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Haitis Präsident zeigt sich beeindruckt von Solaranlage der Biohaus-Stiftung

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Präsident Moise (2.v.re) mit jungen haitianischen Solartechnikern. Foto: Biohaus-Stiftung

Großer Auflauf in Tabarre, wo die Paderborner Biohaus-Stiftung die derzeit größte und modernste Solaranlage Haitis betreibt: Der Staatspräsident Jouvenel Moise höchstpersönlich besichtigte mit großem Gefolge das Projekt.

Denn das kleine und bettelarme Haiti, nicht erst seit dem verheerenden Erdbeben 2010 ohne flächendeckende Stromversorgung, sucht dringend Lösungen aus der Energie-Misere. Genau dazu hatte Willi Ernst, Gründer und Vorstand der Biohaus-Stiftung, bei seiner letzten Haitireise im Februar Vorschläge gemacht. Nicht nur der ehemalige Energieminister René Jean-Jumeau, heute Direktor des haitianischen Instituts für Erneuerbare Energien, auch Evenson Calixte, Leiter der neuen staatlichen Regulierungsbehörde für Erneuerbare Energien, nahmen begierig die Anregungen des Solarpioniers auf und gaben sie an den Präsidenten weiter. „Denn der macht Druck auf eine schnelle Entwicklung der Solarenergie in Haiti“, berichtete Evenson Calixte, „und die Weltbank hat 14 Mio. Dollar in Aussicht gestellt für eine schnelle Einführung dieser umweltschonenden Technologie.“

Jouvenel Moise, seit gut einem Jahr Präsident Haitis und als Bananenfarmer schnelle Entscheidungen gewöhnt, nahm kurzentschlossen die Einladung Willi Ernsts an und besuchte die PV-Anlage, die seit 2013 der internationalen Kinderhilfsorganisation nph am Standort Tabarre nahe der Hauptstadt Port-au-Prince viel Geld und Umweltverschmutzung erspart. „Unser unter Fachleuten Mini-Grid genanntes Konzept mit Lithium-Ionen-Batteriecontainer, Dieselgeneratoren und derzeit 473 kW Solarmodulen versorgt 2 Krankenhäuser, einen Handwerksstandort und einige Schulen und Waisenhäuser zuverlässig mit Solarstrom“, berichtet Ernst.

Stolz kann die Biohaus-Stiftung nicht nur auf den dafür 2016 erhaltenen Europäischen Solarpreis sein, sondern auch auf die Vorbildfunktion, die diese Anlage jetzt für das Land hat. „Das SolarSmartGridTabarre soll die Blaupause für viele Minigrids im Land sein“, zeigte Präsident Moise sich beeindruckt und begrüßte gleichzeitig die Initiative der Biohaus-Stiftung. Diese hat neben der Anlage seit Jahren auch die Ausbildung von Solartechnikern organisiert, und Andreas Kettenacker, der seit dem 1. März 2 Jahre an der nph-Berufsschule unterrichten wird, nutzte gleich die Gelegenheit, sich Moise vorzustellen. „Prima, daß Sie Ihr Wissen an uns weitergeben“, lobte Moise, „aber bitte legen Sie auch einen Schwerpunkt auf die Integration der Solar-Absolventen in den gerade entstehenden Arbeitsmarkt.“ Er freute sich besonders, daß die größten Teile der Anlage von den ersten von Biohaus-Solarlehrern ausgebildeten jungen Haitianern gebaut worden ist und heute technisch betreut wird. „Dieses Anlagenkonzept brauchen wir in vielen Gegenden und Städten Haitis“, zeigt er sich überzeugt, „und dazu brauchen wir einheimische Solartechniker, um endlich aus der Abhängigkeit vom Ausland weg zu kommen.“

Willi Ernst hat bei seinem Haiti-Aufenthalt nicht nur den Präsidentenbesuch eingefädelt, sondern auch den lange Zeit in Paderborn bewunderten besprayten Container „Graffiti für Haiti“ ausgeladen und seinen Nutzern übergeben. Dies ist neben der haitianischen Selbsthilfeorganisation HPE Haiti Projet Education in der Kleinstadt Aquin auch deren Bürgermeisterei, die Büroausstattung und eine Solaranlege erhielt, den 150.000 Einwohnern Aquins endlich effektiv dienen zu können. Dazu übergab er einen Brief des Paderborner Bürgermeisters Michael Dreier an seinen Amtskollegen Sauvilorme Mathurin, um eine Freundschaft zwischen Bürgern und Politik beider Städte anzubahnen. Mathurin bedankte sich mit einer Einladung an Dreier, um die „schöne Stadt Aquin“ und die positiven Folgen der Unterstützung durch die Biohaus-Stiftung mit Spenden Paderborner Bürger kennen zu lernen.  Ernst organisierte auch gleich tatkräftig den Aufbau der im Container befindlichen Solaranlagen in der Bürgermeisterei und der Cassaverie, einem Projekt HPE’s. Hier wird von den Frauen der Umgebung das Maniok-Brot Cassave gebacken, und zum ersten Mal in der Geschichte Haitis und etlicher anderer Entwicklungsländer wird dazu der Maniok von einer solarstromgetriebenen Motor-Reibe verarbeitet. Dies geschieht nämlich bisher in mühsamster Handarbeit oder mithilfe eines Benzinmotors. „Mit Solarstrom eröffnen wir ein ganz neues Kapitel angepasster Landwirtschaftstechnik“, freut sich neben Ernst auch die belgische Organisation Codeart, die dies zusammen mit der Biohaus-Stiftung entwickelt hat.

Außer den Solaranlegen enthielt der Container 8 gespendete Nähmaschinen, Musikinstrumente, Landwirtschaftswerkzeug und 150 Kleinsolaranlagen, sogenannten SolarHomeSystemen. Diese bestehen aus einem Modul und Laderegler, der zusammen mit einer Batterie die Stromversorgung einer Familie in den Bergen um Aquin darstellen kann, so Ernst. Die haitianische Organisation HPE, die diese Anlagen für einen symbolischen Preis an die Bevölkerung abgeben wird, nennt sie „Systeme Solaire Populaire“, Volkssolaranlegen und wird für die ärmsten Familien Kleinkredite zum Erwerb der Anlagen auflegen. Die Gründerin HPE’s, Claudette Coulanges war unlängst in Paderborn zu Besuch, um ihren Film über die Verteilung der aus Paderborner gespendeten Bohnen nach dem Hurrikan Matthew Ende 2016 vorzustellen. „So, wie die Leute einen Teil der Ernte zurück gebracht haben, um im Schneeballsystem mehr Familien zu begünstigen, so werden auch die Solaranlegen zur Verbreitung von Bildung und Erziehung gerade im ländlichen Raum führen“, zeigte sie sich überzeugt. Und das dürfte wiederum ganz im Sinne von Staatspräsident Moise sein, denn ländliche Elektrifizierung ist Teil seiner Solarkampagne neben solchen SmartGrids wie in Tabarre.

 

14.03.2018 | Quelle: Biohaus-Stiftung | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

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