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Bild: Solarserver
Staatliche Förderung
In keinem anderen Land unseres Globus' ist die Technik der Photovoltaik mit der gleichen Kontinuität gefördert worden wie in Japan. Speziell mit dem 1993 gestarteten
Forschungsprogramm "New Sunshine Project" und dem Anreizprogramm "Residential PV System Dissemination Program" sowie dessen Vorgänger "Residential PV System Monitoring Program"
seit 1994, gelang es den Japanern, im eigenen Land einen selbsttragenden Markt aufzubauen. Die Programme unterstehen dem Meti (bis 2000 Miti). Die konkrete Abwicklung unterliegt
der New Energy and Industrial Technology Development Organization (Nedo). Stand beim New Sunshine Project bis 2000 vor allem der Einstieg in die Kommerzialisierung der
Photovoltaik im Vordergrund, so soll nun die japanische Industrie bis 2005 in die Lage versetzt werden, die Massenproduktion zu erreichen. Dann könnten die jeweiligen Unternehmen
auch in den anderen Solarmärkten wie Europa und USA mit günstig produzierten Solarstromanlagen zügig Marktanteile hinzugewinnen und Wettbewerber, die selbst noch nicht in Massen
produzieren und daher zwangsläufig teurer sind, aus dem Markt drängen.
70.000 Dächer
Mit dem Residential-Programm fördert das Meti die Anschaffung einer Solaranlage auf dem eigenen Dach. Diese oft als 70.000 Dächer-Programm bezeichnete Förderung ist vergleichbar
mit dem 100.000 Dächer-Programm in Deutschland, zumindest was die Zielsetzung betrifft: Die Stimulierung der Nachfrage. Nach Angaben der Nedo für die Internationale
Energie-Agentur sind durch das japanische Dächerprogramm 51.899 Anlagen bis zum Abschluss des Haushaltsjahres 2000 (zum 31. März 2001) gefördert worden. Die Kapazität dieser
Anlagen beträgt rund 210 Megawatt. Insgesamt, so schreibt die Nedo weiter, waren in Japan zu diesem Zeitpunkt 317,5 MW solare Spitzenleistung installiert. Zum Vergleich: In
Deutschland waren es zum Ende des ersten Quartals 2001 rund 110 MW.
Ein aufschlussreiches Phänomen ist der Umstand, dass die Förderung des Meti für die Anschaffung einer Photovoltaik-Anlage deutlich zurückgegangen ist. So gab das Ministerium nach
Angaben der Nedo im Jahr 2000 zwar mit 14,5 Milliarden Yen (rund 262 Mio. DM) weniger als im Vorjahr (16,04 Mrd. Yen = rund 297 Mio. DM) zur Förderung der Solardächer aus; dagegen
nahm die Nachfrage nach den Geldern rapide zu. So wurden im vergangenen Jahr 18.907 Anträge bewilligt. Ein Jahr zuvor waren es nur 17.396. Den bisher größten Run auf die Gelder
des Meti gab es mit 10.873 bewilligten Anlagen im zweiten Halbjahr des Haushaltsjahres 2000; und das, obwohl die Förderung pro Kilowatt Spitzenleistung um über 30 % auf maximal
180.000 Yen (rund 3.260 DM) bei höchstens 4 kW Spitzenleistung (zuvor 10kW) zurückgenommen wurde. Damit scheinen sich Nachfrage und Förderung klar zu entkoppeln: Japan ist auf dem
Wege zu einem selbsttragenden und subventionsfreien Solarmarkt. Da wundert es nicht, wenn das Meti das Dächerprogramm im Haushaltsjahr 2002/2003 auslaufen lassen will. Denn nur
mit einem eigenständig funktionierenden Markt lässt sich das staatliche Ziel zum Aufbau von 5 Gigawatt solarer Spitzenleistung bis 2010 verwirklichen.
Das Meti und die Industrie
Das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (Meti) nimmt direkten Einfluss auf die Unternehmen der Solarindustrie. Dies betrifft vor allem die Forschung und den Aufbau
entsprechender Produktionsstätten im eigenen Land. So ist beispielsweise nur das Meti berechtigt, konkrete Zahlen zum produzierten Volumen der Industrie zu publizieren.
Im vergangenen Jahr bekamen zwei japanische Unternehmen, die vom Meti seit Jahren in Sachen Solarstrom gefördert werden, den harten Arm des Ministeriums zu spüren. So wurde im
Frühjahr 2000 bekannt, dass über 20 % der Solaranlagen, die Sanyo Electric zwischen November 1996 und März 1998 in Japan ausgeliefert hatte, Defekte aufwiesen. Das Meti nötigte
daraufhin Sanyo-Chef Sadao Kondo zum Rücktritt. Anfang April trat der angesehene PV-Experte Yukinori Kuwano seine Nachfolge an. Einem anderen japanischen "solar player" erging es
noch schlimmer: Anfang 2000 ergaben Ermittlungen des Miti, dass der Solarzellenhersteller Kyocera zwischen 1990 und 1994 Forschungsgelder für die Entwicklung solarbetriebener
Kraftfahrzeuge nicht den vorgesehenen Zwecken zugeführt hatte. Zwar zahlte Kyocera den Betrag in Höhe von rund 250.000 DM anstandslos zurück und entschuldigte sich öffentlich -
doch damit war das Vergehen nicht gesühnt: Kyocera wird seitdem von der Vergabe weiterer Forschungsgelder für die Solarstromtechnik ausgeschlossen.
Industrie und Export
Kyocera muss nun sein Glück in der Fremde suchen. Für den Erfolg in den fernen Märkten soll die deutsche Tochtergesellschaft Kyocera Fineceramics GmbH sorgen. Vom schwäbischen
Esslingen aus will der Konzern Europa, Afrika und den Nahen Osten erobern. Ganz oben auf der Liste steht Deutschland.

Bild: Solarserver
"Wir wollen unseren Marktanteil auf 20 % ausbauen", sagt Edgar Willem, bei Kyocera Fineceramics verantwortlich für das Solargeschäft. "Im letzten Jahr hat Kyocera in Deutschland 5
MW abgesetzt". Das entspricht rund 12 % des Gesamtmarktes. Auch eine Solarfabrik in Europa scheint, gerade auch wegen der Probleme in Japan, mehr als möglich. Näheres sei noch
nicht bekannt, versichert Willem. Mit in diese Überlegung werde einfließen, inwieweit die Fabrik auch für andere Produktbereiche des Konzerns genutzt werden könne. Kyocera dürfte
derzeit rund 4 MW in Japan produzieren. Die Ausbaupläne auf 5 MW sind durch die staatliche Strafmaßnahmen nicht mehr so schnell zu bewerkstelligen.
Das führende Solar-Quintett: Kyocera, Sharp, Mitsubishi, Sanyo, Kaneka
Des einen Leid - des andern Freud: Statt Kyocera darf sich seit 2000 die Sharp Corporation als Weltmarktführer fühlen. Dem Unternehmen aus Osaka gelang innerhalb von zwei Jahren
der Sprung aus dem Mittelfeld der Solarzellenproduzenten an die Spitze. "Im Juni 2001 ist die zweite Produktionslinie in Shinjo in Betrieb gegangen. Die jährliche
Produktionskapazität beträgt 94 MW", erläutert Hiromi Morita von der japanischen Sharp-Zentrale. Der Umsatz der Solarsparte soll dieses Jahr um 50 % auf 28 Milliarden Yen (rund
500 Millionen Mark) wachsen. Der größte Teil der Solarzellen wird auch weiterhin in den heimischen Markt wandern. "In diesem Jahr werden wir hier keine Solarprodukte verkaufen",
erklärt Martin Beckmann, Sprecher der Sharp Electronics (Europe) GmbH aus Hamburg. Im kommenden Jahr wohl auch nicht, wie aus gut informierten Kreisen zu hören ist. Und das,
obwohl die Hamburger Sharp-Zentrale für das gesamte Europageschäft der Japaner verantwortlich ist.

Grafik: Solarserver / Daten: Projektgesellschaft Solare Energiesysteme mbH
Ähnlich sieht es bei Mitsubishi Electric aus. In der Marketingabteilung des deutschen Ablegers in Ratingen weiß man nichts von den Solaraktivitäten der japanischen Mutter. Dabei
war Mitsubishi Electric mit 12 MW im Jahr 2000 hinter Sharp, Kyocera und Sanyo die Nummer 4 in Japan. Dieses Jahr plant der Elektronik-Riese, seine Kapazität auf 24 MW
auszudehnen. Ebenfalls unwissend präsentiert sich die Münchener Europa-Zentrale von Mitsubishi Heavy Industries (MHI). Sie hat zwar den Namen und das Logo mit Mitsubishi Electric
gemein - agiert aber völlig unabhängig von diesem Unternehmen. "Wir kümmern uns zwar um Windkraftanlagen - mit Solarzellen haben wir aber nichts zu tun", so eine
Unternehmensvertreterin von MHI. In Japan forscht MHI schon seit Jahren im Bereich amorpher Solarzellen.
Anders die Situation bei Sanyo Electric. Der Elektronik-Konzern setzt seit dem Amtsantritt des neuen Chefs Yukinori Kuwano stärker auf Europa. Seit Oktober 2000 ist Shijiki
Komatsu in der Sanyo Energy (Europe) GmbH in München verantwortlich für die Bemühungen des Unternehmens, hierzulande stärker Fuss zu fassen. Allerdings, so räumt Komatsu ein, sei
noch nicht ganz klar, ob Sanyo den Vertrieb in eigener Regie übernehmen oder mit eingeführten Händlern zusammenarbeiten werde. Die Zukunft des solaren Sanyo-Engagements sieht
Komatsu in Deutschland, Spanien, Italien und den Niederlanden. Hier wird Sanyo seine hybriden Solarzellen anbieten, die aus kristallinem und amorphem Silizium bestehen. "Im
vergangenen Jahr hat Sanyo 17 MW in Japan produziert. Im laufenden Haushaltsjahr sollen es 33 MW werden", sagt Komatsu. Langfristig, so bestätigt er, wolle Sanyo seine Kapazität
auf 120 MW ausbauen. Derzeit baut das Unternehmen auf dem Parkplatz der Sanyo-Fabrik im japanischen Gifu ein großes Solarkraftwerk, das mit einer Spitzenleistung von 3,4 MW das
größte der Welt werden soll. Bis Ende März 2002 ist die Installation von einem Megawatt vorgesehen.
Der japanische Mischkonzern Kaneka Corp. ist der jüngste Teilnehmer im führenden Solar-Quintett Nippons. Seit November 1999 produziert die Tochter Kaneka SolarTech Co. Ltd.
Solarzellen aus amorphen Silizium. Ursprünglich wollte Kaneka zusammen mit BP in die Dünnschichtzellentechnologie einsteigen. Aber offenbar hatte BP nach dem Zusammenschluss mit
Solarex das Interesse verloren. Deshalb musste Kaneka seine Pläne zum Aufbau einer 20 MW-Produktion verschieben. Für dieses Vorhaben plant das Unternehmen Investitionen in Höhe
von 14,3 Millionen US-Dollar ein. Ende des Haushaltsjahres 2001 soll die Produktion stehen. Udo Möhrstedt, Vorstandschef des Systemhauses IBC Solar AG aus dem bayerischen
Staffelstein, schätzt die derzeitige Produktionsleistung von Kaneka in Japan auf 8 bis 10 MW. IBC vertreibt seit Juni 2001 Dünnschicht-Solarmodule von Kaneka. Auf diesem Wege hat
Kaneka sein Engagement in Europa eröffnet. Im laufenden Jahr will das Unternehmen vor allem in Deutschland, Holland, der Schweiz und Belgien Solarmodule mit einer Kapazität von 5
MW verkaufen. Somit ist Kaneka - mit Ausnahme Kyoceras - das erste japanische PV-Unternehmen, das verstärkt auf Europa setzt. Nun könnte der noch relativ kleine Anbieter
versuchen, sich noch vor der Exportoffensive der großen japanischen solar player im sehr aussichtsreichen Solarmarkt Europas zu positionieren.
Massenproduktion für den Weltmarkt?
Mit einer Exportoffensive japanischen Stils ist in den kommenden zwei bis drei Jahren zu rechnen. Bis dahin, so die im Meti-Forschungsprogramm "New Sunshine Project" abgesteckte
Planung, sollen die Unternehmen den Schritt zur Massenproduktion geschafft haben. Dann könnte wahr werden, was die Japaner in der Vergangenheit in anderen Branchen schon
vorgemacht haben: Die Überschwemmung ausländischer Märkte mit günstigen Massenprodukten. "Davor", so ein Insider und Japan-Kenner aus einem großen deutschen Solarunternehmen,
"müssen wir auf der Hut sein."
Doch nicht alle japanischen Unternehmen, die wie Kyocera und Sanyo schon seit vielen Jahren an der Erforschung und Anwendung der Photovoltaik arbeiten, bleiben am Ball: So hat
sich Fuji Electric offenbar vollständig vom Solarstrom verabschiedet. Dabei hatte das Unternehmen noch 1997 Pläne zum Bau von amorphen Solarzellen verkündet. "Von Solarzellen", so
Jörg Jung, Marketing-Manager bei Fuji Electric Europe in Frankfurt, "spricht hier niemand mehr." Möglicherweise ist Fuji ein Opfer des typisch japanischen Ausleseprozesses während
des Forschungsprogrammes geworden. Denn nur jene Unternehmen, die bei der Forschungsförderung die besten Ergebnisse erzielen, werden mit weiteren Aufträgen bedacht. Ebenfalls
ausgestiegen ist Canon, die noch bis zum letzten Jahr mit der US-amerikanischen Energy Conversion Devices an dem US-Solarzellenproduzenten United Solar Systems beteiligt war. Im
Frühjahr 2000 verkaufte Canon seinen Anteil an den belgischen Stahlkonzern Bekaert - die Kenntnisse aus der Solarzellentechnologie will das Unternehmen nun für seine
Fotokopiergeräte verwenden.
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