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Fraunhofer: Energiewende ins Stocken geraten

Der Zubau bei der Photovoltaik lag in 2018 bei 2,3 GW. Um die in Paris vereinbarten Klimaziele erreichen zu können, muss nach den Szenario-Modellierungen des Fraunhofer IEE die Rate bis 2030 auf rund 8,5 GW pro Jahr anwachsen. Grafik: Fraunhofer IEE

Wo steht die Energiewende in Deutschland und wie lässt sie sich erfolgreich fortsetzen? Dazu hat das Fraunhofer IEE das »Barometer der Energiewende 2019« veröffentlicht. Eine Kernforderung: Die erneuerbaren Energien müssen drastisch ausgebaut werden. Denn derzeit sei der Zubau viel zu gering.

»Die deutsche Energiewende ist – physikalisch gesprochen – an einer Phasengrenze angekommen und so, wie bei einem Phasenübergang der weitere Temperaturanstieg ins Stocken gerät, ist bei der Energiewende die weitere Ersetzung fossiler Energiequellen ins Stocken geraten. Die gegenwärtigen Installationsraten für die erneuerbaren Energiequellen werden absehbar nicht mehr den Verlust von Erzeugungsleistung durch die altersbedingt ausscheidenden Wind- und Solaranlagen überschreiten«, stellt Clemens Hoffmann, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE in Kassel, fest. Damit bewertet er die Ergebnisse des »Barometer der Energiewende 2019«, mit dem das Fraunhofer IEE jährlich den Stand der deutschen Energiewende bewertet.

»Der Zubau in der Windenergie lag 2018 bei 3,82 GW Leistung für Onshore und Offshore zusammen (Brutto-Zubau, also Neu- und Ersatzinstallationen). Um die in Paris vereinbarten Klimaziele einer 95-prozentigen Minderung von Treibhausgasen noch erreichen zu können, müssen wir nach unseren Szenario-Modellierungen diese Rate bis 2030 auf rund 11 GW pro Jahr, also etwa das Dreifache, steigern. Damit räumt Hoffmann der Windenergie eine größere Bedeutung zu als der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE), der einen Ausbau von 5,7 GW pro Jahr für ausreichend hält.

Bei der Photovoltaik lag der Zubau in 2018 bei 2,3 GW. Hier muss der notwendige Zielzubau bis 2030 auf rund 8,5 GW pro Jahr, also etwa das 3,5 fache, wachsen«, bilanziert Hoffmann. Damit bleibt der Fraunhofer-Forscher etwas unter der Forderung des BEE, der 10 GW Zubau pro Jahr für erforderlich hält. »Das deutsche Energiesystem verbrauchte 2010 über 4.000 TWh fast ausschließlich fossile Primärenergie, davon wurden 2.900 TWh importiert. Der zukünftige Hauptprimärenergieträger wird Strom aus Wind und Sonne sein. Und die direkte Stromnutzung bringt hohe Effizienzgewinne. Darauf muss die Energiewende ausgerichtet werden«, umreißt Hoffmann die Zielsetzung.

Da die Kosten für Photovoltaik und Windenergie in der ersten Phase der Energiewende drastisch gesunken sind, gehen die Experten davon aus, dass die Gestehungskosten mittlerweile konkurrenzfähig sind. Neben der fortlaufenden Technologieentwicklung sei nun der nächste große Schritt, die weiteren Sektoren einzubeziehen: So müsste Strom aus erneuerbaren Quellen auch die Wärmeversorgung und den Verkehr bedienen, wofür für Photovoltaik und Windenergie drastisch ausgebaut werden müssen.

10.5.2019 | Quelle: Fraunhofer | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

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