosten einfließen, beispielsweise für Wartung und Reparaturen, die Versicherungen oder den Abbau der Anlage nach dem Ende der Laufzeit. Letztere sind in der Tat nicht leicht zu fassen, da über einen Zeitraum von 20 Jahren nur bedingt Aussagen zur Wertentwicklung der Module oder zum Recycling möglich sind. Vorsichtige Betreiber würdigen diese Sachverhalt, indem sie Rücklagen für den Abbau bilden und den Verkaufspreis der Module nach 20 Jahren eher niedrig ansetzen. Auch die im Bereich der Windkraft-Fonds erfahrenen Berater der Murphy&Spitz Umwelt Consult in Bonn äußern sich in Bezug auf die Gewinnchancen der Solarkraftwerke und -Fonds eher zurückhaltend, wollen jedoch künftig ebenfalls in diesem Feld aktiv werden.

Langfristige Investitionen - begrenzte Haftung

Grundsätzlich stellt eine private oder gemeinschaftliche Solarstromanlage eine langfristige Investition dar. Das Kapital ist gebunden, schnelle Gewinne sind nicht zu erwarten. Das "nachhaltige" Engagement für Solarstrom verlangt eine andere Perspektive und schließt die unternehmerische Haftung der Anteilseigner ein. Diese hängt von der Organisationsform des Unternehmens ab, kann aber beschränkt werden.

Die Kommanditisten einer GmbH & Co. KG haften in der Regel nur in Höhe der einmal erfolgten Einlage, ebenso die Gesellschafter einer GmbH. Die Gesellschafter einer Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR) haften gesamtschuldnerisch mit ihrem Privatvermögen. Und bei einer Gemeinschaft von Alleineigentümern haftet jeder voll für die eigene Solaranlage. Für sämtliche Unternehmensformen gilt: je niedriger das Risiko, desto höher der Verwaltungsaufwand. Dieser wirkt sich auf das Betriebsergebnis aus. Die Ansprüche an die Buchführung der Alleineigentümer und der GbR sind eher niedrig, die Haftungsrisiken aber hoch. Der "Preis" für die beschränkte Haftung einer GmbH (& Co. KG) sind die Pflicht zur Bilanzierung, die Kosten für die Eintragung in das Handelsregister und die notarielle Beglaubigung (nicht für atypisch stille Gesellschafter); außerdem erhält bei der GmbH & Co. KG die GmbH eine Vergütung für die Haftungsübernahme (i.d.R. 5% des Stammkapitals pro Jahr).

Solarstrom und Fiskus

Die Anschaffung und der Betrieb von Solarkraftwerken sowie der Verkauf von Solarstrom sind unternehmerische Tätigkeiten, die der Steuerpflicht unterliegen. Voraussetzung für die Anerkennung der Einkünfte aus Gewerbebetrieb und damit entsprechende Behandlung seitens der Finanzverwaltung (Gewinn- und Verlustzuweisungen, Vorsteuerabzug etc.) ist die so genannte Gewinnerzielungsabsicht: Über die gesamte Laufzeit muss ein Totalgewinn (steuerlich positives Ergebnis) angestrebt werden, und zwar sowohl von der Gesellschaft als auch von den einzelnen Gesellschaftern. Die Anteilseigner, zum Beispiel Kommanditisten, unterliegen der Einkommenssteuer. Bei der Veranlagung müssen auch jene Ausgaben erfasst werden, die nicht in der Bilanz der Gesellschaft erfasst sind, z. B. Zinsen für einen Kredit zum Erwerb der Beteiligung. Hier ist die Hilfe eines Steuerberaters unerlässlich, da unter Umständen (bei einer Veräußerung der Anteile wenige Jahre nach dem Erwerb) die Gewinnerzielungsabsicht seitens der Finanzverwaltung verneint werden könnte. Dann würde das Finanzamt das Photovoltaik-Engagement als "Liebhaberei" bewerten und steuerliche Verluste nicht anerkannt werden.

Sonnenkraftwerk Mannheim Solarpark Geißen
Interessante Perspektiven: Sonnenkraftwerk Mannheim. Bild:SolarEnergieMannheim. Solarpark Geißen: Gemeinschaftssolaranlage der voltwerk AG. Bild voltwerk AG.

Eine etwas andere Rendite

Eine Nummer kleiner als die skizzierten Großprojekte, aber genauso engagiert, will es der Kreisverband Wetterau des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) angehen: 10 kWp soll seine geplante Anlage leisten. Das Ziel ist die jährliche Rückzahlung von 5% der Beteiligungen über einen Zeitraum von 20 Jahren (Stille Gesellschafter der Glühwurm GbR, ab 500 Euro). Eine Verzinsung verspricht der BUND nicht, dafür bietet er den Mitstreitern Beratung zu effektivem Stromsparen an. Damit könne die Stromrechnung um 200 - 400 Euro pro Jahr gesenkt werden und eine ökologisch und finanziell attraktive "Zusatzrendite" erwirtschaftet werden. Das Modell "Energieeffizienz im Haushalt und Strom aus Photovoltaik" will der BUND nicht nur in der Wetterau oder in Hessen, sondern überall in Deutschland propagieren.

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