Mehrfamilien-Sonnenhäuser und Sonnenstrom-Häuser im Trend

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Auf diesem Haus in der Nähe von Hof erzeugen große Solarthermie- und Photovoltaikanlagen Energie für Wärme, Strom und Elektromobilität. Foto: Sonnenhaus-Institut / Gemeinhardt AG / Udo Geisler

Der Trend hin zu Sonnenhaus-Konzepten in Mehrfamilienhäusern und im Geschosswohnungsbau setzt sich fort. Dies zeigte sich auf der Jahreshauptversammlung des Sonnenhaus-Institut e.V. vergangene Woche in Straubing. Zugleicht heben die Mitglieder die Öffnung des traditionell mit großen Solarthermieanlagen verbundenen Sonnenhaus-Konzeptes für Photovoltaik und Wärmepumpen bekräftigt. 2018 will der Verein einen zusätzlichen Fokus auf die Elektromobilität in Sonnenhäusern legen, um die Sektorenkopplung in Form von Solarenergie für Wärme, Strom und Mobilität bekannter zu machen. 

 

Ursprünglich fokussierte das Sonnenhaus-Bau- und Energiekonzept auf großen Solarthermie-Anlagen zum Erreichen eines solaren Deckungsgrades von mindestens 50 Prozent in der Wärmeversorgung. Seit der Einführung der neuen Kategorien Ende 2014 sind auch Sonnenhäuser mit großen Photovoltaikanlagen zum Erreichen dieses Ziels möglich. Sie werden in „Sonnenhaus Plus“ und „Sonnenhaus Autark“ unterschieden. Letztere weisen einen Autarkiegrad von mindestens 50 Prozent auf, wobei „Autarkiegrad“ das Verhältnis von eigenverbrauchtem Solarstrom zum gesamten Stromverbrauch („Technikstrom“ plus Haushaltsstrom) bezeichnet. Große Solarthermie-Anlagen werden aber auch weiterhin eine wichtige Rolle im Sonnenhaus-Konzept spielen. 

Erste Photovoltaik-Sonnenhäuser befinden sich bereits in Forschungsprogrammen, zum Beispiel ein Haus in Heilbronn, das KHB-Creativ Wohnbau gebaut hat, sowie das Smart Home von Mitglied Matthias Gemeinhardt in Döhlau bei Hof. Die Gebäude werden in dem Programm Solsys vermessen. 

„Der Begriff Sonnenhaus steht heute für intelligente Eigenversorgung mit Solarenergie für hohe Autarkiegrade bei Wärme, Strom und Mobilität“, betont der Vereinsvorsitzende Georg Dasch, der selbst ein Elektroauto fährt: „Es ist mehr als naheliegend, die Photovoltaik-Eigenversorgungsquote mit einem Elektroauto zu erhöhen.“ 

Wie schon 2016, wurden auch in diesem Jahr wieder mehrere Mehrfamilienhäuser mit mehr als drei Wohneinheiten für die vom Sonnenhaus-Institut geführte Statistik gemeldet. Mit 67 Prozent Anteil an den gemeldeten fertiggestellten Sonnenhäusern machen Einfamilienhäuser aber noch den Großteil aus. „Wir gehen davon aus, dass sich die Gewichtung in Richtung größere Gebäude verschieben wird. Je größer die Solaranlagen, desto wirtschaftlicher ist das Sonnenhaus-Konzept und desto mehr Vorteile bringt es für Baufirmen und Vermieter bzw. Eigentümer und Mieter in Mehrfamilienhäusern“, kommentiert Dasch. Einige weitgehend solar beheizte Mehrfamilienhäuser sind gerade im Entstehen, unter anderem in Cottbus, Chemnitz, Obersulm bei Heilbronn und Wilhelmshaven. 

Auch gewerblich genutzte Sonnenhaus-Objekte wurden gemeldet. Ein Beispiel ist das neue Firmengebäude von SST Solar, einem Hersteller von Solarthermie- und Photovoltaiksystemen in Vorarlberg. Hier sind an der Fassade 296 Quadratmeter Solarkollektoren installiert. Die Wärme wird vorwiegend im Betonkern der Hallensohle gespeichert (solarthermische Bauteilaktivierung). Für die Raumheizung im Büro ist ein Ausgleichsspeicher mit 5.000 Liter aufgestellt. Der errechnete solare Deckungsgrad für die Wärmeversorgung liegt bei nahezu 100 Prozent. Mit der Photovoltaik-Anlage auf dem vollbelegten Hallendach wird zudem deutlich mehr Strom erzeugt, als im Unternehmen verbraucht wird. 

Weiterhin hat die Stadt Moosburg an der Isar acht Sonnenhäuser in einen Bebauungsplan aufgenommen. Ebenfalls in Moosburg gibt es eine Vorplanung des Kollektor- und Speicherherstellers Citrin Solar für eine Reihen- und Mehrfamilienhaus-Siedlung in Sonnenhauskonzeption.

Ein Boom bei Sonnenhäusern ist zwar aktuell angesichts der niedrigen Preise für fossile Energien nicht zu verzeichnen. Dasch und seine Kollegen aus dem Institutsvorstand blicken aber zuversichtlich in die Zukunft: „Die EU-Gebäuderichtlinie für Niedrigstenergiehäuser erfordert es, sich mit Solarenergie auseinander zu setzen. Das ist eine Motivation mehr, sich mit Sonnenhäusern zu befassen.“ 

 

Mehr Informationen beim Sonnenhaus-Institut e.V.:

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30.11.2017 | Quelle: Sonnenhaus-Institut e.V. | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

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