Gestalten mit Solarzellen: Photovoltaik in der Gebäudehülle
Gestalten mit Solarzellen: Photovoltaik in der Gebäudehülle / Susanne Rexroth (Hrsg.). Heidelberg, C.F. Müller 2002. - XII, 257 S. ISBN 3-7880-770-X.
Preis: EUR 62,-
Die bauliche Integration von Solarzellen muss sich nicht auf die Dachmontage der Module beschränken. Neue Entwicklungen und Produkte ermöglichen die sinnvolle und architektonisch reizvolle Einbeziehung der Solartechnik an vielen Stellen der Gebäudehülle. Fachleute aus Forschung und Praxis zeigen in diesem Buch, was Gestalten mit Solarzellen leisten kann. Die Autoren beschreiben bekannte und neue Materialien unter funktionalen Gesichtspunkten sowie im Hinblick auf die architektonischen Möglichkeiten.
Fünf Jahre Erfahrung im Fachgebiet Versorgungsplanung / Versorgungstechnik an der Fakultät Gestaltung im Studiengang Architektur der Hochschule der Künste in Berlin stecken in diesem Fachbuch. Die Herausgeberin, Dipl-Ing. Susanne Rexroth, arbeitet als Architektin mit dem Schwerpunkt energieeffizientes Bauen und hat über 20 Experten gewonnen, deren Beiträge den architektonischen Einsatz der Photovoltaik ausleuchten.
Von der Zelle zum Modul: Funktion und Technik
Das dritte Kapitel "Funktion und Technik" vermittelt gründlich und kompetent die physikalischen und technischen Grundlagen - vom Prinzip der photoelektrischen Energiewandlung über den Weg von der Zelle zum Modul bis hin zu künftigen Alternativen zur Speicherung des Solarstroms (Wasserstoff). Zunächst jedoch wenden sich Herausgeberin und Autoren dem Gestaltungspotenzial und den Einsatzmöglichkeiten der Photovoltaik zu. Deren Anwendungsmöglichkeiten werden nur zögerlich ausgeschöpft, stellt Susanne Rexroth in der Einleitung fest, da bei vielen Planern Kenntnisse über die gestaltenden Einsatzmöglichkeiten fehlen. Die Projekte und Beispiele im zweiten Kapitel (Solarsiedlungen, Altbausanierung etc.) belegen, dass Solarstromanlagen keine "energetische Applikation" sein müssen, sondern als eigenständiges Energiesystem konzipiert und integriert werden können. Solarzellen werden hier nicht als zusätzliches Bauelement verstanden: Mit der Entwicklung der Solarmodule zu selbständigen Bauteilen soll die Akzeptanzschwelle des PV-Einsatzes gesenkt werden und die Optimierung der Gebäudehülle in den Vordergrund des architektonischen Entwurfs treten. So wird Solararchitektur Teil eines energetischen Planungsprozesses. Wie der vermeintliche Gegensatz von Denkmalschutz und Photovoltaik aufgelöst werden kann zeigt Susanne Rexroth an Hand des Zentrums für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe, der Kulturarena in Berlin-Treptow und der Neugestaltung des historischen Stadthausplatzes von Unterseen bei Interlaken (Schweiz).
Solar-Baustoff Glas - neue Materialien und Techniken
Das einleitende Kapitel ist ganz dem solaren Bauen mit Glas gewidmet. Hier zeigt sich das enorme Gestaltungspotenzial dieses Baustoffs und der Photovoltaikmodule. Auch die Anforderungen der Bauaufsicht an die Fassadenintegration werden ausführlich behandelt. Neben einem Überblick über die vielfältige Produktpalette (Größen, Formen, Farben) wird Photovoltaik als (dynamisches) Verschattungselement und Design-Objekt (BIMODE-Projekt im EU-JOULE-Programm) vorgestellt.
Besonders spannend, nicht nur für Architekten, sondern für jeden an der PV-Technologie Interessierten ist das letzte Kapitel: Hier werden neue Materialien und Techniken präsentiert, die einen Quantensprung der solaren Stromerzeugung versprechen und nicht nur die Kosten senken, sondern auch die Einsatzmöglichkeiten erweitern werden. Zum Beispiel transparente Solarzellen oder die Farbstoffzelle. Die nach ihrem Erfinder oft auch als "Grätzel-Zelle" benannte Solarzelle nutzt einen organischen Farbstoff als Licht absorbierendes Material. Als Halbleitermaterial dient Titanoxid (TiO2). Diese Alternative ist bislang noch nicht marktreif, könnte aber wegen ihres Potenzials kostengünstig hergestellt zu werden einen weiteren Innovations- und Investitionsschub auslösen, wie dies bereits mit der Produktion der Kupfer-Indium-Diselenid - Zellen (CIS-Zellen) der Würth Solar GmbH in Marbach der Fall war.
Ein vorzügliches Glossar und Stichwortverzeichnis runden den üppig illustrierten (Fotos, Grafiken, Tabellen) Band ab. Photovoltaik ist eine Herausforderung für Architekten und Bauherren. Solares Bauen eine Chance für Wirtschaft und Klimaschutz. "Gestalten mit Solarzellen" zeigt Wege und Perspektiven. Ein uneingeschränkt empfehlenswertes Fachbuch. (RH)

