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Wo steht Deutschland in der Entwicklung der Photovoltaik?
Prof. Dr. Weber: In den vergangenen drei Jahren hat Deutschland eine weltweite Spitzenstellung in dieser Technologie gewonnen. Das ist im Wesentlichen dem
Erneuerbare-Energien-Gesetz zu verdanken, das die Einspeisung von Strom aus ökologischen Quellen und seine Vergütung regelt, übrigens nicht nur für Solarstrom. Dieses Gesetz hat
einen sehr starken Inlandsmarkt für Photovoltaik geschaffen. Dadurch entstand eine Industrie, die heute im Weltvergleich ganz vorne steht.
Wäre es nicht an der Zeit, die Vergütung deutlich zu reduzieren?
Prof. Dr. Weber: In den vergangenen sechs Jahren ist Deutschland aufgrund dieser klugen politischen Konstruktion zum Marktführer in der Solarstromtechnik
aufgestiegen. Die Gesetzeslage schuf zigtausend Arbeitsplätze in einer jungen, von Innovation getriebenen Industrie, vor allem in den strukturschwachen Regionen Ostdeutschlands
sowie im Handwerk. Solartechnik ist die Technik, die in den nächsten Jahrzehnten weltweit die wichtigste Rolle spielen wird. Wenn man jetzt die Vergütung pro Kilowattstunde zu
stark reduziert, ist die Dynamik dieser Entwicklung gefährdet. Dann könnte die Nachfrage in Deutschland zusammenbrechen, und die Industrie würde schnell ihren wichtigsten
Absatzmarkt verlieren.
Kritiker befürchten, dass die Vergütung auf Dauer nicht zu finanzieren ist. Welche Kosten kommen auf die Verbraucher zu?
Prof. Dr. Weber: Strom aus erneuerbaren Energien bekommt eine gesetzlich verbriefte Vergütung, wenn er in die öffentlichen Versorgungsnetze eingespeist wird. Schon heute wird der
finanzielle Anreiz dafür jedes Jahr um fünf Prozent reduziert. Das heißt, die Industrie muss schon jetzt die Kosten drücken. Was sie durch ihre Investitionen auch tatsächlich
erreicht. Da die Einspeisevergütung auf alle Haushalte gleichermaßen umgelegt wird, verteilen sich die Kosten. Derzeit sind es weniger als ein Euro im Monat pro Haushalt. Gesetzt
den Fall, die erneuerbaren Energien wachsen weiter, könnten bis 2030 zwischen 50 und 80 Milliarden Euro zusammenkommen, aufsummiert und die Inflation eingerechnet.
Das klingt sehr viel...
Prof. Dr. Weber: Vor dieser Zahl erschrecken viele Leute, aber man muss natürlich dagegen setzen, wie viel Geld man in dieser Zeit für Strom aus fossilen Quellen ausgeben müsste.
Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass wir heute 20 Cent pro Kilowattstunde hinblättern müssen, für Strom aus Kohlekraftwerken, Gasturbinen oder Atomkraftwerken? Nehmen wir eine
moderate Preissteigerung an, werden es in zehn Jahren mindestens 30 Cent sein. Dann wird Solarstrom aber nur 25 Cent kosten.
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