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Kollektorvergleiche zeigen,
wo sich Spreu und Weizen trennen
von Dipl.-Ing. Stefan Abrecht,
Dr. Christiane Kettner und Dr. Rolf Meißner
Bei höheren Betriebstemperaturen heben sich die Ergebnisse
von Sonnenkollektoren mit Vakuumisolierungen von solchen mit konventioneller
Wärmedämmung bzw. der Ertrag von Röhrenkollektoren
gegenüber Flachkollektoren deutlich ab. Unter durchschnittlichen
Strahlungsverhältnissen (z. B. 450 W/m²a in Würzburg)
werden selbst die besten Flachkollektoren bei Temperaturunterschieden
zur Umgebung ab zirka 25 K aufwärts von Röhrenkollektoren
in den Schatten gestellt. Bei Temperaturunterschieden ab rund 40
K lassen selbst die einfachsten Röhrenkollektoren jeden Flachkollektor
im direkten Leistungsvergleich hinter sich. Das sind die Ergebnisse
einer Untersuchung von drei Solarthermie-Experten der Paradigma
Energie- und Umwelttechnik GmbH & Co. KG.
In der Rubrik "Solarserver-Standpunkt" präsentiert
der Solarserver die durchaus brisante Kurzstudie und gibt den Autoren
zudem Gelegenheit, Kritik an den Regelungen zur Förderung
solarthermischer Großanlagen (SGA) im Marktanreizprogramm
(MAP) zu üben.
Paradigma baut seit 2006 solarthermische Großanlagen (SGA)
mit CPC-Vakuumröhrenkollektoren, die wie konventionelle Kessel
mit Wasser funktionieren und wie solche auch einfach verschaltet
werden. Bis heute entstanden so bereits viele Anlagen, darunter
mit 1330 m² Bruttokollektorfläche bei der Fa. FESTO AG & Co.
KG in Esslingen-Berkheim bei Stuttgart auch die größte
der Welt, welche im Sommer die ebenfalls weltgrößte
Adsorptionskältemaschine zur Kühlung von über 27.000
m² Bürofläche unterstützt und im Winter zur
Heizung beiträgt. Es wird gezeigt, dass für Prozesswärmeanwendungen
wie diese nur Hochleistungs-Vakuumröhrenkollektoren geeignet
sind. Die SGA von FESTO präsentierte der Solarserver als "Solaranlage
des Monats" im Mai 2008: http://www.solarserver.de/solarmagazin/anlagemai2008.html
Gegen Ende der 1990er Jahre kam die konventionelle Technik für
thermische Solaranlagen in eine Sackgasse. Man hatte gelernt, dass
sich gewöhnliche Kollektoren für viele Heizsysteme und
Prozesswärmeanwendungen nicht eignen und brauchte Kollektoren
mit geringeren Wärmeverlusten. Es wurde aber auch damals bereits
immer klarer, dass höhere Betriebstemperaturen und konventionelle
Frostschutzmittel miteinander unvereinbar sind, wenn man nicht
mit allen Mitteln die thermische Stagnation verhindert.
Seitdem wurden verschiedene Entwicklungen zu stabileren Wärmeträgern
gestartet, die Speicherung der Solarwärme in gigantischen,
siedesicheren Aquifer- oder Saisonalspeichern erhielt große
Förderung und die Kombispeichertechnik führte zu einer
unüberschaubaren Vielfalt, wobei Speicherauslegungen zunehmend
immer größer ausfielen. Auch Flachkollektoren versuchte
man im Labor immer weiter zu verbessern, obwohl diese als Serienprodukte
infolge des Preiskampfes heute im Durchschnitt eher schlechter
sind als damals. Alle diese Wege wurden gut mit Forschungs- und
Fördermitteln unterstützt und fanden als Stand der Technik
ihren Niederschlag im Marktanreizprogramm.
Paradigma beschritt seit 1997 einen ganz anderen Weg und wandte
sich der Dewar-Vakuumröhrentechnik zu, besser bekannt als "Thermoskannenröhre".
Die Röhren wurden wesentlich verbessert, in Kollektoren aus
eigener Produktion eingebaut und mit hochpräzisen, selbst
hergestellten CPC-Spiegeln ergänzt. Mit diesem Vakuumröhrensystem
wurde ein Minimum an Wärmeverlusten erreicht, aber auch ein
Höchstmaß an komfortablem Umgang mit der Technik auf
der Baustelle. Seit 2003 setzt Paradigma im so genannten AquaSystem
konsequent nur noch Wasser als Wärmeträger ein und schützt
die Anlagen vor Frost mit Niedertemperaturwärme aus den Speichern
oder aus dem Wärmenetz. Aufgrund der geringen Wärmeverluste
des Kollektorsystems ist hierfür in Deutschland nur ein kleiner
Energiebetrag von 2 bis 4 % des solaren Jahresenergieertrages notwendig,
der durch die Vorteile des Wassers und durch den exergetischen
Mehrwert hoher Arbeitstemperaturen mehr als nur kompensiert wird.
Dieses Prinzip hat sich inzwischen an etwa 30.000 Anlagen bewährt.
Gegenüber herkömmlichen Solaranlagen bietet es einige
Vorteile:
Die Solaranlage arbeitet wie ein Zusatzkessel mit beliebig
wählbarer Temperatur.
Solarwärmetauscher und Frostschutzmittel
werden überflüssig.
Das senkt enorm die Kosten.
Es gibt kein Überhitzungsproblem
mehr und Prozesswärmegewinnung
bis 130 °C wird damit möglich. Die Anlage darf bedenkenlos
ohne Wärmeabnahme im Stillstand stehen. Damit ist der Einsatz
kleiner effizienter Speicher möglich.
Eine hervorragende
thermische Schichtung im Speicher sowie ein minimaler Speicherbedarf
sorgen für eine extrem schnelle
Verfügbarkeit
der Solarwärme.
Übers Jahr wird gegenüber einer konventionellen Betriebsweise
ca. 50 % an elektrischer Pumpenlaufzeit- und Pumpenergie gespart.
Die umfangreiche Funktionskontrolle des Reglers entdeckt und
meldet Fehler sofort und sichert dadurch einen optimalen Betrieb.
Erste Betriebsergebnisse der Solaranlage FESTO
Zunächst folgt eine Aufzeichnung vom 18. Dez. 2007. Obwohl es den ganzen
Tag über frostig unter -5 °C war, wurde mühelos ständig
ein Sollwert von 70 °C erreicht und eine Wärmeenergie von knapp 1,5
MWh in den Speicher gebracht. Für den nahezu kürzesten und kältesten
Tag des Jahres ist das ein sehr gutes Ergebnis, zumal im Winter eine beachtliche
Verschattung herrscht, wie auf dem ersten Bild zu sehen ist.
Am 24. Februar lagen bereits einfachere Bedingungen vor.
Mit Temperaturen von weit über 80 °C wurden insgesamt
knapp 4,3 MWh in den Speicher eingespeist. Das sind immerhin
3,2 kWh pro Quadratmeter Bruttokollektorfläche – für
einen Februartag auch ein ausgezeichnetes Ergebnis.
Es ist fraglich, ob es einen Flachkollektor gibt, der wenigstens
an einem schönen Augusttag das gleiche Ergebnis erbringen
würde.
Kollektorkennlinien
Zunächst muss ein in den Medien, vor allem im Internet
und auf Herstellerprospekten oft verbreiteter Irrtum über
die Ertragsverhältnisse in Deutschland klargestellt
werden. Das Problem liegt in der beliebten Präsentation
von Kollektorkennlinien bei exotischen Strahlungsbedingungen,
z. B. bei 800 W/m². Das gilt am Referenzstandort Würzburg
bei einem Süddach mit 45 Grad Neigung aber nur für
11 % der energetischen Strahlungsbilanz bzw. nur 159 Stunden
im Jahr. Davon verbringt eine gut dimensionierte Anlage aber
viele in der thermischen Stagnation. Dagegen kommen mehr
als 13 % der Sonnenstrahlung mit weniger als 200 W/m² vom
Himmel. Das Jahresmittel der Strahlungsleistung liegt in
Würzburg bei 397 W/m². Der Anteil unter 100 W/m² wurde
hier weggelassen, weil dieser für Flachkollektoren völlig
bedeutungslos ist und auch bei Röhrenkollektoren nur
noch mit maximal 5 % in der Jahresbilanz zu Buche schlagen
kann. Ohne diese Vernachlässigung läge das Mittel
noch tiefer.
Um sicherzustellen, dass die Kollektorparameter auf derselben
Messgrundlage beruhen und somit vergleichbar sind, wurden nur
Testergebnisse aus dem Solar Keymark verwendet. Es wurden folgende
Kollektoren verglichen:
Die Solar-Keymark-Daten beziehen sich auf die Aperturfläche.
Die Kennlinien im folgenden Diagramm sind jedoch auf die Bruttokollektorfläche
umgerechnet, denn nur diese wird bezahlt, gefördert und
verglichen und nach dieser allein ist die Dachfläche zu
planen.
Die Kennlinien wurden bei einer Einstrahlung von 450 W/m² gerechnet
und zeigen, dass unter anspruchsvolleren Betriebsbedingungen
jeder der drei Röhrenkollektoren die Flachkollektoren
bei spätestens 40 K Temperaturdifferenz zwischen Kollektor-
und Umgebungstemperatur noch in den Schatten stellt. Gegen
den CPC-Vakuumröhrenkollektor verlieren durchschnittliche
Flachkollektoren bereits bei Temperaturdifferenzen von 15 K
und die besten ab 25 K. Dabei zählen diese Flachkollektoren
durchaus zu repräsentativen Vertretern ihrer "Gattung".
Der Kollektor mit Nr. 5 ist zweifellos einer von den allerbesten
und soll die momentane Leistungsgrenze der Flachkollektortechnik
repräsentieren. Wir hätten an dieser Stelle gern
weitere, Solarteuren gut vertraute Kollektoren präsentiert,
mussten aber feststellen, dass sehr viele Hersteller wegen
der Förderung zwar Solar-Keymark-Tests durchführen
lassen, ihre Testergebnisse aber oft nicht öffentlich
machen.
Es muss auch kritisch bedacht werden, dass die Leistungsermittlung
nach DIN EN 12975 zwar bei allen Kollektoren mit Wasser durchgeführt
und die mit Wasser erzielten Ergebnisse sozusagen "amtlich" ohne
Abschlag anerkannt werden, dass aber derzeit nahezu alle
Hersteller die Kollektoren in der Realität mit einem
Wärmeträger füllen, der z. B. bei 40 °C
eine 12 % geringere Wärmekapazität, die 3,8-fache
Zähigkeit (Viskosität), eine 38 % geringere Wärmeleitfähigkeit,
nur ein Viertel der Reynoldzahl (weshalb diese Kollektoren überwiegend
bei ungünstigerer, laminarer Strömung arbeiten
müssen), einen 25 % geringeren Wärmeübertragungskoeffizienten
und einen um 42 % (bei turbulenter Strömung) bis 385
% (bei laminarer Strömung) höheren Druckverlust
als Wasser besitzt. Zu tieferen Temperaturen hin werden die
Verhältnisse immer ungünstiger. Solange nur wenige
Hersteller mit Wasser arbeiten, müssen diese die Schlechterstellung
einfach schlucken. Werden das aber einmal mehr, wird man
sich fragen müssen, was die Zahlen der Leistungstests
ohne Frostschutzmittelkorrektur eigentlich wert sind. Dann
wird selbst Stiftung Warentest nicht länger abwiegelnd
schreiben wollen: "Wir... sind zu der Überzeugung
gekommen, dass die Unterschiede unwesentlich sind...".
Jeder kann sich selbst ganz schnell davon überzeugen,
wie wesentlich die Unterschiede jedoch tatsächlich sind.
Wenn man einmal einen beliebigen Plattenwärmetauscher
mit den Auslegungsprogrammen der Hersteller (z. B. SWEP,
Alfa Lavall, Gea WTT usw.) ehrlich ausrechnet, wobei einmal
Wasser gegen Wasser und zum Vergleich Wasser gegen Frostschutzmittel
zu tauschen ist, stellt man fest, dass im Übergangsbereich
zwischen laminarer und turbulenter Strömung mit Frostschutzmittel
etwa die 3-fache Plattenanzahl notwendig ist, um das gleiche
Wärmetauschergebnis zu erzielen. Genau diese Strömungsverhältnisse
herrschen aber auch in den Kollektoren. Mit Frostschutzmittel
werden Kollektoren überwiegend laminar durchströmt,
mit Wasser ist die Strömung überwiegend turbulent.
Nahezu alle Solarertrags-Simulationsprogramme ignorieren
die physikalische Abbildung dieser Zusammenhänge durch
Anwendung zu einfacher Modelle vollständig. Das geradezu
regelmäßige Verfehlen der vorhergesagten Jahreserträge
bei Solaranlagen mit Frostschutzmitteln, was man in der Literatur über
Großanlagen am besten verfolgen kann, hat vermutlich
hier eine systematische Ursache. Das Rechenergebnis ganz
ohne Plattenwärmetauscher, wie bei Wassersystemen, sollte
nicht mehr zu übertreffen sein. Tatsächlich kann
man in den bekanntesten Simulationsprogrammen die Wärmetauscher überhaupt
nicht entfernen.
Dynamischer Jahresvergleich
Im
Folgenden soll gezeigt werden, dass die Zukunft der solaren
Prozesswärmetechnik in der Röhrentechnologie liegt.
Dazu wurde untersucht, wie sich die 3 eben kurz vorgestellten
Röhrenkollektoren und die 3 Flachkollektoren in einer ähnlichen
Anwendung wie beim Projekt FESTO verhalten würden. Es
gibt zwei Lastkreise, davon eine Prozesswärmeanwendung
mit einem Sollwert von 90°C, sowie eine Raumheizung mit
variablem Sollwert zwischen ca. 45°C und 70°C während
der Heizperiode.
Es werden 250 m² Bruttofläche mit
Südausrichtung und 40° Neigung sowie ein Jahreswärmebedarf
von 310 MWh angenommen. Der Speicher hat nur 4,5 m³ und
spezifische Verluste von 8 W/K. Die Solarfläche besteht
aus zwölf Strängen mit je 20,8 m² in Serie.
Die Stränge zweigen alle nach links und rechts von einem
mittigen Hauptstrang ab. Die Hauptzuleitung DN 50 liegt 20
m im Freien und 20 m im Innenbereich.
Das Kollektorfeld wurde für alle Kollektoren als
gleich angenommen, obwohl es für die Vergleichskollektoren
meist deutlich komplizierter und mit mehr Rohraufwand im
Außenbereich aufgebaut sein müsste, da z. B. keine
Rückführungsrohre vorhanden sind und bei manchen
gar nicht so viel Fläche in Serie angeordnet werden
kann. Der Heatpipe-Kollektor lässt z. B. nur 6 m² Bruttofläche
in Serie zu. Betriebsdruck und statische Höhe gestatten
eine Beladung des Speichers bis 103°C. Aus Vergleichsgründen
werden alle Kollektoren mit dem Paradigma-Anschlussset mit
integriertem Fühler ausgestattet. Alle Vakuum-Röhrenkollektoren
werden mit Wasser und der Regelung SystaSolar Aqua betrieben,
die Flachkollektoren dagegen mit Glykol und der Regelung
SystaSolar (mit Drehzahlregelung). Bei den Flachkollektoren
befindet sich ein externer Wärmetauscher zwischen Solaranlage
und Speicher, wobei sich ein Delta T von 5 K einstellt. Der
Kollektordurchsatz beträgt einheitlich 0,35 l/m² bezogen
auf die Aperturfläche. Obwohl die meisten Systeme einen
deutlich größeren Druckabfall haben und daher
stärkere Pumpen bräuchten, wird der Einfachheit
halber nicht der Pumpenstromverbrauch, sondern nur die reine
Pumpenlaufzeit verglichen.
Lastkreis 1: Die Vorlauftemperatur beträgt mindestens
90 C, d.h., der Solarspeicher wird erst entladen, wenn am oberen
Speicherfühler T1 mindestens 90 C herrschen. Die Rücklauftemperatur
beträgt 70 C. Gezapft wird nur montags bis freitags von
8:00 Uhr bis 17:00 Uhr mit einem maximalen Massenstrom von
10.000 kg pro Stunde. Der Jahresenergiebedarf beträgt
145 MWh.
Lastkreis 2: Bei der 70/50-Raumheizung wird die Solaranlage
zur Vorwärmung des Rücklaufs verwendet, d. h.,
der Solarspeicher wird entladen, sobald am oberen Speicherfühler
mindestens Heizkreis-Rücklauftemperatur + 5 K herrschen.
Es gibt keine Speichernachheizung, der Jahresenergiebedarf
beträgt 165 MWh. Beim AquaSystem schaltet die Pumpe
des Lastkreises 2 kurz ein, wenn unten im Speicher 10°C
unterschritten werden und aus, wenn 15°C überschritten
werden. Nur beim Referenzkollektor wird die Einspeisezeit
nach dem "Eimerprinzip" zur Begrenzung der Pumpenlaufzeit
zeitlich beschränkt. Die Wetterdaten sind von Würzburg
mit einer Einstrahlung in die Kollektorebene von 1214 kWh
pro Jahr.
Das seit langem bewährte Rechenmodell wurde im Programm
COLSIM aufgestellt. Gerechnet wurde im Messabstand von 5
Sekunden. Da aus DIN CERTCO Solar Keymark von den Wettbewerbs-Kollektortypen
nur die Parameter für das 1xn-Knoten-Modell bekannt
sind, wurden alle Berechnungen in diesem Modell durchgeführt.
In der Jahressumme sind die Unterschiede zum 2xn-Knoten-Modell,
auf denen Ertragsprognosen von Paradigma AquaSystem-SGAs
sonst basieren, eher gering. Der CPC-Vakuumröhrenkollektor
CPC 45 Azzuro wird als Referenz verwendet, die mit ihm zu
erwartenden Werte werden als 100 % definiert.
Es zeigt sich, dass Flachkollektoren bei einer solchen Anwendung
besser nicht zum Einsatz gebracht werden sollten, weil selbst
die besten unter ihnen trotz der ergänzenden Niedertemperaturanwendung
im Winter kaum 50 % des Kollektorertrages des CPC-Vakuumröhrenkollektors
schaffen könnten. Durchschnittliche Flachkollektoren kämen
nur auf ein Drittel des Referenzertrages trotz der 2,5-fachen
Laufzeit der Solarpumpen.
Mehr Speicher oder mehr Kollektor – was ist effektiver?
Zur Speicherung der Solarwärme dient bei der FESTO-Anlage
neben einem sehr kleinen Speicher mit 17 m³ (dies entspricht
wenig mehr als 10 Liter Speicher pro Quadratmeter Kollektorfläche)
vor allem das Hausnetz. Bei der Referenzanlage 1 wurde die
Speichergröße von 4,5 m³ bis auf 30 m³ bzw.
von 18 l/m² bis auf 120 l/m² variiert.
Das Ergebnis dieser Simulation steht stellvertretend annähernd
auch für die FESTO-Anlage, wenn dort der Speicher von
17 m³ auf 34 m³, 57 m³ bzw. auf 114 m³ vergrößert
würde. Bei Prozesswärmeanlagen bringt eine Vergrößerung
des Speichers nicht viel. Da der Speicher durch die hohen Rücklauftemperaturen
(hier 70°C) im Sommer nicht richtig entleert wird, bräuchte
man absurd große Speicher, um Tage ohne Last (hier das
Wochenende) komplett zu überbrücken. Viel wichtiger
ist es, den Bedarf schnell decken zu können, wenn er
da ist.
Diese Ergebnisse sind nicht ganz neu. Bereits 2004 wurde vom
ITW Stuttgart zum 14. solarthermischen Symposium in Staffelstein
anhand von simulierten Betriebsergebnissen für verschiedene
Speichergrößen und Kollektorflächen gezeigt,
dass auch bei der klassischen Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung
Vakuumröhrenkollektoranlagen sowohl mit deutlich kleineren
Speichern als auch mit deutlich kleineren Kollektorflächen
zum selben Solargewinn fsav kommen wie Flachkollektoranlagen.
Die Simulationsstudie basiert auf folgenden Annahmen: EFH nach
EnEV in Würzburg mit 128 m² Wohnfläche, Südausrichtung,
Dachneigung 45°, Heizwärmebedarf 71 kWh/(m²a)
bzw. 9090 kWh/a, witterungsgeführte Heizungsregelung mit
50/30 °C, WW täglich 200 Liter bei 45 °C, Kesselnutzungsgrad
85 % sowie Jahresenergiebedarf von ca. 14900 kWh. Der Parameter
fsav gibt an, wieviel Energie durch die Solaranlage im Vergleich
zu einer konventionellen,
nichtsolaren Wärmeversorgungsanlage eingespart werden
kann.
So leisten im Zusammenhang mit 1 m³ Speicher
35 m² Vakuumröhrenkollektorfläche
das Gleiche wie 100 m² Flachkollektoren. Oder 30 m³ Speicher
mit 100 m² Vakuumröhrenkollektorfläche leisten
mehr als 100 m³ Speicher mit derselben Fläche Flachkollektoren.
Abschließende Anmerkungen zum MAP
Weil es sich bei dem oben angeführten Prozesswärmebeispiel
um eine Heizungsunterstützung handelt, müsste der
Speicher einen Inhalt von 100 l/m² Kollektorfläche
bzw. von 25 m³ Inhalt haben, damit die ganze Anlage als "innovativ" gelten
könnte und nach der jüngsten Fassung des Marktanreizprogrammes
(MAP) eine Förderung bekäme. Der Kollektorertrag
würde um ca. 15 % steigen, die Systemkosten dagegen schätzungsweise
mindestens um ein Drittel, ganz abgesehen davon, dass für
solche überdimensionalen Speicher in der Regel gar kein
Platz vorhanden ist. Das ist ein sehr schlechtes, aber typisches
Beispiel, wie der Gesetzgeber in guter Absicht überreguliert
und dabei energiesparendere und volkswirtschaftlich sinnvollere
Lösungen verhindert.
Noch schwerer nachvollziehbar ist die Förderung von Kollektoren
nach ihrer Brutto-Kollektorfläche. Wie die Kennlinien
und die Simulation zeigen, wären für Prozesswärmeanwendungen
wie bei der Kollektoranlage FESTO mit leistungsschwächeren
Röhrenkollektoren als CPC-Vakuumröhren für den
gleichen Ertrag bis zur doppelten Bruttofläche erforderlich,
bei Flachkollektoren wäre es sogar ein Vielfaches dieser
Fläche. Mit dem MAP würde der Mehrbedarf an Kollektorfläche
infolge geringerer Kollektorleistung durch die staatliche Zuwendung
großzügig kompensiert. Kurz gesagt: Je schlechter
ein Sonnenkollektor ist, umso mehr Förderung erhält
er bezogen auf seine Leistung. Das ist eine sehr kurzsichtige
und innovationsfeindliche Politik, zumal sie das Effizienzkriterium
vermissen lässt, das nach EU-Vorgaben für eine Förderung
eigentlich notwendig ist. Dass aufgrund dieses Gesetzes inzwischen
bereits Billigstkollektoren zum Preis unterhalb der Förderhöhe
auf den Markt drücken, ist daher nur folgerichtig und
man muss es in der Marktwirtschaft gelassen sehen. Man kann
es aber auch für eine hausgemachte Verschwendung von Steuergeldern
halten, mit der zusätzlich das verfügbare Solarenergiepotential
sträflich vergeudet wird. Wie man heute die Diskussion
um Anbauflächen für Biosprit führt, wird man
morgen auf unseren Dächern um jeden noch verfügbaren
Quadratmeter Kollektorfläche feilschen müssen.
Zu den Autoren
Stefan Abrecht ist Maschinenbauingenieur, entwickelte im
Verlauf von 20 Jahren sämtliche Flach- und CPC-Vakuumröhrenkollektorsysteme
bei Paradigma und hat maßgeblichen Anteil an nahezu sämtlichen
Kollektoren von RitterSolar.
Christiane Kettner befasste sich als theoretische Physikerin
in der Quantenfeldtheorie eingehend mit der mathematischen
Simulation komplexer Systeme. Seit 8 Jahren nutzt sie diese
Spezialkenntnisse, um bei Paradigma die Solar- und Heizungssysteme
zu optimieren und Regelungen zu entwickeln, die den Wirkungsgrad
des Gesamtsystems optimieren
Rolf Meißner ist Experimentalphysiker und befasst sich
seit über 20 Jahren mit Energiespeicherung. Seit 1990
ist er bei Paradigma u. a. Produktmanager und Entwickler von
Solarkomponenten wie Regelungen und Speicher. Gegen Ende 2006
gründete er den Bereich „Solarthermische Großanlagen
und Prozesswärme“.