Anmerkung der Redaktion

Im Solarmagazin veröffentlichen wir Kommentare und Stellungnahmen zu Politik und Wirtschaft. Die namentlich gekennzeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Energiewende und Netzausbau oder: Wie viel Leitung braucht man, um zu übersehen, dass man auf derselben steht?!

Wilfried Michalski von www.dachscheich.com stellt in diesem Solar-Standpunkt dar, wie die Energiewende aus seiner Sicht schnellstmöglich realisiert werden könnte.

 

„Wenn ich mich nicht gravierend verschätze, dann läuft -kurz skizziert- seit 'Fukushima' folgendes in Deutschland ab:

1. Erkenntnis: Der Ausbau der Erneuerbaren ist prinzipiell unvermeidbar.

2. Erkenntnisfolge der Politik: Zur 'Konfliktvermeidung' und 'Schadensbegrenzung' ( mit Schadensersatzklagen wegen des Atomausstiegs) gilt es, diese prinzipielle Unvermeidbarkeit strukturell in die angestammten Versorger-Strukturen 'einzupassen'

3. Da diese 'Passform' nur funktionieren kann, wenn die Erneuerbaren von ihren Möglichkeiten hinsichtlich Dezentralität und Energieautonomie 'bereinigt' werden, werden politisch administrativ die Weichen entsprechend gestellt. Vorrangig muss dabei die Photovoltaik „neu justiert“ werden, denn die steht an erster Stelle im Wege, da sie rasante und somit 'gefährliche' Zuwachsraten und große Akzeptanz in der Bevölkerung zu verzeichnen hat.

4. 'Weichenstellung' mit Hilfe diverser (Ver)-Leitmedien und monatelangem Verweis auf „ausufernde Subventionen“, „Überförderung“ etc. zur Diskreditierung der Photovoltaik.

5. Nach medialer Bearbeitung und Lenkung der 'öffentlichen Meinung' zur Marktbereinigung von technologischer Konkurrenz, folgt der Angriff über die Gesetzgebung. Kurzum: Rösler und Röttgen gelingt schon allein über die Ankündigung einer Gesetzesnovelle die Photovoltaik geradezu 'über Nacht' massiv auszubremsen!

6. Nach Ausbremsung der Photovoltaik als schnellstmöglich zu realisierenden 'Nahversorger' die -wiederum unter Einspannung der (Ver) Leitmedien und diverser 'Institute' - Lancierung der 'Alternativlosigkeit' eines Netzausbaus um ca. 4800km.
Ständige Wiederholung auf politischer und korrespondierend-medialer Ebene, dass der Strom nun - und das sei die „große Herausforderung“- mit „Stromautobahnen“ vom Norden aus Offshore-Windparks in den “energie-hungrigen” Süden transportiert werden müsse. Etc.etc....


Wenn die Energiewende gelingen soll… und sie muss gelingen… können wir uns solche teuren Rückwärtsspiralen in die zentralistische Versorgungs-Vergangenheit nicht leisten. Wer wirklich in Deutschland in Zukunft Strom haben will, der "sauber und bezahlbar" sein soll, kommt um den größtmöglichen und verbrauchernahen Zubau der Photovoltaik nicht herum. Nix ist schneller, leichter und kostengünstiger zu bauen als eine photovoltaische Nahversorgung!


Wie könnte es wirklich gehen? Dazu einige Anmerkungen für Schritte in Richtung einer schnellst realisierbaren Energiewende:

1. Ausweisung von Baugebieten nur noch mit Nachweis einer strukturintegrativen Energie-Nahversorgung.
Die Strukturintegration soll, insbesondere bei Gewerbeansiedlungen, die Möglichkeiten einer Vernetzung von energieerzeugenden Betrieben(vor allem mit energetischen 'Abfall'prozessen in der Produktion) und energieverbrauchenden Betrieben berücksichtigt und befördert werden. Synergiemöglichkeiten durch lokale Erzeugungs- und Verbrauchsvernetzungen – auch hinsichtlich Elektromobilität- sind bereits in der Bauleitplanung und Ansiedlungspolitik zu optimieren!

2. Überprüfung aller Flächen für eine Photovoltaik- Nahversorgung. In eine solche Flächenprüfung sind auch alle 'Vorratsflächen' einzubeziehen, die in den nächsten 20-30 Jahren nicht anderweitig bebaut werden.

3. Nach Prüfung aller örtlich/regionalen Erzeugermöglichkeiten* Erstellung eines auf eine optimale Nahversorgung und Dezentralität ausgelegten Bedarfsplans zum Netzausbau.
(*Insbesondere unter Einbindung der Photovoltaik, da diese eine hohe Akzeptanz genießt und sich in der Regel auch optisch so 'einfrieden' lassen, dass keine verzögernden Bürgerproteste zu erwarten sind)

4. Für die so festgestellten unbedingt notwendigen Leitungsneubauten, sind vorhandene Verkehrswege – insbesondere in Bundesverwaltung-wie Autobahnen und Bahnstrecken auf eine Parallel-Nutzung durch Erdkabel-Netze zu überprüfen.
In eine solche Prüfung sind nicht nur etwaige Kostenersparnisse der Netzbetreiber gegenüber Freileitungen über Land einzubeziehen, sondern auch die Vermögensverluste der Trassenanwohner durch Wertverminderung ihrer Immobilien mit einzurechnen.
Eine solche Kostenaufstellung unter Einbezug aller Vermögensverminderungen der Trassenanrainer dürfte die Vorteile von Erdkabel-Netzen schnell aufzeigen.
Bei einer Parallel-Nutzung vorhandener Verkehrswege im Bundesbesitz, könnten tatsächlich die Autobahnen als „Stromautobahnen“ dienen.
( Es dürfte ein vergleichsweise leichtes Unterfangen sein, relativ kurzfristig die Netzkabel in oder an den Seitenstreifen der Autobahnen zu verlegen etc. )

5. Durch eine solche Erdkabel-Überland-Netzstruktur sind zeitraubende Auseinandersetzungen und Gerichtsverfahren vermeidbar. Auch der Kostenfaktor dürfte dabei eher positiv als negativ zu Buche schlagen.

6. Auf der Zeitschiene sind um Jahre verkürzbare Realisierungen möglich.
Die wirkliche „Modernisierung der Netze“ könnte damit ziemlich 'auf dem Absatz' als bürgernahe und volkswirtschaftliche Gesamtunternehmung in Angriff genommen werden.“