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Solare Energiepotenziale in der Metropole Ruhr

Foto: cardephotography / stock.adobe.com

Die Innovation City Management GmbH (ICM) hat im Rahmen des Klimaschutzprojektes „InnovationCity roll out“ in den vergangenen drei Jahren auch ermittelt, welche Potenziale in Ruhrgebiet und für den Klimaschutz vorhanden sind. So könnte die Solarenergie auch im Ballungsraum einen großen Teil des Strombedarfs abdecken.

Von 2016 bis 2019 wurden 20 Quartiere in 17 Städten der Metropole Ruhr untersucht. Auf über 5.000 Seiten führt die ICM in den 20 integrierten energetischen Quartierskonzepten aus, wie sich sowohl industriell als auch ländlich geprägte Quartiere in energieeffiziente Quartiere wandeln können. „Von der Kohle zu erneuerbaren Energien: Klimaschutz ist machbar, wenn er von unten organisiert und vom Quartier aus gedacht wird“, erklärt Burkhard Drescher, Geschäftsführer der ICM mit Sitz in der Klima-Modellstadt Bottrop. Die Erkenntnisse aus dem Projekt zeigten, dass man eine Klimawende in Deutschland anstoßen könne. Drescher: „Das ist kein Zauberwerk. Denn Klimaschutz hat nichts mit Enthaltsamkeit und Entbehrung zu tun. Klimaschutz schafft mehr Lebensqualität und Arbeitsplätze. Die Metropole Ruhr, die in Zeiten des Wiederaufbaus schon einmal die Energiezentrale des Landes gewesen ist, muss jetzt Vorreiter für machbaren Klimaschutz werden.“

So kommt das Projekt „InnovationCity roll out“ zu dem Ergebnis, dass die Quartiere ihren Strombedarf mit der Erzeugung und Nutzung von Sonnenenergie  untereinander komplett abdecken und die gleiche Strommenge sogar noch abgeben könnten. Derzeit produzieren die Photovoltaik-Anlagen im gesamten Untersuchungsgebiet 13.500 Megawattstunden pro Jahr (MWh/a). Das theoretische Potenzial liegt mit mehr als 1,12 Mio. MWh/a laut ICM weit darüber. Um diese 1,12 Mio. MWh/a mit fossilen Energien zu gewinnen, müssten nach ICM-Berechnungen zum Beispiel 474.000 Tonnen Braunkohle verstromt werden. Das entspricht einer Ladung von 24.000 Sattelzügen, die aneinandergereiht einen 336 Kilometer langen Stau von Bottrop bis nach Heidelberg produzieren würden.

Durch energetische Modernisierungsmaßnahmen, wie den Austausch von Fenstern oder die Dämmung der obersten Geschossdecke, ließen sich im Bereich Wärme bei Wohnhäusern theoretisch über 575.000 MWh/a einsparen. Der Energiebedarf könnte demnach um 45 Prozent reduziert werden. Bereits durch den Austausch von alten Elektrogeräten und eine Verhaltensänderung der Bewohner ist es nacu Aussage von ICM möglich, fast 17.000 MWh/a einzusparen. Mit dieser Strommenge könnten jährlich mehr als 123.000 A++ Kühlschränke betrieben werden. Ausgehend von den durchschnittlichen Stromkosten könnten die privaten Haushalte damit auch rund 5 Mio. Euro sparen. Bei Umsetzung aller in den Konzepten vorgeschlagenen Maßnahmen können konservativ berechnet über einen Zeitraum von fünf Jahren über 300.000 Tonnen CO₂ eingespart werden. Ein 300 km² großer Wald könnte diese Menge an Kohlenstoffdioxid innerhalb eines Jahres aufnehmen. 

Präsentiert wurden die Zahlen und Fakten am 1. Juli bei einer Abschlussveranstaltung in Herne, an der Bundesumweltministerin Svenja Schulze, NRW-Europaminister Stephan Holthoff-Pförtner sowie zahlreiche Repräsentanten aus Kommunen, Energie- und Wohnungswirtschaft teilnahmen.

Svenja Schulze erklärte in Herne: „Die Urbanisierung ist weltweit ein Trend. Wo jedoch die meisten Menschen leben, entstehen auch die meisten Treibhausgase. Deshalb muss Klimaschutz hier ansetzen. Das ist auch die Idee von InnovationCity. Eine sehr gute Idee und ein höchst erfolgreiches Projekt. Klimaschutz schaffen wir nur gemeinsam, durch Kooperation auf allen Ebenen. Initiativen aus der Wirtschaft wie InnovationCity sind dafür vorbildlich. Ich wünsche mir, dass das Konzept der aufsuchenden Energieberatung bundesweit Schule macht.“

Holthoff-Pförtner, Minister sagtet: „Das Ruhrgebiet hat das Zeug zur nachhaltigen Zukunftsregion mit hoher Lebensqualität, kurzen Wegen und effizienter Ressourcennutzung. Die Ruhr-Konferenz will dafür den entscheidenden Impuls geben.“

„Unsere Auswertungen belegen, dass wir vor allem die Potenziale in den Bestandsgebäuden heben und eine Antwort auf die viel zu hohen Energieverbräuche bei Wärme und Strom finden müssen“, sagt Burkhard Drescher. Er fordert dazu auf, den Fokus auf eine vernünftige energetische Modernisierung von Gebäuden zu legen und auf diese Weise eine Verbesserung der Klimabilanz zu schaffen. „Deutschland ist gebaut und fast 40 Prozent der CO₂-Emissionen stammen aus Gebäuden. Wir zeigen in unseren Konzepten, dass sich Klimaschutz für den Einzelnen rechnet. Es müssen nicht immer die teuren Investitionen sein. Gerade niederschwellige, kleinere Maßnahmen, die sich in wenigen Jahren auszahlen, können erheblich zur Energiewende beitragen.“ Hier müsse die deutsche Energiepolitik Anreize setzen und privates Investment unterstützen.

3.7.2019 | Quelle: ICM| solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

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