Der Solarserver: Mit dem Solarthermie-Aktionsplan
legt die ESTIF ein umfassendes Papier für den Ausbau der Heizung und Kühlung
mit erneuerbaren Energien vor. Welche konkreten Schritte und Maßnahmen
stehen an?
Gerhard Rabensteiner: Mit dem Solarthermie-Aktionsplan wollen
wir den politischen Entscheidungsträgern vor Augen führen,
welchen Beitrag die Solarthermie in einem zukünftigen europäischen
Mix aus erneuerbaren Energien leisten kann und welche politischen
Unterstützungsmaßnahmen dazu notwendig sind. Es hat
sich ja herausgestellt, dass für die positive Entwicklung
der Solarthermie ein kontinuierlicher und langfristiger politischer
Unterstützungsprozess eine unabdingbare Voraussetzung ist
- gerade in Österreich hat sich dies im Laufe der letzten
beiden Jahrzehnte als Schlüssel zum Erfolg herausgestellt.
Damit ergeben sich für alle Marktteilnehmer klar vorhersehbare
und somit auch planbare Rahmenbedingungen, ohne die leider vielfach
praktizierte "Stop-&-Go"-Politik. Dies schafft insgesamt
einen positiven Regelkreis, in welchem Unternehmen wachsen und
damit auch Skalenvorteile zum Vorteil der Konsumenten generieren
können. ESTIF stellt in diesem Aktionsplan mögliche Unterstützungsmaßnahmen
sowie begleitende Maßnahmen vor, wie z.B. Targetsetting & Monitoring
oder auch die absolut notwendige Abschaffung von Marktbarrieren.
Um letzteres zu erreichen, macht sich ESTIF insbesondere für
die europaweite Implementierung und Anerkennung des "Solar
Keymark" als harmonisiertes Zulassungs- und Qualitätskennzeichen
stark.
Der Solarserver: Länder wie Spanien und Italien sind äußerst
erfolgreich mit Solar-Pflichten. Verbindliche Richtlinien geben
solare Deckungsgrade für Neubauten und bei der Sanierung vor.
Ist dies ein Modell für ganz Europa?
Gerhard Rabensteiner: Ich bin überzeugt davon, dass dies
ein richtiger Weg ist. Sie müssen sich ja vor Augen führen,
wie viele unterschiedliche Bauvorschriften es in Europa gibt -
mit teilweise völlig unterschiedlichen, historisch gewachsenen,
Anforderungen an die Gebäudeausstattung, beziehungsweise -technik.
Ich verwende in diesem Zusammenhang gerne ein Beispiel, welches
ich während meiner Zeit als Expat in den Niederlanden erlebt
habe: die dortigen Treppenhäuser sind ja wesentlich steiler
und somit Raum sparender als jene in Deutschland oder Österreich
- und trotzdem kommen die Menschen problemlos von einem Geschoß ins
andere. Allein aus der Kosteneinsparung dieses kleinen gebäudetechnischen
Unterschiedes (welcher ausschließlich auf unterschiedlichen
baurechtlichen Vorschriften beruht) ließe sich bereits zumindest
ein Teil einer solarthermischen Anlage finanzieren.
Energiepolitisch sinnvolle Bauvorschriften sind besser
verständlich
als viele andere bürokratische Vorgaben
Ich bin außerdem der felsenfesten Überzeugung, dass
die Europäerinnen und Europäer energiepolitisch sinnvolle
Bauvorschriften in einem erneuerbaren Sinn, in Zeiten unsicherer
Versorgung mit fossilen Brennstoffen, ja sogar kriegerischer Auseinandersetzungen
um Erdöl, wesentlich besser verstehen würden als viele
andere bürokratische Vorschriften. Zumal der Einbau einer
Solarwärmeanlage zur Zeit des Neubaus ja ohnehin viel kosteneffizienter
ist als eine spätere Nachrüstung. Ein weiterer, nicht
zu unterschätzender Vorteil einer solchen Vorgehensweise,
wäre die automatische Entlastung der doch chronisch leeren öffentlichen
Haushalte durch die somit gegebene private Finanzierung von solarthermischen
Anlagen, wobei selbstverständlich auch in einem solchen Modell öffentliche
Unterstützungen zu einer schnellen Zielerreichung beitragen
können.
Qualitätsstandards in den Vordergrund rücken
Dem in diesem Zusammenhang vorgebrachten Argument, dass bei Solarverpflichtungen
mehrheitlich billige Anlagen von inferiorer Qualität verbaut
werden, wollen wir mit der europaweiten Einführung des Qualitätskennzeichens "Solar
Keymark" entgegnen, welches einen einheitlichen vernünftigen
Qualitätsstandard auf der Hardware-Seite gewährleistet.
Natürlich müssen wir uns als Solarwärmebranche auch
um die handwerkliche Seite kümmern: Wir müssen zusammen
mit den Handwerkerverbänden und der Politik praktikable Maßnahmen
entwickeln, die auch die Qualität der Installation sicherstellen,
ohne dabei unnötige neue Hürden für die Solarwärme
zu errichten. Frankreich, z. B. ist da mit seinem "Qualisol"-Programm
einen sehr interessanten Weg gegangen.
Der Solarserver: Im Juni treffen sich Solarwärmeindustrie,
Handwerk und Politik auf der Konferenz estec2007. Neben der Marktentwicklung
steht die Technologie im Mittelpunkt der Veranstaltung. Welche
Trends sind in Sachen Solarwärme zu beobachten?
Gerhard Rabensteiner: Zunächst einmal: die ESTEC Konferenz
hat sich in nur sehr kurzer Zeit zu der maßgebenden europäischen
- man kann getrost auch sagen: weltweiten - Konferenz für
Solarthermie entwickelt. Darauf sind wir bei ESTIF sehr stolz und
dies zeugt auch vom ungebrochenen Interesse an unserer Technologie.
Im Juni in Freiburg erwarten wir wiederum eine starke Steigerung
der Teilnehmerzahl und können mit einer Fülle interessanter
Fachvorträge aufwarten.
Solaranlagen, Biomassekessel und Wärmepumpen sind
mittlerweile Standardkomponenten der Heizungshersteller
Dabei wird es auch um künftige technologische Trends gehen
- man hat ja bereits anlässlich der ISH in Frankfurt einiges
davon gesehen. Für mich war dabei der allgemeine Trend in
Richtung erneuerbare Energien unübersehbar beziehungsweise
im speziellen jener zur Kombination verschiedener erneuerbarer
Bausteine, wie z.B. Solar und Wärmepumpe. Keine einzige der
großen Heizungsfirmen kann es sich mittlerweile leisten,
Solar, Biomasse oder Wärmepumpen nicht in ihrem Programm zu
haben. Unsere Welt verändert sich langsam aber stetig - und
es liegt an uns, die Solarthermie als klaren Sieger in diesem Wettkampf
zu positionieren. Dafür werde ich mich im Rahmen meiner Möglichkeiten
als ESTIF Präsident mit voller Kraft einsetzen.
Herr Rabensteiner, wir danken für dieses Gespräch und
wünschen Ihnen viel Erfolg als Präsident der ESTIF. Das
Solarserver-Interview führte Chefredakteur Rolf Hug.
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