Sonnenwärme plus Pellets: Europäisches Projekt zur solaren Heizung
von Rolf Hug
18.11.2003
Die Kohlendioxid-Emissionen in Europa müssen in den kommenden Jahren deutlich gesenkt werden. Das sehen die Pläne der Europäischen Union vor. Gelingen kann das nur mit
erneuerbaren Energien. Denn bei der Verbrennung von fossilen Energieträgern wie Öl und Gas wird CO2 freigesetzt; ein Großteil davon geht auf das Konto von Gebäuden. Rund 40 % der
Primärenergie werden zur Warmwasserbereitung und Heizung privater, öffentlicher und gewerblicher Bauten benötigt.
Das europäische Netzwerk SOLLET (Solarenergie + Pellets) arbeitet daran, kombinierte Systeme aus Solarwärmeanlagen und Holzpelletheizungen zu optimieren und im Markt zu
etablieren. Bislang beteiligen sich Forschungsinstitute, Unternehmen und Kommunen aus fünf Ländern an dem Vorhaben, das im Rahmen des 5. Forschungsrahmenprogramms von der
Europäischen Union gefördert wird. Die landwirtschaftliche Fachschule Tulln (Österreich) koordiniert des Vorhaben mit einem Umfang von knapp zwei Millionen Euro, die EU fördert
SOLLET mit einer Million Euro. Das inhaltliche und technische Management des SOLLET-Projektes übernimmt das Institut für ZukunftsEnergieSysteme (IZES) in Saarbrücken.
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Weitere Partner sind die Gemeinde und das Energiebüro Gotland (beide Schweden), die Kommune Redingen (Luxemburg) und das griechische Zentrum für erneuerbare Energieressourcen
(CRES). In Deutschland beteiligen sich die Sunsys Energietechnik KG (Dormagen) und die DENARO R.D. Linden (Unna) an dem Projekt.
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Pellet-Heizkessel und Sonnenkollektoren - eine ideale Kombination. Fotos: Paradigma.
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Ziel ist, kleinen und mittelständischen Unternehmen den Marktdurchbruch in diesem Sektor zu erleichtern. Mit dem IZES steht den Partnern ein erfahrener Projektkoordinator zur
Verfügung: Das Institut ist eng verbunden mit der Hochschule für Wirtschaft und Technik des Saarlandes und unter anderem Spezialist für die Biomassenutzung.
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Pellets und Sonne: CO2-neutrale Energie für das Haus
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Holz speichert Sonnenenergie und bindet dabei gleichzeitig so viel CO2, wie bei der Verbrennung wieder freigesetzt wird. Das bedeutet, dass dieser nachwachsende Rohstoff
klimaneutral und nachhaltig ist.
Solar-Holz-Kreislauf. Grafik: IZES.
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Durch die regionale Erzeugung und Weiterverarbeitung können neue Arbeitsplätze in Deutschland und Europa geschaffen werden. Pelletheizungen kombiniert mit Solarwärme ermöglichen
eine effiziente, komfortable und CO2-neutrale Wärmeerzeugung. Moderne Pelletheizkessel lassen sich auf Grund Ihrer kompakten Größe problemlos in jedem Haus installieren. Besonders
alte Ölkessel sind leicht durch einen Pelletkessel zu ersetzen, da beim Umstieg auch der Lagerplatz für die Pellets frei wird.
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Funktionsschema. Grafik: ITW.
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Solar-Pellet-Kombinationen von Schweden bis Griechenland
Das Projekt SOLLET setzt an bei den Technologien für die Wärmeversorgung von Ein- und Mehrfamilienhäusern, Gewerbebetrieben, Hotels und anderen kleineren Versorgungseinheiten.
Hier sollen die Synergie-Effekte der erneuerbaren Energieträger genutzt und eine vollständige regenerative Wärmeversorgung erreicht werden. Die Kombination von Solarwärmeanlagen
und Heizkesseln, die mit nachwachsenden Rohstoffen befeuert werden, hat den Vorteil, dass außerhalb der Heizperiode der Warmwasserbedarf allein von den Sonnenkollektoren gedeckt
wird: der Heizkessel muss nicht in Betrieb genommen werden. Die bislang überwiegend getrennt entwickelten und produzierten Systeme werden im SOLLET-Projekt analysiert, an die
lokalen Gegebenheiten und Anwendungsmöglichkeiten angepasst und optimiert. Ein Schwerpunkt der Forschung und Entwicklung liegt dabei auf der Verbesserung der Steuerungs-,
Regelungs- und Messtechnik sowie der Bereitstellung von zielgruppenspezifischen Informationen.
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SOLLET-Projekt: 130-Betten-Hotel in Gotland. Geplanter Solar-Ertrag 7.500 kWh; erwartete Pellet-Wärme: 600.000 kWh. Fotos: energiebyran Gotland.
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Chancen und Perspektiven für Solar-Pellet-Systeme
Das IZES und die Projektpartner sehen in der Sonne-Pellet-Lösung einen wichtigen Zukunftsmarkt, denn bis jetzt machen HolzPelletysteme weniger als zwei Prozent der
Kleinfeuerungsanlagen in Deutschland aus. In Österreich waren es Ende 2002 bereits 17.000 Anlagen (5%), mit steigender Tendenz. Der Deutsche Energie-Pellet-Verband erwartet, dass
Endes des Jahres 2003 in Deutschland knapp 7.000 Anlagen installiert sein werden. Im Jahr 2004 sollen es dann über 9.000 Pelletheizungen sein. Experten prognostizieren in den
kommenden 3 Jahren ein Marktvolumen von 50.000 Anlagen - nicht zuletzt durch den Ersatz alter Heizkessel.
Um die Pellet- und Solartechnik auf den Markt zu bringen, sind gemeinsame Anstrengungen nötig: Deshalb will SOLLET Hersteller, Planer, Architekten, Installateure, Kommunen und
Forschungseinrichtungen zusammenbringen und eine Internet-Kommunikationsplattform schaffen zur Diskussion technischer, wirtschaftlicher und ökonomischer Aspekte. Darüber hinaus
stehen Finanzierungs- und Betreibermodelle auf der Tagesordnung (z.B. Mikro-Contracting). Schulungsmodelle und Weiterbildungsveranstaltungen für Bauträger und Handwerk sollen
Know-How vermitteln und über Synergie- und Kostenvorteile informieren, die sich zum Beispiel in Deutschland aus der Rolle der Pelletheizungen in der Energieeinsparverordnung
(EnEV) ergeben.
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SOLLET-Partner. Grafik: IZES.
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Demonstrationsanlagen an ausgewählten Standorten
Im September 2003 haben sich die Projektpartner zu einem "Kickoff-Meeting" in Tulln getroffen. In den kommenden 3 Jahren soll das Projekt abgeschlossen werden. In Deutschland sind
Demonstrationsanlagen in zwei Einfamilienhäusern und einer Gewerbehalle geplant. In Schweden werden ein Hotel und ein kommunales Altenheim mit Sonne und Pellets beheizt. Das
Internat der Landwirtschaftlichen Fachschule im niederösterreichischen Tulln soll ebenso mit regenerativer Wärme versorgt werden wie ein Verwaltungsgebäude und ein Einfamilienhaus
in Luxemburg. Das griechische Zentrum für erneuerbare Energieressourcen (CRES) untersucht die Verfügbarkeit verschiedener Rohstoffe für die Pelletproduktion in Griechenland
(Olivenkerne etc.) und wird am Institut eine Demonstrationsanlage errichten. Beim IZES ist ebenfalls ein Biomassekompetenzzentrum mit Teststand für Pelletkessel/-öfen und
Brennstoffzertifizierung in Vorbereitung.
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Einfamilienhaus in Dormagen u.a. mit 105 Quadratmetern Sonnenkollektoren; 10 kW-Pellet-Ofen. Fotos: Sunsys Energietechnik.
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