Technologiewende auf dem Heizungsmarkt

Die Grafik zeigt die Entwicklung auf dem Heizungsmarkt seit 2010. Vor allem im Jahr 2023 gab es einen starken Anstieg über dem langjährigen Mittel, der in den Folgejahren zu einem entsprechenden Minderabsatz beitrug.Grafik BDH
Die Grafik zeigt die Entwicklung auf dem Heizungsmarkt seit 2010. Vor allem im Jahr 2023 gab es einen starken Anstieg über dem langjährigen Mittel, der in den Folgejahren zu einem entsprechenden Minderabsatz beitrug.
Erstmals haben Hauseigentümer:innen in einem Jahr mehr regenerative als fossile Heizungen installieren lassen. Das zeigt die Jahresbilanz des Bndesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH). Allerdings sank der Absatz von Heizungen in Deutschland im Jahr 2025 auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren. Der Verband macht für den Abschwung auch die jetzige Regierungskoalition verantwortlich.

„Der Produktionsstandort für Heizungsanlagen in Deutschland steht unter Druck“, warnt BDH-Hauptgeschäftsführer Markus Staudt mit Blick auf den Heizungsmarkt. „Die Politik muss jetzt schnellstmöglich einen verlässlichen, bedarfsgerechten und investitionsfreundlichen ordnungspolitischen Rahmen schaffen, flankiert von einer stabilen Förderung und die Bürgerinnen und Bürger auf diesem Weg mitnehmen.“ Aus Sicht des Verbandes sind politisch verursachte Unsicherheiten hauptverantwortlich für die gegenwärtige Absatzkrise. Die hitzige öffentliche politische Auseinandersetzung um das Gebäudeenergiegesetz 2023 habe Vertrauen zerstört. Die große Koalition hat im Koalitionsvertrag beschlossen, das sogenannte „Heizungsgesetz“ abzuschaffen, ließ jedoch bislang offen, welche Regelungen künftig gelten sollen.

Union contra Wärmepumpe?

Politiker:innen wie Unionsfraktionsvorsitzender Jens Spahn und Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hatten sich öffentlich gegen die Wärmepumpe gewandt. Reiche sprach von einem “Zwang zur Wärmepumpe”. Spahn forderte die Abschaffung der Wärmepumpenförderung. Derzeit diskutiert die schwarz-rote Koalition über Eckpunkte zum neuen Gebäudemodernisierungsgesetz, das das heutige Gebäudeenergiegesetz (GEG) ablösen soll. Die Koalition hatte angekündigt, Ende Januar diese Eckpunkte vorlegen zu wollen. Doch bislang sind sie nicht in Sicht.

„Verbraucherinnen und Verbraucher handeln rational: Solange die politischen Rahmenbedingungen unklar sind, werden Investitionen in neue Heizungen aufgeschoben“, erklärt Staudt.

Heizungsmarkt zeigt Schwenk zu Wärmepumpen

Derweil zeigt sich jedoch, dass der mit dem GEG verbundene Impuls für einen Wandel im Heizungsmarkt von Gebäudeeigentümer:innen aufgegriffen wird. Während ein Teil von ihnen sich bei den Investitionen zurückhält, obwohl derzeit noch jede Heizung zumindest in Bestandsbauten eingebaut werden dürfte, schwenken die schon Investitionsbereiten zu einem größeren Teil auf Wärmepumpen um.

Rund 299.000 der insgesamt 627.000 verkauften Heizungen im Jahr 2025 waren nach Angaben des BDH in Deutschland Wärmepumpen. Hinzu kommen 29.000 Holzheizungen, darunter mit 17.500 Stück vor allem Pelletheizungen. Damit hatten regenerative Heizungssysteme im vergangenen Jahr erstmals die Nase vorn. Während Wärmepumpen ein Wachstum von 55 Prozent und Pelletkessel ein Wachstum von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichneten, brach der Absatz von fossilen Ölkesseln weiter um 74 Prozent ein. Von Gaskesseln konnte die Branche 33 weniger verkaufen.

Zele für Wärmepumpenabsatz noch nicht erreicht

Aus Sicht des BDH konnte das Wachstum bei Wörmepumpen den Einbruch im Gesamtmarkt nicht kompensieren. So sei das von der Ampelkoalition beschlossene Ziel von 500.000 installierten Wärmepumpen pro Jahr ab 2024 das zweite Jahr in Folge deutlich verfehlt worden. In Summe liege der Absatz des Jahres 2025 damit auf einem Stand, der die Hersteller vor ernste wirtschaftliche Herausforderungen stelle, so der BDH. Der durchschnittliche Gesamtmarkt der vergangenen Dekade lag bei rund 800.000 Geräten pro Jahr – davon ist die Branche inzwischen weit entfernt.

„Wir brauchen jetzt einen Neustart mit einem verlässlichen politischen Kurs, der Planungssicherheit schafft und alle effizienten technologischen Lösungen einbezieht“, fordert Staudt. „Technologiedebatten tragen nicht dazu bei, die bestehende Verunsicherung bei den Verbrauchern aufzulösen.“

Was Staudt damit konkret meint, wird aus den jetzt vom BDH veröffentlichten Statements nicht klar. Die Technologiedebatte wird vor allem von der Union geführt und sie soll offenbar dazu führen, Anforderungen an regenerative Anteile bei der Wärmeversorgung zurückzufahren. Auch in den Aussagen des BDH deutet sich an, dass er den Verkauf von Gasheizungen wieder ankurbeln möchte. Doch die Hauseigentümer:innen bewegten sich jedenfalls 2025 trotz Verunsicherung mehr in Richtung regenerativer Wärmewende.

Autor: Andreas Witt | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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