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Solarserver:
Der Photovoltaik-Boom und die kosten-orientierte Einspeisevergütung für Solarstrom haben die bewährte Technik der solaren Trinkwassererwärmung und Heizungsunterstützung in den
Hintergrund gedrängt. Wie bewertet die Branche den Solarwärmemarkt in Deutschland?
Stryi-Hipp:
Wie gesagt wird die wichtige Rolle der Solarwärme, die sie in Zukunft zweifellos spielen wird, derzeit unterschätzt. 2004 wurden 750.000 m² Solarwärmekollektoren, aber 3,3 Mio m²
Solarstrommodule installiert. Das liegt natürlich auch daran, dass die Photovoltaik heute finanziell attraktiver ist bzw. eine sicherere Rendite erbringt als die Solarwärme. Das
Problem ist, dass die Rendite für Solarwärmeanlagen nicht eindeutig vorausgesagt werden kann, denn heutige Investitionskosten müssen mit den künftig eingesparten Energiekosten
verglichen werden. Steigt der Öl- und Gaspreis in den nächsten Jahren weiterhin mit 10% pro Jahr so wie in den letzten 5 Jahren, so sind Solarwärmeanlagen finanziell attraktiver
als PV-Anlagen. Doch sicher ist dieser Preisanstieg nicht, nur die Wahrscheinlichkeit ist relativ hoch. Viele Hausbesitzer setzen derzeit eher auf die sicherere Geldanlage
Photovoltaik.
Nachdem jedoch der erste Photovoltaik-Boom auf Basis der neuen Vergütungsregelung abgearbeitet ist, wird unseres Erachtens die Photovoltaik wieder gelassener gesehen und die
Solarwärme dagegen wieder stärker wahrgenommen werden als wichtiger Baustein einer nachhaltigen Energieversorgung im Wärmebereich. Wir sehen einen kontinuierlich wachsenden
Solarwärmemarkt, der mittelfristig gegenüber der der Photovoltaik wieder aufholen wird.
Solarserver:
Im vergangenen Jahr wurde immer wieder die Forderung nach einem Gesetz zur solaren Wärme laut, vergleichbar mit dem erfolgreichen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Auch
Solar-Pflichten für Neubauten nach dem Beispiel Israels oder der "Ordenanca Solar" in Barcelona Solaranlagenverordnung wurden in die Diskussion eingebracht. Sind dies gangbare
Wege zu einer Energiewende im Wärmemarkt?
Stryi-Hipp:
Wir brauchen eindeutig andere Förderinstrumentarien, um die Wärme aus erneuerbaren Energien mit größerer Dynamik in den Markt zu bringen. Dazu ist sowohl die Baupflicht als auch
ein Wärme-EEG geeignet, Alternativen dazu sehen wir nicht. Deshalb arbeiten wir mit dem Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) und der Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft
(UVS) auch an der Realisierung dieser gesetzlichen Regelungen. Wir sind fest überzeugt, dass die Einführung eines der beiden Instrumente zu einem ähnlichen Boom führen wird wie in
der Photovoltaik im vergangenen Jahr oder der Windkraft in früheren Jahren.
Wenn die Politik also endlich erkennt, dass gegen die unverantwortlich hohe Abhängigkeit unserer Wärmeversorgung von Öl- und Gasimporten mit den zu erwartenden weiteren
drastischen Preisanstiegen nur eine klare Politik "Weg vom Öl" hilft, dann werden solche Instrumente auch umgesetzt werden. Bis dahin hilft das Marktanreizprogramm und die
intensive Marktbearbeitung durch die Unternehmen und die Verbände, um den Markt langsam zu entwickeln. Denn auch ohne gesetzliche Regelungen gibt es ein gutes Wachstumspotential,
nur wird dies nicht ausreichen, die Marktdynamik zu entfalten, die eigentlich notwendig wäre.
Solarserver:
Im November 2004 haben die Vorstände und Geschäftsführungen der beiden führenden deutschen Solarverbände BSi und UVS die Einleitung eines Fusionsprozesses empfohlen. Mit dem
Zusammenschluss beider Unternehmensverbände sollen die Kräfte gebündelt werden, um den weiter wachsenden gesellschaftlichen Anforderungen zu entsprechen. Wie weit ist der
Zusammenschluss fortgeschritten?
Stryi-Hipp:
Der starke Wille zur Fusion wurde bereits im Herbst letzten Jahres von den BSi- und UVS-Vorständen bekräftigt und gemeinsame Gespräche geführt. Im November hatte die
BSi-Versammlung den Vorstand beauftragt, den Prozess weiter voranzutreiben. In der folgenden Diskussion hat sich gezeigt, dass die BSi-Mitgliederversammlung noch über die
Zusammensetzung des künftigen Vorstands entscheiden muss, bevor die Gespräche weiter gehen können. Am 6. April 2005 wurden nun von Seiten des BSi Hr. Dr. Hoffmann, Hr. Jäger, Hr.
Salvamoser und Hr. Reitzenstein für den Vorstand des fusionierten Verbandes nominiert. Damit wurden alle Voraussetzungen geschaffen, dass die Fusion nun konkret vorbereitet und
zum 1. Juli wirksam werden kann.
Solarserver: Herr Stryi-Hipp, wir bedanken uns für diese umfangreichen Auskünfte.
Solarserver-Interview: Rolf Hug
Lesen Sie zum Thema auch Solarstrom: Silizium-Alternativen auf dem Vormarsch (Solar-Report März 2005)
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