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Kohlekommission/Priggen: "Wir machen keine Abstriche"

Der frühere NRW-Grünen-Landesvorsitzende Reiner Priggen hat in einem Interview mit den Solarthemen als Mitglied der Kohlekommission klar gemacht, dass die Umweltvertreter kein Aufweichen des Kohleausstiegs akzeptieren werden.

Priggen lässt im Gespräch mit dem Branchenblatt keine Zweifel daran, dass das Reduktionsziel des Stromsektors von 65 Prozent für 2030 nicht aufgeweicht werde. Es sei klare Aufgabe der Kommission, dieses Ziel zu erreichen. "Das lässt sich in Tonnen umrechnen und in Kraftwerken. Wir müssen auf 16 bis 18 Gigawatt Stein- und Braunkohlekapazität 2030 herunterkommen. Die Umweltseite ist nicht bereit, diesen Auftrag, den die Kommission bekommen hat, aufzugeben", so Priggen.

Einig sei sich die Kommission, dass der Ausbau der Erneuerbaren Energien zur Kompensation der Kohle permanent beobachtet werden müsse. "Man kann nicht hehre Ziele ausgeben und dann in der Praxis einen PV-Deckel aufrechterhalten. Gerade die NRW-Landesregierung, die ja bei der PV ganz viel bewegen will, müsste sich als erstes dafür einsetzen, den Förderdeckel zu beseitigen", fordert der Vorsitzende des Landesverbandes Erneuerbare Energien (LEE) NRW.

Die Kommission rede viel über regionale Projekte, etwa den NRW-Vorschlag, im rheinischen Revier 1000 MW Erneuerbare und einen 1000-MW-Hochtemperaturspeicher zu bauen, oder über die Idee, in der Lausitz Wasserstofftechnologie mit Erneuerbaren zu entwickeln. Da müsse man aber schauen, dass es am Ende auch umgesetzt werde. Das sei auch wichtig für die Arbeitsplätze. Für Priggen ist es nachvollziehbar, dass manche Vertreter der Regenerativ-Branche sich wunderten, dass so viel über die rund 20.000 Kohle-Arbeitsplätze geredet werde, während in der Photovoltaik in Deutschland fast 100.000 Arbeitsplätze verschwunden seien.

Priggen bewertet die Arbeit der Kommission positiv: "Ich erlebe eine Kommission, in die sehr gute Leute aus allen Bereichen sehr viel Zeit reinstecken. Ich erlebe diese als sehr ernsthafte, um Sachlösungen ringende Menschen." Das gelte auch für Teilnehmer, deren "Position in Klimaschutzfragen weit entfernt ist von meiner eigenen".

"Die Einsetzung der Kommission hat dazu geführt, dass die Landesregierungen in den Braunkohleregionen und die Träger der lokalen Politik mit Hochdruck begonnen haben, Konzepte zu schreiben und sich miteinander zu verständigen", so Priggen weiter. "Die Vorstellungen, wie man das jeweilige Revier zu einer Energieregion der Zukunft machen könnte, sind erst in den letzten Monaten konkreter geworden."

Die Kommission habe auch dazu beigetragen, voneinander zu lernen. "Wir haben 85 Sachverständige angehört. Wir haben Exkursionen in alle Braunkohleregionen gemacht. Ich selbst bin privat seit dem Sommer dreimal in die Lausitz gefahren. Denn während ich im rheinischen Revier jedes Dorf und jedes Kraftwerk kenne, war mir die Lausitz bisher weitgehend unbekannt. Ich habe sehr viel dazugelernt – auch in jeder einzelnen Sitzung. Ich erlebe die Treffen als Gewinn, was man sonst wirklich nicht von jeder Gremiensitzung sagen kann."
Das vollständige Interview mit Reiner Priggen ist in den Solarthemen 511 erschienen und hier online zu finden.

24.1.2019 | Quelle: Solarthemen  | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

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