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Der Solarserver: Herr Link, als Bürgermeister durften sie kürzlich die 30 kWp-Photovoltaik-Anlage der "Solar-Kommune" Königsfeld einweihen. Ein engagiertes Projekt wurde
fertig gestellt. Wie war die Resonanz bei der Bevölkerung?
Fritz Link: Für die Realisierung des Solarkraftwerkes auf dem Dach unserer Grund- und Hauptschule in Königsfeld haben wir nicht zuletzt aus finanziellen Gründen auf eine
aktive Beteiligung der Bürgerschaft im Sinne des "Agenda 21-Prozesses" gesetzt. Durch umfassende Information der Bevölkerung durch mehrere Bürgerversammlungen sowie mittels
ansprechender Faltblätter ist es uns gelungen, dass der "Funke" überspringt.
Die Resonanz der erst im November 1999 gestarteten Spendenaktion war überwältigend: Innerhalb weniger Monate sind einschl. des Gemeindeanteils von 18.000 DM Förderbeiträge
für die Photovoltaikanlage in Höhe von derzeit über 57.000 DM eingegangen.
Hierbei besteht die Möglichkeit, Module im Wert von 2.000 DM oder einzelne Zellen im Wert von je 100 DM zu fördern. Jeder Beteiligte erhält eine Urkunde, darf mit dem Emblem der
bundesweit ersten "Solar-Kommune" werben und wird im Internet-Auftritt der Gemeinde namentlich für sein zukunftsweisendes Engagement genannt.
Der Solarserver: Königsfeld wirbt mit dem Slogan "BEWUSSTerLEBEN"; das Solarkraftwerk ist ein wichtiger Teil Ihrer Umweltpolitik. Welchen Stellenwert nehmen regenerative
Energiequellen in Ihrer Gemeinde ein? Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?
Fritz Link: Der Slogan "BEWUSSTerLEBEN" ist für uns ein mit hoher Priorität verstandener Auftrag zur Energieeinsparung und damit zum Schutz unserer natürlichen Ressourcen
im Interesse unserer rd. 25.000 Urlaubs- und Kurgäste jährlich:
So zählte Königsfeld bereits Mitte der 80iger Jahre zu den ersten Gemeinden, die ihr Freischwimmbad mit einer thermischen Solaranlage zur vollständigen Beheizung des Badewassers
ausstattete. Im vergangenen Jahr wurde diese erneuert und garantiert dank der überdurchschnittlichen Sonnenintensität auf unserem rund 800 m hoch gelegenen Plateau
uneingeschränktes Badevergnügen für Einwohner und Urlaubsgäste. Seit 1995 ist Königsfeld als im Naturpark Südschwarzwald gelegener Heilklimati-scher (1949) und Kneipp-Kurort
(1976) die erste baden-württembergische Naturwald-Gemeinde, die sich entsprechend den Richtlinien des Naturschutzbundes (NABU) zu einer umweltschonenden Waldwirtschaft
verpflichtet hat. Auf der Grundlage eines jährlichen Energieberichtes werden die kommunalen Gebäude kontinuierlich auf Energie-Einsparmöglichkeiten untersucht. Im Rahmen von
Baumaßnahmen werden schrittweise zeitgerechte Isolierungs- und moderne Regelungstechniken eingesetzt.
In unserem Modellwohnbaugebiet "Unter Bühl" im Ortsteil Erdmannsweiler haben wir im vergangenen Jahr ein wegweisendes Versickerungskonzept für Oberflächenwasser umgesetzt. Seit
dem 1. Januar 2000 beziehen wir in unseren kommunalen Liegenschaften ausschließlich mit Wasserkraft in den Rheinkraftwerken des regionalen Energielieferanten erzeugten Strom. Auf
der Grundlage dieses nachhaltigen Prozesses zur Stärkung regenerativer Energien sehen wir uns auch in der Zukunft verpflichtet, neue Wege in der Umweltpolitik zu gehen. So gibt es
derzeit erste Überlegungen für eine Holzhackschnitzelheizung zur Versorgung des von 1.200 Schülern besuchten Zinzendorfschulwerkes, einer konfessionell getragenen Privatschule mit
landesweitem Einzugsgebiet.
Der Solarserver: Ihre Gemeinde kauft 15% des solar erzeugten Stroms, der Rest wird in das öffentliche Netz eingespeist und nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mit 99
Pfennig pro Kilowattstunde vergütet. Für den Bau und den wirtschaftlichen Betrieb einer solchen Anlage wird die Einspeisevergütung oft als entscheidender Faktor genannt. Haben sie
diese Vergütung von Anfang an eingeplant?
Fritz Link: Nein, ganz im Gegenteil. Als der Gemeinderat im Spätsommer 1999 den Beschluss zum Bau des Solarkraftwerkes gefasst hat, sind wir von einer ausschließlichen Ei
genfinanzierung der Anlage ausgegangen, zumal die damalige Einspeisevergütung wegfallen sollte. Es war in keiner Weise absehbar, dass quasi als Nebenprodukt der
Koalitionsrangeleien auf Bundesebene zum 1. April 2000 eine Novellierung des EEG erfolgen würde. Mit der Einspeisevergütung in Höhe von 99 Pfennig pro Kilowattstunde, die wir für
85 % des erzeugten Stromes in Anspruch nehmen, hat sich die Wirtschaftlichkeit der Anlage deutlich erhöht.
Der Solarserver: Als Kurort werben sie mit intakter Natur und betonen den Schutz der natürlichen Ressourcen. Welchen Rat geben Sie anderen Gemeinden im Hinblick auf die
Energieversorgung?
Fritz Link: Angesichts der allmählich quer durch alle politischen Parteien gereiften Überzeu-gung, dass eine wissenschaftlich längst geforderte Energiewende unabdingbar
ist, sollten sich gerade die Kommunen als die den Bürgerinnen und Bürgern nahestehendste staatliche Ebene mit Vorreiterfunktion für lokal umsetzbare Umweltschutzprojekte
einsetzen. Hierzu zählen nicht nur Verkehrsberuhigung und -reduzierung, sondern im Hinblick auf den enormen Energieverbrauch des öffentlichen Sektors vor allem Energieeinsparung,
aber auch zukunftsorientierte Konzepte mit erneuerbaren Energien. Hierdurch wird deutlich gemacht, dass der Wandel nur von unten kommen kann.
Der Solarserver: Zuletzt eine persönliche Frage: Wissen Sie welche Farbe der Strom hat, der bei Ihnen zu Hause aus der Steckdose kommt?
Fritz Link: Die Farbe spielt für mich keine Rolle - es sollte nur kein "Egal-Strom" sein!
Der Solarserver: Herr Link, wir danken Ihnen für dieses Interview.
Die Fragen für den Solarserver stellte Rolf Hug.
Mai 2000
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