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Heribert Ley von Sunovation zum Standort Deutschland

Foto: Sunovation

Heribert Ley ist Geschäftsführer der Sunovation Produktion GmbH, die sich auf den Nischenmarkt der gebäudeintegrierten Photovoltaik konzentriert und in Aschaffenburg Spezialmodule für diesen Anwendungsbereich fertigt. Der SolarServer hat gefragt, wie es aus Sicht von Sunovation um Deutschland als Produktionsstandort für Solarzellen und -module bestellt ist. In der kommenden Zeit präsentieren wir die Antworten von weiteren Unternehmen, die in Deutschland und Europa produzieren.  

Solarserver: Welche Chance räumen Sie der Solarindustrie, speziell den Produzenten von Solarzellen und -modulen, in Deutschland und Europa in den nächsten Jahren ein?

Heribert Ley: Derzeit ist die Marktmacht asiatischer Hersteller erdrückend. Im Bereich Zellen und Standard-Module sehen wir für Europa aufgrund des Kostendrucks keine Wettbewerbschance. Durch Innovation und Spezialisierung lassen sich allerdings Nischenmärkte besetzen. SUNOVATION verfolgt diese Strategie im Bereich der gebäudeintegrierten Photovoltaik und hat sich in den letzten 5 Jahren als deutscher Hersteller zum Marktführer in diesem Segment entwickelt.

Solarserver: Produzieren Sie selbst noch Solarzellen und/oder -module in Deutschland oder Europa? Was produzieren Sie hier? In welcher Menge?

Ley: Wir haben uns auf BIPV-Module (Building Integrated PhotoVoltaics) für die Verwendung in der Architektur spezialisiert und produzieren ausschließlich in Deutschland.  Im Bereich gebäudeintegrierter Photovoltaik ist es von Vorteil, individuelle, wandelbare Produkte anbieten zu können. Unsere Glas-Glas-Module SUNOVATION eFORM sind nicht nur multifunktional, sondern auch gestaltungstechnisch unglaublich vielfältig. Sie können (semi-) transparent, in Farbe oder mit individuellen Dekoren hergestellt werden. Form, Größe, Farbe, Flächenwirkung, Transparenzgrad und vieles mehr wird nach den Wünschen unserer Kunden umgesetzt. Da wir unsere Solargläser als Bauelemente betrachten, messen wir unsere Produktionskapazität nicht in MWp sondern in m².  In unserer Fabrik in Aschaffenburg  können wir derzeit ca. 50.000 m² individuell zugeschnittener Solarglas-Module herstellen.

Projekt von Sunovation (Foto: Sunovation)

Solarserver: Was stimmt Sie zuversichtlich, dass wir mit Ihrem Unternehmen auch in fünf Jahren noch Interviews führen können? Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in fünf Jahren?

Ley: In den letzten drei Jahren hat SUNOVATION unter anderem die beiden weltweit größten BIPV-Projekte realisiert. Dies und die Nachfrage renommierter Architekturbüros und Planer nach unseren Produkten zeigen uns, dass wir auf einem guten Weg sind. Die Projektpipeline, die wir bearbeiten, gibt uns eine außerordentlich positive Perspektive. Allerdings wollen wir uns nicht auf Referenzen ausruhen und arbeiten daher beständig an der Entwicklung neuer Produktlinien. Auch in Zukunft wollen wir unsere Kunden weltweit mit hochwertigen und zeitgemäßen Produkten überzeugen. Die weltweite Nachfrage nach gebäudeintegrierter Photovoltaik ist nach wie vor steigend.  

Solarserver: Worin sehen Sie für Ihr Unternehmen besondere Erfolgsfaktoren bzw. Marktoptionen?

Ley: Architekten und Bauherren können mit unseren Produkten sehr individuell planen, sie werden nicht durch standardisierte Produkte limitiert. Zur Herstellung wenden wir ein spezielles Produktionsverfahren an. Wir laminieren nicht, sondern verfüllen unsere Module mithilfe eines Silikon-Füllverfahrens (SCET). Dadurch ergeben sich neben einer ganzen Reihe an Produktvorteilen auch größere Design-Freiräume. Wir beraten unsere Kunden während des gesamten Projektprozesses - von der ersten Idee bis zur Montage und setzen alles daran die Kundenwünsche optimal umzusetzen. Durch diese Möglichkeit der Individualisierung gleicht kein Projekt dem Anderen.

Solarserver: Worin sehen Sie eventuell besondere Vorteile für eine Produktion in Europa bzw. in Deutschland?

Ley: Unsere Produkte sind sehr individuell. Es wird ausschließlich projektspezifisch gefertigt - von Kleinserien bis hin zu Großaufträgen. Aufgrund der sehr komplexen Anforderungen an Planung und Produktion ist für uns der Produktionsstandort in Deutschland ideal. Hier verfügen wir über eine ISO-zertifizierte Produktion mit modernsten Anlagen und ein hochspezialisiertes Team mit jahrelanger Erfahrung im Bereich BIPV. Hier können wir unsere Produkte „Made in Germany“ in der Qualität produzieren, die unseren hohen Ansprüchen entspricht und die wir unseren Kunden garantieren.

Gebäudehülle in Firmenfarben (Foto: Sunovation)

Solarserver: Welche Ihrer Produkte sind aus Ihrer Sicht von besonderer Bedeutung?

Ley: Mit unseren neuesten Produktlinien bieten wir Glas-Glas-Module für Fassaden und Überdachungen, denen man ihre stromerzeugenden Eigenschaften überhaupt nicht mehr ansieht. Sichtbar ist lediglich eine farbige Verglasung. Diese kann einfarbig oder in unzähligen Designs wie mit Mustern/Firmenlogos versehen, in Betonoptik, in Corteenstahl-Optik, etc. ausgeführt sein. Uns ist aktuell kein anderer Anbieter gebäudeintegrierter Photovoltaik-Module bekannt, der farbige Glas-Glas-Module mit annähernd hohen PV-Erträgen anbieten kann.

Solarserver: Vor allem Unternehmen in Asien haben enorme Produktionskapazitäten im Gigawattbereich aufgebaut. Wie können Sie hier gegenhalten?

Ley: Gegen Massenware aus Asien konkurrieren wir nicht. Unser Kerngeschäft ist die gebäudeintegrierte Photovoltaik, ein Nischenmarkt mit sehr beratungsintensiven Dienstleistungen und Produkten. Hier zählen insbesondere Individualität, Design und Qualität. 

Solarserver: Wie viele Beschäftigte arbeiten bei Ihnen. Werden Sie deren Zahl in nächster Zeit ausbauen können oder sogar müssen? Oder werden Sie deren Zahl reduzieren?

Ley: Generell arbeiten wir mit einer Kernmannschaft, die alle unternehmerischen Aufgaben kontinuierlich bewältigt. In der Produktion beschäftigen wir neben einem festen Mitarbeiterstamm auch sporadisch Zeitarbeiter, um Auftragsspitzen abzufangen. In Hochzeiten arbeiten bis zu 80 Mitarbeiter bei SUNOVATION. Aufgrund aktueller Großprojekte, deren Realisierung in 2019 und danach anstehen, wollen wir unsere feste Belegschaft schrittweise ausbauen. 

Solarserver: Ist Fachkräftemangel für Sie ein großes Problem?

Ley: Nein, wir haben ein Team hochqualifizierter und langjähriger Mitarbeiter, das über einzigartiges Know-How im Bereich Gebäudeintegrierter Photovoltaik verfügt und unsere Begeisterung für hochkarätige BIPV-Projekte teilt. Ein Innovationsteam und ein Produktionsteam, bestehend aus Ingenieuren, Technikern, Elektrikern und Experten aus dem konstruktiven Glas- und Metallbau, arbeiten bei uns an der Umsetzung individueller Kunden-Ideen. Schwierigkeiten gibt es dagegen immer wieder bei der Suche nach qualifizierten Produktionsmitarbeitern.

Solarserver: Wie halten Sie Ihre Mitarbeiter?

Ley: SUNOVATION fördert die Entwicklung von Mitarbeitern, die sich engagieren sowie Interesse und Verantwortung zeigen. Gute Mitarbeiter binden wir durch überdurchschnittliche Entlohnung, berufliche Förderung und vielfältige Sozialleistungen. Generell herrscht bei uns ein sehr gutes Arbeitsklima. Wir stellen fest, dass Mitarbeiter gerne bei SUNOVATION arbeiten.

Solarserver: Die Solarbranche ist weiterhin - wie fast jede andere Branche auch - von politischen Rahmenbedingungen abhängig. Welche politische Maßnahme auf deutscher oder europäischer Ebene könnte den hiesigen Produzenten besonders helfen? 

Ley: Wir plädieren nicht für staatliche Eingriffe in den Markt, jedoch muss die Politik für faire Rahmenbedingungen sorgen. Diese sehen wir z.B. bei Import-Produkten aus Asien nicht immer.
Grundsätzlich ist für uns als kleines Unternehmen Technologieförderung und Investitionsförderung interessant. Trotz vielfältiger Angebote, gerade im Bundesland Bayern, erscheint uns deren Realisierung allerdings immer noch sehr umständlich und bürokratisch. 

Das Interview führte Andreas Witt.

26.06.2018 | Interview: Andreas Witt (Solarthemen), Fotos: Sunovation Produktion GmbH | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

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