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neue wärme: Ende 2007 flatterte Ihnen der millionste Antrag im Marktanreizprogramm ins Haus. Herzlichen Glückwunsch, Sie dürfen sich also Millionär nennen. Welche
Gefühle hatten Sie dabei?
Schallenberg: Wir haben den Antrag natürlich gefeiert. Das war auch für mich persönlich ein Meilenstein. Seit das MAP Anfang 2000 ins Leben gerufen wurde, trage
ich die Verantwortung. Das ist für mich eine sehr wichtige Aufgabe.
neue wärme: Das Marktanreizprogramm wird in diesem Jahr deutlich aufgestockt, auf 350 Millionen Euro. 2009 sind bis zu 500 Millionen Euro vorgesehen. Was bedeutet
das für Sie?
Schallenberg: Bisher haben wir 90 Mitarbeiter, wir werden weitere Sachbearbeiter einstellen. Ich schätze, bis Ende 2008 haben wir rund 120 Mitarbeiter. Wir
erwarten nicht nur mehr, sondern auch kompliziertere Anträge. Das Marktanreizprogramm ist aufgrund der Kombiförderung und der Boni komplexer geworden. Unser Ziel ist es, die
Anträge so schnell es geht zu bewilligen. Im vergangenen Jahr konnten wir einen sehr hohen Prozentsatz positiv bescheiden. Von den 199.100 eingereichten Vorhaben erhielten 163.560
einen Zuschuss, insgesamt 126 Millionen Euro.
neue wärme: Die Entscheidung über die neuen Richtlinien fiel erst sehr spät. Ende Dezember wurden sie veröffentlicht. Haben sich die Neuerungen schon
herumgesprochen?
Schallenberg: Das Jahr begann verhalten, nur 13.600 Anträge trafen bis Ende Februar bei uns ein. Aber seit Beginn des Marktanreizprogramms im Jahr 2000 waren
Januar und Februar stets schwache Monate, was die Zahl der Anträge betrifft. Wir haben in derselben Spanne insgesamt 23.500 Anträge abgearbeitet, die zum Teil noch aus dem Vorjahr
stammten. Ab März, denke ich, kommen deutlich mehr Anträge rein.
neue wärme: In diesem Jahr stehen 350 Millionen Euro bereit. Wird diese Summe überhaupt ausgeschöpft?
Schallenberg: Wir gehen davon aus, dass mindestens 300 Millionen Euro bewilligt werden. Das neue Verfahren mit der Fachunternehmererklärung muss von den
Installateuren erst noch verstanden werden. Vor allem in der Sanierung werden viele Leute auf erneuerbare Energien umsteigen, die anhaltend hohen Energiepreise leiten ein Umdenken
ein.
neue wärme: Das Sanierungsgeschäft schwächelte im vergangenen Jahr, der Neubau kam praktisch zum Erliegen. Welche Ursachen sehen Sie dafür?
Künftig wahrscheinlich keine Förderung für Neubauten mehr,
wenn Quoten für die Erneuerbaren per Gesetz geregelt sind
Schallenberg: Da zerbrechen sich derzeit viele den Kopf. Ich denke, dass die Zurückhaltung ein Stück weit durch die politischen Diskussionen verursacht wird. Man
wartet lieber ab, wohin die Reise geht. Mit dem Wärmegesetz in Baden-Württemberg und dem Wärmegesetz des Bundes werden für Neubauten bestimmte Quoten für erneuerbare Wärme
festgelegt. Dafür gibt es künftig wahrscheinlich keine Förderung mehr.
neue wärme: Fallen Neubauten grundsätzlich aus der Förderung durch das Marktanreizprogramm heraus?
Schallenberg: Nein, nur so weit es die Quoten betrifft. Was über die gesetzlichen Vorgaben hinausgeht, ist weiterhin förderfähig, das muss man einmal ganz klar
sagen. Wir erwarten aber, dass deutlich mehr Anträge aus der Sanierung kommen. Allein durch die neue Förderung von Wärmepumpen rechnen wir mit 30.000 bis 50.000 Anträgen. Die
Effizienzboni für neue Pumpen oder die Boni für Kesseltausch beziehungsweise die Kombination von Sonnenkollektoren mit Gasbrennwert werden die Zahl der Anträge sicher steigen
lassen. Außerdem wird pro Vorhaben mehr Geld ausgereicht.
2008 keine Abstriche bei Anträgen aus Baden-Württemberg
neue wärme: Auch in Baden-Württemberg?
Schallenberg: Auch dort. Es steht fest, dass zumindest in diesem Jahr die Anträge aus Baden-Württemberg genauso behandelt werden wie aus anderen Teilen der
Bundesrepublik. Da gibt es keine Abstriche.
neue wärme: Welche Impulse könnten vom veränderten Marktanreizprogramm ausgehen?
Schallenberg: Meine wichtigste Idee ist es, dass die Heizungsbauer jetzt die Chance haben, vernünftige Kombinationen zu verkaufen. Wer eine neue Heizungsanlage
braucht und dazu Solarthermie nutzt, wird mit zwei Zuschüssen belohnt, immerhin rund 2.000 Euro. Eine neue Heizung allein wird nicht bezuschusst. Das ist eine echte Gelegenheit
für die Installateure, ihren Kunden die erneuerbaren Energien schmackhaft zu machen und ihr eigenes, schleppendes Geschäft auf die Beine zu bringen.
neue wärme: Eine Analyse der Gesellschaft für Konsumforschung und des BDH hat ergeben, dass viele Heizungsbauer noch nicht für die Energiewende gerüstet sind.
Durch die neue Fachunternehmererklärung übernimmt der Installateur im Antragsverfahren beim BAFA eine zentrale Aufgabe. Welche Hoffnungen haben Sie, dass die Installateure diese
Chance tatsächlich ergreifen?
Schallenberg: Man muss von der Realität ausgehen. Noch werden zu viele alte Gaskessel gegen atmosphärische Gaskessel ausgetauscht. Das ist nicht mehr Stand der
Technik. Deshalb startete das Bundesumweltministerium im vergangenen Oktober die Kombinationsförderung, bei der es 750 Euro zusätzlich gibt, wenn der Eigentümer den alten Kessel
gegen ein Brennwertgerät austauscht, kombiniert mit Solarwärme zur Heizungsunterstützung. In eine ähnliche Richtung zielt die Erklärung der Fachunternehmer, die im Dezember neu
eingeführt wurde. Die Stellung des Handwerkers wird gestärkt, aber er muss für uns ersichtlich machen, dass seine Anlage korrekt installiert wurde. Das kann dazu führen, die
Installateure aufzuwerten.
neue wärme: Viele Eigentümer überlegen sich derzeit, ihre alte Ölheizung oder den Gaskessel auszutauschen. Doch eine solche Entscheidung dauert manchmal ein bis
anderthalb Jahre. Die Vielfalt der möglichen Förderungen durch das MAP ist nicht gerade geeignet, die Alternativen übersichtlicher zu machen …
Schallenberg: Durch die erneuerbaren Energien hat sich die Auswahl an Wärmetechnik auf dem Markt erhöht. Es ist für die Besitzer schwieriger, sich zu entscheiden,
das stimmt. Ein Förderprogramm wie das MAP muss diesem Trend Rechnung tragen. Wir haben versucht, den Aufwand so gering wie möglich zu halten. Beispielsweise verwenden wir nur ein
einziges Standardformular für die Fachunternehmererklärung.
Technische Prüfung von Wärmepumpen
ist Sache des Fachunternehmers
neue wärme: Im Antrag für die Wärmepumpenanlage erfragen Sie beispielsweise nicht, wie die Wärmequellenanlage einer Wärmepumpe beschaffen ist. Auch monovalente
Betriebsweise oder Bivalenz werden nicht abgefragt. Das wäre zur Bewertung einer Wärmepumpenanlage und ihrer Förderfähigkeit aber wesentlich, oder nicht?
Schallenberg: Wir können bei den Anträgen keine technische Prüfung der Planungsunterlagen machen, das würde unsere Möglichkeiten sprengen. Dafür ist die
Fachunternehmererklärung gedacht. Übrigens auch, um dem Antragsteller einen Anhaltspunkt zu geben, was die Anlage leisten wird. Es wird im Jahresverlauf sicher noch Modifikationen
an den Richtlinien zu den Wärmepumpen geben. Die Berechnung der Jahresarbeitszahl ist die Grundlage für die Bewilligung. Die Frage, wie viele Stromzähler und Wärmemengenzähler an
welcher Stelle der Anlage eingebaut werden, ist eher für ihre spätere Evaluierung wichtig.
neue wärme: Wenn nun aber eine Anlage die errechnete Jahresarbeitszahl nicht erreicht, was dann?
Schallenberg: Dann werden wir die Zuschüsse nicht zurückfordern. Das machen wir nur bei bewusst falschen Angaben, bei groben Rechenfehlern oder bei anderen groben
Verstößen gegen die Richtlinien. Spätere Stichproben und Evaluierungen des tatsächlich erreichten Anteils an Umweltwärme haben auf unsere
Arbeit keinen Einfluss.
neue wärme: Zur Berechnung der Jahresarbeitszahl wird die VDI 4650 herangezogen. Auch diese Vorschrift erfasst lediglich die Heizwärme …
Schallenberg: Das stimmt, denn in der Norm ist das ursprünglich für Warmwasser vorgesehene Blatt bisher nicht veröffentlicht worden. An dieser Stelle wird es
sicher Nachbesserungen geben, so dass die Richtlinien gegebenenfalls aktualisiert werden müssen.
Das Gespräch führten Frank Hartmann und Heiko Schwarzburger für die Zeitschrift "neue wärme": http://www.neuewaerme.eu/
Kombiförderung bis Juni 2008
Die im Oktober des vergangenen Jahres vom Bundesumweltministerium eingeführte Kombinationsförderung für Solarthermie und Brennwerttechnik mit Heizöl oder Erdgas gilt vorerst nur
bis Mitte des Jahres. Beim Austausch des alten Öl- oder Gaskessels gegen ein modernes Brennwertgerät legt der Staat 750 Euro dazu. Dieses Modell läuft vorerst zur Jahresmitte aus,
über die weitere Förderung ist bislang nicht entschieden. Es ist aber damit zu rechnen, dass es im Vorfeld nähere Informationen vom BAFA dazu geben wird. Anders bei der
Kombination Solarthermie und Wärmepumpen oder Biomassekessel: Diese Kombi-Förderung ist auch nach dem 30. Juni voll gültig.
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