EEG-Novelle und Netzpaket: BSW-Solar befürchtet „solare Sperrzonen“
Foto serhiipanin / stock.adobe.comDer Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) befürchtet, dass die geplanten Änderungen am Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und bei den Regelungen bei Netzanschlüssen (Netzpaket) den Bau neuer Solarparks deutlich verteuern und den Ausbau bundesweit bremsen könnten. Die Branchenvereinigung fordert den Verzicht auf geplante regulatorische Marktbarrieren und Kostentreiber.
Neue Solarparks erzeugen laut BSW-Solar Strom heute für rund 5 Cent je Kilowattstunde und gehören damit zu den günstigsten Formen der Stromerzeugung in Deutschland. Die Bundesregierung will die Kosten der Energiewende weiter senken. Mehrere der geplanten Regelungen könnten jedoch das Gegenteil bewirken: Sie würden ausgerechnet eine der günstigsten Stromerzeugungsarten verteuern und neue Investitionen erschweren.
Ohne Nachbesserungen könnten die Stromerzeugungskosten neuer Solarparks nach Schätzungen des BSW-Solar um mehr als einen Cent je Kilowattstunde steigen. Zu den Kostentreibern zählen nach Einschätzung des Verbandes unter anderem die von der Bundesregierung geplante teilweise Streichung von Entschädigungszahlungen während temporärer Netzengpässe, die vorgesehene Begrenzung der Einspeiseleistung, geplante Netzentgelte für die Einspeisung von Solarstrom sowie zusätzliche kommunale Abgaben.
„Solaranlagen sind ein Kostensenker der Energiewende. Wer sie mit neuen Abgaben und Auflagen belastet, macht Strom nicht günstiger, sondern teurer“, sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft.
Gesetzentwürfe zur EEG-Novelle und zum Netzpaket grundlegend überarbeiten
Der BSW-Solar fordert die Mitglieder des Bundestages auf, die Gesetzentwürfe grundlegend zu überarbeiten. Der derzeit gesetzlich auf 5,9 Cent je Kilowattstunde begrenzte Gebotshöchstwert in den Solarpark-Ausschreibungen könnte andernfalls für die Mehrzahl künftiger Solarpark-Projekte zu einer unüberwindbaren Finanzierungshürde werden. Damit die Photovoltaik-Ausbauziele erreicht werden und genügend Wettbewerb in den EEG-Ausschreibungen erhalten bleibt, ist im Falle einer Beibehaltung der geplanten Maßnahmen eine Anhebung des Gebotshöchstwertes auf 7,5 Cent je Kilowattstunde erforderlich.
Besonders problematisch ist aus Sicht des Verbandes der geplante sogenannte Redispatch-Vorbehalt. Danach könnten neue Solarparks in Regionen mit häufigen Netzengpässen schlechtere Förderbedingungen erhalten. Der BSW-Solar befürchtet, dass neue Photovoltaik-Freiflächenanlagen dadurch in großen Teilen Deutschlands wirtschaftlich unattraktiv werden könnten. „Es darf nicht dazu kommen, dass temporäre Netzengpässe faktisch zu solaren Sperrzonen führen. Netzprobleme müssen durch einen schnelleren Netzausbau, Speicher und eine intelligentere Nutzung der Netze gelöst werden – nicht dadurch, dass der Bau neuer Solarparks zum Erliegen kommt“, so Körnig.
Neue Kosten drohen sich zu summieren
Neben dem Redispatch-Vorbehalt sieht der Verband weitere geplante Änderungen kritisch. Auch die Ausgestaltung der geplanten Differenzverträge (CfD) und Einspeisenetzentgelte würden Bau und Betrieb von PV-Freiflächenanlagen spürbar verteuern. Bereits heute haben sich die wirtschaftlichen Bedingungen für neue Solarparks verschlechtert. Diese Woche musste der Solarpark-Betreiber Enerparc Insolvenz anmelden. Gründe sind unter anderem steigende Kosten für Netzanschlüsse, zusätzliche Abgaben in einzelnen Bundesländern sowie zunehmende Erlösverluste in Zeiten negativer Strompreise.
„Wenn mehrere neue Belastungen gleichzeitig auf die Projekte zukommen, können bislang wirtschaftliche Solarparks unrentabel werden“, so Körnig. Betroffen wären nach Einschätzung des Verbandes sowohl Projekte mit EEG-Förderung als auch Solarparks, die ihren Strom ohne Förderung direkt am Markt verkaufen.
Auch Agri-PV und andere besondere Solaranlagen gefährdet
Nach Einschätzung des BSW-Solar könnten die Gesetzespläne auch den Ausbau sogenannter Besonderer Solaranlagen bremsen. Dazu zählen unter anderem Agri-PV-Anlagen, bei denen man Landwirtschaft und Solarstromerzeugung auf derselben Fläche kombiniert, sowie Moor-PV, Parkplatz-PV und schwimmende Solaranlagen.
Der Gesetzentwurf sieht nach Angaben des Verbandes vor, das bisherige eigene Ausschreibungssegment für diese Arten von Photovoltaik-Anlagen zu streichen und stattdessen für Agri-PV und Moor-PV einen Bonus von 0,5 Cent je Kilowattstunde einzuführen. „Der vorgesehene Bonus reicht für einen breiten Markthochlauf von Agri-PV und Moor-PV nicht aus. Gleichzeitig würden Parkplatz- und schwimmende Solaranlagen nicht berücksichtigt“, sagt Körnig.
Da solche PV-Anlagen konstruktionsbedingt häufig höhere Kosten verursachen als klassische Solarparks, sollten sie nach Auffassung des BSW-Solar weiterhin ein eigenes Ausschreibungsvolumen erhalten. Andernfalls blieben sie eine Nischenanwendung.
Quelle: BSW-Solar | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH