Gebäudeintegrierte Photovoltaik: Ein neuer Markt eröffnet Perspektiven und Potenziale

Die gebäudeintegrierte Photovoltaik (Building-Integrated Photovoltaics; BIPV) entwickelt sich - nach mehr als 20 Jahren Forschung und Entwicklung sowie einigen aufsehenerregenden Projekten - entsprechend den Visionen führender Solarunternehmen und Materialentwickler, wie beispielsweise Dyesol, Schott Solar, Scheuten Solar, SunPower und Suntech, als neuer und interessanter Markt. In Kooperation mit dem Marktforschungsunternehmen Greentech Media Research (GTM Research) beleuchtet der Solar-Report im August 2010 technische und ökonomische Entwicklungen, politische Rahmenbedingungen und Trends des BIPV-Marktes. Inzwischen sind höchst interessante neue Produkte auf dem Markt erhältlich, die Photovoltaik-Module in Baumaterialien wie Vorhangfassaden, Fenster oder Dachziegel integrieren. Eine Reihe von Entwicklern entlang der gesamten Wertschöpfungskette bietet mittlerweile BIPV-Lösungen an.

Photovoltaik-Fassade mit CIS-Modulen von Sulfurcell (Foto: Sulfurcell)
Solardach mit PV-Laminaten von Centrosolar (Foto: Centrosolar)

In der Vergangenheit wurden Photovoltaik-Module meist auf bestehende Dächer montiert, ohne ästhetischen Gesichtspunkten große Bedeutung beizumessen. Heutige Konzepte  gebäudeintegrierter Photovoltaik-Systeme ersetzen Teile der Gebäudehülle komplett durch Solarmodule, bieten zusätzliche Funktionen und reduzieren Kosten.

In den letzten Jahren haben Dünnschichttechnologien ermöglicht, PV-Module nahtlos in die Gebäudehülle einzubetten. Hier wird sich wahrscheinlich ein neuer Markt für die Dünnschicht-Photovoltaik eröffnen, die aufgrund ihrer großen Flexibilität, des geringen Gewichts und der verbesserten Wirkungsgrade bei unterschiedlicher Sonneneinstrahlung einen Wettbewerbsvorteil gegenüber konventionellen Solartechnologien erreichen konnte.

Der Erfolg neuer BIPV-Märkte hängt jedoch von mehreren Faktoren ab:

1.      Gemeinsame Anstrengungen der Akteure in der Wertschöpfungskette hinsichtlich des Designs und der Integration der Photovoltaik in die Gebäudehülle;

2.      Sowohl „Kosten pro Watt“ als auch die von der Bauindustrie favorisierte Bezugsgröße „Kosten pro Quadratmeter“, und auch die Kosten der Produkte und Verfügbarkeit;

3.      Entwicklung spezifischer Standards und Gebäudenormen;

4.      Verfügbarkeit staatlicher und lokaler Förderung zur Sicherstellung der Wirtschaftlichkeit;

5.      Zusatznutzen für Bauherren und Architekten, und

6.      Optimierung der Produktion mit Blick auf eine wirtschaftliche Massenfertigung

 

Neue Einspeisetarife fördern BIPV

Einige Zeit waren Dünnschichttechnologien nicht mit konventioneller Photovoltaik wettbewerbsfähig, bei denen die Module einfach auf das Dach „gepackt“ wurden. Dies ändert sich jedoch, da gegenwärtig die Solarstrom-Fördersysteme angepasst werden. GTM Research erwartet deshalb, dass die Dünnschicht-Photovoltaik schon bald eine wichtige Rolle bei der Energieversorgung spielen wird, und zwar sowohl in Märkten, in denen konventionelle Materialien eingesetzt werden, als auch in Märkten, in denen konventionelle Photovoltaik aus mehreren Gründen nicht eingesetzt werden kann, wie zum Beispiel bei Fassaden, Dächern und Fenstern.

 

Definitionen von BIPV und BAPV

Sowohl in der Photovoltaik- als auch in der Bauindustrie wird BIPV nicht immer eindeutig definiert. GTM Research charakterisiert BIPV als gebäudeintegrierte Photovoltaik, welche die Zusammenarbeit der Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette erfordert. Architekten, Ingenieure, Eigentümer und Stromversorger müssen demnach kooperieren, um von Projektbeginn an gemeinsam die Einbindung der Photovoltaik als Element der Gebäudehülle zu gestalten und umzusetzen. BAPV (Building Applied PV) hingegen wird definiert als ein Verfahren, bei dem PV zusätzlich installiert wird, nachdem das Gebäude fertiggestellt wurde.

Der BIPV-Markt wird von einigen Faktoren eingeschränkt. Zwar handelt es sich um eine saubere Technologie, die seit 20 Jahren verfügbar ist, doch bis vor Kurzem war der Markt eine relativ kleine und wenig entwickelte Nische. BIPV-Hersteller nutzten überwiegend teure siliziumbasierte Systeme, die nachträglich angebracht wurden und häufig unzureichende Leistung erbrachten, besonders in Gebieten mit geringer Sonneneinstrahlung oder bei hohen Temperaturen.

Dachintegrierte semitranparente Photovoltaikanlage am Berliner Hauptbahhof (Foto: BSW Solar, Langrock)
Suntech-Zentrale mit PV Fassade (Foto: Suntech)

Gebäude werden Energieproduzenten

Die Entwicklung flexibler Dünnschichtmodule verspricht einen wesentlichen Vorteil für den BIPV-Markt, denn diese Module ermöglichen sowohl deutlich mehr Leistung als auch unterschiedliche Grade der Transparenz und vielfältige farbliche Varianten. Damit können Architekten die herkömmliche Gestaltung erweitern und ästhetisch ansprechende Gebäude entwickeln, die gleichzeitig Energie produzieren.

Doch einige Probleme sind zu lösen, bevor die Industrie an diesen Punkt gelangt. Gegenwärtige Hindernisse umfassen sowohl Herausforderungen wie die optimale Systemausrichtung, die Wetterbeständigkeit, die Lebensdauer, die Entwicklung von Normen und Standards als auch die Leistung und die Wettbewerbsfähigkeit hinsichtlich der Kosten. Um dies zufriedenstellend zu lösen, müssen alle Entwickler in der Wertschöpfungskette zusammenarbeiten, um den Wirkungsgrad zu steigern und gleichzeitig die Produktions- und Vertriebskosten zu senken.

 

Das US-Energieministerium rechnet damit, dass 50 % des Energiebedarfs langfristig mit BIPV gedeckt werden können

Sinkende Kosten von Solarmodulen werden wohl einen gewaltigen Anstoß für den Einsatz von BIPV geben. Ein Grund hierfür ist der vorhandene Bedarf, die Energieeffizienz von Gebäuden - beispielsweise durch die eigene Stromproduktion - zu maximieren, um Energiehaushalt und –kosten zu optimieren. Die BIPV-Nachfrage auf dem internationalen Baumaterialien-Markt wächst aufgrund der Möglichkeit, damit den Energieverbrauch zu senken und den „carbon footprint“ von Gebäuden zu verringern. In den kommenden Jahren werden steigende Energiepreise und die Bekämpfung des Klimawandel das Wachstum der BIPV fördern. Durch den Einsatz von BIPV könnte nach Berechnungen des US-Energieministeriums langfristig fast die Hälfte des Strombedarfs der USA gedeckt werden, vergleichbare Entwicklungen wären weltweit möglich. Durchdachte Einspeisetarife und Anreize müssen in den wichtigen Solarmärkten entwickelt und eingeführt werden, damit die vergleichsweise teurere BIPV sowohl bei Industrie- als auch Wohngebäuden genutzt wird.

Der BIPV-Markt kann rasch wachsen, doch GTM Research geht davon aus, dass einige zentrale Fragen beantwortet werden müssen, damit dies geschieht:

 

Welche Barrieren verhindern Marktentwicklung und -ausbau?

Damit der BIPV-Markt erheblich wachsen kann, und um eine Brücke zwischen der PV- und der Bauindustrie zu schlagen, müssen einige wesentliche Hürden überwunden werden.

 

Technische Herausforderungen, Standards und Normen

Für neue BIPV-Produkte, die bezüglich des Erscheinungsbilds und Funktionen herkömmlichen Baumaterialien gleichen, sind bestehende Normen für PV- oder Baumaterial nicht geeignet. Bislang gibt es jedoch nur einige wenige leistungsbezogene Standards, die sich ausschließlich auf BIPV-Produkte beziehen.

Doch die bedeutenden Organisationen für Standardisierungen weltweit arbeiten daran, das zu ändern. Die Einführung von EU-Normen und neue Standards von Einrichtungen wie der internationalen elektrochemischen Kommission (IEC), Underwriters Laboratories (UL), und die American Standards Test Method (ASTM) werden sich sowohl auf Baumaterialien und Aspekte der Architektur und Sicherheit beziehen als auch auf die langfristige Leistung der Systeme. Die BIPV-Produzenten haben Module in eigenen Standardgrößen entwickelt, welche durch ihr Gewicht mitunter die Statik bestehender Gebäude belasten können.

Kalifornien war einer der ersten Staaten, der einen Standard für "grüne" Gebäude entwickelt hat ("CALGreen"). Dieser stellt bei Neubauten bestimmte Anforderungen an Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit.  Diese Vorgabe kann die internationale Normierungsbehörde bei der Entwicklung der neuen Norm für kommerzielle Gebäude unterstützen (International Green Construction Code; IGCC), die 2012 veröffentlicht werden soll.

 

Gesetzliche und bürokratische Hindernisse

Bis vor Kurzem war es nicht möglich, BIPV für denkmalgeschützte Gebäude zu nutzen. Auch ist die BIPV in der Rechtsprechung oft nicht als Energieeffizienztechnologie definiert, was bedeutet, dass sie vielschichtige rechtliche Bedingungen erfüllen und aufwändige Planungsverfahren durchlaufen muss.

 

Marktbarrieren und verschiedene Maßeinheiten

Die BIPV ist noch immer zu teuer - besonders im Vergleich mit der konventionellen Photovoltaik - da ihr Zusatznutzen als multifunktionales Gebäudeelement erst seit Kurzem wahrgenommen wird. Die Zusammenarbeit zwischen der Bau- und Photovoltaik-Industrie wird aus folgendem Grund erschwert: beide arbeiten mit verschiedenen Maßeinheiten. Architekten und Planer beziehen sich normalerweise auf Kilowattstunden pro Quadratmeter, der Photovoltaik-Sektor arbeitet in der Regel mit Kilowattstunden pro installiertem Kilowatt Leistung.

Viele Akteure und Investoren aus der Bauindustrie bevorzugen es, den Preis von Modulen auf die Quadratmeter zu beziehen, anstatt wie in in der PV-Industrie üblich auf die erzielbare Leistung in Watt. Das ist im Moment aber noch nicht so bedeutend, weil BIPV-Module noch keine Massenprodukte sind, sondern Maßanfertigungen, deren Preis sich je nach Installation deutlich variiert.

 

Hindernisse aufgrund der Wahrnehmung

Die Vorteile der BIPV für Architekten und Endkunden sind noch immer nicht klar herausgearbeitet, und viele sehen noch nicht die enthaltenen ästhetischen Möglichkeiten der Technologie, da sie die zu Grunde liegende Photovoltaik als veraltet bewerten. Das kann an einem unzureichenden Wissensstand liegen, oder aber auf der anerkannten Tatsache beruhen, dass der Stromverbrauch eine immer wichtigere Rolle bei der Bewertung von Gebäuden spielt. Damit der BIPV-Markt wachsen kann, müssen sowohl die Bauindustrie als auch Endnutzer BIPV besser akzeptieren und willig sein, Photovoltaik vom ersten Entwurf bis zur Fertigstellung in den Bau einzubeziehen.

Solar-Fassaden mit Modulen von Sulfurcell (links) und Schott Solar (rechts)
Solar-Fassaden mit Modulen von Sulfurcell (links) und Schott Solar (rechts)

Was sind die vielversprechendsten BIPV-Anwendungen?

Die Ästhetik war lange Zeit ein Hindernis für Hausbesitzer, die auf erneuerbare Energien umsteigen wollen, aber mit dem Erscheinungsbild herkömmlicher Module unzufrieden waren. Heute können BIPV-Systeme als multifunktionale Bauelemente z. B. für Fassaden (z.B. Vorhangfassaden), Dächer (z.B. Solarziegel oder Dachfolien) und Fenster (z.B. Oberlichter und Verschattung) eingesetzt werden.

Eine intensive Einbindung der Bauindustrie beim Einsatz von BIPV vorausgesetzt, sind BIPV-Produkte am kosteneffizientesten, wenn Sie in Neubauten eingesetzt werden. Bei der Sanierung mit BIPV kann man durch die Verbindung mit der Bauindustrie ebenfalls profitieren, es ergeben sich jedoch nur vergleichsweise kleinere Marktchancen. Neuere Technologien wie CIGS, DSC und OPV ermöglichen einen fast unsichtbaren Einsatz der BIPV. Die wachsenden Möglichkeiten für diese Materialien fasst die Tabelle am Ende des Beitrags zusammen.

 

Neues Wachstum am Bau

Trotz langfristig positiver Perspektiven der BIPV ging die Zahl der Neubauten und Dachsanierungen in den Jahren 2009 und 2010 zurück, was einen negativen Einfluss auf das Geschäft der Hersteller hatte - auch auf führende Anbieter wie United Solar Ovonics, die auch im herkömmlichen Baumaterialmarkt aktiv sind. Doch die Wirtschaft wird vermutlich bald wieder wachsen. Vorausgesetzt, dass auch die Bauindustrie wieder in Fahrt kommt und die Verbraucher mit steigenden Energiekosten konfrontiert werden, wird das Geschäft mit der BIPV lohnender werden.

 

Neue Dünnschicht-Produkte kommen auf den Markt

Um der Entwicklung auf dem Baumarkt entgegenzuwirken haben einige Hersteller (z.B. Sharp, Sunpower und United Solar) neue BAPV-Systeme eingeführt, um kurzfristig erreichbare Märkte zu adressieren. So führte United Solar Ovonics kürzlich ein BAPV-Produkt für Dachsanierungen ein, das die Vorzüge leichter Laminate auf der Basis von amorphem Silizium mit hohen Solarstromerträgen verbindet und hinsichtlich der Kosten und Rendite wettbewerbsfähig ist. Die ersten "neuen" Dünnschicht-Produkte von Herstellern wie Ascent, Odersun, Corus Colors, Dow Solar und SKYShades werden Ende 2010 oder Anfang 2011 auf den Markt kommen.

 

"Billige" und teure BIPV

Die Gebäudehülle bietet mehrere Möglichkeiten zur Solar-Intergration auf Dächern (seit den 1980er Jahren genutzt), an Wänden und in Fenstern, den "Augen" des Gebäudes". Es gibt Märkte für BIPV mit niedrigen Kosten, die standardisierte Gebäudematerialien nutzt, und hochpreisige BIPV, die maßgeschneiderte Produkte erfordert.

 

Neue Aktivitäten auf dem Markt der Solardächer

Eine Reihe von BIPV-Entwicklern ist aktiv im Markt der Dacheindeckung, darunter United Solar Ovonics, Dow Solar, Applied Solar, Corus Colors und das Victorian Organic Solar Cell Consortium. Das vermutlich bekannteste BIPV-System in den USA besteht aus mono- oder multikristallinen PV-Modulen, die konventionelle Dachziegel ersetzen und der Form des Dachs angepasst sind. Oft ersetzt ein Modul bis zu vier Ziegel, was die Zahl der erforderlichen Anschlüsse reduziert. Die Solarziegel wiegen zwar weniger als herkömmliche Ziegel, doch ihr Gewicht muss dennoch in die Statikberechnung einfließen - und zu beachten ist auch, dass sie entsprechend wasserdicht und wetterfest sein müssen.

Solar-Dachziegel "Power Ply" und "S Tile" von Lumeta
Solar-Dachziegel "Power Ply" und "S Tile" von Lumeta
Fotos: Lumeta Inc.

Photovoltaik-Schindeln (shingles) sind mit Dünnschichtlaminaten vergleichbar und können Bitumen-Eindeckungen ersetzen. Die leichteren Kunststoffschindeln werden in langen Streifen geliefert, wodurch die Zahl der Anschlüsse verringert wird. Das bekannteste Beispiel dafür sind die Uni-Solar shingles von United Solar Ovonics, die auf eine feuerfeste Dichtungsfolie aufgebracht werden. Dieser Markt könnte in Kürze eine neue Dynamik entwickeln, wenn die Dachschindeln von Dow Solar (Powerhouse) und Lumetas "Solar S" und "Solar Tiles" eingeführt werden.

 

Solar-Fassaden

Die Architekten haben sich in den letzten Jahren zunehmend für Vorhangfassaden interessiert, um Aufmerksamkeit zu wecken. Einhergehend mit dem wachsenden Umweltbewusstsein und dem Interesse an bezahlbarem Wohnraum sind Vorhangfassaden ein wichtiger Aspekt der Architektur mit Blick auf den Klimaschutz, den Energieverbrauch, die intelligente Nutzung von Ressourcen und Fortschritte im Design.

Photovoltaik-Fassdensystem "ARTLine Invisible" von Würth Solar
Photovoltaik-Fassdensystem "ARTLine Invisible" von Würth Solar

Fassaden sind ohnehin teuer, deshalb können auch Vorhangfassaden wettbewerbsfähig sein. Die Kosten der PV-Integration werden kein Hindernis darstellen, weder bei Neubauten noch bei der Sanierung.

Einige interessante Entwicklungen in dieser wachsenden Nische sind zu erkennen, vor allem von führenden Entwicklern wie AltPower, Arch Aluminum, Konarka Technologies, Schüco, Schott Solar, SolarFrameWorks und Würth Solar.

Power Plastic in der Wand

Arch Aluminum & Glass startete beispielsweise das erste Solarwand-Projekt mit organischen Solarzellen von Konarka (Power Plastic). Die Solarfassade von Archs Büros in Florida hat eine Leistung von 1,5 kW und ging Ende 2009 in Betrieb. Die Vorhangfassade besteht aus Solarmodulen mit jeweils 40 Wp, Glas und Aluminium. Feldversuche sind 2010 und 2011 geplant. Für den kommerziellen Einsatz sollen die Solarmodule die komplette Fassade bilden. Ebenfalls geplant sind farbige Gläser.

OPV-Vorhangfassade. Foto: Konarka Technologies, Inc.
OPV-Vorhangfassade. Foto: Konarka Technologies, Inc.

Konarka arbeitet auch an transparenten farbigen Modulen, die noch in diesem Jahr verfügbar sein sollen und Teil der Entwicklungszusammenarbeit mit Arch sind. Darüber hinaus hat sich Konarka zum Ziel erklärt, den Wirkungsgrad jährlich um mindestens 30 % zu steigern.

In welchen Regionen der Welt kann die BIPV erfolgreich sein?

Es überrascht nicht, dass die besten PV-Märkte auch die günstigsten Märkte für die BIPV sind (s. Tabelle E-3). Die Solarindustrie in Europa ist kurz- und mittelfristig von staatlicher Förderung abhängig, vor allem von Einspeisetarifen. Deutschland mit seiner hoch entwickelten Infrastruktur war eine der treibenden Kräfte der weltweiten BIPV-Industrie, doch das könnte sich bald ändern.

Die Hersteller müssen weitere wichtige Länder ins Auge fassen, in denen der BIPV-Markt noch klein ist, wie z.B. in Frankreich, das die BIPV deutlich ausbauen will und Solarstrom aus Eigenheimen, Schulen und Krankenhäusern mit 0,58 Euro pro kWh fördert. Auch Italien setzt verstärkt auf BIPV, deren Einspeisetarif rund 25 % höher ist als bei nicht integrierten Anlagen. In Nordamerika konzentriert sich die BIPV in Kalifornien, gefolgt von New Jersey und Ontario (Kanada), einem Markt, bei dem erwartet wird, dass er in naher Zukunft ebenfalls an Fahrt gewinnt.

Vergleich der attraktivsten Einspeisetarife für BIPV-Projekte. Quelle: GTM Research
Vergleich der attraktivsten Einspeisetarife für BIPV-Projekte. Quelle: GTM Research
Die Tabelle zeigt einige der höchsten Einspeisetarife für Solarstrom aus BIPV-Anlagen
Die Tabelle zeigt einige der höchsten Einspeisetarife für Solarstrom aus BIPV-Anlagen

Auch nachgeordnete BIPV-Märkte wie Belgien, Griechenland, Portugal, die Schweiz und Slowenien bieten attraktive Einspeisetarife für Solarstrom aus integrierten Anlagen und wollen die Marktentwicklung beschleunigen. Um den Einsatz der BIPV in Japan zu unterstützen und das Förderprogramm für private Nutzer neu zu fassen, stellt die dortige Regierung 410 Millionen Euro zur Verfügung, speziell für Anlagen bis 10 kWp, die einen Einspeisetarif von 0.39 Euro / kWh erhalten; Solarstrom aus kommerziellen Anlagen wird mit 0.39 Euro / kWh vergütet.

 

Können Photovoltaik-Technologien mit niedrigem Wirkungsgrad mit Hochleistungstechnik in BIPV-Anwendungen konkurrieren?

Die BIPV ist einer der am schnellsten wachsenden Teilmärkte der PV-Industrie, besonders in Europa, unter anderem, weil sie bei Architekten, Designern und Bauunternehmen gefragt ist. Bis vor Kurzem haben ästhetische Bedenken und Zweifel an der Leistungsfähigkeit den Einsatz von BIPV in den Entwürfen der Architekten eingeschränkt. Doch das ändert sich durch neue effiziente und transparente Materialien, die sowohl eine herausragende Leistung als auch den Einsatz verschiedener Farben ermöglichen.

Dadurch ist es nicht mehr nötig, BIPV auf Einsatzgebiete zu beschränken, die nicht von der herkömmlichen Photovoltaik abgedeckt werden. Im Gegenteil ist es nun möglich, die gesamte Gebäudehülle zur Stromproduktion zu  nutzen, indem flexible Dünnschichtmaterialien eingesetzt werden.

 

Flexible Dünnschichtmaterialien erleichtern die Installation

Solarzellen aus kristallinem Silizium haben einen Marktanteil von rund 85 % und als ausgereifteste Technologie wurden sie auch breit in der BIPV eingesetzt. Die meisten Fassaden und Dächer sind aus diesem weit verbreiteten Material. Doch es ist nicht zwangsläufig das Material, dem der Vorzug bei der Gebäudeintegration gegeben werden sollte, selbst wenn die Kosten und Leistung dafür sprechen, da die Silizium-Technologie nicht so flexibel und optisch weniger attraktiv ist.

Flexible Dünnschichtmaterialien aus amorphem Silizium, Cadmiumtellurid oder CIGS sowie Farbstoffsolarzellen und die Organische Photovoltaik sind wesentlich leichter in Fassaden, Dächer und Fenster zu integrieren. Diese neuen Materialien sind eine kostengünstige Alternative, weil sie Material einsparen und bei ihrer Herstellung weniger Energie gebraucht wird als für herkömmliche Module.

 

Kostengünstige Produktionsverfahren

Statt wie bisher ähnlich den meisten BAPV-Produkten installiert zu werden, können die neuen BIPV-Produkte mit kostengünstigen Druck- oder Sprühverfahren komplett in Bauelemente integriert werden. Am Bau wird die einfache Arbeit mit Rollen aus diesem Material geschätzt. Und sie werden zweifellos noch weiter verbreitet, wenn einige technische und finanzielle Probleme gelöst sind. Noch ist BIPV eine high-end-Technologie, doch ihre Multifunktionalität und eventuelle Massenproduktion können die Kosten vermutlich senken.

Amorphes Silizium ist das am häufigsten installierte Dünnschichtmaterial, der größte Teil davon stammt von United Solar Ovonics. Die flexiblen a-Si Uni-Solar-Laminate haben bereits einen Wirkungsgrad von 8%, und in der dritten Generation werden 10% angestrebt.

CIGS-basierte "POWERHOUSE"-Solarschindeln von Dow Solar
CIGS-basierte "POWERHOUSE"-Solarschindeln von Dow Solar

CdTe kommt jedoch auf höhere Wirkungsgrade und ermöglicht niedrigere Kosten. First Solar produzierte Anfang des Jahres 2010 Module dieses Typs mit 11,1 % Wirkungsgrad bei Kosten von 0,84 US-Dollar pro Watt. Die Entwicklung der CIGS-Solarziegel von Dow Solar wird von der Michigan Economic Development Corporation mit 140 Millionen Dollar gefördert, was sowohl als große Bestätigung dieser Technologieplattform als auch des gesamten BIPV-Marktes gewürdigt werden kann.

 

Farbstoffsolarzellen, Organische Photovoltaik und Gebäudeintegration

Das Unternehmen Dyesol spielt bei der Entwicklung und Kommerzialisierung von BIPV-Produkten auf Grundlage von Farbstoffsolarzellen (DSC) eine führende Rolle. Die Partnerschaft mit Corus Colors soll bereits 2010 in der Kommerzialisierung von mit DSC beschichtetem Stahlblechen für Dachanwendungen münden.

Dyesol ist gut aufgestellt und hat Tochtergesellschaften in den wichtigsten Solarmärkten gegründet, die reif sind für die PV-Integration, wie z.B. Deutschland, Italien, Japan, Südkorea, Großbritannien und die USA.

Links: Farbstoffsolarzellen von Dyesol. Rechts: Konarkas "Power Plastic"
Links: Farbstoffsolarzellen von Dyesol. Rechts: Konarkas "Power Plastic"

Für die Organische Photovoltaik eröffnet die Gebäudeintegration neue Marktchancen. Große Rollen von OPV-Zellen werden auf Dächern von Lagerhäusern platziert - ein Modell, das möglicherweise einen riesigen weltweiten Markt eröffnet. In den USA sind Holzdächer verbreitet, die keine Silizium-Module tragen können. Architekten können daher ihren Kunden einen Mehrwert bieten, indem sie OPV-Module einsetzen. In Asien planen Innovia Films und Bosch, sich dem Victorian Organic Solar Cell Consortium anzuschließen, um dessen Technologie weiterzuentwickeln.

 

GTM Research hat zum Thema die Studie „Building-Integrated Photovoltaics: An Emerging Market“ veröffentlicht:

Die Studie enthält u. a.:

-          Umfassende Produktübersicht nach PV-Technologie und Marktsegment – mit Roll-Out-Plänen für 2010/2011

-          Vergleich verschiedener PV-Technologien – u. a. nach Effizienz und Kosten

-          Analyse weltweiter Solarmärkte um spezifische BIPV-Nischen zu identifizieren und zu definieren

-          Assessment verschiedener Distributionskanäle

-          Ökonomische Analysen und Marktsegmentierung

-          Tiefgreifende Analyse derzeitiger PV- und Gebäude-Standards sowie notwendiger Standards für eine erfolgreiche Produktentwicklung

Für weitere Informationen und Bezug besuchen Sie bitte www.gtmresearch.com oder kontaktieren Sie Herrn Markus Erhard: Greentech Media, Inc.; Fürstenfelder Str. 5 I; 80331 München; Phone: +49 89 20 60 99 762; Mobile: +49 160 967 38 272 (E-Mail senden).

Übersicht der Solar-Technologien und Anwendungen von BIPV-Produkten Quelle: GTM Research
Übersicht der Solar-Technologien und Anwendungen von BIPV-Produkten Quelle: GTM Research