Schwarzbuch Öl: Eine Geschichte von Gier, Krieg, Macht und Geld
Der österreichische Journalist Thomas Seifert, der den jüngsten Krieg ums Öl im Irak an vorderster Front miterlebt hat und unter anderem aus Saudi-Arabien, dem Iran, Tschetschenien, dem Sudan und Afghanistan berichtete, hat gemeinsam mit dem Bestsellerautor Klaus Werner ("Schwarzbuch Markenfirmen") jahrelang den Einfluss der Öl-Lobby auf die Weltpolitik recherchiert.
Die Autoren beschreiben das Erdöl als Ursache für Kriege und Umweltzerstörung sowie als "das wichtigste Schmiermittel globaler Machtkämpfe" und den gefährlichsten Feind von Demokratie und Wohlstand. Beide gehen davon aus, dass die Hurrikans "Katrina" und "Rita" sowie die steigenden Spritpreise nur vergleichsweise harmlose Vorboten kommender Katastrophen sind.
Das Schwarzbuch geht oft ins Detail und liest sich dennoch stellenweise wie ein Polit-Thriller. Die lebendigen und persönlichen Berichte machen das Buch sehr anschaulich, beispielsweise wenn die Zerstörung der Regenwälder am Amazonas beschrieben wird.
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Kriege um Öl: an der Börse - und mit Waffen
Seifert und Werner belegen anhand zahlreicher Beispiele aus dem Nahen Osten, Afrika oder Lateinamerika, dass die meisten größeren und kleineren Konflikte der letzten Jahrzehnte auf das Verlangen nach dem Schwarzen Gold zurückzuführen sind. Ausführlich widmen sie sich den beiden Golfkriegen, der "Mutter aller Schlachten". Sie schildern den Einfluss der Öl-Lobby am Beispiel der Beziehungen zu Libyen und des Wandels von Staatschefs Gaddafi "vom Terrorpaten zum Geschäftspartner" oder des Ringens der Großmächte um die Ressourcen am Kaspischen Meer.

- Rumailah: Eines der bedeutendsten Ölfelder des Irak, nahe der Grenze zu Kuwait. Thomas Seifert am Schauplatz eines Bombenangriffs in Bagdad, April 2003. Fotos: Deuticke Verlag.
Künftige Konflikte könnten all diese Kriege in den Schatten stellen, warnen die Autoren: Bereits jetzt würden die USA und China einen kalten Krieg um die Welterdölvorräte führen - bislang noch an den internationalen Börsen, bald jedoch vielleicht schon mit Waffengewalt. Und auch Deutschland stelle dafür den Klimaschutz und die europäische Integration hintan und biedere sich mit dem Hintergedanken einer Öl- und Erdgas-Allianz bei Russland an, wie die geplante Ostsee-Pipeline zeigt, welche die wichtigsten Transitländer für russisches Erdgas ausbootet.
"Peak Oil" und das nahende Ende des Ölzeitalters
Renommierte Experten wie beispielsweise das US-Investmenthaus Goldmann Sachs sagen schon jetzt einen Ölpreis jenseits der 100-Dollar-Marke voraus. Die Schwarzbuch-Autoren gehen davon aus, dass der Gipfel der Ölförderung ("Peak") bereits erreicht ist. Die Frage sei nicht, wann die Ölreserven erschöpft sind, sondern wie lange wir uns den kostbaren Rohstoff noch leisten können. Die sinkende Erdölproduktion hat nach Auffassung der Autoren dramatische Auswirkungen auf die Weltwirtschaft: Nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage steigen bei steigender Nachfrage und gleichzeitig stagnierender Förderung die Preise steil an. Der globale Konjunkturmotor kann ins Stottern kommen, eine weltweite Rezession ist möglich. Was bisher nur von einigen Geologen diskutiert wurde (Colin J. Campbell, Jean Laherrere), werde mittlerweile auch von den Ölkonzernen nicht mehr geleugnet: Der jüngste Report des größten Ölkonzerns der Welt ExxonMobil sage den Höhepunkt der globalen Ölförderung für 2010 voraus ("The Outlook for Energy: The 2030 View"), so das Schwarzbuch - danach würden die Fördermengen sinken. "Die erste Milliarde Barrel haben wir in 125 Jahren verbrannt, die nächste Milliarde wird in 30 Jahren aufgebraucht sein", warnen die Autoren des Schwarzbuchs.
Erneuerbare Energien als Alternative
Die Ölkonzerne werden nach Ansicht von Seifert und Werner in diesem Jahr die mit Abstand höchsten Profite ihrer gesamten Geschichte einfahren, während man die Autofahrer zur Kasse bitte. Zwanzig der reichsten und mächtigsten dieser Konzerne stellt das Buch in ausführlichen Porträts vor: ihre Geschichte, ihre Verbindungen in die Spitzen der Weltpolitik und ihre nachweisbaren Vergehen gegen die Menschenrechte und die Umwelt. Doch das "Schwarzbuch Öl" skizziert auch den Ausweg aus der Ölkrise: eine dezentrale Energieversorgung. Dabei setzen die Autoren jedoch vorrangig auf die Stromproduktion aus Windenergie, synthetische Kraftstoffe und eine Wasserstoff-Wirtschaft. So geraten - wieder einmal - die enormen Potenziale der Wärmeproduktion aus erneuerbaren Energiequellen (Solarthermie, Biomasse und Geothermie) aus dem Blickfeld, die ebenfalls wesentlich dazu beitragen können und müssen, dass kein Blut mehr für Öl fließt. Das Schwarzbuch Öl ist nicht das erste Buch zum Thema, aber das aktuellste - und aus diesem Grunde nachdrücklich zu empfehlen.
Thomas Seifert / Klaus Werner: Schwarzbuch Öl. Eine Geschichte von Gier,
Krieg, Macht und Geld. 320 Seiten, Preis: 21,50 EUR, ISBN 3-552-06023-5 , Deuticke Verlag. Erscheinungsdatum: 24. September 2005. Leseprobe im Internet unterhttp://specials.zsolnay.at/schwarzbuch/leseprobe.htm.

