Neue Studie: Französischer Kapazitätsmarkt senkt Preisniveau an deutscher Strombörse

Während in Deutschland die Debatte um das Für und Wider eines Kapazitätsmarktes ihrem Höhepunkt entgegenstrebt, hat sich Frankreich bereits dafür entschieden. Von 2016 an müssen sich Stromvertriebe hier mit Versorgungssicherheits-Zertifikaten eindecken, die unter anderem von Kraftwerksbetreibern ausgestellt werden.

Das könnte auch Auswirkungen auf deutsche Stromkunden haben, da die Stromsysteme beider Länder miteinander verwoben sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie im Auftrag von Agora Energiewende.

 

Vorteile für Verbraucher in Deutschland

Demnach hat der Kapazitätsmarkt in Frankreich für Verbraucher in Deutschland tendenziell Vorteile, weil er bei sehr hoher Stromnachfrage in beiden Ländern die Ausschläge der Strompreise nach oben begrenzt. Die mit der Ausstellung von Leistungszertifikaten verbundenen Zahlungen stammen jedoch ausschließlich von französischen Stromverbrauchern, deren Stromrechnung hierdurch steigen werde. Verlierer seien deutsche Kraftwerksbetreiber, die in geringerem Ausmaß von den Spitzenpreisen profitieren könnten.

„Deutsche Stromverbraucher haben mit ihren Zahlungen für Strom aus erneuerbaren Energien die Großhandelspreise über den so genannten Merit-Order-Effekt in Deutschland – und vermittelt über den Stromhandel auch in Frankreich – deutlich gesenkt. Der französische Kapazitätsmarkt führt jetzt dazu, dass die französischen Stromkunden die Spitzenpreise in Knappheitssituationen an der deutsch-französischen Strombörse herunterkaufen. Diese Effekte sind zwar nicht riesig, weil zwischen Deutschland und Frankreich nur Leitungen in einer Größenordnung von drei Gigawatt existieren, zeigen aber einmal mehr, wie wichtig auf lange Sicht eine europäische Energiepolitik aus einem Guss ist“, sagt Dr. Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende.

 

Französisches Modell rigider als deutsches

Die Studie vergleicht außerdem den französischen Kapazitätsmarkt mit dem von BDEW und VKU vorgeschlagenen dezentralen Leistungsmarkt. Sowohl bei dem in Frankreich eingeführten Kapazitätsmarkt-Modell als auch im Vorschlag für einen dezentralen Leistungsmarkt in Deutschland stellen Kraftwerke und regelbare Stromverbraucher handelbare Kapazitätszertifikate aus, mit denen sich die Stromvertriebe eindecken müssen, um ihre Lieferfähigkeit gegenüber den Stromverbrauchern nachzuweisen.

Trotz dieser Ähnlichkeit unterscheiden sich die beiden Modelle bei genauerem Hinsehen, so ein weiteres Ergebnis der Studie. Das gelte insbesondere für Regulierungsfragen: Im französischen Kapazitätsmarkt spielt der Übertragungsnetzbetreiber RTE eine zentrale Rolle, weil er überprüft, ob sich die Stromvertriebe tatsächlich mit genügend Zertifikaten über gesicherte Leistung eingedeckt haben. Eine vergleichbare Kontrollinstanz fehlt beim deutschen Modellvorschlag.

„Das französische Modell ist weitaus rigider, wenn es darum geht, die Verfügbarkeit von Leistung zu Zeiten mit Knappheit nicht nur anzureizen, sondern auch durchzusetzen. Wollte man den dezentralen Leistungsmarkt in Deutschland umsetzen, müsste man sicherlich ähnlich wie in Frankreich stärkere Überwachung und Kontrollen einführen als bisher diskutiert“, betont Graichen.

Die Studie steht auf der Internetseite www.agora-energiewende.de zum Download bereit.

 

27.03.2015 | Quelle: Agora Energiewende;  | solarserver.de © Heindl Server GmbH

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