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Fell: PV-Anlagen könnten Häuser vor Schneebruch schützen

Foto: Guido Bröer

Eine PV-Anlage auf dem Dach kann helfen, den Schnee abrutschen zu lassen und nicht nur Strom liefern. Eine im Vergleich zur Jahresstromerzeugung geringe Strommenge reiche dafür aus, erklärt der Energieexperte Hans-Josef Fell mit Blick auf Hausbesitzer, die jetzt im Alpenraum um die Stabilität ihrer Dächer fürchten. Theoretisch kann dies in vielen Fällen zutreffen. Allerdings gibt es derzeit dafür offenbar keine käufliche Lösung am Markt.

Fell hatte sich heute aus dem arabischen Abu Dhabi zu Wort gemeldet und schreibt in seinem Rundbrief: "Für die Hausbesitzer im nun von der Schneekatastrophe heimgesuchten Südbayern und Alpenraum wäre es die entscheidende Lösung, um die unter den Schneelasten einbrechenden Dächer zu schützen, wenn sie denn längst rückstromfähige PV-Anlagen mit Batterien im Keller auf ihre Dächer gebaut hätten." Niemand müsste mehr unter Lebensgefahr auf die Dächer steigen, um die Schneemassen weg zu schippen, schreibt Fell.

Seit Jahren sei diese Lösung bekannt und technisch realisiert, behauptet Fell, der dazu auf einen Artikel der Ingenieurin Tina Ternus vom Photovoltaikbüro Ternus & Diehl verweist.

In der Tat habe sie mit ihren Kollegen vor mehr als einem Jahrzehnt entsprechende Experimente durchgeführt, bestätigt Ternus gegenüber dem Informationsdienst Solarthemen. Allerdings sei durch Fells Artikel nun unglücklicherweise der falsche Eindruck entstanden, dass die Technologie käuflich am Markt zu haben sei. Immerhin habe der Wechselrichterhersteller Solutronic, der inzwischen pleite ist, vor Jahren einen Wechselrichter mit Rückbestromungsoption angeboten und im Alpenraum beworben, so Ternus.

Ganz trivial sei die Sache allerdings nicht, berichtet Ternus, die die Rückbestromung von Solarmodulen im Rahmen des Elektrolumineszenzverfahrens als Analysemethode zur Entdeckung von Fehlern einsetzt. Rückbestromte Module würden sich erhitzen, wodurch der Schnee schneller abrutschen könne. Ob und wie gut dies funktioniere, hänge aber durchaus von der Dachneigung, der Schneemenge und der Konsistenz des Schnees ab. Keinesfalls sei es unter energetischen Gesichtspunkten sinnvoll, den gesamten Schnee, etwa bei sehr flach installierten Modulen, komplett abzutauen. "Noch wichtiger ist mir aber die Botschaft, dass die Leute nicht unter Lebensgefahr auf ihre rutschigen Dächer klettern sollen, um dort Schnee wegzuschaufeln, nur um ein paar Kilowattstunden mehr zu ernten", sagt Ternus.

Fell schreibt in seinem Beitrag: "Niemand in den von Schneekatastrophen bedrohten Gebieten muss warten, bis ihm die Förderung von PV-Anlagen wieder passt. Jeder kann es in den nächsten Monaten sogar wirtschaftlich rentabel installieren und muss nie mehr bei extremem Schneefall aufs Dach steigen."

Würden alle gefährdeten Dächer in Gebieten, z.B. im Alpenraum, wo Schneekatastrophen drohen, mit rückstromfähigen PV-Anlagen geschützt, könnten ungeheure Mengen von Solarstrom erzeugt werden und - wenn sie Speicher im Keller haben - auch schnell Kohle- oder Erdgaskraftwerke überflüssig werden", schreibt Fell und erklärt: "Stromrückspeisefähige PV-Anlagen auf den Dächern sind gleichzeitig Klimaschutz und Anpassung an die Klimaveränderung. Denn die aktuellen, ungewöhnlich langandauernden Schneefälle lassen sich mit der Klimaerwärmung erklären. Die starke Aufheizung der Arktis verringert die Luftdruckdifferenzen zwischen Arktis und den gemäßigten Breiten, womit die Antriebskraft der Jetströme sich verringert. Die Folge sind lang andauernde gleichbleibende Wetterlagen, wie lange Hitzeperioden oder eben lang andauernde Schneefallwetterlagen, sogenannte stehende Wetterlagen."

14.1.2019 | Quellen: H.-J. Fell, T. Ternus, Solarthemen, Guido Bröer | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

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