Forschungserfolge für Wärme und Kälte aus erneuerbaren Energien
von Rolf Hug
15.11.2005
Auf seiner Jahrestagung im September präsentierte der ForschungsVerbund Sonnenenergie (FVS) neueste Forschungs- und Entwicklungsergebnisse zur effektiven und wirtschaftlichen
Bereitstellung von Wärme und Kälte aus erneuerbaren Energien. Der Solar-Report gibt einen Überblick der wichtigsten Trends und Fortschritte bei der Entwicklung von
Sonnenkollektoren, der solaren Klimatisierung, solarer Nahwärmeversorgung und Prozesswärme sowie bei solaren Baustoffen und Speichern. Ein Ausblick auf die Geothermie und
Kraft-Wärme-Kopplung rundet den Bericht ab.
Solarkollektoren in Metalldächern und an Fassaden
Die in FVS-Instituten durchgeführten Entwicklungen neuartiger Oberflächen und verbesserte Regelstrategien erhöhen die Effektivität von thermischen Solarkollektoren wesentlich.
Innovative Konzepte zur Integration von Solarkollektoren in speziell konstruierte Metalldächer (ISFH) und Gebäudefassaden (Fraunhofer ISE) eröffnen neue Einsatzmöglichkeiten für
die Solarthermie und haben das Potenzial für deutliche Kostensenkungen.
|
|
|
|
Links: Verglaster Elastomer-Metall-Absorber zur Warmwasserbereitung (30 m²). Rechts: Fassadenteststand des Fraunhofer ISE für Phasenwechselmaterialien. (Außen links übereinander die
beiden Testzellen in Leichtbauweise). Fotos: ISFH; Fraunhofer ISE.
|
|
So nutzt beispielsweise das Institut für Solarenergieforschung (ISFH) in Hameln/Emmerthal Metalldächer als preiswerte Sonnenkollektoren nach dem Prinzip des
Elastomer-Metall-Absorbers. Ein solcher Absorber besteht aus einem Blech aus Aluminium oder Stahl, in das ein Klemmprofil eingelassen ist, das einen Kunststoffschlauch aufnimmt.
In dem Elastomer-Schlauch wird über ein Trägermedium (z. B. Wasser) die Wärme abgeführt.
Solare Klimatisierung am Mittelmeer und in Deutschland
Auch die Anlagen zur sommerlichen Klimatisierung von Gebäuden mit thermischen Kollektoren wurden deutlich verbessert. Neue Kollektortypen, Materialien und Komponenten für die
Kältemaschinen, die vom Freiburger Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Zusammenarbeit mit Unternehmen erarbeitet wurden, ermöglichen einen geringeren
Primärenergieverbrauch und niedrigere Herstellungskosten. Diese Technologie hat auch Perspektiven für den Export in südliche Länder. Die SOLITEM GmbH mit Sitz in Aachen hat
zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und dem Solarinstitut Jülich neuartige und effizientere Parabolrinnenkollektoren entwickelt. Bei größeren solaren
Klimatisierungssystemen, wie für Hotels oder Bürogebäude können sie statt der üblichen Solarkollektoren eingesetzt werden und Kosten sparen.
Den aktuellen Trend zur solaren Kühlung beschreibt Dr. Edmund Stassen, Vorstand der Conergy AG, auf dem Fraunhofer-Forum "Solarenergie - Wirtschaftsfaktor und zentraler Baustein
einer künftigen Energieversorgung" am 21. November 2005 im Fraunhofer-Haus in München. Conergy hat im Juli 2005 eine neue Anlage zur solaren Klimatisierung auf dem Dach des
Service Centers GVZ der IFG Ingolstadt GmbH eröffnet. Dort treiben 50 Flachkollektoren die solare Kühlungsanlage an, die ihre Energie aus der Sonne bezieht. Ein Stockwerk des
Gebäudes wird als Hotel mit 70 Betten genutzt. Das Warmwasser für die Gäste wird ebenfalls ganzjährig über die solarthermische Anlage gewonnen.
|
|
|
|
Links: SOLITEM-Projekt "Hotel Grand Kaptan" in Alanya/Türkei: Solare Klimatisierung und Dampferzeugung für ein Hotel. Rechts: Hochleistungs-Flachkollektorfeld für solare Kühlung in
Ingolstadt. Fotos: SOLITEM GmbH; Conergy AG
|
Nahwärmesysteme: Grosse Kollektorfelder und Speicher
für die solare Heizung
Erhebliche solare Beiträge bis zu 50 Prozent können bei der Beheizung von Gebäuden durch solare Nahwärmesysteme mit Langzeitwärmespeichern erzielt werden. DLR-Mitarbeiter sind
beteiligt an der Planung und Vermessung der mit 10.000 Quadratmetern Kollektorfläche derzeit größten solarthermischen Anlage Deutschlands in Crailsheim. Soll auch im Winter mit
der Sonne geheizt werden, muss schon in den wärmeren Monaten Solarwärme in einem großen Speicher auf Vorrat eingelagert werden. Dadurch steigt der technische und finanzielle
Aufwand erheblich. Die kostengünstigste Lösung ist eine Zusammenfassung mehrer Verbraucher in einem Nahwärmenetz. Dann können zur Versorgung des gesamten Netzes sehr große,
vergleichsweise kostengünstige Speicher gebaut werden.
|
|
|
Die Flächen der Kollektorfelder, aus welchen diese solaren Nahwärmesysteme ihre Wärme beziehen, sind ebenfalls sehr viel größer und damit kostengünstiger als bei den heute
üblichen Kleinanlagen.
Große Speicher haben den Vorteil, dass sie aufgrund ihrer im Vergleich zum Volumen geringen Oberfläche nur langsam auskühlen und daher für die Speicherung von Sonnenwärme bis in
den Winter hinein besonders gut geeignet sind.
Foto: Solarwärmespeicher in Crailsheim, Quelle: BMU
|
Prozesswärme: Solarenergie für Verfahren mit hohen Temperaturen
In vielen verfahrenstechnischen Prozessen, wie beispielsweise in der Lebensmittelindustrie, der Metallindustrie oder der chemischen Industrie, wird Wärme im Bereich zwischen 100°
C und 250° C benötigt, die bislang mit diesen Temperaturen nicht aus erneuerbaren Energien erzeugt werden konnte. Das Fraunhofer ISE entwickelt deshalb Solarkollektoren für
Austrittstemperaturen über 100° C. Mit der beim DLR entwickelten 168 Quadratmeter großen Parabolrinnenanlage konnte auch in Deutschland Wasserdampf mit einer Temperatur von 180° C
bei einem Druck von 10 bar solarthermisch erzeugt werden.
|
|
Die SOPRAN-Anlage des DLR in Köln ist ein Teststand für solare Prozesswärme-Anwendungen. Dabei handelt es sich um eine weiterentwickelte kommerziell erhältliche Parabolrinne der
amerikanischen Firma IST. Sie dient zur Entwicklung und Qualifizierung von Bauteilen für die solare Prozesswärme-Erzeugung. SOPRAN hat eine thermische Leistung von zirka 85
Kilowatt und kann Prozesswärme mit rund 200 Grad Celsius und 10 bar Druck erzeugen.
|
|
SOPRAN-Teststand für solare Prozesswärmeanwendungen. Foto: DLR.
|
Solarisierung von Altbauten zur Wärmedämmung und Kühlung
Das Bauen mit der Sonne gründet auf ein solares Energiekonzept, dass die passive und aktive Nutzung der Sonnenenergie umfasst. Für die aktive Nutzung werden Solarwärme- und
Solarstromanlagen eingesetzt. Die "passive" Nutzung schließt die Südorientierung großer Fenster und die Wärmedämmung mit ein. So genannte Vakuum-Isolations-Paneele des Fraunhofer
ISE ermöglichen bei der Sanierung von Altbauten völlig neue Ansätze zur Senkung der Wärmeverluste. Ebenfalls am Fraunhofer ISE in Zusammenarbeit mit Unternehmen entwickelte
mikro-verkapselte Phasenwechselspeicher können in Zwischenwände oder Verputz integriert werden und machen so aus Leichtbauten thermisch "schwere" Gebäude, die eine stabilere und
kostengünstigere Raumklimatisierung erlauben.
|
|
|
|
Das Aufbringen des PCM-Putzes erfolgt wie bei herkömmlichem Gipsputz. Die geringe Schichtdicke und das niedrige Gewicht bei gleichzeitiger hoher Speicherfähigkeit sind besonders bei
der Renovierung von Vorteil. Die an der Decke sichtbaren Kapillarrohrmatten (im Bild rechts) können an eine beliebige Kältequelle wie beispielsweise einen Nasskühlturm oder
Brunnenwasser angeschlossen werden. Fotos: Fraunhofer ISE
|
Solare Speicher auf der Grundlage von Phasenwechselmaterialien
Voraussetzung für die Erhöhung des solaren Anteils an der jährlichen Nutzwärme ist eine starke Verbesserung der Wärmespeicherung. Die Speicherkapazität muss erhöht, die Be- und
Entladegeschwindigkeit müssen gesteigert werden. In den FVS-Instituten erarbeitete Konzepte basieren auf der Absorption von Wasserdampf oder der Verwendung von PCM (Phase Change
Materials). Ein neuartiges Material für PCM-Speicher wurde vom DLR entwickelt. Dieses Verbundmaterial auf der Basis von 85% Salz und 15% Graphit zeichnet sich durch besonders gute
thermische Eigenschaften aus. Sehr effektiv für solare Speicher im Niedertemperaturbereich sind auch die am Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik
UMSICHT in Oberhausen erforschten flüssigen Speichermaterialien, so genannte PCS (Phase Change Slurries).
Wärmeträgerflüssigkeiten mit integriertem Phasenwechselmaterial
Phasenwechsefluide (Phase Change Slurries, PCS) sind Wärmeträger, die aus einer Flüssigkeit und einem Phasenwechselmaterial (Phase Change Material, PCM) bestehen. Innerhalb des
Schmelzbereiches des Phasenwechselmaterials erreicht ein solches PCS im Vergleich zu herkömmlichen Wärmeträgerflüssigkeiten eine hohe spezifische Wärmekapazität. Das bekannteste
Wärmeträgerfluid ist Wasser. Mit einer spezifischen Wärmekapazität von etwa 4,2 Kilojoule pro Kilogramm und Kelvin (kJ/kg K) lässt sich in ihm Wärme auf einfache Weise speichern.
Da sich dieser Wert im Bereich zwischen 0 und 100° C kaum ändert, nimmt die gespeicherte Wärmemenge des Wassers nahezu linear mit der Temperaturerhöhung zu: Je höher die nutzbare
Temperaturdifferenz einer Anwendung ist, desto mehr Wärme kann gespeichert werden.
Anders als das sensible Wärmeträgermedium Wasser haben Phase Change Slurries eine sehr stark von der Temperatur abhängige Wärmekapazität. Der Temperaturbereich mit hoher
Wärmekapazität wird durch den Schmelzbereich des jeweils eingesetzten PCM bestimmt. Dieses muss daher passend zur Anwendung gewählt werden.
|
|
Die während des Schmelzprozesses speicherbare Wärmeenergie liegt für die vom ISE als PCM verwendeten verkapselten Paraffine zwischen 100 und 180 kJ/kg bei einem Schmelzbereich von
3 bis 5 K.
Aufgrund der Eigenschaft der PCS, im Schmelzbereich viel Wärme bei geringer Temperaturerhöhung zu speichern, sind sie besonders für Anwendungen von Vorteil, die mit einer geringen
Temperaturspreizung arbeiten. Die Kältetechnik ist ein Beispiel: In den für Industrieanwendungen und Gebäudeklimatisierung wichtigen Temperaturbereichen von 5 °C-10 °C und 15
°C-18 °C untersucht das ISE die viel versprechenden Materialien.
|
|
PCS speichern sehr hohe Wärmemengen bei kleinen Temperaturdifferenzen. Sie bestehen aus einer Trägerflüssigkeit und einem beigemengten Phasenwechselmaterial. Das
Gemisch bleibt auch im erstarrten Zustand des Latentmaterials flüssig. Foto: Fraunhofer ISE.
|
Erdwärme: Geothermisches Demonstrationskraftwerk
in Groß Schönebeck
Das GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) entwickelt eine Technologie, mit der die Erdwärme an tiefenwasserführenden Standorten genutzt werden kann. Dadurch wird das Potenzial
nutzbarer Lagerstätten deutlich erhöht. Die deutsche Forschung nimmt hierbei weltweit eine Spitzenposition ein. Besonders wichtig ist es für die Forscher, so genannte
Stimulationsverfahren zu entwickeln, welche die Lagerstättenproduktivität steigern. An Referenzstandorten im Norddeutschen Becken, wie der Forschungsbohrung Groß Schönebeck des
GFZ Potsdam, führt diese innovative Technologienentwicklung zu einer Kostensenkung des umweltfreundlichen grundlastfähigen Energieträgers.
|
|
In Kooperation mit dem Industriepartner Vattenfall Europe wird in Groß Schönebeck ein geothermisches Demonstrationskraftwerk gebaut, um diese neuen Technologien in der Anwendung
zu erproben und zu optimieren. Das Vorhaben hat nach Auffassung des GFZ Pilotcharakter: hier gewonnene Erfahrungen sind weltweit auf Gebiete mit ähnlicher geologischer Struktur
übertragbar.
Geothermielabor Groß Schönebeck: Aufbau der Vordruckleitung. Foto: GFZ
|
Kraft-Wärme-Kopplung (KWK): Mikrogasturbinen für Biogasanlagen
Unter Mitarbeit des DLR wird derzeit in Italien eine Großanlage gebaut, mit der gleichzeitig Strom, Wärme und Kälte für einen Krankenhauskomplex aus konzentrierter Solarstrahlung
bereitgestellt werden soll. Durch die Integration von Mikrogasturbinen, die auch mit Erdgas betrieben werden können, läuft diese Anlage rund um die Uhr. Die Nutzung von Biogas
bietet eine sehr aussichtsreiche Lösung für die gleichzeitige Erzeugung von Wärme und Strom. Neuartige Mikrogasturbinen des Instituts für Solare Energieversorgungstechnik an der
Universität Kassel (ISET), die Wärme und Strom aus Biogas erzeugen, sind eine Technologie für den Einsatz in landwirtschaftlichen Betrieben, die sich schon bald rechnen soll.
Gefördert vom Land Hessen wollen die Biomasseexperten des ISET in Hanau den erfolgreichen Einsatz von Biogas in Mikrogasturbinen demonstrieren.
|
|
Die neue Technik wurde kürzlich auf dem Landwirtschaftszentrum Eichhof des Landesbetriebes Landwirtschaft Hessen bei Bad Hersfeld als Pilotanlage realisiert. Die Turbine ist im
Dezember 2004 in Betrieb genommen worden und läuft seit Ende April 2005 im Dauerbetrieb.
"Die innovative Mikrogasturbinentechnologie hat das Potenzial, der kombinierten Strom- und Wärmeerzeugung aus Biogas einen Schub zu geben", ist der Vorstandsvorsitzende des
Solarinstituts ISET, Prof. Dr. Jürgen Schmid, überzeugt.
Foto: ISET
|
|
Strom aus Biogasanlagen wird mit bis zu 21,5 Cent je Kilowattstunde vergütet. Diese Vergütung setzt sich zusammen aus einer von der Anlagengröße abhängigen Grundvergütung, einem
Bonus für den Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen, einem Kraft-Wärme-Bonus und einem Technologie-Bonus in Höhe von 2 Cent. Die Mikrogasturbine zählt zu den Technologien, die den
Bonus erhalten.
Der Solarserver dankt dem ForschungsVerbund Sonnenenergie für Informationsmaterial und Bilder.
|
|
|