Der Holzweg als Königsweg:
Pelletskessel und Solarwärmeanlage als Öl-Alternative
von Rolf Hug
15.09.2005
Der Hurrikan "Katrina" hat die Ölproduktion und
die Raffinerien in den USA empfindlich getroffen. Die Folge ist
ein Preisschock, welcher die Angst vor einer globalen Energiekrise
schürt. An den Preistafeln der Tankstellen ist die Endlichkeit
des knappen Rohstoffs bereits jetzt abzulesen, die sich auch auf
der Heizölrechnung bemerkbar machen wird. Kein Wunder, dass
sich immer mehr Hausbesitzer für Solaranlagen oder Pelletsheizungen
interessieren - und entscheiden. Bereits 30.000 Haushalte heizen
heute schon mit Energiepellets.
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Auf der sicheren Seite - im Gegensatz zu
den Preisen für Heizöl und Erdgas sind die Preise für
Pellets in Deutschland nahezu konstant geblieben beziehungsweise sogar
tendenziell leicht gefallen.
Quellen: Pelletspreise: Deutscher Energie-Pellet-Verband e.V. / Solar
Promotion GmbH. Heizöl- und Erdgaspreise: Brennstoffspiegel.
Basis: Verbraucherpreise für die Abnahme von 3.000 Liter Heizöl,
33.540 Kilowattstunden Gas bzw. 6 Tonnen Pellets. Grafik: Solar Promotion
GmbH. |
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Der Umstieg auf die klimaneutralen Pellets fällt derzeit nicht
schwer, denn im Gegensatz zum stetig steigenden Ölpreis blieben
die Kosten für die Holz-Presslinge seit Jahren stabil. Als
besonders sinnvoll und auch wirtschaftlich erweist sich die Kombination
von Pellets und kostenloser Solarwärme: Denn Sonnenkollektoren
zur Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung helfen Brennstoffkosten
zu sparen und schonen die Pelletsheizung, indem sie im Sommer emissionsreiche
und verschleißintensive Brennerstarts vermeiden.
Dazu ist ein Warmwasserpufferspeicher erforderlich, der überschüssige
Wärme von den Kollektoren oder vom Kessel sammelt. Wie herkömmliche
Heizungen - ausgelegt für den Winterbetrieb - müssten
auch leistungsfähige Pelletsheizungen oder -öfen ohne
die sonnige Unterstützung im Sommer häufig starten, um
Warmwasser zu liefern. Zudem würden Pellets-Zimmeröfen
ohne die solare Wärme für Brauchwasser und Dusche die
Wohnung unnötig aufheizen.
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| Klimaneutraler Heizkomfort
mit Sonne und Biomasse: Der Pelletkessel SolvisLino, kombiniert mit
einem Solar-Schichtspeicher vom Typ SolvisIntegral, verbindet Solarenergie
und Holzverbrennung und liefert CO2-neutral warmes Trinkwasser und
Raumwärme. Grafik und Foto: SOLVIS GmbH & Co KG. |
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100% erneuerbar und konkurrenzfähig:
Ein Drittel Sonne, zwei Drittel Holz
Eine solare Brauchwasseranlage mit nur 6 Quadratmetern Kollektorfläche
deckt übers Jahr 50 % bis 65 % des Warmwasserbedarfs; im Sommer
kann meist der gesamte Bedarf an Warmwasser mit Sonnenenergie gedeckt
werden. Bereits mit etwa 14 Quadratmetern Solarkollektorfläche
auf einem gut gedämmten Niedrigenergiehaus liefert die Sonne
ein Drittel der Energie für die Heizung und warmes Trinkwasser
- und senkt den Pelletsbedarf um rund eine Tonne. Statt drei Tonnen
Pellets sind in diesem Fall nur zwei Tonnen erforderlich.
Der Staat fördert das Heizen mit Sonne und Holz: Solarwärmeanlagen
zur Heizungsunterstützung werden vom Bundesumweltministerium
seit dem 1.7.2005 mit 135 € je angefangenem Quadratmeter Kollektorfläche
bezuschusst. Für eine Pelletsheizung mit einem Kesselwirkungsgrad
von wenigstens 90 % gibt es einen Zuschuss von mindestens 1.700
€. Ein weiterer Vorteil der Pellets: Für sie beträgt
der Mehrwertsteuersatz nur 7 % - bei Heizöl und Erdgas sind
es 16 %.
Nach Informationen der Stiftung Warentest kostet eine Tonne Holzpellets
derzeit bei Abnahme von sechs Tonnen rund 180 Euro. Bei dem aktuellen
Heizölpreis von 60 Cent pro Liter müssen die Verbraucher
für die gleiche Menge an Energie für einen Ölbrenner
bereits 300 Euro zahlen.
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| Solar-Magazin 
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| Paradigma-Pelletskessel "Pelletti";
Bundesumweltminister Trittin informierte sich im Juli 2005 über
aktuelle Pellets-Heiztechnik. Fotos: Paradigma Energie- und Umwelttechnik
GmbH & Co. KG. |
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Das bestätigt auch eine aktuelle Untersuchung der "Deutsche
Bank Research" vom Juli 2005. Darin ist bereits vom nahenden
Ende des Erdölzeitalters die Rede - zum Vorteil der Bioenergie.
"Die geringere Schwankungsanfälligkeit der Pelletspreise
birgt für Investoren den Charme besserer Kalkulierbarkeit und
überschaubarer Risiken", heißt es in der Studie
"Energie Spezial". Im Betrieb sind Pelletsheizungen bereits
heute deutlich günstiger als Ölheizungen und stehen ihnen
dabei hinsichtlich Komfort und Bedienung in nichts nach. Den hohen
Stellenwert, den die Deutsche Bank der Bioenergie und speziell den
Pellets einräumt, bestätigt Prof. Dr. Norbert Walter,
Chefvolkswirt der Deutsche Bank Gruppe. Er wird den Eröffnungsvortrag
für das 5. Industrieforum Holzenergie halten, das vom 12. bis
13. Oktober zum fünften Mal in Stuttgart stattfindet. Rund
250 Branchenexperten und Industrievertreter diskutieren auf dem
Fachkongress über aktuelle Marktentwicklungen der wachsenden
Pelletsbranche und informieren sich über innovative Produkte
und Dienstleistungen auf der begleitenden Messe "Pellets 2005".
Pelletsheizungen im Test:
Eine Technik, die sich künftig noch schneller bezahlt macht
Bei der Stiftung Warentest (Test Nr. 8 / August 2005) erhielten
drei von zehn getesteten Holzpelletskesseln die Note "gut",
sechs Kessel schnitten mit einem "befriedigend" ab und
nur eine Pelletsheizung musste sich mit "ausreichend"
zufrieden geben. Im Mittelpunkt der von der Fachagentur Nachwachsende
Rohstoffe (FNR) finanziell unterstützten Prüfung standen
die Energieausnutzung, die Sicherheit und Verarbeitung der Heizkessel
sowie die Handhabung und die Umwelteigenschaften. Kritisch bewerteten
die Tester die Energieausnutzung aller untersuchten Systeme: die
Nutzungsgrade im Test fielen mit 88 % gegenüber modernen Öl-
und Gasbrennern (95%) etwas ab, was sich in der Testnote "befriedigend"
niederschlug.
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Wichtig sei auch die optimale Einstellung des Pelletskessels, betont
die Stiftung Warentest: Die voreingestellten Minimalwerte seien
vielfach viel zu hoch gewesen. Falls nicht am Aufstellungsort nachjustiert
werde, verschwende der Kessel Energie, wenn kein Pufferspeicher
im Heizsystem die überschüssige Energie zurückhält,
bis sie benötigt wird. Doch wer mit einem Holzpelletkessel
heizt, schont die Umwelt und investiert in eine Technik, die sich
künftig noch schneller bezahlt macht, so die Tester.
"test"
Nr. 8 / 2005: "Nicht auf dem Holzweg".
Foto: Stiftung Warentest
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Eine gute und umweltfreundliche Alternative zu
Öl und Gas
"Für die Verbraucher zeigen die Prüfergebnisse,
dass Pelletsheizungen eine gute und umweltfreundliche Alternative
zu Öl- und Gasheizungen darstellen", lautet das FNR-Fazit.
Allerdings müssten die Hersteller ihre Produkte weiter entwickeln
und die Betriebs- und Montageanleitungen verbessern. Die Bewertungskriterien
der Warenprüfer haben aber auch für weitere Irritationen
in der Branche gesorgt: So erhielten fünf der geprüften
Pelletskessel nur ein befriedigendes Urteil für ihre Umweltbelastung,
einer sogar nur ein ausreichendes. Die Stiftung Warentest begründet
diese Noten mit dem hohen Stromverbrauch der Geräte. In der
Branche wurden Stimmen laut, die damit den Wert der umweltfreundlichen
Heizenergie aus Holzpellets gegenüber Öl- oder Gasheizungen
herabgesetzt finden. Doch gibt es auch positive Reaktionen: "Wir
sind mit dem Testergebnis zufrieden", sagt Matthias Reitzenstein
von Paradigma. Installateur Wolfgang Peter aus Bruchköbel bei
Hanau, der sich mit seinem Betrieb auf den Verkauf von Pellets-
und Solaranlagen spezialisiert hat, freut sich über den Vergleich:
"Der Test ist in meinen Augen eine hervorragende Sache, weil
Produkte, die getestet werden, eine Marktgeltung haben."
Pellets-Nachschub gesichert:
Neue Pelletierwerke erhöhen Produktionskapazität
Auch die Verfügbarkeit des Brennstoffs zu konkurrenzfähigen
Konditionen ist gesichert, berichtet die Solar Promotion GmbH, Veranstalter
des Industrieforums Holzenergie und der "Pellets 2005":
In Deutschland und im internationalen Umfeld seien neue Produktionsstätten
für Pellets entstanden und weitere befänden sich im Bau.
Auch beim Rohstoff Holz sei kein Engpass zu befürchten, denn
in den Wäldern falle wesentlich mehr Restholz an, als genutzt
wird. Nicht nur die Nachfrage steigt, sondern auch das Angebot.
Derzeit produzieren in Deutschland laut Solar Promotion 28 Pelletswerke
knapp 300.000 Tonnen Pellets. Für die nächsten drei Jahre
sind weitere 14 Produktionsstätten geplant. Kapazitätserweiterungen
bestehender Pelletierwerke einbezogen, soll das Angebot an Holzpellets
in den kommenden Jahren auf über eine Million Tonnen pro Jahr
steigen. Dem steht ein deutlich geringerer Bedarf gegenüber.
So wird der Jahresverbrauch für das Jahr 2005 voraussichtlich
bei 200.000 Tonnen Pellets liegen. Dies zeigt, dass noch ein enormes
Potenzial für Pelletsheizungen vorhanden ist. Da schon heute
mehr produziert als verbraucht wird, exportierten einige Werke ihre
Pellets bereits in das europäische Ausland.
20 Millionen Festmeter Holz noch nicht genutzt
Der Nachschub an Holz und Restholz für die Pelletsproduktion
ist ebenfalls gewährleistet: jährlich wachsen in Deutschland
etwa 60 Millionen Festmeter nach. Davon werden jedoch nur 40 Millionen
genutzt. Große Mengen verrotten bislang und könnten in
Zukunft energetisch verwertet werden. Mit einem landwirtschaftlichen
Anbau von Energiehölzern könnten weitere Ressourcen für
die Pelletsproduktion in Deutschland bereitgestellt werden. Schließlich
ist die Versorgung auch nach Auffassung von Experten durch den wachsenden
internationalen Pelletsmarkt gesichert. Dort werden bereits Pellets
aus Osteuropa, Skandinavien sowie Amerika gehandelt.
Großanlagen: Kleine Pellets schlagen immer
höhere Flammen
Inzwischen hat die Pellets-Feuerungstechnik die kleinen Heizungskeller
der Einfamilienhäuser verlassen und ein Markt für Anlagen
mit Leistungen zwischen 100 Kilowatt und einem Megawatt etabliert
sich. Deutschlands gegenwärtig größte Pelletsheizung
besteht aus zwei Kesseln mit 400 beziehungsweise 540 Kilowatt Leistung.
Sie versorgen ein Klostergebäude samt Realschule und Seminarhaus
im oberbayerischen Schlehdorf. Damit der Brennstoff nicht ausgeht,
liefert ein Tankwagen während der Heizsaison alle zwei Wochen
27 Tonnen der zylindrischen Holzpresslinge. Auch Hotels, Kindergärten,
Schulen oder ganze Siedlungen lassen sich mit großen Pelletskesseln
erwärmen. Im Neubaugebiet "Riedäcker" in Schwäbisch
Gmünd zum Beispiel heizen zwei Holzpelletskessel mit 300 und
400 Kilowatt Leistung über ein Wärmenetz 85 Eigenheime
und zwei Mehrfamilienhäuser.
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| Deutschlands größte Pelletsheizung
versorgt das Kloster Schlehdorf mit Realschule und Seminarhaus. Fotos:
Knecht Ingenieure GmbH; Aktion Holzpellets. |
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Sinkende Investitionskosten bei steigender Leistung
Für die Großanlagen sprechen zwei Gründe: der hohe
Ölpreis und die mit den Kesselgrößen sinkenden spezifischen
Anlagenkosten. Mit jedem Cent, den der Ölpreis nach oben klettert,
macht er es Planern von Pelletskesseln einfacher, eine für
die Sägemehlpresslinge sprechende Vollkostenrechnung aufzustellen.
Je höher die Leistung, desto niedriger die Investitionskosten
pro Kilowatt. Kostet bei einer 100 kW-Pelletsheizung jedes Kilowatt
laut Hersteller Gilles um die 250 Euro, sind es bei einer Megawatt-Anlage
nur noch 60 Euro. Angesichts der wachsenden Bedeutung von Großanlagen,
bietet das 5. Industrieforum Holzenergie am 12. und 13. Oktober
in Stuttgart einen Workshop zum Thema an. Hersteller von Pelletsgroßanlagen
sind auch auf der Fachmesse Pellets 2005 präsent.
Weitere Informationen:
Basiswissen
"Pellets-Heizungen und Solarwärmeanlagen"
Deutsche Bank Research:
"Energie Spezial"
5. Industrieforum Holzenergie: www.holzenergieforum.com
Fachmesse Pellets 2005: www.pellets2005.de
Stiftung Warentest: Die Prüfergebnisse sowie weitere Informationen
zu Holzpellets und Pelletsheizungen stehen zum Faxabruf (Preis 2
Euro) auf der Internetseite der Stiftung Warentest zur Verfügung
unter
http://www.stiftung-warentest.de/online/haus_garten/test/1276882/1276882/1277438.html
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