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Mehr Künstliche Intelligenz im Anlagen-Monitoring

Olaf Donner ist Geschäftsführer der skytron energy GmbH. Foto: Skytron

Nach der Fusion des Berliner PV-Monitoring-Spezialisten skytron energy mit AlsoEnergy, dem US-amerikanischen Anbieter von Erneuerbare-Energien-Software, treten die Unternehmen künftig unter der gemeinsamen Marke AlsoEnergy auf. Im Portfolio befinden sich mehr als 30 GWp an überwachter Leistung, nicht nur Photovoltaik. Skytron-Geschäftsführer Olaf Donner spricht im Solarserver-Interview über neueste Entwicklungen im Monitoring- Markt und die Perspektiven seines Unternehmens.

 

Welche wichtigen Zukunfts-Trends sehen Sie im Monitoring Markt?

Mittlerweile geht es vielen unserer Kunden um mehr als ein reines Solaranlagenmonitoring. Sie möchten verschiedene Anlagentypen wie Solar und Biogas kombinieren und überwachen, nutzen Speicher oder ein Minigrid. Und sie wollen dann natürlich nicht die Kennzahlen für jede einzelne Anlage oder Komponente einzeln prüfen. Außerdem sitzen häufig keine ausgemachten Monitoring-Experten an den Bildschirmen. Deswegen gibt es einen großen Trend zu mehr Autonomisierung und Intelligenz von Monitoring-Systemen. Das Monitoring bekommt zunehmend die Aufgabe, große Datenmengen zu aggregieren, zu analysieren and danach zu agieren. Die Betreiber müssen den Fehler oft nicht mehr vor Ort bestimmen und können sich so auf komplexere Aufgaben konzentrieren. Big Data und Machine Learning sind hier die Stichworte.

Welcher Monitoring-Aufwand ist unter Kosten/Nutzen-Aspekten für Kraftwerksbetreiber überhaupt sinnvoll? 

Unabhängig von der Anlagengröße sollte jeder Betreiber sorgfältig abwägen, welche Daten er wirklich braucht, um die Minimalanforderung an das Monitoring festzulegen. Auf dieser Grundlage kann man anschließend prüfen, wie unterschiedliche Systeme diese Daten in ihrem Dashboard darstellen und sich die passende Lösung aussuchen. 

Auf der anderen Seite können moderne Systeme sehr viel mehr als nur die Leistung von Modulen und Wechselrichtern überwachen. Unser System ist zum Beispiel in der Lage, automatische Verschmutzungsanalysen durchzuführen oder feststellen, ob die Module degradieren. Dabei überwacht die Software Datenreihen von Modulen und Wechselrichtern. Der Betreiber kann erkennen, ob eine Reinigung ausreicht oder ob er zum Telefon greifen und die Module reklamieren muss, weil ihre Degradation höher ausfällt als vom Hersteller angegeben. Das rechnet sich natürlich vor allem bei großen Anlagen.

Wie unterscheiden sich denn die Anforderungen der Betreiber an das Monitoring je nach Anlagengröße?

Entscheidend ist zunächst, ob ich nur eine einzelne Anlage betreibe oder mehrere. Als Einzelbetreiber will ich vor allem die Effektivität meiner Anlage überprüfen und den gesetzlichen Anforderungen genügen. Bei Kombianlagen sind die Anforderungen höher. Zum Beispiel muss man die einzelnen Energieerzeuger aufeinander abstimmen können, insbesondere wenn die Energie verkauft wird und bestimmte Gesamtleistungen zu einer gegebenen Zeit erzielt werden sollen. Noch anspruchsvoller wird es, wenn sich die Anlagen in unterschiedlichen Regionen oder gar Märkten befinden, die unterschiedliche Anforderungen an die Netzstabilität haben. Da kommt dann das Grid Code Modelling ins Spiel, bei dem die Monitoring- und Überwachungslösung automatisch dafür sorgt, dass die Anforderungen der zuständigen EVU eingehalten werden. Übrigens haben wir allein in Bayern rund fünf unterschiedliche Grid Codes.

skytron energy ist ja jüngst mit AlsoEnergy fusioniert – was bedeutet der Zusammenschluss für Ihre Kunden?

Auf der technischen Seite entsteht durch den Zusammenschluss eine bisher nicht vorhandene Größenordnung an Daten aus allen Zeit- und Regionalzonen: Gemeinsam überwachen wir eine Gesamtleistung von 30 Gigawatt erneuerbarer Anlagenleistung. Die Daten dieser Anlagen können wir für die Analyse von Zusammenhängen und die Entwicklung von Modellen verwenden. Wie wirken sich unterschiedliche Temperaturen aus? Welche Rolle spielen Höhenlagen? Wie verhält sich Wechselrichter A in verschiedenen Klimazonen? Welcher Wartungsaufwand geht mit einem Portfolio einher? Das führt zu entsprechenden Modellen für die predictive und die prescriptive Maintenance, bei denen es darum geht, Wartungsintervalle zu optimieren.

Zusätzlich können wir jetzt einen weltweiten Service in allen lokalen Zeitzonen bieten. Unsere Kunden müssen also keine Rücksicht auf Zeitverschiebungen nehmen, sondern können uns wie gewohnt zu ihren gewohnten Arbeitszeiten erreichen. Das wird natürlich durch einen rund-um-die-Uhr-Service für Notfälle ergänzt.

Werden Sie Ihre Soft- und Hardwarelösungen zusammenführen?

Ja, das ist geplant. Darin liegt der große Vorteil für unsere Kunden. Alle Funktionalitäten lassen sich demnächst über eine Plattform abrufen, wir arbeiten gerade daran, das zu harmonisieren.

Können denn Anlagenbetreiber in den USA und in Europa voneinander lernen?

Ja, wir sehen das in der täglichen Arbeit. Die Herangehensweisen an Projekte sind sehr unterschiedlich. Bei uns ist alles vorkonfiguriert, die Lösung ist im Wesentlichen vorbereitet und muss nur noch im Detail angepasst werden. Bei AlsoEnergy in den USA agiert man bisher mehr auf Projektbasis, dafür ist das Konfigurationssystem sehr einfach. Das funktioniert gerade bei kleineren Anlagen sehr gut: der Installateur kann das Monitoring selbst einrichten, das spart Kosten. Bei großen Anlagen ist das Prozedere deutlich komplexer, dort hat skytron seine Stärken. Derzeit arbeiten wir gemeinsam an Projekten in Vietnam, dort testen wir verschiedene Lösungen und entwickeln Trainingseinheiten.

Wie viel Wettbewerb braucht, wieviel Konzentration im Monitoring-Bereich verträgt der Markt?

Der Wettbewerb im Monitoring-Markt ist schon immer dynamisch gewesen und bietet neuen Playern weiter viel Raum. Aktuell passiert zum Beispiel einiges beim Monitoring für Einsteiger aber auch in Bereich der Analyse-Intelligenz. Das geht dann bis zu neuronalen Netzwerken, die automatisierte Auswertungen liefern. Auf der anderen Seite bietet ein großer Anbieter, wie er durch unseren Zusammenschluss entsteht, viele Vorteile, die gerade für Investoren und größere Betreiber wichtig sind. Über die umfangreiche Datenbasis und den weltweiten Service haben wir ja bereits gesprochen, dazu kommt die Fähigkeit, die jeweils passende Technik für jeden Bedarf liefern zu können. 

27.5.2019 | Quelle: skytron energy | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

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