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Energie für die Zukunft - Zukunftsenergien

In "Zukunftsenergien: Die Wende zum nachhaltigen Energiesystem" widerlegt Craig Morris zahlreiche Einwände gegen die erneuerbaren Energien, die oft auf Fehlinformationen beruhen. Zum Beispiel relativiert sich die Aussage, dass fossile Kraftwerke mit einem Wirkungsgrad von 30 % doppelt so effizient seien als Solarstromanlagen, die 15 % des Sonnenlichts in Strom umwandeln. Denn eine Solarstromanlage hat bereits nach zwei Jahren die Energiemenge erzeugt, die zu Ihrer Herstellung benötigt wurde (energetische Amortisation). Danach wird die Photovoltaikanlage kostenlos und stetig von der Sonne "befeuert".

Ein Kohle- oder Gaskraftwerk hingegen kann sich prinzipiell nicht energetisch amortisieren, den es muss immer mehr fossiler Brennstoff hineingesteckt werden, als nutzbare Energie produziert wird. Auch die Folgen der Windenergienutzung für Natur und Landschaft werden nicht immer sachgerecht und angemessen dargestellt, nehmen sich doch die hier zu Lande errichteten 15.000 Windenergieanlagen im Vergleich zu den 180.000 installierten Strommasten recht bescheiden aus. Angesichts einer befürchteten "Verspargelung der Landschaft" sollte nicht vergessen werden, dass der Kohleabbau ganze Dörfer verschlungen und Berge versetzt hat, erinnert Morris. Und auch der Vorwurf der "Vogelschredder" wurde längst wissenschaftlich widerlegt.

Sowohl Morris als auch Preuss beschreiben eindringlich und nachvollziehbar die Probleme der fossil-atomaren Energiewirtschaft: Klimawandel und Wetterextreme, Krieg um Öl im Mittleren Osten, Stromausfälle in den USA und in Europa, die Abhängigkeit von den Vorräten am Persischen Golf und in Russland. Und beide Autoren zeigen welche Anreize und Bedingungen notwendig sind, um den Strukturwandel zu beschleunigen, aus der Perspektive der Energieunternehmen, der Politik und der Bürger.

 

Kritik an Wasserstoff-Euphorie; Vision des "virtuellen Kraftwerks"

Auf rund 100 Seiten liefert Morris in "Zukunftsenergien" eine fundierte Analyse der endlichen fossilen Energieressourcen und der Atomenergie um dann die Potenziale der Biomasse, der Photovoltaik, der Windenergie und der Erdwärme aufzuzeigen.

Wichtig ist seine berechtigte Kritik an allzu euphorischen Hoffnungen auf eine (solare) Wasserstoffwirtschaft, denn die Kosten für Wasserstoff aus Solarstrom (10 - 20 US-Dollar pro kg) und die Verluste bei der Umwandlung sprechen eindeutig für den direkten Verbrauch des Solarstroms vor Ort. "Zukunftsenergien" schließt mit einem Ausblick auf das "virtuelle Kraftwerk", an dem auch viele private Energieproduzenten beteiligt sein könnten, sowie die beträchtlichen Möglichkeiten von Energieeinsparung und -effizienz. Kritisch anzumerken bleibt, dass Morris aus Zeitgründen, wie im Vorwort erwähnt - das Potenzial der Solarwärme zu wenig würdigt. Sonnenkollektoren haben in Deutschland 2004 rund 2.573 Gigawattstunden geliefert; die Solarstromanlagen 459 Gigawattstunden - und dabei wird nur ein kleiner Teil der für Sonnenkollektoren geeigneten Dächer genutzt. Dennoch ist "Zukunftsenergien" eine lohnende Lektüre für interessierte Bürger und politisch Aktive.

Morris, Craig: Zukunftsenergien
Die Wende zum nachhaltigen Energiesystem. Paperback. X, 170 Seiten, 24 × 16,5 cm.
(Heise Zeitschriften Verlag). ISBN 3-936931-26-7
Preis: EUR 16,00

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