Netzentgeltreform: BSW-Solar gegen Prosumer-Aufschlag für Photovoltaik-Anlagen

Ein Mann mit Geldscheinen vor Solarmodulen, die Bundesnetzagentur will in der Agnes Netzentgeltreform einen Prosumer-Aufschlag für Photovoltaik-Anlagen einführen.Foto: sima / stock.adobe.com
Der Aufschlag bei den Netzkosten auf den Grundpreis könnten für PV-Anlagenenbesitzer:innen könnte bis zu 165 Euro jährlich betragen.
Der Solarverband BSW-Solar befürchtet, dass die geplante Netzentgeltreform die Photovoltaik auf privaten Hausdächern ausbremsen wird. Denn die Bundesnetzagentur will die Strom-Grundgebühr für Solaranlagen-Besitzer:innen teurer machen.

Die Pläne der Bundesnetzagentur bei den Netzentgelten einen Prosumer-Aufschlag für private Photovoltaik zu erheben, steht weiter in der Kritik. Nun hat sich der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) zu der neuen Gebühr für Solarbesitzer geäußert. Geplant ist, dass Bestizer:innen von PV-Anlagen einen höheren Grundpreis für den Stromanschluss zahlen sollen. Der Branchenverband warnt vor dieser Prosumer-Gebühr im Zuge der anstehenden Netzentgeltreform (Agnes-Verfahren). Nach Auffassung des Verbandes würde ein solches Entgelt Investitionen in Photovoltaik, Batteriespeicher, Elektromobilität und Wärmepumpen erschweren und zugleich unnötige neue Bürokratie schaffen. Zusammen mit den von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche geplanten Einschnitten bei der Einspeisevergütung von Photovoltaik-Anlagen drohe eine gefährliche Investitionsbremse.

Der von der Bundesnetzagentur im Agnes-Verfahren für solare Selbstversorger geplante Prosumer-Aufschlag bei den Netzkosten auf den Grundpreis könnte nach Berechnungen des BSW-Solar – abhängig von der konkreten Ausgestaltung durch die Netzbetreiber – bis zu 165 Euro jährlich betragen. Besonders kleine Photovoltaik-Anlagen würden dadurch überproportional belastet. „Wer in eine Solaranlage, einen Speicher, ein Elektroauto oder eine Wärmepumpe investiert, treibt die Energiewende voran. Eine Reform der Netzentgelte darf diese Bürgerinnen und Bürger in ihrem Klimaschutzengagement nicht ausbremsen“, sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar.

Prosumer-Aufschlag falsches Instrument für Netzentgeltreform

Ein pauschaler Prosumer-Aufschlag sei das falsche Instrument: „Eine kleine Solaranlage mit wenigen Kilowatt Leistung darf nicht genauso behandelt werden wie eine zehnmal größere Anlage“, sagt Körnig. Auch nehme die geplante Regelung keinerlei Rücksicht auf die tatsächliche Beanspruchung der Stromnetze.

Kritisch sieht der Verband zudem mögliche Auswirkungen auf die Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung in Mehrfamilienhäusern. Würde jede einzelne Verbrauchsstelle mit einem zusätzlichen Entgelt belastet, könnte das gerade erst geschaffene Modell der gemeinsamen solaren Eigenversorgung in Mietwohngebäuden erheblich an Attraktivität verlieren.

Auch eine Einbeziehung bestehender Photovoltaik-Anlagen in die geplante neue Netzentgeltstruktur lehnt der BSW-Solar ab. Sie würde aus Sicht des Verbandes Investitionsentscheidungen nachträglich verändern und damit das Vertrauen in verlässliche energiepolitische Rahmenbedingungen zerstören. Der Branchenverband geht zudem davon aus, dass die Pläne der Bundesnetzagentur in ihrer aktuellen Ausgestaltung sowohl gegen die Europäische Elektrizitäts-Binnenmarktrichtlinie wie auch die Erneuerbare-Energien-Richtlinie verstoßen.

Einspeisekapazitätsentgelt für neue Photovoltaik-Anlagen aller Größenklassen

Anstelle eines Prosumer-Aufschlags könnte nach Ansicht des BSW-Solar die Bundesnetzagentur das im Agnes-Verfahren geplante Einspeisekapazitätsentgelt auf neue Erzeugungsanlagen aller Größenklassen ausweiten. Dann zahle man nicht für die installierte Leistung einer Solaranlage, sondern für die tatsächlich mit dem Netzbetreiber vereinbarte Einspeisekapazität der Photovoltaik.

Das schafft zudem einen Anreiz, Netzanschlüsse effizienter zu nutzen. Betreiber:innen könnten größere Solaranlagen installieren, ohne entsprechend höhere Netzkapazitäten zu beanspruchen, wenn sie einen größeren Anteil des Stroms vor Ort hinter dem Netzverknüpfungspunkt verbrauchen, speichern oder intelligent steuern. „Das wäre einfacher, bürokratieärmer und gerechter“, so Körnig. „Wer weniger Netzkapazität beansprucht, sollte auch weniger zahlen. Genau solche Anreize brauchen wir für ein effizientes Stromsystem.“

Der BSW-Solar appelliert an Bundesnetzagentur und Bundesregierung, die geplanten Änderungen bei Netzentgelten, EEG und Netzanschlüssen nicht isoliert voneinander zu betrachten. Mehrere gleichzeitige Belastungen könnten Investitionen in neue Photovoltaik-Anlagen erheblich unattraktiver machen.

Die Stellungnahme des BSW-Solar zur Netzentgeltreform ist unter diesem Link zu finden.

Quelle: BSW-Solar | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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