Warum Nachhaltigkeit (noch) nicht funktioniert:
Holger Rogall zeigt die Versäumnisse von Politik und Ökonomie
Über zehn Jahre sind seit der Konferenz von Rio vergangen, zu wenig ist geschehen. Inzwischen sprechen viele von nachhaltiger Entwicklung, doch meist wird nur geredet - von Politikern, Unternehmen und zum Teil auch von Verbrauchern. Um die natürlichen Lebensgrundlagen dauerhaft zu sichern, müssen die Industriestaaten ihren Ressourcenverbrauch in den nächsten 50 bis 70 Jahren um 80 bis 90 Prozent senken, auch den Energieverbrauch. Das geschieht aber nicht, weder national noch global. Warum das so ist, untersucht der Berliner Ökonomie-Professor Holger Rogall in einem Buch, das keineswegs nur für Studierende und Akteure interessant ist. Auch umwelt- und entwicklungspolitisch Interessierte finden in dem Buch "Akteure der nachhaltigen Entwicklung: der ökologische Reformstau und seine Gründe" Erklärungen, weshalb die Politik und der Markt versagen.
Rogall, Holger: Akteure der nachhaltigen Entwicklung: der ökologische Reformstau und seine Gründe.
München: Ökom Verlag, 2003, 350 S. graph. Darst.
Preis: € 23. ISBN 3-936581-06-1
Rogall untersucht, mit welchen Strategien Unternehmen, Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) oder staatliche Einrichtungen ihre Interessen verfolgen und deckt Hemmnisse im politischen Prozess auf. Der Autor stellt fest, dass keine ausreichenden Marktkräfte existieren, welche eine wirklich nachhaltige Entwicklung einleiten könnten. Er diagnostiziert ein Versagen der direkten Akteure (darunter Bund, Länder und EU) wie auch der indirekten Akteure (Ministerien, Verwaltung, Parteien, Wirtschaft, Medien, NGOs und Konsumenten) das sich allein durch eine verbesserte Umweltkommunikation nicht beseitigen lässt. An Hand umweltpolitischer Erfolge zeigt Rogall aber auch, wie Veränderungen möglich sind, und skizziert Chancen für Veränderungen.
Die differenzierte Analyse zeigt, weshalb umweltpolitische Eingriffe immer wieder ausgebremst werden, von der kommunalen bis zur globalen Ebene. Der Autor greift auf eigene Erfahrungen in der Politik zurück - er war zehn Jahre Mitglied des Abgeordnetenhauses in Berlin - und illustriert seine Kritik mit Hinweisen auf die Praxis. Unter anderem am Beispiel der gescheiterten Berliner Solaranlagenverordnung, einem Fall von "Symbolpolitik", in der es nicht um Lösungen geht, sondern um schön klingende Formulierungen, welche den Bürgern aktives Handeln nur vorgaukeln. Rogall, macht deutlich, dass es bei einer nachhaltigen Entwicklung nicht um die Einschränkung von Freiheitsrechten, aber um die Schaffung politisch-rechtlicher Rahmenbedingungen (ökologischen Leitplanken) geht, die eine zukunftsfähige Entwicklung der Menschheit ermöglichen sollen.
Die Einführung in die Akteursanalyse der Umwelt- und Nachhaltigkeitspolitik richtet sich in erster Linie an Studierende und Wissenschaftler. Das ist kein Nachteil. Im Gegenteil: der systematische Aufbau , Begriffsdefinitionen, Grundlagen und Beispiele machen das Buch zu einer rundum empfehlenswerten (Pflicht)-Lektüre für ökologisch und politisch Aktive, gerade im Bereich der erneuerbaren Energien. (rh)

