Forum Solarpraxis: Erfolgreiche Energieversorger der Zukunft sind Poolmanager; Energiespeicher spielen eine wichtige Rolle

Trends und Geschäftsmodelle in der Energiewirtschaft. Speicher und Digitalisierung (gelb) zählen zu den Top-Trends
Trends und Geschäftsmodelle in der Energiewirtschaft. Speicher und Digitalisierung (gelb) zählen zu den Top-Trends

Anlässlich der Fachkonferenz „16. Forum Solarpraxis – Wege in die neue Energiewelt“, die am 26./27.11.2015 in Berlin stattfindet, veröffentlichen Marktforscher des „Büro F - New Energy Markets“ eine neue Studie zu Erfolgsmodellen für Energieunternehmen.

Zentrales Ergebnis: Erfolgreiche Energieversorger vereinen künftig verschiedene Rollen unter einem Dach und werden zu Poolmanagern. Sie erzeugen ihre Energie dezentral, vermarkten erneuerbaren Strom, finanzieren neue Energieanlagen und steuern flexible Energieverbraucher.

 

Speicher-Technologien eröffnen neue Geschäftsbereiche für EVUs

Diese Geschäftsmodelle knüpfen einerseits an die gewohnten Aufgaben von EVUs an. Andererseits können die Unternehmen durch digitale Lösungen und Speicher-Technologien weitere Geschäftsbereiche für sich erschließen und bekannte neu kombinieren.

Für die Studie wurden 42 Manager von Forschungsinstituten, Energietechnik-Herstellern, Energieversorgern, staatlichen Institutionen, Beratungs-Unternehmen und Verbänden befragt. Die Vermarktung von Strom aus erneuerbaren Energien wurde von 47 Prozent der Befragten als eines der interessantesten neuen Geschäftsmodelle genannt, das Lastmanagement von 44 Prozent und Finanzierungslösungen von 28 Prozent. Dabei wurden die Antwortmöglichkeiten nicht vorgegeben, und es waren Mehrfachnennungen möglich.

 

Neue Potenziale liegen in der besseren Koordinierung von Erzeugung und Verbrauch

„Die erneuerbare Energieproduktion war das Energie-Eldorado der vergangenen Jahre. Die neuen Potenziale liegen in der besseren Koordinierung von Erzeugung und Verbrauch. Die technischen Lösungen stehen aus Sicht der Befragten längst bereit. Diese Meinung teilen die Vertreter der erneuerbaren Energiewirtschaft, genauso wie Manager aus klassischen EVUs“, sagt Stephan Franz, Gründer des Büro F und Autor der Studie.

Die wichtigsten technischen Lösungen, die sich in den kommenden fünf Jahren endgültig durchsetzen werden, liegen nach Meinung von 97 Prozent der Experten im Bereich der Speicher und laut 87 Prozent in der Digitalisierung. Erst diese Technologien ermöglichten es den Energieversorgern, ihrer neuen Rolle als Poolmanager gerecht zu werden. Ihre Aufgabengebiete bewegen sich dabei zwischen der Aggregation der Stromerzeugung und des Stromverbrauchs sowie der Vermarktung von Energie.

 

Dezentrale Home- und Großspeicher werden in virtuellen Kraftwerken gebündelt

Bei der Aggregation kombiniert der Poolmanager die Energieerzeugung aus verschiedenen Quellen mit dezentralen Home- und Großspeichern in virtuellen Kraftwerken. Parallel bündelt und steuert er flexible Verbraucher vor allem in Gewerbe und Industrie.

Im Rahmen der Vermarktung verkauft der Poolmanager den aggregierten Strom über Abnahmeverträge und über Börsen. Zusätzlich kann er die gebündelten Kapazitäten dezentraler Energieerzeuger und Speicher an den Märkten für Regelleistung vermarkten.

Im Bereich der Finanzierung ergeben sich in Kooperation mit Partnern neue Angebote für Investoren und Prosumer, so etwa durch das Pooling von Kapital über Schwarmfinanzierungen oder Genossenschaften. Als Prosumer werden Energieverbraucher bezeichnet, die selbst Energie erzeugen.

 

Weiteres Geschäftsfeld: Verkauf von Anlagen

Ein weiteres Geschäftsfeld ist der Verkauf von Anlagen an Prosumer, z.B. in kompletten Produkt- und Dienstleistungspaketen, welche die Finanzierung und die Vermarktung überschüssigen Stroms beinhalten. Direktstrom-Produkte wie Regionalstrom oder Mieterstrom benötigten allerdings geeignete politische Rahmenbedingungen, um sich durchzusetzen, betont Solarpraxis. Hier liege ein großes Defizit.

„Neue Modelle, bei denen Bürger und Unternehmen Grünstrom direkt vom Erzeuger kaufen können, fördern nicht nur Investitionen, sondern fördern auch Akzeptanz der Energiewende. Die jüngste Ablehnung des Grünstrommarktmodells durch das Bundeswirtschaftsministerium zeigt jedoch erneut, dass die Bundesregierung dieses enorme Potenzial unterschätzt. Es ist höchste Zeit für notwendige politische Weichenstellungen, damit die Stromverbraucher nicht länger von den Vorteilen der Energiewende abgekoppelt bleiben“, sagt Karl-Heinz Remmers, Vorstand der Solarpraxis Neue Energiewelt AG.

 

12.11.2015 | Quelle: Forum Solarpraxis | solarserver.de © Heindl Server GmbH

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