Solar-Reports:

Klimatisieren mit Sonne und Wärme

Seit einigen Jahren wächst das Interesse an Kühl- und Entfeuchtungsverfahren, die Wärme für die Klimatisierung nutzen. Die solare Klimatisierung ist eines der Verfahren, die Niedertemperatur-Wärmequellen (Abwärme, Fernwärme) an Stelle von Elektrizität für die Gebäudeklimatisierung verwenden. Die Nutzung der Sonnenenergie ist vor allem deshalb eine interessante Option, weil der Energiebedarf für die Kühlung (Kühllast) zumindest saisonal der hohen Sonneneinstrahlung entspricht.

Solaranlage zur solaren Klimatisierung, rund 50 km nord-östlich von Athen, Griechenland

Im Rahmen von Pilotvorhaben und Demonstrationsprojekten wurden etliche Anlagen realisiert.

Abb1: Die derzeit größte Solaranlage zur solaren Klimatisierung steht rund 50 km nord-östlich von Athen in Griechenland. Die 2.700 m2 große Kollektoranlage versorgt zwei Adsorptionskältemaschinen mit je 350 kW Leistung zur Klimatisierung einer Kosmetikfabrik. (Bild: E. Podesser, Joanneum Research, Graz/Österreich)

Zum Einsatz kamen sowohl geschlossene Systeme wie Ad- und Absorptionskältemaschinen als auch offene Kühl- und Entfeuchtungsverfahren wie die sorptionsgestützte Klimatisierung. Der Solar-Report in Zusammenarbeit mit dem BINE Informationsdienst gibt einen ersten Einblick in die Verfahren, skizziert verwirklichte Projekte und zeigt die Perspektiven der solaren Kühlung. Diese gekürzte Fassung basiert auf dem BINE Themen-Info I/04 und auf Material, das Herr Dr. Hans-Martin Henning vom Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Mit Wärme kühlen: zentrale Anlagen zur Raumklimatisierung

Klimaanlagen sind teuer - und benötigen viel Energie. Deshalb gilt es, den Kühlbedarf bereits bei der Gebäudeplanung zu minimieren (passive Klimatisierung). Doch in Gebäuden wie beispielsweise Warenhäusern, Kongresszentren oder Theatern lässt sich ein behagliches Raumklima nur mit raumlufttechnischen Anlagen zuverlässig aufrecht erhalten. Die verwendeten Zentralanlagen stellen entweder Kaltwasser bereit (geschlossene Kältemaschinen) oder sie entziehen der Luft Feuchtigkeit und senken deren Temperatur (offene Sorptionsverfahren). Heute sind unterschiedliche Verfahren verfügbar, die Wärme auf niedrigem Temperaturniveau (< 90 °C) nutzen.

Bisher werden nur zentrale Anlagen für Gebäude oder Gebäudebereiche installiert. Anlagen für den dezentralen Einsatz in einzelnen Räumen sind noch nicht auf dem Markt. Aufgabe der Klimatechnik ist in der Regel nicht nur die Begrenzung der Raumtemperatur sondern auch die Kontrolle der Luftfeuchtigkeit.

Sorptionsgestützte Klimatisierung: Kollektoranlage auf dem Dach der Industrie- und Handelskammer in Freiburg. Foto: Fraunhofer ISE.

Neben ausreichend frischer und sauberer Luft sind Temperatur und Feuchte der Raumluft die wichtigsten Faktoren. In vielen Regionen ist deshalb die Luftentfeuchtung eine zentrale Aufgabe klimatechnischer Anlagen.

Abhängig von den Kühllasten kann entweder eine Nur-Luft-Anlage, ein rein wassergestütztes System oder ein kombiniertes Wassersystem mit Lüftungsanlage eingesetzt werden. Das technische Entscheidungskriterium ist, ob der hygienische Luftwechsel zur Abfuhr der sensiblen Kühllasten (Kontrolle der Temperatur) und der latenten Kühllasten (Luftentfeuchtung) ausreicht. In diesem Fall ist eine Nur-Luft-Anlage eine geeignete Lösung. Bei dieser Variante kann Niedertemperaturwärme über offene sorptionsgestützte Anlagen (DEC) oder mit konventioneller Lüftungstechnik in Verbindung mit thermisch angetriebenen Kältemaschinen eingesetzt werden. Wenn eine Zu-/Abluftanlage nicht eingesetzt werden kann, sind thermisch angetriebene Kaltwassererzeuger die beste Möglichkeit der Nutzung von Niedertemperaturwärme.

Kaltwasserverfahren

Bei der Verwendung geschlossener Kältemaschinen wird kaltes Wasser bereit gestellt, das in unterschiedlicher Weise für die Raumklimatisierung eingesetzt werden kann. Die benötigte Kaltwassertemperatur hängt entscheidend davon ab, ob Geräte versorgt werden, die auch für die Luftentfeuchtung (latente Lasten) benutzt werden, oder ob die angeschlossenen raumseitigen Komponenten nur zur Kontrolle der Temperatur (Abfuhr sensibler Lasten) dienen. In zentralen Lüftungsanlagen, die sowohl zur Kontrolle der Temperatur als auch der Feuchte der Raumluft verwendet werden, wird die Luft unter den Taupunkt abgekühlt. Dadurch kondensiert ein Teil des Wasserdampfes in der Luft und die absolute Feuchte sinkt. Für dieses Verfahren sind Kaltwassertemperaturen im Bereich von 6 - 9 °C erforderlich.

Soll die Kältemaschine lediglich für die Abfuhr sensibler Lasten eingesetzt werden, reichen deutlich höhere Kaltwassertemperaturen im Bereich von 15 - 20 °C aus. Beispiele für entsprechende raumseitige Komponenten sind Flächenkühlsysteme, also Kühldecken, Fußbodenkühlung, Wandflächen mit integrierten Kapillarrohrmatten sowie die Bauteilkühlung beziehungsweise Betonkernkühlung. In Frage kommen auch andere Systeme, die mit natürlicher Luft-Zirkulation arbeiten (Umluftkühler).

Jede thermisch angetriebene Kältemaschine ist durch drei Temperaturniveaus charakterisiert: erstens das hohe Temperaturniveau, bei dem die Antriebswärme aufgenommen wird. Zweitens das niedrige Temperaturniveau, bei dem die Nutzkälte bereit gestellt, das heißt die Wärme vom klimatisierten Raum aufgenommen wird. Und drittens ein mittleres Temperaturniveau, bei dem die Wärme abgeführt wird.

Thermodynamische Verhältnisse bei thermisch angetriebener Kälteerzeugung. Abb 3: Thermodynamische Verhältnisse bei thermisch angetriebener Kälteerzeugung. Temperaturniveaus und allgemeine Definition des COP sowie wichtigste Gleichungen. _PE,Wärme beschreibt den Umwandlungsfaktor
von Primärenergie in Antriebswärme und _PE,Strom den entsprechenden Umwandlungsfaktor von Primärenergie in Elektrizität. Grafik: BINE Informationsdienst.
Eine Schlüsselgröße zur Beschreibung der Effizienz von thermisch angetriebenen Kältemaschinen ist das Wärmeverhältnis (engl. Coefficient of Performance, COP). Der COP ist definiert als das Verhältnis aus Kälteleistung und hierfür benötigter Antriebswärmeleistung. Ein realistischer Vergleich unterschiedlicher Verfahren erfordert eine Betrachtung des gesamten Energieaufwandes einschließlich der elektrischen Verbräuche von Pumpen etc. Dabei ist zu beachten, dass ein direkter Zusammenhang zwischen dem COP und der an die Umgebung abzuführenden Wärmemenge besteht: je kleiner der COP, desto größer ist die Wärmemenge, die an die Umgebung abgeführt werden muss, und desto größer ist demzufolge auch der Aufwand an elektrischer Energie für Pumpen und Ventilatoren.
Übersicht der wichtigsten Verfahren zur Kaltwassererzeugung für die Raumklimatisierung
Abb.4: Übersicht der wichtigsten Verfahren zur Kaltwassererzeugung für die Raumklimatisierung (Temperaturen, COP-Werte, Marktverfügbarkeit, Leistungsbereich, Hersteller (ohne Anspruch auf Vollständigkeit))

Offene Verfahren (sorptionsgestützte Klimatisierung)

Die sorptionsgestützte Klimatisierung (SGK) basiert auf einer Kombination der sorptiven Luftentfeuchtung mit der Verdunstungskühlung: Ein flüssiger oder gasförmiger Stoff wird entweder an einer festen, porösen Substanz angelagert (Adsorption) oder in einer Flüssigkeit oder einem Feststoff aufgenommen (Absorption).

Die offenen Verfahren werden im englischen Sprachraum als "Desiccant Cooling" oder "Desiccant and Evaporative Cooling (DEC)" bezeichnet. Das Kältemittel - Wasser - ist dabei in direktem Kontakt mit der Atmosphäre - deshalb die Bezeichnung "offene Verfahren". Da bei Anlagen dieser Art generell Luft behandelt wird, handelt es sich immer um Lüftungsanlagen. Eine Lüftungsanlage "konditioniert" die Frischluft, sie dient dazu, deren Temperatur und Feuchte in einem komfortablen Bereich einzustellen. Ihre Funktion geht also über die Kältebereitstellung hinaus, was einen direkten Vergleich mit Kaltwassererzeugern schwierig macht.

Generell ist aus energetischer Sicht eine Begrenzung des Volumenstroms der Lüftungsanlage auf den hygienischen Luftwechsel sinnvoll. Mit dem hygienischen Luftwechsel sollten alle Feuchtlasten abgeführt werden. Darüber hinausgehende sensible Kühllasten sind dann am günstigsten mit raumseitigen Komponenten wie Flächenkühlsystemen abzuführen. Besonders bei kleinen Anlagen scheitert eine solche Lösung allerdings oft an den höheren Investitionskosten, da zwei Systeme benötigt werden, die Lüftungsanlage und ein System mit Kaltwasser.

Technologien und praktische Anwendungen

Derzeit sind in Deutschland rund 25 Anlagen zur solaren Gebäudeklimatisierung und in Europa insgesamt rund 65 Anlagen mit einer Gesamtkollektorfläche von etwa 17.600 Quadratmetern und einer Gesamtkälteleistung von rund 5,7 Megawatt installiert. Die meisten Anlagen entstanden im Rahmen geförderter Projekte. Vielfach wurden sie wissenschaftlich begleitet.

Solare Klimatisierungsanlagen in Deutschland
Abb. 5. Solare Klimatisierungsanlagen in Deutschland: installierte Kälteleistung in kW und spezifische Kollektorfläche in m2/kW für Anlagen mit Kaltwassererzeugern (Absorption links, Adsorption Mitte) und für offene, sorptionsgestützte Anlagen (rechts) (nach /Albers2001/ und /Hindenburg2002/). Der gelbe Balken charakterisiert die installierte Kälteleistung (linke Achse) und der blaue Balken bezeichnet die spezifische Kollektorfläche (rechte Achse).

Bundespresseamt: Röhrenkollektoren und Absorptionskältemaschinen

Absorptionskältemaschinen arbeiten zum Beispiel im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung in Berlin. Die Kältebereitstellung für die so genannte Giebelwandbebauung wird über Schwerkraftkühlsysteme realisiert, die aus einem Kältenetz von zwei Absorptionskälteanlagen versorgt werden. Die Vorlauftemperatur wurde auf 16° C und die Rücklauftemperatur auf 20° C ausgelegt. Die Absorptionskälteanlagen werden im Sommer ausschließlich durch die Heizwärme eines Solarkollektorfeldes mit direkt durchströmten Vakuumröhrenkollektoren angetrieben. Überschüssige, solar erzeugte Kälte kann in einen Gebäudeteil mit EDV-Bereich und ganzjährigem Kältebedarf genutzt werden.

Solar gekühlte Giebelwandbebauung im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA) in Berlin.

Bei Absorptionskälteanlagen wird wie bei Kompressionsmaschinen (z.B. dem Kühlschrank) die Abhängigkeit des Siede- und Taupunkts eines Kältemittels vom Druck ausgenutzt.

Abb.6: Solar gekühlte Giebelwandbebauung im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA) in Berlin mit Vakuumröhrenkollektoren auf dem Dach. (Quelle: IEMB Berlin)

Durch Einsatz eines Sorptionsmittels wird mit Wärme als Antriebsenergie eine thermische Verdichtung des Kältemittels erreicht, so dass für die Kälteerzeugung keine hochwertige Elektroenergie erforderlich ist.

Bisher wurden Absorptionskältemaschinen vor allem mit Kälteleistungen größer 200- 300 kW eingesetzt. Die Anforderungen an ein gutes Teillastverhalten (hohe COP-Werte) bei gleichzeitig geringen und zeitlich variablen Antriebstemperaturen bei der solar gestützten Kälteerzeugung haben vor allem in Deutschland zu einer Weiterentwicklung von Absorptionskälteanlagen geführt.

Neue Absorptionskältemaschine, maximale Leistung 14 kW

Ein neu entwickeltes Gerät der Phönix SonnenWärme AG mit einer maximalen Leistung von 14 kW, kann bereits bei Antriebstemperaturen von 60° C zirka 6 kW Kälte erzeugen. Gleichzeitig ergibt sich unter diesen Teillastbedingungen (43 % Last) immer noch ein COP von etwa 0,7.

Vorteilhaft für den Einsatz von Solaranlagen ist dabei, dass auch Temperaturen unter 60° C genutzt werden können. Der unvermeidbare Rückgang der erzeugbaren Kälteleistung kann dann z.B. durch Absenkung der Kühlwassertemperatur verringert werden, was besonders in den Morgenstunden keinen technischen Mehraufwand bedeutet. Die dazu notwendigen Regelkonzepte befinden sich in der Entwicklung.

Abb. 7: Neue Absorptionskältemaschine, maximale Leistung 14 kW (Quelle: Phönix Sonnenwärme)

Klimatisierung im Universitätsklinikum Freiburg: 60 % solarer Deckungsgrad

1999 wurde eine Anlage zur solar unterstützten Klimatisierung eines Laborgebäudes am Universitäts-Klinikum Freiburg installiert, die mit einer Adsorptionskältemaschine arbeitet. Die Anlage kühlt Wasser des Kältekreises von 14°C auf 10°C ab und versorgt damit die Luftkühler in zwei Lüftungsanlagen. Das Solarkollektorfeld besteht aus 170 m2 direkt durchströmten Vakuumröhrenkollektoren, die in zwei Hauptfeldern verschaltet sind. Im Laufe der kontinuierlichen Arbeiten an der Anlage konnte die Leistungsfähigkeit deutlich verbessert werden. Mittlerweile erreicht die Kältemaschine COP-Werte entsprechend den Herstellerangaben, diese liegen bei rund 0,6.

Der solare Deckungsbeitrag zur Kältebereitstellung liegt im Sommer bei rund 60 %. Das Adsorptionsverfahren und die Anlage sind beschrieben in dem Beitrag
"Mit Sonnenwärme kühlen: Das Interesse an solarer Klimatisierung wächst"

Dampfstrahlkältemaschinen erfordern hocheffiziente Solarsysteme

Eine effiziente Kältetechnik für sonnenreiche Länder hat das Fraunhofer Institut UMSICHT gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) und der GEA Jet Pumps GmbH untersucht. Zum Einsatz könnten so genannte Dampfstrahlkältemaschinen kommen, die bislang vorwiegend in der Verfahrenstechnik genutzt werden. Sie zeichnen sich aus durch ein gutes dynamisches Verhalten, den Einsatz von Wasser als Kältemittel (ohne Zusatzstoffe) sowie COP, der bei Teillastbedingungen auch sehr hohe Werte deutlich über 1 annehmen kann.

Parabolrinnenkollektor-Anlage auf dem Versuchsfeld des DLR in Köln

Die Antriebstemperaturen von typischerweise 200° C bedingen den Einsatz hocheffizienter Solarsysteme mit optischer Konzentration und einachsiger Nachführung wie z.B. Parabolrinnenkollektoren. Bislang gibt es keine ausgeführte Anlage der solaren Klimatisierung in Verbindung mit Dampfstrahlkältetechnik.

Abb.8: Parabolrinnenkollektor-Anlage auf dem Versuchsfeld des DLR in Köln. Foto: DLR

Das von UMSICHT untersuchte Verfahren basiert auf der Nutzung von Parabolrinnenkollektoren, die bei hohen Wirkungsgraden direkt zur Dampferzeugung eingesetzt werden können. Mit einer Versuchsanlage wurde im Hinblick auf zukünftige Solarkraftwerksanwendungen bereits Dampf bei Temperaturen bis 390° C erzeugt. Bei niedrigen Umgebungstemperaturen können der Dampfverbrauch gesenkt und die Sonnenenergie gespeichert oder über Dampfturbinen in Strom gewandelt werden. Eine Szenariorechnung zeigt, dass solare Kälteerzeugung mit Dampfstrahlkältetechnik mit solar betriebenen Absorptionskältemaschinen in Bezug auf die Kältegestehungskosten konkurrieren kann.

Pilotanlage mit Sorptionsrotoren und Luftkollektoren

Das heute am weitesten verbreitete offene Verfahren verwendet so genannte Sorptionsrotoren. Die sich drehenden Sorptionsräder enthalten kleine Luftkanäle, die eine sehr große Kontaktoberfläche schaffen, die mit einem Stoff behandelt wurde, der leicht Feuchtigkeit aufnimmt, beispielsweise Silikagel. Die Zuluft wird in einem der beiden Sektoren des Rotors entfeuchtet und durch den Adsorptionsvorgang erwärmt (die Abluft dient zur Trocknung des Rotors). Anschließend wird die Zuluft in einem Wärmerückgewinnungsrotor abgekühlt. Die Wärmeübertragung erfolgt durch den Kontakt der Luft mit dem Rotormaterial. Der letzte Schritt zu Abkühlung der Zuluft ist eine konventionelle Verdunstungsbefeuchtung. Die gängigste Verschaltung und den Zustandsverlauf zeigt die Skizze.

Eine der ersten gewerblich genutzten solar unterstützten Anlagen mit Sorptionsrotor wurde zur Klimatisierung des Neubaus einer Produktionshalle errichtet und 2000 in Betrieb genommen. Sie ist für einen Außenluftvolumenstrom von 18.000 m3/h ausgelegt.

Abb 9: Standardverfahren sorptionsgestützte Klimatisierung mit Sorptionsrotor

Solarluftkollektor der Anlage in Althengstett Für den Luftaustausch wird ein Volumenstrom von 10.900 m3/h gefahren, der aufgrund der hohen Belastung der Hallenabluft durch die Spritzgussmaschinen ebenfalls als Außenluft angesaugt wird. Die Regenerationsluft wird zunächst mit Maschinenabwärme mit 45 kW Leistung vorgewärmt und mit einem Anteil von 6.000 m3/h durch ein 100 m2 großes Luftkollektorfeld nacherhitzt. Der Gesamtvolumenstrom kann bei Bedarf durch einen Ölkessel nachgeheizt werden.
Solarluftkollektor der Anlage in Althengstett Im Sommer 2002 wurden insgesamt 34.710 kWh Kälte erzeugt bei 36.460 kWh bereitgestellter Heizenergie, so dass sich eine mittlere Leistungszahl (COP) von 0,95 ergibt. Der Deckungsgrad durch die Prozessabwärme und das Luftkollektorfeld liegen jeweils bei knapp je 50 %.
Abb. 10 und 11: Solarluftkollektor der Anlage in Althengstett (Quelle: FH Stuttgart); Energiebilanz und COP-Werte.
Von der gesamten elektrischen Anschlussleistung von 17 kW für Ventilatoren und Antriebe werden etwa 4 kW für die Zusatzkomponenten der Sorptionstechnik benötigt. Der zusätzliche Strombedarf für die Sorptionstechnik während knapp 1.200 h aktiver Kühlung liegt bei 4.670 kWh, das sind 3,9 Kilowatt pro Stunde.

Offene sorptionsgestützte Klimatisierungssysteme mit flüssigen Sorptionsmitteln arbeiten nach dem gleichen Prinzip. Sie sind jedoch aufwändiger als Systeme mit Rotoren und noch nicht auf dem Markt verfügbar. Prinzipielle Vorteile könnten ihnen jedoch beim Einsatz in solaren Systemen zum Durchbruch verhelfen:

  • der potenziell höhere Gesamtwirkungsgrad
  • das bessere Wärme- und Kälte-Rückgewinnungspotenzial
  • die mögliche niedrigere Regenerationstemperatur bei gleichem Entfeuchtungspotenzial
  • die Möglichkeit der effizienten Energiespeicherung
  • die räumliche Entkopplung von Zuluft und Abluftströmen.

Ein solches System wird vom Bayerischen Zentrum für Angewandte Energieforschung eV (ZAE ) entwickelt. Umgesetzt wurde es in einem Bürogebäude in Amberg. Das BINE Themen-Info I/04 stellt die Anlage vor.

Planung, Kosten und Wirtschaftlichkeit

Über die Effizienz und Energieeinsparung von Anlagen zur solar unterstützten Klimatisierung entscheidet die sorgfältige Planung und Auslegung. Computergestützte Werkzeuge zur Systemauslegung sind dabei ein wichtiges Hilfsmittel. Bisher liegen jedoch nur wenige Erfahrungen aus der Planungspraxis vor. Hauptziel der Nutzung von Solarenergie ist die Einsparung von Primärenergie.
Untersuchungen zeigen, dass alle Verfahren der Klimatisierung mit (Niedertemperatur-)Wärme bei ausschließlichem Betrieb mit Primärenergie (z.B. Ergas) schlechter abschneiden als die konventionelle Kälteerzeugung mit modernen Kompressionskältemaschinen. Um primärenergetisch gleichzuziehen, müssen bei den thermisch angetriebenen Verfahren zwischen 10 % und 55 % der Antriebswärme von der Solaranlage geliefert werden, je nach Vergleichssystem und eingesetzter thermischer Kältetechnik. Nur bei solaren Deckungsanteilen darüber ist eine Primärenergieersparnis erzielbar.

Der technische Aufwand für Anlagen zur solar unterstützten Klimatisierung ist höher als bei konventionellen Anlagen. Zum einen ist im Vergleich zu einer konventionellen Anlage die gesamte thermische Solartechnik zusätzlich erforderlich. Zum anderen ist bei thermisch angetriebenen Kältemaschinen das Rückkühlwerk größer. Nicht zuletzt sind die spezifischen, auf die Kälteleistung bezogenen, Kosten thermisch angetriebener Kältemaschinen höher als diejenigen konventioneller Anlagen. All dies bedingt höhere Investitionskosten für die solarthermische Kühlung.

Auf der anderen Seite sind durch die eingesparte Energie die Betriebskosten niedriger. Besonders macht sich dies bemerkbar, wenn der größte Teil des Stromverbrauchs eines Gebäudes mit konventioneller Klimaanlage auf das Konto der Kälte- und Klimatechnik geht. Dann kann die Verwendung thermisch angetriebener Verfahren - je nach gültigem Leistungspreis - zu deutlichen Reduktionen in den Betriebskosten führen.

Obwohl eine genaue Aussage über die Wirtschaftlichkeit einer solarthermischen Klimatisierung immer vom konkreten Einzelfall abhängt, ist heute in aller Regel mit höheren Jahreskosten (einschließlich Kapitalkosten, Betriebskosten, Wartungskosten etc.) für solarthermische Verfahren im Vergleich zu konventioneller Technik zu rechnen.

Abb. 12: Wirtschaftlicher Vergleich unterschiedlicher Solarvarianten im Vergleich zu einem konventionellen Vergleichssystem; es wurde jeweils diejenige Systemkonfiguration (Kollektorgröße, Speichergröße) ausgewählt, die zu einem Minimum der Kosten an eingesparter Primärenergie führt. Quelle: BINE Informationsdienst.

Ausblick

Die Technik der solaren Klimatisierung steckt noch in den Kinderschuhen. Bislang gibt es keine standardisierten Anlagenkonzepte, und weitere Projekte sind erforderlich, um zu zuverlässigen, robusten und dennoch energie-optimierten Verschaltungen der Komponenten und einer entsprechenden Regelungstechnik zu gelangen. Insofern wird ein Schwerpunkt der künftigen Entwicklung auf der Systemtechnik liegen. Auch im Bereich der Komponentenentwicklung sind erhebliche Innovationen zu erwarten. So werden in den nächsten Jahren kleine thermisch angetriebene Kältemaschinen mit Leistungen unterhalb von 20 kW auf den Markt kommen, mit denen neue Anwendungsbereiche erschlossen werden können. Für Anlagen im größeren Leistungsbereich können hocheffiziente Kältemaschinen, Vakuum-Röhrenkollektoren oder einachsig nachgeführten Parabolrinnenanlagen - eine interessante Option darstellen.

Die genannten Entwicklungen werden in Verbindung mit zuverlässigen, einfach zu handhabenden Planungswerkzeugen in Kürze zur Verfügung stehen und zu einer deutlich breiteren Anwendung der solarthermischen Klimatisierung führen.


Weitere Infos zum Thema bietet der Solar-Report "Mit Sonnenwärme kühlen".

Das BINE Themen-Info.I/04 "Klimatisieren mit Sonne und Wärme" kann als PDF-Datei heruntergeladen werden. Es enthält unter anderem die wichtigsten Planungsrichtlinien und Informationen zur Integration in die Technische Gebäudeausrüstung, sowie Hinweise auf die Software-Planungshilfen der IEA-Task 25 (Task25 Design Tool) und des Projekts Solar Air Conditioning in Europe (SACE-Tool).

BINE-Logo Weitere Fragen beantwortet die BINE Experten-Hotline: Tel: 0228 / 923 79 - 44. Links etc.
Material und Beratung: Dr. Hans-Martin Henning (Fraunhofer ISE); Redaktionelle Bearbeitung für den Solarserver: Rolf Hug. Mit freundlicher Unterstützung des BINE Informationsdienstes.
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