Solar Cluster Baden-Württemberg: Land darf bei der Photovoltaik den Anschluss nicht verpassen

Dr. Carsten Tschamber: „Die Photovoltaik ist eine Technologie, die zum industriellen Kern Baden-Württembergs und Deutschlands gehört.“
Dr. Carsten Tschamber: „Die Photovoltaik ist eine Technologie, die zum industriellen Kern Baden-Württembergs und Deutschlands gehört.“

Die baden-württembergische Solar-Branche sei derzeit noch gut aufgestellt, berichtet das Solar Cluster Baden-Württemberg. Um Arbeitsplätze und Wertschöpfung zu erhalten und auszubauen, müsse der politische Rahmen jedoch vernünftig weiterentwickelt werden und dürfe nicht länger dazu dienen, die klimafreundliche Technologie zu behindern.

Das ist das Fazit eines aktuellen Thesenpapiers des Solar Clusters Baden-Württemberg. Geschähe in den nächsten Jahren nichts dergleichen, drohe der Anschluss an die weltweite Entwicklung verloren zu gehen, warnt die Branchenvereinigung.

Um der Gefahr entgegenzuwirken, müssten unter anderem das Ausschreibungs-Verfahren auf Bundesebene reformiert und die Flächennutzungs-Verordnung im Land flexibler gestaltet werden.

 

Dr. Carsten Tschamber: regionale Wertschöpfung erhalten und ausbauen

Die baden-württembergische Solar-Branche bietet Produkte und Dienstleistungen aus allen Bereichen der solaren Wertschöpfungskette an. Rund 1.000 Unternehmen mit insgesamt 10.000 Beschäftigten arbeiten in der Sparte. „Diese regionale Wertschöpfung muss erhalten und ausgebaut werden“, fordert Dr. Carsten Tschamber vom Solar Cluster Baden-Württemberg. „Fehlen einzelne Elemente der Wertschöpfungskette, so kann sich dies negativ auf die gesamte Branche auswirken und zu einem Verlust von Arbeitsplätzen führen.“ So seien beispielsweise zahlreiche Forschungsinstitute auf den Maschinenbau als Partner in Förderprojekten angewiesen. Und Neuentwicklungen der Hersteller benötigten immer wieder Know-how aus der Forschung und von Zulieferern.

Angesichts der restriktiven Rahmenbedingungen in Deutschland und des schwächelnden Heimatmarktes stehe die globale Wettbewerbsfähigkeit jedoch auf der Kippe, so der Solar Cluster Baden-Württemberg. Die deutschen Unternehmen bräuchten einen starken Markt in Europa als Basis: Sie müssten zeigen können, dass ihre Produkte und Dienstleistungen unter den heimischen Bedingungen wettbewerbsfähig sind. Ein Markt, der aufgrund politischer Entscheidungen trotz drastisch sinkender Solarstrom-Gestehungskosten bestenfalls stagniere, sei kontraproduktiv für die internationale Wahrnehmung deutscher Unternehmen.


Idee: mehr Photovoltaik auf Landesliegenschaften oder öffentlichen Parkplätzen

Was sich in den nächsten fünf Jahren ändern muss, damit baden-württembergische Solarunternehmen international den Anschluss nicht verlieren, haben die Autoren des Solar Clusters detailliert aufgeschrieben. Dazu gehören Maßnahmen des Landes zur Ankurbelung der Nachfrage wie die Erstellung eines Leitfadens für Städte und Gemeinden zu Freiflächenanlagen, um der Verunsicherung unter den Kommunen zu begegnen. Auch müsse die öffentliche Hand stärker Vorbild sein und mehr Photovoltaik auf Landesliegenschaften oder öffentlichen Parkplätzen installieren.

Eine Änderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen sollte allerhöchste Priorität genießen. Die Flächennutzungsverordnung des Landes etwa müsse flexibler gestaltet werden, auch Neubaugebiete müssten künftig so ausgewiesen sein, dass die Dachneigungen die Installation von Photovoltaik-Anlagen problemlos ermöglichen.

 

Autoren sehen größten Reformbedarf in der Bundespolitik

Den größten Reformbedarf sehen die Autoren jedoch in der Bundespolitik: Die Freiflächen-Ausschreibungsverordnung für Solarparks beispielsweise müsse deutlich mehr als durchschnittlich 400 Megawatt pro Jahr umfassen, die Hürden zur Teilnahme an einer Ausschreibung senken und die zur Verfügung stehenden Freiflächen um landwirtschaftlich genutzte Flächen ausweiten. Nur so könne die Energiewende vorangetrieben werden. Auch die Reform des EEG ab 2016 müsse die Hürden beseitigen, die einem weiteren dynamischen Ausbau der Photovoltaik entgegenstehen. Zu diesen Hürden gehörten unter anderem die finanzielle Belastung des Eigenverbrauchs und der zu enge Ausbaukorridor.

„Die Photovoltaik ist eine Technologie, die zum industriellen Kern Baden-Württembergs und Deutschlands gehört“, so Tschamber. „Ziel jeglicher Reform sollte sein, diese Klima schonende, kostengünstige und umsatzträchtige Zukunftstechnologie nach Kräften zu fördern.“

Das „Thesenpapier zur Solarenergie in Baden-Württemberg 2020“ wurde am 2. November 2015 auf dem Solarbranchentag Baden-Württemberg erstmals vorgestellt.

Zur Onlineversion: www.solarcluster-bw.de

 

02.11.2015 | Quelle: Solar Cluster Baden-Württemberg e.V. | solarserver.de © Heindl Server GmbH

Eine Auswahl der wichtigsten Solar-Nachrichten finden Sie unter
http://www.solarserver.de/solar-magazin/nachrichten/top-solar-news.html